7/I La force du destin (1)

Es war kurz vor Mitternacht, als sich der sonst so freundliche Friedhof von Melody Ville in Nebel einhüllte. Mit einem Schlag schlossen sich die großen Friedhofstore und ein Blitz ließ das Denkmal von Melody Ville in der Mitte des Friedhofs hell erstrahlen. Ein kräftiger Donnerschlag war zu hören und mit einem Mal kam ein heftiger Windstoß auf. Große Schwärme von Fledermäusen kamen aus ihren Verstecken hervor und flogen über den Friedhof hinweg. Dann begann es wie wild zu donnern und zu blitzen und der Wind fegte über die Gräber hinweg. Aus der finstersten Ecke war ein markerschütternder Schrei zu hören, der selbst Tote wieder zum Leben erwecken könnte. Und so geschah es auch. Der Vollmond warf an genau diesem Abend sein ganzes Licht auf einen bestimmten Grabstein. Plötzlich begann die Erde des Grabes zu beben, so dass der Grabstein umfiel. Dann schug die Kirchturmuhr in der Ferne zwölf Mal. Wie aus dem Nichts griff eine kleine zierliche Hand ins Freie. Sekunden später stieg eine weibliche Person auf und klopfte sich die Erde von ihrem Gucci-Kostüm. Ihr bleiches Gesicht erschein im Licht des Mondes noch bleicher. Es war Ruthie Mackenzie...



Starring
Morgan Brittany as Hillery Carpenter
Lisa Rinna as Carrie Carpenter
Melissa McCarthy as Dana Beseburgh
Steven Culp as Ben Delany (credit only)
James Hyde as Hank Bennett (credit only)
Juliett Mills as Tabatha Lopez
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Nicholle Tom as Graaz Lopez
Thad Luckinbill as Resse Lomax (credit only)
Kelli McCarthy as Lena Lacroix
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jan Hoag as Murgy Muschka
Cassidy Rae as Valery Bennett
Special Guest Star
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Guest Starring
Sandra Bernhard as Marjorie Lydy
Jessica Biel as Emba van de Driesche
Alexis Bledel as Sära van de Driesche
Neal McDonough as Pussy Crimson

Ein neuer Morgen war in Melody Ville angebrochen. Die Sonne schien freundlich vom Himmel, die Vögel zwitscherten in den Kirschbäumen und überall liefen die Menschen mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen durch die Stadt. Nun gut, zumindest fast alle Menschen, denn im Hause Bennett hing an diesem Morgen der Haussegen wieder gründlich schief. "Trink jetzt endlich deine verdammte Milch aus!" schrie Tabitha aufgebracht und setzte ihrer Nichte Graaz die Flasche an den Mund. Sie gab ihr noch einen Schlag auf den Hinterkopf und öffnete dann mit Gewalt Graaz’ Mund, damit die Milch in ihren Hals fließen konnte. Graaz verstand überhaupt nicht, wie ihr geschah, und sie ließ es willenlos über sich ergehen. "Du hast sie wohl nicht mehr alle, lass sofort meine Tochter in Ruhe!" Tabatha kam in einem rotfarbenen Nachthemd in die Küche gestürmt, auf ihrem Kopf befand sich dazu noch eine neckische Haarschleife in allen Farben des Regenbogens. "Was willst du denn, du billiges Flittchen? Sie muss die Milch trinken, um groß und stark zu werden!" meinte Tabitha mit erhobenem Zeigefinger. "Meine Tochter ist groß und stark genug, um deinen fetten Arsch mit einem Tritt an die Luft zu befördern!" Tabatha sprang mit einem Satz auf den Küchentisch und schlug ihrer Schwester die Milchflasche aus der Hand. Sie zersplitterte in tausend Scherben und zerschnitt Graaz das ganze Gesicht. "Oh mein Gott, Kindchen du blutest ja!" schrie Tabatha verzückt und holte ihr Handy aus der Tasche, um den Notarzt zu rufen. "I wo, Mama, das ist nur Theaterblut," klärte Graaz ihre Mutter gelassen auf, "manchmal sitzt mir einfach der Schalk im Nacken, ich hoffe du verstehst das." "Natürlich, ich habe vollstes Verständnis dafür. Und jetzt geh endlich in die Schule, du weißt ja, wenn du zu spät kommst, gibt’s Bibelverbot, ne?" "Jaja, Mama." Graaz gab Tabatha noch einen Schmatzer auf die Wange und hüpfte dann im Hopserlauf durch das große Gartentor.

Pfeifend schlenderte Hillery Carpenter durch die Straßen von Melody Ville und kaute nebenbei an einer Bockwurst, die sie sich beim Metzger um die Ecke besorgt hatte. Es war ihr Leibgericht – und sie würde dafür sogar einen Mord begehen, wenn sie Heißhunger auf Bockwurst hatte. "Hmmm, das schmeckt," sagte sie genüsslich zu sich selbst. Während sie so weiterging, sah sie von weitem eine Frau, die einen schwarzen Trenchcoat und einen schwarzen Schlapphut trug. Zuerst dachte sich Hillery nichts dabei, doch dann wurde die böse Vorahnung zur Gewissheit: Es war ihre Schwester Carrie, die an einem Baum gelehnt per Handy telefonierte. "Ich möchte Ihnen mitteilen, dass meine Schwester Hillery gerne ihre Organe spendet, wenn sie morgen zu Ihnen ins Leichenschauhaus gebracht wird," hörte Hillery ihre Schwester süffisant sprechen. "So haben wir nicht gewettet, du Hure!" Hillery rannte auf Carrie zu und rempelte sie rabiat an, so dass ihr Handy zu Boden fiel. Hillery sprang mit ihren Lackstiefeln darauf herum, so dass es in alle Einzelteile zerfiel und wandte sich danach an ihre verhasste Schwester. "So, du planst also wieder mich umzubringen, ja? Du hast also immer noch nicht genug!" "Gut kombiniert, du billige Fummelschlampe!" kreischte Carrie und stürzte sich auf Hillery. Die beiden fielen zu Boden und gerieten in eine üble Schlägerei mit allen Raffinessen. Plötzlich löste sich ein Schuss und beide Schwestern sackten regungslos auf dem Asphalt zusammen.

"Beim nächsten Ton ist es: 15 Uhr und 13 Sekunden. Bong!" rief Sära van de Driesche fröhlich aus und klatsche vergnügt in die Hände, während sie auf ihrem roten Bobbycar durch die Wohnung von sich und ihrer Schwester Emba fuhr. "Was ist denn hier los?" wunderte sich Sära, die mit einer Schüssel voll mit grünen Wackelpudding aus der Küche kam. "Pass doch auf und nimm die Kurven nicht so eng, sonst gibt es noch ein Unglück!" "Ach... keine Sorge... ich hab doch schon zehn Fahrstunden hinter mir...," winkte Sära und raste auf das große Panoramafenster zu. In letzter Sekunde riss sie das Lenkrad zur Seite und wollte drehen, doch unglücklicherweise verhedderte sich ihre Zahnspange in der Gardine. "Oh, das wird böse enden!" kreischte Emba und versuchte aus dem Weg zu springen, doch es war zu spät: Sära warf sich in letzter Sekunde von ihrem Bobbycar, das ungebremst gegen Embas Schienenbein knallte. Durch den Aufprall verlor Emba das Gleichgewicht, stürzte nach vorne und warf die Schüssel in die Luft. Sära dagegen riss durch den Fall die Gardinenstange aus der Verankerung und wurde von dem Stoff vollkommen bedeckt. Emba versuchte den Sturz aufzufangen, doch sie stolperte über die Gardinenstange und knallte mit dem Kopf gegen die Fensterscheibe. Zu allem Übel fiel ihr auch noch die Schüssel auf den Kopf und die ganze grüne Pampe verschmierte ihre Haare zu einer ekelhaften Masse.

"Wer sind die denn?" wunderte sich Luis Figaro, als er mit Valery, Graaz und Bambina über die für den Autoverkehr gesperrte Hauptstraße von Melody Ville lief, wo gerade alles für das große Stadtfest vorbereitet wurde. Auf einer Bühne standen vier Frauen, die in rosafarbenen Overalls merkwürdige Tanzeinlagen probten. "Oh mein Gott, das sind ja... sind ja...," geriet Graaz ins Stocken, als sie die Gruppe erkannte. "Die Bubsigirls!" vollendete Bambina laut schreiend ihren Satz und sprang mit Graaz vor lauter Freude im Kreis herum. "Meine einzigen Idole! Ich fasse es nicht! Ich bin schon Fan von ihnen, noch bevor es die Gruppe überhaupt gab! Ich wollte auch immer ein Bubsigirl sein, ich habe alle Fanartikel von ihnen, Haarklammern, Tattoos, sogar die löcherigen Kniestrümpfe mit den Miss Piggy-Aufdrucken habe ich mir gekauft – nur weil die Bubsigirls sie hatten!" kreischte Bambina aufgeregt. "Ach ja, ich erinnere mich, die hatten doch schon mehrere Nummer 1-Hits in den Charts oder?" mischte sich Valery ein. "Ja, da waren unter anderem 'Left to Right', 'Up and Down' und 'Front to Back', alles super Hits, ich kann jede Zeile mitsingen!" schrie Bambina und streckte ihre Hände nach den Bubsigirls aus, doch die waren gute zwanzig Meter von ihr entfernt und hatten sie nicht einmal bemerkt. "I want to make love to you, from left to right, I want to hold your hand, from left to right! Every day and every night!" "Habe ich was auf den Ohren, oder singen die gar nicht?" fragte Luis verstört, da die Bubsigirls nur auf der Bühne herumhüpften und nicht einmal Mikrofone aufgestellt waren. "Nein, eigentlich nicht," antwortete Graaz. "Und wieso kennt Bambina dann die Liedtexte auswendig?" "Die hat sie sich selbst ausgedacht, weil sie so gut auf die Musik passen," klärte Graaz Luis auf, "aber die Musik stammt auch nicht von den Bubsigirls, sondern ist nur zusammengeklaut. Die mischen immer mehrere Lieder von anderen Gruppen zusammen und verkaufen es als ihr eigenes." "Echt? Das ist ja cool." Luis begann ebenfalls zum Takt der Musik mitzuwippen. Schließlich begann er auch genauso wie Bambina zu grölen und auch Graaz und Valery stimmten mit ein. "I want to make it with you, from front to back, I want to feel your heart, from front to back!"

"Ich habe zehn Dollar für diese Haarverlängerungen ausgegeben – und jetzt ist alles zunichte! Und alles nur wegen dir, du kleine Arschprinte!" keifte Emba und befreite sich langsam aus ihrer misslichen Lage. "Dafür kriegst du zwei Wochen lang keinen Nachtisch!" "Es ist kaputt," schluchzte Sära und stand in Tränen aufgelöst in der Mitte des Wohnzimmers. "Was denn?" fragte Emba gereizt und versuchte den Pudding aus ihren Haaren zu kratzen. "Das schöne Auto, brumm brumm!" kreischte Sära und warf sich auf den Fußboden, um vor Wut mit den Fäusten darauf herumzuhämmern. "Halt jetzt den Mund und steh sofort auf! Du hast heute noch einiges zu tun," befahl Emba ihrer Schwester und holte ihren Taschenrechner aus der linken Hosentasche. "Kann ich jetzt gehen?" Gähnend kam Dana aus dem Schlafzimmer und trug nichts aus einem Schal und einem Slip. "Ja. Wir haben genug Sexvideos von dir, die wir jetzt teuer im Internet verkaufen können. Es war wie immer nett mit dir zu plaudern, Schätzchen," lächelte Emba verboten und tauschte mit Dana innige Zungenküsse aus. "Los, Sära, nimm ihr die Handschellen ab und setz sie am Hafen ab," befahl sie ihrer Schwester. "In Ordnung," nickte Sära und nahm Dana an der Hand. "Halt, warte eine Sekunde! Schau dir ihre Haare an, sie gefallen mir sehr gut...," überlegte Emba und griff dann zu einer Schere. Innerhalb von fünf Sekunden hatte sie einmal rundherum Danas Haare abgeschnitten, so dass Dana jetzt einen modischen Pottschnitt trug. "So, jetzt kann ich mir das Geld für neue Haarverlängerungen sparen," grinste Emba zufrieden und packte Danas Haare in einen Gefrierbeutel. "Aber Emba, mir ist da was aufgefallen, in Melody Ville gibt es doch gar keinen Hafen?" meinte Sära ängstlich und kaute an ihren Fingernägeln. "Na und, dann lass es halt so aussehen, als wäre es ein Hafen! Und das mir hinterher keine Klagen kommen!" meinte Emba herrschsüchtig und verschwand dann im Badezimmer, um sich Danas abgeschnitte Haare mit Tesafilm anzukleben.

Erst vor einer Stunde war Marjorie Lydy aus der Ausnüchterungszelle der Polizeiwache entlassen worden, nachdem sie vollgepumpt mit Drogen aus dem Fenster im Krankenhaus gesprungen war. Zum Glück befand sie sich nur im Erdgeschoss, so dass sie gerade mal einen Meter hinuntergestürzt war, doch die Polizei hatte sie aufgegriffen und für die Nacht in Gewahrsam genommen. "Da da di di dumm," sang sie fröhlich vor sich hin, während sie den Hausflur betrat und durch den düsteren Gang zu ihrer schäbigen Wohnung gehen wollte. Plötzlich hörte sie ein Knacksen und hinter ihr erschien wie aus dem Nichts ein Mann, der etwa Anfang 30 war und ziemlich verwahrlost aussah. Sein Name war Mischa Crimson, doch er wurde von allen nur "Pussy" genannt, da er eine große Vorliebe für Katzen hatte. "Guten Morgen, Pussy," sagte Marjorie ängstlich und drückte sich gegen die Wand, um ihm zu entkommen. "Guten Morgen, Miss Lydy," antwortete Pussy in einem strengen Ton und brachte hinter seinem Rücken eine Bohrmaschine zum Vorschein. "Du warst nicht artig, mein kleines Kätzchen, wir hatten gestern eine Verabredung, aber du bist einfach nicht gekommen, das war nicht nett von dir," meinte er mit erhobenem Zeigefinger und schaute Marjorie bedrohlich an. Seine Augen funkelten wie Kieselsteine. "Es tut mir leid, aber... aber... die armen Täubchen im Stadtpark, die hatten ja nix zu essen, also wollte ich noch etwas Brot für sie kaufen, und dann hab ich die Zeit vergessen und nicht mehr an unser Date gedacht," brach Marjorie in Tränen aus, "du weißt doch wie viel Tinkerbell, Lulu, Adebar und die anderen immer verdrücken, und ich musste doch sichergehen, dass die kleine Shou-Shou auch noch einen Brotkrumen abkriegt!" "Deine Rumvögelei interessiert mich nicht!" schrie Pussy und verpasste Marjorie eine saftige Ohrfeige. Danach ließ er die Bohrmaschine an und ging auf Marjorie zu.

Die Vorbereitungen für das Stadtfest liefen auf Hochtouren. Alle Straßen in Melody Ville waren festlich geschmückt und jeder Bewohner der Stadt war voller Vorfreude. "Hallo Murgy," rief Tabatha ihrer Nachbarin zu. "Ist es nicht ein schöner Tag?" "Es iiist iimmer ein schöööner Taaag in Melody Ville," erwiderte Murgy, die hinter sich einen Sack herzog, indem sie die bewusstlose Lena gefangen hielt. "Ich könnte hier eine helfende Hand gebrauchen. Ich würde gerne die Girlande über unserer Haustür befestigen," sagte Tabatha erwartungsvoll. "Tuuut mir waaaahnsinig Leid, meine Liiiebe. Aber ich muuuss die Tombola vorbereiten. Keine Zeit, keine Zeit!" antwortete Murgy kurzangebunden, bevor sie mit samt dem Sack hinter der nächsten Ecke verschwand. "Faules Stück," zischte Tabatha und zog mit einem Ruck an der Girlande, damit sie festsitzen sollte, doch stattdessen fiel alles herunter und sie konnte noch einmal von vorne anfangen. Inzwischen kam Murgy hinter einer vertrockneten Hecke an und stellte den Sack mit Lena neben einer überfüllten Mülltonne ab, aus der es bestialisch stank. "Hieer gehörst doo hiin," befand Murgy und erinnerte sich im selben Moment daran, dass sie noch etwas wichtiges zu erledigen hatte. Sie langte in ihre Manteltasche und brachte ein unförmiges, klobiges Gerät zum Vorschein. Es machte "Bip Bip" und Murgy zog an einem kleinen Stab, der sich als Antenne entpuppte. "Praaktische Erfindung, diesen Handys, so waas sollte öfter geben," freute sich Murgy und tippte mit ihren Wurstfingern eine Nummer ein. Wie ein Hund legte sie ihr rechtes Ohr an den Hörer und horchte gespannt, wie es in der Leitung knisterte. "Spolek Muschka?" meldete sich eine verruchte Männerstimme am anderen Ende. "Hiiier Murgy," antwortete Murgy und schaute sich verstohlen um, "isch wooollte disch nuuur mitteilen, daas die Operation 'Lolek und Bolek' heute Abend über den Büühne gehen wird. Over." "Roger. Over," erwiderte Spolek und legte auf. Murgy rieb sich freudig die Hände und stapfte in ihren dicken Gummistiefeln die Straße hinunter, um noch ein paar Utensilien für ihre Überraschung zu besorgen...

Letzte Aktualisierung: 10.06.2010

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