8/I La force du destin (2)
Als Hillery Carpenter ihre Augen aufschlug, bemerkte sie die heulende Sirene und die vielen Leute, die sich über sie gebeugt hatten. Eine große Menschentraube hatte sich an der Straßenecke versammelt, an der Hillery und ihre Schwester Carrie in einen Schusswechsel verwickelt worden waren. Hillery wusste nicht Recht, wo sie war, und richtete sich langsam auf. "Blut an ihren Händen!" rief plötzlich eine Passantin mit schriller Stimme und Hillery schaute mit einem apathischen Blick auf ihre Handflächen, die total mit Blut verschmiert waren. Geschockt riss sie ihre Augen weit auf und drehte sich zur Seite, wo sie eine große Blutlache auf dem Boden sah. "Carrie! Wo ist die blöde Hure bloß?" ging es ihr durch den Kopf und sie versuchte sich aufzurichten, doch der Straßenboden war durch das viele Blut so glitschig, dass sie immer wieder hinfiel. In diesem Moment kam ein schwarzer langer Wagen angefahren und durch die Menge ging ein Raunen. Hillery konnte nur Bruchstücke wie "Die arme Frau" und "Sie war doch noch so jung" verstehen und als sie endlich auf ihren Beinen stand, sah sie mit leuchtenden Augen, wie ein weißes Leichentuch über den Körper einer Frau gedeckt wurde – es war niemand Geringeres als ihre eigene Schwester Carrie. Mit großer Genugtuung beobachtete sie, wie zwei Männer die Bahre mit ihrem Körper in den Wagen schoben und die Türen schlossen. "Du hast dein Ziel erreicht, jetzt ist sie erledigt," lachte Hillery boshaft und wollte weglaufen, doch als sie sich umdrehte, wurde sie von zwei Polizeibeamten aufgehalten. "Würden Sie bitte so freundlich sein und mich durchlassen? Ich muss den Bus um 10.48 Uhr erwischen, und wenn ich ihn verpasse, muss ich zwei Stunden auf den nächsten warten," meinte sie und wollte sich an ihnen vorbeidrängeln, doch einer der beiden Männer packte ihren rechten Arm und drehte ihn ihr auf den Rücken. "Nicht so schnell, meine Teuerste. Wie es aussieht, werden Sie noch ein paar Jahre warten müssen, bis Sie wieder in einen Bus steigen können," zischte der Beamte und legte Hillery Handschellen an.
Starring
Morgan Brittany as Hillery Carpenter
Lisa Rinna as Carrie Carpenter
Melissa McCarthy as Dana Beseburgh
Steven Culp as Ben Delany
James Hyde as Hank Bennett
Juliett Mills as Tabatha Lopez
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Nicholle Tom as Graaz Lopez
Thad Luckinbill as Resse Lomax
Kelli McCarthy as Lena Lacroix
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jan Hoag as Murgy Muschka
Cassidy Rae as Valery Bennett
Special Guest Star
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Guest Starring
Jessica Biel as Emba van de Driesche
Alexis Bledel as Sära van de Driesche
Tyne Daly as Hilde Schermutzki
David Gallagher as Harry Crane
"Och menno, ich bin schon ganz heiser vom vielen Schreien," zickte Graaz ihre Freunde an, die noch immer grölend vor der Bühne der Bubsigirls standen. "Außerdem ist es gleich drei Uhr und dann fängt die Bastelzeit in der Kirchengruppe an. Und heute bauen sie schöne bunte Laternen aus Krepp, die man sich ins Zimmer vors Fenster hängen kann, und wenn es dunkel ist, hat man dann keine Angst mehr vor dem bösen Wolf, haben sie gesagt. Und außerdem gibt es heute Gemüsebraten mit Sauerbrot, hmmm, da läuft mir schon das Wasser im Munde zusammen." "Ja, dann geh mal. Aber du kommst doch nachher zu meiner Hochzeit mit Harry, oder?" fragte Valery in einem auffordernden Ton und schaute ihre Cousine mit einem fiesen Blick an. "Aber freilich, Valery, ich will doch dieses wunderbare Fest um keinen Preis missen," lächelte Graaz und hüpfte dann freudig in Richtung Kirche. Als sie weg war, gab es einen furchtbaren hohen Piepston, so dass sich alle die Ohren zuhalten mussten, und dann begann eins der Bubsigirls über ihr Mikrofon zum Publikum zu sprechen. "Hallihallo, mes chers, rien ne va plus! Leider, leider müssen wir euch mitteilen, dass uns unser begnadetes Mitglied Kerrie Golt verlassen hat, da sie ein Stipendium für die Trampolin-Schule bekommen hat! Deswegen veranstalten wir jetzt ein Vortanzen: Alle die gerne ein Bubsigirl sein wollen, dürfen jetzt all ihre Scheu überwinden und ihre Moral über Bord werfen! Ab auf die Bühne, Bubsigirls!" "Oh Gott, ich platze vor Aufregung!" kreischte Bambina und eilte in ihren hohen Lederstiefeln zum Bühnenrand. "Platz da, ich war zuerst da, ich, ich, ich gib ihn mir!" kam plötzlich Sära van de Driesche angelaufen und rammte Bambina mit voller Wucht ihren Ellenbogen in den Magen. Aus den Lautsprechern ertönte das Lied "Babygirl a toujours des douleurs" und alle Bewerberinnen begannen ihr Bestes auf der Tanzfläche zu geben. Mitten auf der Bühne befand sich Sära, die aus einem filzigen Schuhkarton plötzlich ihre holländischen Klocks auspackte und damit im Stepptanz über die Bühne galoppierte. Dabei machte sie keine Anstalten, auf die anderen Rücksicht zu nehmen, und trat eine Konkurrentin nach der anderen von der Bühne. "Ich bin die Beste, ich bin die Beste, ich, nehmen Sie mich!!" krächzte Sära aufgeregt und sang den Text zum Song lauthals mit. "Babygirl a toujours des douleurs, elle ne peut plus courir, elle ne veut dormir plus qu’, mais pas avec moi!"
Auch Carrie Carpenter schlug ihre Augen auf, und sie bemerkte ebenfalls die heulende Sirene und die vielen Leute, die am Straßenrand standen. Eine große Menschentraube hatte sich an der Straßenecke versammelt, an der Carrie und ihre Schwester Hillery in einen Schusswechsel verwickelt worden waren. Carrie wusste im ersten Moment nicht Recht, wo sie war, und richtete sich langsam auf. In diesem Moment kam ein schwarzer langer Wagen angefahren und durch die Menge ging ein Raunen. Carrie hatte starke Kopfschmerzen und konnte nur Bruchstücke wie "Die arme Frau" und "Sie war doch noch so jung" verstehen. Als sie endlich auf ihren Beinen stand, sah sie mit funkelnden Augen, wie ein weißes Leichentuch über den Körper einer Frau gedeckt wurde – es war niemand Geringeres als ihre eigene Schwester Hillery. Mit großer Genugtuung beobachtete sie, wie zwei Männer die Bahre mit ihrem Körper in den Wagen schoben und die Türen schlossen. "Du hast dein Ziel erreicht, jetzt ist sie erledigt," lachte Carrie boshaft und wollte weglaufen, doch plötzlich erblickte sie in der Menge zwei ihr vertraute Gesichter: Es waren Batida de Coco und Koko Schanell, zwei Models, die früher bei Hillery gearbeitet hatten und sie danach auf Schadensersatz verklagt hatten, weil sie bei einem Fotoshooting von herabstürzenden Scheinwerfer verletzt wurden. "Oh nein, wenn Sie mich sehen, ist alles aus!" kreischte Carrie wie eine Maus und holte aus ihrer Lederhandtasche ein Paar kanariengelbe Inliner, die sich anzog und damit in einem Affenzahn in Richtung Krankenhaus düste.
"Steht mir das wirklich? Ich bin mir da nicht so sicher." Hank stand vor dem riesigen Wandspiegel in Tabathas Schlafzimmer und trug einen schwarzen Lumpenmantel, der bereits einige Löcher aufwies, und an einigen Stellen hatte Tabatha auch lustige Micky Maus-Flicken daraufgenäht. "Du siehst scheiße aus, wie immer, mein Schatz," meinte Tabatha lächelnd, "und mach dir keine Sorgen, es ist nur eine Hochzeit – noch dazu nur die Hochzeit von unserer Nichte Valery, da könnten wir selbst gar nicht hingehen und es wäre toll." Sie band ihm seine pinkfarbene Krawatte um die Hüfte und ging dann zwei Schritte nach hinten. "Wunderbar. Der perfekte Look. Weißt du, am liebsten würde ich mir ja mein Lederkorsett anziehen und einen auf Rockerbraut machen, aber das würde mir les petits Valery garantiert übel nehmen. Und dann darf ich nie wieder einen Kaffee in ihrem Café trinken, wäre das nicht furchtbar?" "Da seid ihr ja, warum seid ihr noch nicht fertig?!" Tabitha kam wutentbrannt ins Zimmer gestürmt und trug ein weißes langes mit Spitzen besetztes Kleid. "Wir hatten noch ein paar Designfragen. Aber sag mal, Schwesterchen, das Kleid...," deutete Tabatha auf das Kleid ihrer Schwester. "Was ist damit?" fragte Tabitha ungehalten und wollte schon auf ihre Zwillingsschwester losgehen. "Das... das ist doch das Hochzeitskleid von Valery.... warum trägst du es denn?" "Du weißt aber auch gar nichts! Kennst du nicht den alten Brauch, dass die Brautmutter das Hochzeitskleid trägt? Diese Regel steht sogar im goldenen Buch von Melody Ville – eigenhändig eingetragen von meiner Großmutter Betty-Elizabeth Betteman-Bintenburgh. Du weißt schon, die kleine verhutzelte Frau mit den kurzen Haaren, die immer bei der Quizshow 'Ton prix est mes' mitgemacht hat und sogar mal eine karierte Kaffeekanne gewonnen hat!" schnauzte Tabitha sie an. "Ich weiß, sie ist auch meine Großmutter gewesen," erwiderte Tabatha und ließ sich in geistiger Umnachtung in Hanks starke Arme fallen. "So? Wie dem auch sei, das Taxi wartet und die Glocken rufen." Tabitha drehte sich um und ging die Treppe runter. "Meine Glocken rufen auch, aber darum kümmert sich keiner," schluchzte Hank, während Tabitha und er Tabitha nach unten folgten.
"Oh Gott, Ben, es ist ja alles so furchtbar!" schluchzte Carrie Carpenter, als sie im Krankenhaus angekommen war und sich dem Arzt Ben Delany um den Hals geworfen hatte. Dummerweise war er gerade mitten in einer Operation und Carries Umklammerung behinderte ihn bei seiner Arbeit. "Carrie, geh einen Kaffee trinken oder kauf dir ein Stück Pückler-Torte mit viel Sahne," wimmelte Ben sie ab. "Aber Ben, wenn wir jetzt nicht sofort ins Hotel in der Milabu Avenue fahren und das Zimmer von Hillery auf den Kopf stellen, dann glauben Sie mir nie, dass ich es nicht war!" heulte Carrie wie ein Schlosshund und ließ ihren Kopf auf die Person, die auf dem Operationstisch lag, sinken. "Da muss ich dich enttäuschen. Das Hotel in der Milabu Avenue ist vorgestern abgebrannt und buchstäblich im Papierkorb gelandet. Aber ich habe es läuten hören, dass sie es wieder aufbauen wollen. Naja, du weißt ja, wie das ist, einen Tag so, den anderen wieder so. Mich wundert da ja schon lange nichts mehr," meinte Ben und setzte das Messer am Oberarm des Patienten an. "Ja, toll, super, und was soll ich jetzt machen? Man, selbst auf Hotels ist heutzutage kein Verlass mehr," wetterte Carrie, "weißt du was, ich gehe jetzt aufs Stadtfest und wenn ich zurückkomme, bin ich nicht mehr da!" "Ja, mach das, und schick mir eine Ansichtskarte," meinte Ben und widmete sich wieder seinem Patienten, während Carrie auf ihren Inlinern durch die OP-Türen raste und ins Freie fuhr. Auf dem Weg zum Fest klaute sie einem Kind mit einem hässlichen Topfschnitt noch einen Lolli und trat es in die Büsche, so dass es heulend zu seiner Mama lief.
"Wir haben uns heute hier versammelt, um diese beiden Menschen zum Bund der heiligen Ehe zusammenzuschließen. Wo sind noch schnell die Handschellen?" fragte die Pfarrerin Fanne Bonanza, eine alte Frau, die die Trauung von Valery und Harry in der letzten Sekunde übernommen hatte, nachdem der Vorgänger durch eine Überdosis Traubenbonbons ins Krankenhaus eingewiesen wurde. "Handschellen?" wunderte sich Valery und schaute ihre Mutter, die in dem Brautkleid direkt neben ihr stand, mit großen Augen an. "Ach Kindchen, sag bloß, du kennst den alten Brauch nicht, dass Ehepaare per Handschellen aneinandergeschlossen werden, und das so lange, bis die ersten sieben Jahre überstanden sind? Man sagt doch nicht umsonst, das verflixte siebte Jahr. Den Brauch hat meine Großmutter Betty-Elizabeth Betteman-Bintenburgh eigenhändig ins goldene Buch der Stadt Melody Ville eingetragen," lächelte Tabitha ihrer Tochter zu. "So, das hätten wir, und der Schlüssel wird jetzt auf dem Friedhof vergraben," hechelte Fanne Bonanza und überreichte den Schlüssel einem Kirchendiener, der ihn nach draußen brachte. "Sie dürfen die Brautmutter jetzt küssen." "Wieso die Brautmutter?!" fragte Valery geschockt. "Aber Kindchen, hast du denn noch nie etwas von dem Brauch gehört, dass die Ehemänner Zärtlichkeiten nur mit der Brautmutter austauschen dürfen? Den Brauch hat meine Großmutter Betty-Elizabeth Betteman-Bintenburgh eigenhändig ins goldene Buch der Stadt Melody Ville eingetragen," erwiderte Tabitha und zog danach Harry an sich. Sie gab ihm einen kräftezehrenden Kuss und nahm ihn dann an der Hand, um ihren neuen Schwiegersohn nach draußen vor die Kirche zu zerren. Valery war bestürzt und eilte den beiden nach, doch sie verhakte sich mit ihrem Kleid in einer der Kirchenbänke und fiel erst einmal gewaltig auf die Schnauze. Als sie wieder zu sich kam, war die gesamte Kirche leer und keiner der Hochzeitsgäste war mehr anwesend. "Hey, wo seid ihr denn alle?!" rief sie mit einem traurigen Blick und stürzte nach draußen vor die Kirche, wo sie eifersüchtig beobachtete, wie Tabitha und Harry sich vom Fotografen ablichten ließen. "Oh, ich bin ja so todunglücklich!" schluchzte Valery und hielt sich theatralisch die Hände vors Gesicht. Plötzlich vernahm sie ein lautes Rumoren und als sie die Hände wegnahm, sah sie wie Murgy Mutschka mit Lena Lacroix auf dem Rücksitz ihres Mopeds auf die Kirche zugerast kam. "Schneller, Petruschka, immer zu, immer zu!!" lachte Murgy hysterisch und gab noch mehr Gas. Das Moped raste auf die Hochzeitsgesellschaft zu und Valery war zu geschockt um zu reagieren. Sie wurde von dem Moped erwischt und flog in hohem Bogen in die Hochzeitstorte, die auf einem klapprigen Tisch am Rande der Kirche stand. Lena dagegen flog ebenfalls durch die Luft und schlug sich den Kopf auf den Stufen der Kirche auf. Zu guter Letzt raste Murgy noch auf das Festzelt zu und zerschredderte das gesamte Buffet zu Kleinholz, bevor sie kopfüber in der Möhrensuppe landete. Die Hochzeit war ruiniert.
"Oh man, ich bitte Sie, Sie tun ja fast so, als wenn es ein Strafdelikt wäre, was ich getan habe," meinte Hillery lachend, als sie immer noch mit Handschellen gefesselt auf einem Stuhl einem Schreibtisch im Polizeipräsidium von Melody Ville saß. "Nun, wenn es kein Strafdelikt war, als was würden Sie es dann bezeichnen?" fragte der Beamte und spielte nebenbei mit seinem Handy herum. Der darin enthaltene Taschenrechner faszinierte ihn besonders, denn jetzt konnte er endlich ausrechnen, wie viele Frauen ihm bereits einen Korb gegeben hatten. Das Ergebnis war jedoch so erschreckend, dass er das Handy schnell auschaltete und in einer Schublade verschwinden ließ. "Nun, ich würde es eher als eine Art Notwehr bezeichnen. Wissen Sie, ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, die Welt von meiner Schwester zu befreien. Sie wollte damals in New York mein Leben zerstören und hat versucht so auszusehen wie ich," brach Hillery theatralisch in Tränen aus. "Im Ernst? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es tatsächlich eine Person auf dieser Welt gibt, die so aussehen will wie Sie," lachte der Beamte aus vollem Hals. "Halten Sie bloß Ihr dreckiges Schandmaul, Sie kleine Hurenschlampe, sonst sind Sie der nächste, der sich ein Grab bestellen darf," zischte Hillery und haute mit der Faust auf die Tischplatte. "Schätzchen, jetzt bekommen Sie auch noch eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung und öffentlicher Drohung an den Hals. Ich bin gespannt, wie Sie da ihren Kopf aus der Schlinge ziehen wollen," lächelte der Beamte fies. "Lollo, führen Sie die Gefangene sofort in ihre Zelle!" Lollo war eine stämmige Polizistin mit einem Gorillagang, die Hillery am Kragen packte und hinter sich herschleifte. "Sie kriegen Zelle an hinteres Ende von Gang," sprach Lollo in gebrochenem Englisch und deutete mit ihrem Arm auf eine dunkle Zelle, an deren Wand schon deutliche Risse zu sehen waren. "Lassen Sie mich los, ich beiße!" drohte Hillery und wollte in Lollos Bein beißen, doch stattdessen erwischte sie den Boden und schlug sich beide oberen Schneidezähne aus. "Sie haben Genossin in Zelle, hat ähnliche Erfahrung mit Mord, hat auch Schwester umgebracht," erklärte Lollo und schloss mit ihrem dicken Schlüsselbund die Zellentür auf. Sie packte Hillery und warf sie mit einem Ruck in die mit Stroh ausgelegte Zelle. Danach verschwand Lollo und Hillery schaute sich ängstlich um, bis sie ihre Zellengenossin erblickte, die ihr den Rücken zugewandt hatte. "Hallo, ich... ich... ich bin Hillery Carpenter..." begrüßte Hillery sie zögerlich. "Ich weiß," antwortete die Frau mit ruhiger Stimme und drehte sich zu Hillery um. "Ich auch." Hillery erstarrte vor Schreck: Die Frau, die gerade vor ihr saß, war sie selbst. Hillery wurde schwarz vor Augen und sie sackte ohnmächtig ins Stroh.
"Oh Gott, sie muss vollkommen durchgeknallt sein!" ereiferte sich Luis über Säras Ausraster auf der Bühne. Momentan war sie dabei, den Besentanz zu machen und kehrte damit alle ihre Konkurrentinnen in den Sperrgraben vor der Bühne. "Ich muss schon sagen, Sära ist wirklich eine begnadete Tänzerin, und Talent sollte man fördern. Jaja, wenn ich da an meine Nichte Olga Ilonka denke, die wollte ja auch immer Sängerin werden – aber se war ja zu nix zu gebrauchen, dooo," sagte Hilde Schermutzki, die Lehrerin, die sich zu Luis gesellt hatte und das Treiben auf der Bühne beobachtete. Insgesamt war das Stadtfest von Melody Ville im vollen Gange und überall waren fröhliche Gesichter zu sehen. Carrie Carpenter stand hinter einer Absperrung und schaute sich die Parade der "Lolli-Poppers" an, die gerade in bunten Kostümen auf der Straße diverse sexuelle Aktionen andeuteten und die Leute damit zum Lachen brachten. Auch Carrie musste lachen – so sehr amüsiert wie auf diesem Fest hatte sie sich schon lange nicht mehr. Vor allem gab es da nicht mehr diese ständige Angst, dass Hillery mit einem Anschlag irgendwo auf sie wartete. Carrie wollte gerade tief durchatmen, als sie ein komisches Geräusch vernahm. Zwei Sekunden später sah sie ein kleines blondes Mädchen um die Ecke flitzen, das sie schon einmal gesehen hatte. "Das ist doch.... Ruthie!" fiel es Carrie mit Schrecken ein und sie rannte Ruthie hinterher. Doch das war eine Falle: Kaum war Carrie um die Ecke gebogen, wurde ihr von Ruthie eins mit einer Bratpfanne übergebraten und sie sackte bewusstlos zu Boden. Ruthie schnürte ein Lasso um Carries Körper und pappte noch eine Briefmarke oben drauf. Danach öffnete sie die Klappe eines Briefkastens für Pakete – solche gab es übrigens nur in Melody Ville – und warf Carrie hinein. "Viel Spaß in Caracas," grinste Ruthie und wischte sich die Finger an ihrem Gucci-Kleid ab. Inzwischen hatten sich neben Luis, Emba, Hilde und Bambina auch Resse, Dana, Ben, Sära, Koko und Batida an der Bühne versammelt. Ruthie hatte alles genauestens vorbereitet und wartete nur noch auf den geeigneten Augenblick. "Passt auf, sie hat Bomben!" rief Carrie plötzlich durch die Klappe des Briefkastens, nachdem sie sich von ihrem Lasso befreit hatte. Alle schauten geschockt in ihre Richtung. "Aber, aber, es nicht so wie es aussieht...," kam Ruthie atemlos angelaufen, strich sich verlegen die Haare aus dem Gesicht und brachte dann einen kleinen Mini-Sender zum Vorschein, auf dem ein rotes Licht blinkte. "Es ist viel dümmer...!"














