S1/II Comment la Putain a volé Noël
Es war wie in einem schlechten Film: Kaum hatte Murgy Muschka mit ihren Fingern die Zeiger der Uhr vorgestellt, zog ein dichter Nebel im Festsaal der Burg Flatterfels auf. Ein lautes Pfeifen ertönte und alle Gäste des Maskenballs mussten sich die Ohren zuhalten, anders war es nicht auszuhalten. "Hilfe, hilfe, ich ersticke," hustete Tabatha Bennett und klammerte sich wie ein Affe an ihren Freund Hank Lopez. Nach einigen bangen Momenten verzog sich der Nebel wieder und die Kirchturmuhr schlug zwölf Mal hintereinander. Wie von Geisterhand schaltete sich das kleine Kofferradio ein, das Ruthie Mackenzie damals von ihrer Großtante gestohlen hatte, und das Lied "Santa Claus Is Coming Back To Town" fetzte aus den Boxen. Eine bunte Lichterkette erstrahlte an der Decke und an einer Stelle öffnete sich der Parkettfußboden. Aus dem Loch wurde ein großer Weihnachtsbaum mit Druckluft nach oben gefahren. Viele kleine Kinder, die sich als Engelchen verkleidet hatten, kamen angelaufen und bildeten einen Kreis. Sie fassten sich an den Händen und liefen um den Baum herum, während sie ein Weihnachtslied sangen. Auf dem Buffet lagen Kekse und Punsch, und außerdem frisch zubereiteter Gänsebraten mit Rotkohl. "Ja, ist es denn schon Weihnachten?" fragte Elenath Spirenzi vorsichtig und alle schauten sich mit verwunderten Gesichtern an. "Kommt, wir feiern!" "Juhu!" "Ich will alle Geschenke haben!" riefen alle durcheinander und waren in ausgelassener Stimmung. Nur einer Person gefiel das bunte Treiben ganz und gar nicht: Ruthie Mackenzie. Mit einem finsteren Blick stand sie auf der morschen Holzbühne und plante eine neue Gemeinheit...
"Von wegen Geschenke und so was! Ihr werdet alle bestraft! Dafür werde ich persönlich sorgen!" rief Ruthie Mackenzie schließlich durch ihr Megaphon und sprang mit einem Satz von der Bühne. "Mäckie, die Säge! Na los, wie lange dauert das denn?" wandte sie sich an ihre Cousine, die ihr auf Schritt und Tritt folgte. "Hier," erwiderte Mäckie teuflisch grinsend und händigte Ruthie die kleine Laubsäge aus, mit der sie in der Schule schon tolle Bastelarbeiten gemacht hatte. Auf Zehenspitzen lief Ruthie zu dem großen Weihnachtsbaum und ging auf die Seite, wo sie niemand sehen konnte. Dort setzte sie die Säge an und mühte sich ab, den Stamm kleinzukriegen, denn das war nicht so einfach. Späne flogen in alle Richtungen und Mäckie kam schnell angelaufen, um mit einem Handstaubsauger alle Spuren zu verwischen. "Achtung, es geht los!" kreischte Ruthie schließlich und verpasste dem Baum einen Tritt. Er knickte um und krachte mit einem lauten Getöse in die Menschenmenge und in das Buffet. Alle Gäste versuchten sich in Sicherheit zu bringen, während Ruthie Mäckie das entscheidende Zeichen gab. Mäckie rannte in die Katakomben der Burg Flatterfels und rollte eine große Maschine in den Festsaal, die Ruthie für besondere Zwecke aufbewahrt hatte. Es handelte sich dabei um einen überdimensionalen Staubsauger. "Tja, ihr Trottel, jetzt ist es vorbei mit Frohsinn, Fest und Fröhlichkeit! Heulen sollt ihr fortan!" schrie Ruthie in ihr Megafon und schaltete die Maschine an. In einem rasanten Tempo saugte sie zuerst alle Geschenke, dann die Weihnachtsplätzchen und den Schmuck und schließlich sogar die gesamte Weihnachtsstimmung in den großen Trichter. Ruthie musste sich vor Lachen den Bauch halten, fast wäre sie vor Freude geplatzt. "Ruthie hat Weihnachten gestohlen," jammerten die Partygäste, während über der Burg Flatterfels schwarze Wolken aufzogen...














