9/I Impostors
Während sich James Connor an Luke Fosters Sauerstoffzufuhr zu schaffen machte, bemerkte er nicht, dass hinter ihm inzwischen ein anderer Mann das Zimmer der Intensivstation betreten hatte. Dabei handelte es sich um niemand Geringeres als Jacob Zavigo, der sich in seiner Funktion als Oberarzt nach Lukes Zustand erkundigen wollte. "Was zum Teufel machen sie da?" fragte Jacob ungehalten und stürzte auf James zu, der sofort erschrocken zurückwich und seine Hände abwehrend von sich streckte. "Ich... ich wollte doch nur...," begann James zu stammeln und sein Puls schnellte unweigerlich in die Höhe. "Was wollten Sie?" bohrte Jacob nach, während er Lukes Sauerstoffzufuhr untersuchte. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass Luke weiterhin genug Sauerstoff erhielt, kontrollierte er auch noch die restlichen Maschinen, die an Lukes Körper angeschlossen waren. "Ich hatte das Gefühl, dass Luke zu wenig Luft bekommt," erklärte James schließlich, "also habe ich versucht, die Dosis zu erhöhen." "Sie haben aber genau das Gegenteil erreicht," erwiderte Jacob in einem scharfen Ton, "außerdem haben Sie keinerlei Befugnis, eigenmächtig die Geräte zu bedienen! Wer sind Sie überhaupt?" "James Connor. Ich bin Lukes Schwiegervater in spe." "Sie sind Lianes Vater?" fragte Jacob erstaunt und nahm sein Gegenüber erstmals komplett in Augenschein. "Ganz recht. Woher kennen Sie meine Tochter?" "Ich habe sie letzte Woche im Rahmen eines gemeinsamen Abendessens kennen gelernt. Zu diesem Zeitpunkt konnte wohl keiner ahnen, dass so etwas Schreckliches passieren würde." "Ja, es ist wirklich sehr schrecklich," nickte James und bemühte sich redlich, ein betroffenes Gesicht aufzusetzen. "Wie geht es Liane?" wechselte Jacob nun das Thema. "Den Umständen entsprechend. Ich habe sie von ihrem Mitbewohner nach Hause bringen lassen, damit sie sich etwas ausruhen kann." "Grüßen Sie sie bitte herzlich von mir, wenn Sie das nächste Mal mit ihr sprechen." "Das werde ich natürlich selbstverständlich machen," nickte James, "aber nun sollte ich ebenfalls gehen. Jetzt da ich weiß, dass Luke hier in besten Händen ist, werde ich vielleicht besser schlafen können. Auf Wiedersehen, Doktor." James gab Jacob zum Abschied die Hand und verließ dann so schnell wie möglich die chirurgische Intensivstation. Wenige Augenblicke später überquerte er den Parkplatz vor dem "Redfield Hospital" und ging zielstrebig auf seinen Wagen zu. Dort angekommen zog James sein Handy hervor, wählte eine ihm wohlbekannte Nummer und wartete, bis sich am anderen Ende der Leitung eine weibliche Stimme meldete. "Ich bin’s. Unser Plan ist gescheitert. Wir müssen uns dringend treffen, ich bin in einer Viertelstunde bei dir." Nachdem er das Gespräch beendet hatte, startete James den Motor seines Wagens und brauste davon.
Starring
Jennifer Gareis as Liane Connor
Johnny Messner as Luke Foster
William deVry as Jean Voltaire
Kim Raver as Maria Zavigo
Alex Dimitriades as Steve Morena
Timothy Adams as Jake Webb
Sydney Penny as Silvia Shoon
Molly Sims as Kelly Wyland
Sharon Case as Nancy Gray
Romany Malco as Chris Monroe
Nia Long as Victoria Harris
Guest Starring
Patrick Duffy as Jacob Zavigo
Natalie Imbruglia as Kayla Evans
John Reilly as James Connor
[ Eine Woche später ]
Nicht eine Wolke war am Himmel zu sehen, als Kelly Wyland an diesem Morgen aus ihrem Schlafzimmerfenster auf den South Beach blickte. Gut gelaunt ging sie ins Erdgeschoss hinunter, wo Jake Webb bereits den Frühstückstisch gedeckt hatte. "Guten Morgen," begrüßte Kelly den blonden Mann, der gerade die Tageszeitung studierte. "Morgen," erwiderte Jake und lächelte ihr kurz zu. "Wo sind die anderen?" wollte Kelly wissen, während sie sich am Tisch niederließ und sich eine Tasse Kaffee eingoss. "Liane ist schon recht früh ins Krankenhaus gefahren, um bei Luke zu sein. Und Jean ist auf der Arbeit – nehme ich zumindest an," erklärte Jake und faltete dann die Zeitung zusammen. "Apropos Luke: Hat die Polizei eigentlich mittlerweile herausgefunden, was mit seinem Auto geschehen ist?" fragte Kelly, woraufhin Jake mit den Schultern zuckte. "Soweit ich weiß, nein. Die gesamte Angelegenheit ist einfach nur rätselhaft. Ich bin mir aber mittlerweile ziemlich sicher, dass Kayla etwas mit Lukes Unfall zu tun hat. Warum sonst ist sie spurlos verschwunden?" "Meinst du, Kayla hat versucht, Luke zu töten? Warum sollte sie das tun?" "Das ist es ja eben: Ich kann mir kein plausibles Motiv vorstellen. Aber das herauszufinden ist auch nicht meine Aufgabe, sondern die der Polizei," meinte Jake. "Immerhin haben sie inzwischen begonnen, landesweit nach Kayla zu fahnen." Die Unterhaltung der beiden wurde unterbrochen, als es an der Haustür klingelte. Jake erhob sich von seinem Stuhl und ging in den Flur, um die Tür zu öffnen. Nachdem er dies getan hatte, blickte er in das Gesicht eines Mannes, den er zwar kannte, dessen Gesicht er jedoch nicht recht zuordnen konnte. Chris Monroe hingegen erkannte Jake auf Anhieb wieder und schaute ihn furchteinflößend an. "Kann ich Ihnen helfen?" fragte Jake. "Ich möchte zu Kelly. Ist sie da?" "Einen Augenblick." Jake drehte sich um und rief Kelly zu sich. Diese war äußerst überrascht, Chris zu sehen. "Chris? Was machst du denn hier?" riss sie erstaunt die Augen auf, als sie vor ihm stand. "Ich war zufällig in der Nähe, und da dachte ich mir, schaust du doch mal bei Kelly vorbei und siehst dir ihre neue Bleibe an," erörterte Chris den Grund seines Kommens. Kelly wusste, dass dies eine glatte Lüge war, bat ihn aber dennoch herein. Während Chris sich neugierig im Flur umschaute, warf Jake Kelly einen fragenden Blick zu. "Ex-Freund," flüsterte Kelly hinter vorgehaltener Hand, woraufhin Jakes Beschützerinstinkt geweckt wurde. Kelly merkte, dass sich Jakes Gesichtsmuskulatur von einer Sekunde auf die andere anspannte und er Chris mit Argwohn betrachtete. "Ich hab das unter Kontrolle," versicherte sie Jake, nickte ihm aber gleichzeitig dankbar zu. Jake verstand und begann sich wieder zu entspannen. "Ich lasse euch dann mal besser alleine," meinte er und schloss die Haustür hinter sich, während Kelly Chris ins Wohnzimmer führte.
In Bay Point saß Victoria Harris auf der Veranda und schlürfte genüsslich einen Eiskaffee, als Maria Zavigo und Steve Morena gemeinsam das Gästehaus verließen und händchenhaltend auf Victoria zukamen. "Na ihr," winkte Victoria den beiden zu. "Maria, Schätzchen, du siehst entsetzlich müde aus. War wohl eine heiße Nacht, wie?" Maria hielt es für besser, nicht darauf zu antworten, und schenkte Victoria lediglich ein aufgesetztes Lächeln. In diesem Moment betrat auch Nancy Gray die Veranda. Sie trug ein luftiges Sommerkleid und strahlte wie immer eine herzliche Wärme aus – ganz im Gegensatz zu Victoria, der die Eiseskälte regelrecht ins Gesicht geschrieben stand. Maria wunderte sich in diesem Augenblick abermals, wie zwei so unterschiedliche Frauen wie Nancy und Victoria beste Freundinnen sein konnten – doch waren sie das eigentlich wirklich? Maria war noch immer nicht ganz dahintergestiegen, in welchem Verhältnis die beiden tatsächlich zueinander standen. "Hallo, ihr beiden," begrüßte Nancy Maria und Steve. "Setzt euch doch zu uns, es ist so ein schöner Morgen und die Luft ist einfach nur herrlich." "Tut uns leid, aber wir müssen gleich los," erklärte Maria. "Arbeitest du heute früher? Es ist doch erst halb zehn." "Nein, aber Steve und ich wollten vor meinem Dienstbeginn noch bei Luke vorbeischauen." "Oh, ich verstehe," nickte Nancy mitleidig. Sie hielt einen Moment inne und dachte nach, bevor sie weitersprach. "Hättet ihr was dagegen, wenn ich mitkomme?" Maria und Steve tauschten einen kurzen Blick aus, schütteln dann aber beide mit dem Kopf. "Nein, absolut nicht," erwiderte Maria. "Wir frühstücken noch kurz und fahren dann ungefähr in zehn Minuten los." "In Ordnung," meinte Nancy zufrieden. Nachdem Maria und Steve im Haus verschwunden waren, setzte sich Nancy neben Victoria, welche sie die ganze Zeit über fassungslos angestarrt hatte. "Kannst du mir mal erklären, was das soll?" zischte sie und blitzte Nancy über den Rand ihrer Designer-Sonnenbrille mit zusammengekniffenen Augen an. "Was habe ich denn jetzt schon wieder falsch gemacht?" seufzte Nancy und ließ die Schultern hängen. "Das fragst du noch? Was willst du denn im Krankenhaus? Du kennst diesen Luke doch überhaupt nicht. Das ist doch alles Zeitvergeudung!" "Ich versuche lediglich etwas Mitgefühl aufzubringen. Würde dir übrigens auch nicht schaden. Oder darf ich daran erinnern, dass dein Bruder ebenfalls im Koma lag?" "Woher weißt du davon?" rief Victoria entsetzt aus und schnellte nach vorne. Nancy schluckte und merkte, wie ihr Puls in Windeseile zu rasen begann. "Maria hat mir davon erzählt," erwiderte sie rasch und strich sich nervös ihre langen blonden Haare aus dem Gesicht. "Da fällt mir ein, ich muss noch meine Handtasche holen." Hastig sprang Nancy auf und ging ins Haus, um weiteren Fragen auszuweichen. Misstrauisch schaute Victoria ihr hinterher.
Bei "Connor Enterprises" ging an diesem Tag alles seinen gewohnten Gang: Aufträge wurden ausgeführt, Meetings wurden abgehalten, und auf den Fluren trafen sich die Mitarbeiter, um den allerneuesten Klatsch und Tratsch aus Privat- und Arbeitsleben auszutauschen. James Connor und Jean Voltaire hatten gerade ein Meeting mit einem japanischen Investor beendet und verließen nun den großen Konferenzsaal im ersten Obergeschoss. "Gute Arbeit, Jean. Dank Ihnen haben wir diesen Auftrag sicher," lobte James seinen Angestellten und klopfte ihm auf die Schulter. "Eine meiner leichtesten Übungen," meinte Jean großspurig, was James mit einem breiten Grinsen zur Kenntnis nahm. "Diese Einstellung gefällt mir. Nur wer derart von sich selbst überzeugt ist, kann es in dieser Branche zu etwas schaffen. Wer weiß, vielleicht werden Sie eines Tages in meine Fußstapfen treten. Das Potenzial hätten Sie – nun liegt es an Ihnen, was Sie daraus machen." "Ich denke, ich kann mit meinem Potenzial bestens umgehen," ließ Jean verlauten. "Davon bin ich überzeugt. Wissen Sie was? Nehmen Sie sich den Rest des Tages frei. Sie haben es sich verdient." "Vielen Dank." "Ach übrigens: Wie stehen die Dinge zwischen Ihnen und meiner Tochter?" "Um’s durch die Blume zu sagen: Alles andere als rosig," erwiderte Jean kühl. "Dann nutzen Sie doch den heutigen Tag, um das zu ändern," schlug James vor, was einen irritierten Blick von Jean zur Folge hatte. "Nicht in hundert Jahren," dachte er sich. Danach verabschiedete er sich höflich von James und ging mit erhobenem Kopf den Flur hinunter. Missmutig schaute James ihm hinterher. Wie sollte sein perfekt ausgeklügelter Plan denn aufgehen, wenn immer wieder jemand aus der Reihe tanzte?
"Möchtest du was trinken? Einen Kaffee vielleicht? Wir haben aber auch Orangensaft oder Milch – du hast die freie Auswahl," sagte Kelly, als sie Chris ins Wohnzimmer des Strandhauses führte. "Klingt ja fast, als würdest du jetzt im Paradies wohnen. Da hat sich der Umzug also wirklich gelohnt," erwiderte Chris in einem höhnischen Tonfall. Er stemmte die Arme in die Hüften, während er akribisch jeden Winkel des Hauses studierte und jedes kleinste Detail zu erfassen versuchte. "Okay, Schluss mit dem Theater, Chris. Was willst du?" wollte Kelly endlich eine Antwort von ihrem Ex-Freund haben. "Ist es neuerdings verboten, seine Kollegin zu besuchen?" stieß Chris entrüstet aus. "Langsam wird es wirklich albern. Ich habe dir doch schon tausend Mal gesagt, dass ich es für besser halte, wenn wir unsere Beziehung nur noch auf geschäftlicher Ebene weiterführen. Warum kannst du nicht akzeptieren, dass wir beide keine gemeinsame Zukunft haben? Bitte, Chris, so kann das doch nicht weitergehen. Ich mag dich wirklich gerne, aber solange du mir weiterhin nachstellst, möchte ich auch nicht mit dir befreundet sein, denn langsam machst du mir mit deinem Verhalten wirklich Angst." Chris schwieg und ließ sich ihre Worte durch den Kopf gehen. Langsam dämmerte es ihm, dass er sich wie ein riesengroßer Idiot aufführte und sich lediglich lächerlich machte. Diese Erkenntnis war für ihn äußerst schmerzhaft, gleichzeitig aber auch befreiend. "Du hast Recht," sagte er schließlich. "Scheiße man, du hast tatsächlich Recht. Was habe ich mir nur dabei gedacht?" "Vermutlich gar nichts. Wenn du nachgedacht hättest, wärst du wahrscheinlich schon viel eher zu dem Schluss gekommen, dass du mit deinem Verhalten genau das Gegenteil von dem bewirkst, was du eigentlich erreichen wolltest." "Hmmhmm," brummte Chris und schaute betreten zu Boden. "Es tut mir leid, Kelly. Alleine die Vorstellung, dass du jetzt mit diesem Kerl zusammen wohnst, hat mich rasend gemacht. Ich habe mich da regelrecht reingesteigert und war so wütend auf ihn, dass ich ihm eben zur Begrüßung am liebsten eine reingehauen hätte." "Keine gute Idee – Jake ist definitiv stärker als du," grinste Kelly, woraufhin auch Chris lachen musste. "Ja, das dachte ich mir dann auch, als ich seine Oberarme gesehen habe. Du magst ihn, oder?" Diese Frage verunsicherte Kelly und sie musste erst einen Augenblick überlegen, bevor sie Chris antwortete. "Ja, ich mag Jake – aber nicht mehr als ich dich mag. Mir liegt sehr viel an unserer Freundschaft, Chris. Mit wem soll ich denn sonst mein Trinkgeld teilen?" Erneut musste Chris lachen. "Ich vermisse unsere Gespräche auch," gestand er ihr schließlich. "Also, was hältst du davon, wenn wir die ganzen Ereignisse der letzten Wochen einfach hinter uns lassen und noch einmal ganz von vorne anfangen?" schlug Kelly vor und reichte Chris als Friedensangebot die Hand. Chris überlegte nicht lange und besiegelte die Abmachung mit einem festen Händedruck. "So, und jetzt musst du dich endlich entscheiden, ob du Kaffee, Milch oder Orangensaft trinken möchtest," zwinkerte Kelly ihm zu.
Als sich Jake vor Silvias Wohnung in Morningside wiederfand, wusste er selbst nicht genau, was ihn dazu getrieben hatte, Silvia an diesem Morgen aufzusuchen. Eigentlich hatte er sich vorgenommen, den Kontakt zu ihr aufs Nötigste zu beschränken, doch da er bereits seit zwei Wochen kein Lebenszeichen mehr von ihr erhalten hatte, musste er sich einfach vergewissern, dass es ihr gut ging. Schon alleine die Tatsache, dass sie nicht auf Lianes Geburtstagsparty im "Venom" erschienen war, hatte Jake stutzig gemacht. Auch in den nachfolgenden Tagen hatte Silvia keinen Kontakt mit Liane aufgenommen, was sonst nicht ihre Art war – normalerweise telefonierten die Freundinnen fast jeden Tag miteinander. Demnach konnte Silvia auch noch nichts von Lukes Zustand wissen. Zaghaft drückte Jake auf die Klingel und wartete geduldig, bis Silvia ihm nach einigen Augenblicken öffnete. Jake erschrak förmlich, als er sie erblickte: Sie war kreidebleich, hatte dunkle Ringe unter den Augen und wirkte, als ob sie jeden Moment in Ohnmacht fallen würde. "Du meine Güte," stieß er entsetzt aus. "Was ist denn mit dir passiert? Bist du krank?" Silvia gab keine Antwort und starrte Jake aus hohlen Augen an. "Was willst du?" fragte sie schließlich mit müder Stimme. "Ich habe mir Sorgen um dich gemacht – und wie ich gerade feststelle, war das durchaus berechtigt! Soll ich einen Arzt rufen?" "Du solltest wieder gehen," fauchte Silvia. "Was ist denn bloß los mit dir? Bitte, rede doch mit mir!" flehte Jake sie an. Er versuchte ihre Hand zu berühren, doch sie gab ihm mit einer deutlichen Geste zu verstehen, dass er sich von ihr fernhalten sollte. "Fass mich nicht an. Ich kann deine Nähe nicht ertragen. Du machst alles noch schlimmer," sagte Silvia so leise, dass es fast wie ein Flüstern wirkte. "Bitte geh jetzt," verlieh sie ihrer Forderung Nachdruck und vermied es, Jake in die Augen zu schauen. Bevor Jake noch etwas sagen konnte, schloss Silvia die Tür und ließ Jake verdattert zurück. Er konnte sich beim besten Willen keinen Reim darauf machen, was in den letzten zwei Wochen mit Silvia geschehen war. Jake konnte lediglich ahnen, dass ihr etwas Schlimmes widerfahren sein musste.
Wie jeden Tag seit dem schrecklichen Unfall saß Liane Connor auf der chirurgischen Intensivstation des "Redfield Hospital" und hielt die Hand ihres Verlobten Luke Foster, welcher stets im Koma lag. Liane betrachtete Lukes ausdrucksloses Gesicht und kämpfte erneut mit den Tränen. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als dass er endlich aufwachte, doch je mehr Tage verstrichen, umso geringer war die Wahrscheinlichkeit, dass sich sein Zustand besserte. Zudem hatten die behandelnden Ärzte Liane davor gewarnt, dass Luke – falls er denn jemals aufwachen sollte – lange mit den Nachwirkungen des Sturzes zu kämpfen haben würde. Man musste unter anderem damit rechnen, dass er gelähmt war. Liane war so sehr in ihre Gedanken vertieft, dass sie nicht merkte, wie Maria, Steve und Nancy das Behandlungszimmer betraten. "Hallo Liane," sagte Maria vorsichtig, woraufhin Liane sich umdrehte und ihnen kurz zunickte. Als sie Nancy erblickte, musterte sie sie von Kopf bis Fuß. Nicht eine Sekunde ließ sie Lukes Hand los. "Hallo, ich bin Nancy. Ich war auf deiner Geburtstagsparty, falls du dich erinnerst," stellte sich Nancy vor. Liane nickte erneut und richtete ihren Blick dann wieder auf Luke, dessen Brustkorb sich stets in regelmäßigen Abständen hob und senkte. "Er sieht so friedlich aus," meinte Nancy und stellte sich an das Bettende. "Gibt es schon etwas Neues?" erkundigte sich Maria, doch Liane schüttelte den Kopf. "Dein Vater hat mir gestern gesagt, dass sie noch einige Tests durchführen wollen. Aber ich habe vergessen, was sie genau vorhaben." "Das ist ja auch kein Wunder. Du bist doch vollkommen fertig. Wann hast du denn das letzte Mal geschlafen?" "Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht mal, welchen Tag wir heute haben," erwiderte Liane mit belegter Stimme. "Vielleicht solltest du ein Beruhigungsmittel nehmen. Ich kann dir eins verschreiben, wenn du möchtest," schlug Maria vor. "Danke, aber das ist nicht nötig. Ich muss doch bei Luke bleiben. Er braucht mich mehr als alles andere," meinte Liane kraftlos. "Und ich brauche ihn auch mehr als alles andere," fügte sie einige Augenblicke später hinzu, jedoch so leise, dass es niemand außer ihr hören konnte.
Jakes Besuch hatte Silvia noch mehr aus der Bahn geworfen, als sie ohnehin schon war. Nachdem sie Jake weggeschickt hatte, war sie taumelnd auf ihr Bett gefallen und hatte erneut einen Heulkrampf erlitten. Anschließend hatte es ungefähr eine halbe Stunde gedauert, bis sie sich wieder einigermaßen beruhigt hatte. Nun lag Silvia in den zerwühlten Laken und versuchte langsam die Geschehnisse der letzten zwei Wochen zu rekapitulieren: Sie war nach Italien geflogen, um dort ein Interview mit dem Designer Giorgio Adario zu führen. Die Reise entwickelte sich jedoch zu einem wahren Alptraum, da Silvia von einem Hotelpagen betäubt, vergewaltigt und anschließend mit einer Pistole bedroht wurde. Beinahe heldenhaft hatte Giorgio ihr das Leben gerettet. Am Flughafen hatte Silvia Giorgio versichert, dass sie nach ihrer Vergewaltigung so schnell wie möglich in den Alltag zurückkehren und den Vorfall hinter sich lassen wollte. Doch sobald sie nach Miami zurückgekehrt war, erkannte sie, dass es unmöglich war, diesem Trauma zu entkommen. Silvia hatte ihre Wohnung nicht mehr verlassen, hatte weder ausreichend gegessen noch getrunken und die meiste Zeit im Bett verbracht. Ihrem Vorgesetzten Arthur McGovern hatte sie am Telefon vorgelogen, dass sie sich auf ihrer Reise eine äußerst hartnäckige Grippe eingefangen hatte und womöglich einige Zeit lang nicht zur Arbeit kommen konnte. Während Silvia nun auf ihrem Bett lag und nachdachte, wurde ihr schlagartig bewusst, dass es so nicht weitergehen konnte. Zu hart hatte sie gearbeitet, um sich das Leben aufzubauen, was sie führte – und dieses Leben durfte sie nicht kampflos aufgeben. Kraftlos erhob sich Silvia von ihrem Bett, ging zu ihrem Wandspiegel und erschrak, als sie ihr fahles Gesicht erblickte. Nichts war mehr zu sehen von der hübschen, erfolgreichen Journalistin – sie war nur noch ein Schatten ihrer selbst. "Du brauchst dringend Hilfe, Silvia," sagte sie zu sich selbst und beobachtete ungläubig, wie sich die blassen Lippen ihres Spiegelbilds bewegten. Mit vorsichtigen Schritten ging Silvia ins Wohnzimmer, suchte ihr Handy und holte dann das Telefonbuch hervor. Es dauerte nicht lange, bis sie fündig geworden war. Mit zittrigen Fingern wählte Silvia die gewünschte Nummer und wartete, bis sich am anderen Ende die Zentrale des "Redfield Hospital" meldete. "Sie wünschen?" "Ich würde gerne mit der psychiatrischen Ambulanz verbunden werden," erklärte Silvia ihr Anliegen. "Einen Moment bitte."
Mit zwei Einkaufstaschen in jeder Hand betrat Victoria das "Riders" und ließ ihren Blick durch den Innenraum der Bar schweifen. Eigentlich war sie mit Nancy verabredet gewesen, doch diese war weit und breit nicht zu sehen. Victoria warf einen kurzen Blick auf ihren Blackberry, nur um festzustellen, dass Nancy ihre keine Nachricht geschickt hatte. "Diese dumme Kuh," dachte Victoria und zog einen Schmollmund. Sie beschloss, sich an den Tresen zu setzen und höchstens eine halbe Stunde zu warten, bevor sie nach Bay Point zurückfahren würde. Victoria suchte sich einen freien Barhocker aus und stellte ihre Taschen neben sich auf den Boden. Für einen Augenblick studierte sie die Getränkekarte und bestellte dann einen Mojito. Es war zwar noch recht früh, doch das störte Victoria nicht im Geringsten. Sie musste nur wenige Minuten auf ihr Getränk warten und ließ sich dann das kühle Limettenaroma auf der Zunge zergehen. Nebenbei blätterte sie einem Modemagazin, welches sie in einem Kiosk am Ocean Drive gekauft hatte. Plötzlich hatte sie das Gefühl, beobachtet zu werden. Victoria schaute hoch und sah einen brünetten Mann an der gegenüberliegenden Seite des Tresens sitzen. Als sich ihre Blicke trafen, lächelte er charmant und prostete ihr mit einem Glas Mineralwasser zu. Victoria lächelte zurück und bemerkte, dass der Mann überdurchschnittlich gutaussehend war. Mit einer Geste deutete sie an, dass er zu ihr kommen sollte. Der fremde Mann ließ sich nicht zwei Mal bitten und saß nur wenige Sekunden später neben ihr. "So früh am Tag schon Alkohol?" neckte er sie und versuchte sie damit in einen Gespräch zu verwickeln. "So früh am Tag schon geil?" erwiderte Victoria, ohne dabei die Miene zu verziehen. Der Mann lachte kurz auf, wobei Victoria feststellte, dass er ein umwerfendes Lächeln hatte. "Ich bin übrigens Jean," stellte er sich vor. "Du bist nicht von hier," sagte Victoria ihm auf den Kopf zu. "Stimmt. Du aber auch nicht," entgegnete Jean und schaute ihr tief in die Augen. "Wie hast du das erkannt?" "Du siehst nicht aus wie eine dieser gewöhnlichen Strandschlampen aus South Beach. Du hast Stil, Geschmack und Klasse. Du bist eine echte Lady. Und im Bett fährst du die Krallen aus. Willst die Oberhand haben. Du magst es, Männer deine Macht spüren zu lassen." Victoria schwieg und nahm einen großen Schluck von ihrem Mojito. "Hast du Lust auf eine Narbe?" sagte sie schließlich und fuhr mit ihren langen, spitzen Fingernägeln langsam über Jeans Unterarm.
Während Steve und Nancy zum Kaffeeautomaten gegangen waren, um Liane und sich selbst etwas zu trinken zu holen, und Maria ihren Dienst in der psychiatrischen Ambulanz angetreten hatte, saß Liane noch immer an Lukes Bettkante und starrte ins Leere. Plötzlich klingelte ihr Handy und Liane schreckte aus ihren Gedanken hoch. Sie musste kurz überlegen, bis ihr einfiel, dass sie ihr Handy auf Lukes Nachttisch deponiert hatte. "Hallo?" meldete sie sich mit kratziger Stimme. "Ich bin’s, Kayla," sagte die Frauenstimme am anderen Ende der Leitung. "Kayla?" horchte Liane überrascht auf. Mit einem Mal war sie bei vollstem Verstand. "Wo zum Teufel steckst du?" "Das tut nichts zur Sache." "Was soll das heißen, das tut nichts zur Sache? Wir haben –," wollte Liane weitersprechen, doch Kayla fiel ihr ins Wort und ließ sie nicht ausreden. "Liane, du musst mir jetzt gut zuhören. Was ich dir jetzt sagen werde, wird dir nicht gefallen, aber es ist die Wahrheit. Du erinnerst dich sicher daran, dass ich schwanger war. Luke ist der Vater meines Kindes." "Was erzählst du da für einen Quatsch?" fragte Liane verwirrt. War ihre Freundin möglicherweise verrückt geworden? "Das zwischen Luke und mir hat vor einigen Monaten angefangen. Eines Abends warst du mit deinem Vater essen und Luke kam vorbei. Ich hatte gerade geduscht und nur ein Handtuch um. Ich hab ihn reingelassen, wir haben ein bisschen geredet und dann hat er mir plötzlich das Handtuch vom Körper gerissen. Ich konnte mich nicht dagegen wehren, er hatte die völlige Kontrolle über mich. In den folgenden Wochen wollte er es immer und überall. Einige Male haben wir es sogar im Wohnzimmer des Strandhauses getan. Er liebte das Risiko, meinte, es würde ihn antörnen, dass du jede Sekunde zur Tür reinkommen könntest. Mir war nicht wohl dabei, dich zu hintergehen, doch ihm war das egal – die dämliche Liane würde ja sowieso nie etwas davon erfahren. Auf dich hatte er keine Lust mehr, er wollte nur noch mit mir schlafen. Doch dann wurde ich schwanger. Ich dachte, Luke würde sich für mich entscheiden, doch ihm war das Geld deines Vaters wichtiger. Er wollte mich zu einer Abtreibung zwingen, doch als ich mich weigerte, schlug er mich zusammen und drohte damit, mich und mein Kind zu töten. Verstehst du, Liane, Luke wollte mich umbringen! Nur mit Mühe und Not konnte ich ihm entkommen." "Hast du ihn die Treppe heruntergestoßen?" brachte Liane unter Tränen hervor. "Es war ein Unfall. Ich wollte das nicht," versicherte Kayla ihr. "Du musst zur Polizei gehen! Die Sache muss endlich aufgeklärt werden!" schrie Liane in ihr Handy. "Ich denke, ich habe für heute genug aufgeklärt. Mach’s gut, Liane. Es tut mir wirklich leid, dass du es auf diese Weise erfahren musstest." Mit diesen Worten beendete Kayla das Gespräch, bevor Liane weitere Antworten in Erfahrung bringen konnte. Geschockt ließ sie das Handy in ihren Schoß sinken. Je länger sie über Kaylas Äußerungen nachdachte, desto mehr gab es alles einen Sinn: Kaylas überstürzter Auszug aus dem Strandhaus, ihre plötzliche Schwangerschaft, obwohl sie Liane niemals etwas von einem Freund erzählt hatte, Lukes abweisendes Verhalten und Kaylas spurloses Verschwinden nach Lukes Unfall. Angewidert richtete sie ihren Blick auf den schlaffen Körper von Luke, welcher vor ihr lag. Mit einem Mal wurde Liane übel. Sie sprang auf und rannte auf den Flur hinaus.
Als Kelly vom Einkaufen nach Hause kam, saß Jake mit einer Flasche Bier in der Hand auf der Wohnzimmercouch und schaute sich eine Talkshow im Fernsehen an. "So viel zum Thema 'Wie gestalte ich meinen Tag sinnvoll'," neckte Kelly ihn im Vorbeigehen und brachte dann ihre Einkäufe in die Küche. "Ach, hör bloß auf. Heute ergibt sowieso nichts einen Sinn," brummte Jake missmutig und schaltete den Fernseher aus. "Wieso? Ist was passiert?" rief Kelly aus der Küche. "Ich war vorhin bei meiner Freundin Silvia," erzählte Jake. "Und sie hat mich behandelt, als wäre ich ein Aussätziger. Dabei sah sie selbst aus wie der Tod auf Latschen. Fast wie ein Zombie, es war beinahe unheimlich. Anstatt mit mir zu reden, hat sie mich einfach weggeschickt und mir die Tür vor der Nase zugeknallt. Gut, ich habe sie bei unserem letzten Treffen ziemlich übel abgespeist, aber so habe ich sie noch nie erlebt." "Du kannst jemanden übel abspeisen? Das glaube ich nicht, dafür bist du viel zu nett," fand Kelly. Sie kam aus der Küche zurück und hielt einen roten Apfel in der Hand, in den sie nun herzhaft reinbiss. "Apropos abspeisen: Wie hat das Treffen mit deinem Ex-Freund geendet?" erkundigte sich Jake. "Wir haben zusammen Kaffee getrunken und uns zur Abwechslung mal nett unterhalten," berichtete Kelly. "Im Ernst?" schaute Jake sie zweifelnd an. "Ja – allerdings erst nachdem ich ihm verklickert habe, dass er endlich aufhören soll, mir wie eine Klette nachzulaufen. Ich glaube, er hat es tatsächlich verstanden. Im Grunde ist er ja ein netter Kerl, aber unsere Beziehung, wenn man es überhaupt so nennen kann, hat so was von nicht funktioniert. Da war von Anfang an der Wurm drin." "Du bist wohl nicht so der Beziehungstyp, oder?" "Das würde ich nicht sagen. Aber wenn ich mich ernsthaft auf einen Mann einlasse, dann muss die Chemie wirklich stimmen. Das muss richtig prickeln." Kelly setzte sich neben Jake auf die Couch, streckte die Beine aus und biss ein weiteres Mal von ihrem Apfel ab. "Diese Äpfel sind echt gut, willst du auch mal probieren?" Kelly hielt Jake das Stück Obst hin. Er zögerte einen Moment, biss dann aber ebenfalls hinein. "Ja, wirklich nicht schlecht," meinte Jake mit vollem Mund, während ihm der Saft vom Kinn tropfte. Kelly musste bei seinem Anblick unweigerlich lachen. "Ach Jake, ich wünschte, ich hätte dich schon eher kennen gelernt. Ich hab das Gefühl, dass wir total auf einer Wellenlänge sind." "Wie kommst du zu der Erkenntnis? Nur weil ich zufällig dieselbe Apfelsorte mag wie du?" grinste Jake. "Außerdem habe ich gelogen. Die Äpfel sind ungeniessbar, da brauch ich direkt mal einen Schluck Bier zum Nachspülen." Demonstrativ nahm er die Flasche Bier, hielt sie sich an die Kehle und leerte sie mit einem Zug. "Du Schuft," boxte Kelly ihn spielerisch gegen die Schulter. Dabei nahm sie zu viel Schwung und kippte etwas nach vorne. Kelly und Jake trennten nun nur noch wenige Zentimeter. Beide sahen sich einen Augenblick lang tief in die Augen. Fast wie in Zeitlupe näherten sich ihre Köpfe einander an. Gerade als Kelly ihre Lippen öffnen wollte, dröhnte das penetrante Klingeln ihres Handy durch das gesamte Zimmer. Ruckartig schreckten Kelly und Jake hoch und stießen mit den Köpfen zusammen. Während sich Jake die Hand auf die schmerzende Stirn legte und für einen Moment die Augen schloss, ging Kelly an ihr Handy. "Hallo? – Ach Chris, du bist es. – Was? Jetzt gleich? – Nein, das ist gar kein Problem. Ich bin sofort da. – Bis dann." Kelly steckte ihr Handy zurück in ihre Handtasche und hängte sich selbige um die Schulter. "Das war Chris. Ich muss sofort ins 'Venom', da gibt es irgendeinen Notfall," erklärte Kelly hastig. Sie schnappte sich ihre Hauschlüssel und schlüpfte in ihre Sneakers, bevor sie das Strandhaus verließ. Jake hingegen blieb verdattert und mit klopfendem Herzen auf der Couch sitzen.
Nachdem sie Liane nicht mehr in Lukes Krankenzimmer angetroffen hatten, hatten sich Steve und Nancy auf die Suche nach ihr gemacht. Letztendlich hatte Nancy sie im Vorraum der Damentoilette gefunden, wo Liane wie ein Häufchen Elend und mit tränenverschmierten Make-up vor dem Waschbecken gestanden hatte. Da Nancy der Meinung gewesen war, dass Liane in ihrem momentanen Zustand dringend frische Luft benötigte, waren die drei nach draußen gegangen und hatten sich auf einer Bank vor dem Krankenhaus niedergelassen. "Was ist denn passiert?" fragte Steve nun und schaute Liane besorgt an. "Er hat mich betrogen. Monatelang hat er mich betrogen," schluchzte Liane und weinte bittere Tränen. Nancy zog ein Taschentuch aus ihrer Handtasche hervor und reichte es Liane. Dankbar nahm diese es entgegen und versuchte ihren Tränenfluss zu stoppen. "Bist du dir sicher? Wer behauptet das?" bohrte Steve nach. "Meine ehemalige Mitbewohnerin Kayla. Sie erwartet ein Kind von Luke." Liane brach erneut in Tränen aus, nachdem sie diese Worte ausgesprochen hatte. Steve und Nancy tauschten hilflose Blicke aus. "Ich finde, wir sollten nach Hause fahren. In deinem Zustand solltest du nicht länger hier bleiben müssen," beschloss Steve. "Ich will nicht nach Hause. Dort hat er es mit ihr getrieben, immer und immer wieder," keuchte Liane und rang nach Luft. "Dann bringen wir dich eben nach Bay Point. Ich werde Maria Bescheid sagen." "Meine Handtasche und mein Handy sind noch in Lukes Zimmer," schniefte Liane, "aber ich ertrage es nicht mehr, diesen Mistkerl noch einmal sehen zu müssen." "Soll ich die Sachen holen?" bot sich Nancy an. "Das wäre sehr nett." "Gebt mir fünf Minuten." Nancy lächelte Liane aufmunternd zu und ging dann ins Krankenhaus zurück. Während Steve versuchte, Liane etwas Trost zu spenden, fuhr Nancy mit dem Fahrstuhl auf die chirurgische Intensivstation und betrat nur wenige Augenblicke später Lukes Zimmer. Rasch hatte sie die Handtasche und Lianes Handy gefunden. Doch anstatt das Zimmer danach direkt wieder zu verlassen, näherte sich Nancy dem bewusstlosen Luke, ergriff seine rechte Hand und beugte sich über ihn. "Keine Sorge, ich bin bald wieder da," flüsterte sie ihm zu und fuhr mit ihrer freien Hand zärtlich über die dunklen Bartstoppeln in seinem Gesicht. Als sie Schritte auf dem Flur vernahm, ließ sie von ihm ab und machte sich auf den Weg nach draußen. Vor Verlassen des Zimmers warf Nancy Luke einen Luftkuss zu.











