43/VI La pute et la garce

Die Bewohner von Melody Ville befanden sich nun schon seit mehreren Tagen auf dem Weg nach Harmony Bay. Der von Murgy Muschka gesteuerte Bus kämpfte sich durch Berge und Täler, über Flüsse und schier endlose Brücken, sowie durch grüne Auen und stickige Wüstengebiete. Die lange Reise hatte bei den Bewohnern bereits tiefe Spuren hinterlassen: Alle waren erschöpft und der Schlafentzug zerrte an jedermanns Nerven, da auf den harten Sitzbanken an erholsamen Schlaf nicht zu denken war. Zudem waren beinahe alle Vorräte aufgebraucht. Nachdem der Bus ein Hochmoor durchquert hatte, legte Murgy eine kurze Pause ein, um neue Kraft zu tanken. Dies konnte sie am besten beim Meditieren. Dazu zog sie ein kleines Tuch aus ihrer Jackentasche und faltete es sorgfältig auf, so dass ein richtiger Teppich zum Vorschein kam. Danach setzte sie sich darauf, sagte laut "Hü Hott" und kurz darauf erhob sich der Teppich in die Lüfte. Anschließend schwebte sie mehrere Meter in der Luft und summte immer wieder die Melodie von "Nadia’s Theme", wodurch sie sich selbst in Trance versetzte.

In der Zwischenzeit wollten die restlichen Bewohner ihren Hunger und Durst stillen und teilten die kümmerlichen Reste ihrer Vorräte untereinander auf. "Wir haben kein Trinkwasser mehr! Nicht eine einzige Flasche!" stellte Trudy bestürzt fest und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. "Gar nicht wahr! Ich habe genau gesehen, dass Ruthie noch eine Flasche in ihrem Rucksack gebunkert hat," meldete sich Tabitha zu Wort. "Ach, daher lässt das Aas ihren Rucksack nicht eine Sekunde aus den Augen," schaltete Raoul und ging auf Ruthie zu, die sich abseits der Gruppe postiert hatte. "Gib die Flasche her oder es setzt was!" forderte er sie auf und versuchte ihr den Rucksack vom Rücken zu reißen. "Finger weg! Das Pfandgeld gehört mir!" zischte Ruthie und versuchte Raouls Attacken mit einem gekonnten Karatetritt auszuweichen. Nach einigen Rangeleien gelang es Raoul, die Wasserflasche zu greifen, doch auch Ruthie hielt sie fest umklammert. Schließlich konnte Ruthie ihren Angreifer abschütteln. Sie verlor jedoch das Gleichgewicht und warf die Glasflasche absichtlich auf den felsigen Untergrund, so dass die Flasche in tausend Scherben zersprang und sich der flüssige Inhalt auf dem Erdboden verteilte.

"Na, wer möchte jetzt noch was trinken?" lachte Ruthie garstig und hielt sich den Bauch vor Lachen. "Oh my God! You gotta lick it, before es sickert," schrie Bambina vollkommen außer sich. Sie ließ sich theatralisch auf die Knie fallen und leckte gierig den durchgeweichten Untergrund ab, wodurch sich vertrocknetes Moos zwischen ihren Zähnen verfing. "Du verdammtes Miststück!" zischte Tabitha und ging mit geballter Faust auf Ruthie los. "Du hast schon einmal versucht, uns alle ins Verderben zu stürzen!" "Auf sie mit Gebrüll!" riefen nun auch die anderen Bewohner und bildeten einen Halbkreis um Ruthie. Die stand mit dem Rücken zu einer Felswand und konnte auf die Schnelle keinen Ausweg aus dieser brenzligen Situation finden. Unweigerlich musste sich Ruthie an ein ähnliches Ereignis erinnern, welches schon einige Jahre zurücklag. Auch damals hatte sie ganz Melody Ville gegen sich aufgebracht...



Starring
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Halle Berry as Eschke Doughter (credit only)
Francis Capra as Raoul Figaro
Jan Hoag as Murgy Muschka
James Hyde as Hank Bennett (credit only)
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jesse Metcalfe as Luis Figaro (credit only)
Juliett Mills as Tabatha Lopez (credit only)
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie
Nicholle Tom as Graaz Lopez (credit only)
Special Appearance by
Cassidy Rae as Valery Bennett
Guest Starring
Thaily Amescua as Romina duVall
Andrea Evans as Trudy Mackenzie
Constanza Fernández as Jadira
Rosita Pelayo as Kikis van der Velle
Alejandra Procuna as Marjena
John Stamos as Dimitry

Die Baker Street in Melody Ville war seit jeher ein heißes Pflaster gewesen. Hier tummelten sich vor allem Bordsteinschwalben, die an jeder Straßenecke auf zahlungswillige Freier warteten. Aus dem ganzen Umland kamen die Männer in die Baker Street, um ihre Gelüste auszuleben. Und sie wurden keinesfalls enttäuscht. Ja, in der Baker Street wurde so mancher Traum wahr – andere Träume jedoch zerplatzten wie rissige Kondome.

In einem der baufälligen Häuser in der Baker Street hatte Valery Bennett die gesamte oberste Etage angemietet. In diesen Geschäftsräumen, wie sie es gerne nannte, hatte sie binnen weniger Monate den besten Call-Girl-Ring aus dem Boden gestampft, den man sich nur vorstellen konnte. Valery beschäftigte eine Reihe attraktiver Mädchen, die durch ihren körperlichen Einsatz jeden Tag mehrere tausend Dollar in die Geschäftskasse spülten. Den Löwenanteil der Einnahmen behielt Valery selbstverständlich selbst und bezahlte ihren Mädchen lediglich einen Hungerlohn. Dennoch verdienten die Prostituierten bei Valery im Endeffekt mehr als bei den meisten Zuhältern in Melody Ville, so dass sie Valery treu blieben und sich nicht nach einem anderen Arbeitgeber umschauten. Valery wusste um diesen Umstand und behandelte ihre Mädchen daher überaus schlecht. Die Einzige, die bei ihr einen Stein im Brett hatte, war Ruthie Mackenzie. Nachdem Ruthie ihrer Ehe mit Raffi de Mahaffy entflohen und nach Melody Ville gekommen war, hatte Valery Ruthie unter ihre Fittiche genommen und sie zu ihrer rechten Hand ausgebildet. Nun waren die beiden Frauen unzertrennlich und als die ungekrönten Königinnen der Baker Street bekannt. Wo immer sie auch auftauchten, verbreiteten sie Angst und Schrecken. Valery ahnte jedoch beim besten Willen nicht, dass sie mit Ruthie ein rechtes Früchtchen an ihrer Seite hatte, das nur auf den geeigneten Zeitpunkt wartete, um Valery zu Fall zu bringen und ihren Platz zu übernehmen! Und so kam es, dass Ruthie nach einiger Zeit den Plan schmiedete, ihren eigenen Call-Girl-Ring zu eröffnen. Da sie jedoch nicht genug Eigenkapital hatte, musste sie das Geld Valery aus der Tasche ziehen. Eines Tages saß Ruthie mit rot lackierten Nägeln und einer frisch gemachten Dauerwelle in Valerys Etablissement und machte große Kaugummiblasen, während Valery ihr kleines schwarzes Buch durchblätterte, in dem sie alle wichtigen Kunden verzeichnet hatte. Als sie einen Blick auf ihre teure Armbanduhr warf, fiel ihr siedend heiß ein, dass sie etwas Wichtiges vergessen hatte. "Ach du Scheiße! Heute Abend ist doch die 'Kiss My Ass'-Party im 'Blo'n'Go'! Und mein schwarzes Kostüm ist noch in der Reinigung. Hoffentlich haben die die Flecken rausgekriegt. Man, war das letztens eine wilde Nacht," lachte Valery hysterisch und legte das Buch beiseite. "Fahr ruhig, ich halte hier so lange die Stellung," meinte Ruthie lässig und schlug grazil die Beine übereinander. "Du bist ein Schatz. Was würde ich bloß ohne dich machen," lächelte Valery zufrieden und verließ das Penthaus. Ruthie winkte ihr mit engelsgleichem Gesicht hinterher. Kaum war Valery verschwunden, sprang Ruthie mit einem Satz auf und machte sich an Valerys Schreibtisch zu schaffen, wo sie nach kurzer Suche die Scheckbücher fand. Gekonnt fälschte sie Valerys Unterschrift und stellte einen Scheck über 250.000 Dollar auf ihren eigenen Namen aus. "Dieses war der erste Streich," kicherte Ruthie und steckte den Scheck in ihren üppig ausgepolsterten BH.

Es dauerte keine Woche, bis Ruthie Mackenzie ihren eigenen Call-Girl-Ring eröffnet hatte. Nur knapp hundert Meter von Valerys Etablissement entfernt hatte Ruthie eine alte Lagerhalle gemietet, deren Fenster sie rot angestrichen hatte. In diesem Fall war Rot nicht nur die Farbe der käuflichen Liebe, sondern auch eine Warnung an alle Feinde, dass hier Ruthie Mackenzie hauste und und mit ihr nicht gut Kirschen essen war. Und Feinde hatte Ruthie mehr als genug. Zwar war es ihr gelungen, mit Jadira, Romina und Kikis gleich drei von Valerys besten Mädchen abzuwerben, doch Marjena hatte sich beharrlich geweigert, Valery im Stich zu lassen. Ruthie hatte keine Angst vor Valery, da sie im Grunde nur ein verzogenes Gör war, doch Marjena durfte sie keinesfalls unterschätzen, da diese in Südamerika an verschiedenen Guerillakriegen teilgenommen hatte und sich zu verteidigen wusste. Bald entwickelte sich in der Baker Street ein regelrechter Bandenkrieg zwischen den verfeindeten Lagern und Ruthie wagte sich fortan nur noch mit Begleitschutz nach draußen. Denn nicht nur von Valery drohte Ärger, auch andere Gruppen versuchten immer wieder, die Oberhand zu gewinnen. Eines Tages saß Ruthie in ihrem Büro und blätterte gemächlich ihre Kundenkartei durch, als Romina plötzlich ins Zimmer gestürzt kam und "Es droht Gefahr!" schrie. Geistesgegenwärtig schnappte sich Ruthie ihre Schrotflinte, welche sie stets griffbereit neben ihrem Schreibtisch aufbewahrte. "Wer ist es?" zischte sie und folgte Romina in den Flur. "Es ist Dimitry von der Russenmafia," erwiderte Romina aufgeregt. "Was zum Teufel will der denn hier? Will er sich einen Arschtritt abholen? Wenn er glaubt, dass er meine Mädchen umsonst vernaschen kann, hat er sich geschnitten," zischte Ruthie und schubste Romina zur Seite, um sich Dimitry vorzuknöpfen. Als sie die Tür der roten Lagerhalle öffnete, erblickte sie Dimitry auf der anderen Straßenseite. Er trug eine schwarze Bomberjacke und hielt eine Kalaschnikow in der rechten Hand. In seinem Mundwinkel befand sich ein abgekauter Zigarettenstummel. Zur selben Zeit rollte Murgy Muschka mit ihrem fahrbaren Imbisswagen durch die Baker Street und brüllte "Krautsalaaat! Pommeees! Currywuuurst!" in ein uraltes Megafon. Ohne Vorwarnung legte Ruthie ihre Flinte an, schoss auf Dimitry und hüpfte dann wie eine Gazelle über die nächste Backsteinmauer. Dimitry wurde an der Schulter getroffen. Während er ohnmächtig zu Boden sank, feuerte er ebenfalls einen Schuss ab, der sein Ziel um mehrere Meter verfehlte. Murgy Muschka dachte jedoch, dass Dimitry sie erwischt hätte, und kippte mitsamt ihrem Imbisswagen auf die Straße. "Er hat misch in den Arsch geschooosen! Policja!" Entsetzt starrte sie auf ihre scheinbar blutverschmierten Hände und die rote Lache unter ihrem Körper, die sich immer weiter ausbreitete. Doch niemand nahm Notiz von Murgy, da es sich bei der roten Flüssigkeit lediglich um Ketchup aus ihrem Imbisswagen handelte. "Das war’s dann wohl mit Pommes rot-weiß," zischte Ruthie, die inzwischen aus ihrem Versteck hervorgekommen war und sich den Staub von ihrem Gucci-Kleidchen klopfte. Mit knurrendem Magen ging sie zurück an die Arbeit.

Eine Woche später kam Jadira in Ruthies Büro, wo Ruthie gerade wie eine wildgewordene Furie ihren Schreibtisch durchwühlte. "Suchst du was Bestimmtes?" fragte Jadira und gähnte herzhaft. "Halten Sie Ihr dreckiges Maul!" zischte Ruthie, während sie den Schreibtisch mit einer Handbewegung leerfegte, so dass alles, was sich darauf befand, unter lautem Gerappel auf dem Fußboden landete. "Irgendjemand hat den Umschlag gestohlen, indem sich die Unterlagen zu meinem Bankkonto und der Schlüssel zu meinem Geheimfach befanden!" Nachdem Ruthie diese Worte ausgesprochen hatte, verstummte Jadira und schaute betreten zu Boden. "Du weißt doch etwas darüber, gib’s gefälligst zu!" ahnte Ruthie und packte Jadira am Kragen. "Ich... ich hatte ja keine Ahnung," stammelte Jadira, während sie von Ruthie gegen die Wand gedrückt wurde. "Ich dachte, dass sich in den Umschlag der Schlüssel und die Bedienungsanleitung für ein Paar Handschellen befindet, das ich mir von Marjena geborgt hatte." "Soll das etwa heißen, du hast den Umschlag Marjena gegeben?!" rief Ruthie außer sich vor Zorn. Als Jadira beschämt nickte, verpasste Ruthie ihr eine schallende Ohrfeige, so dass sie taumelnd zu Boden ging. Ruthie hatte nun keine Zeit zu verlieren. Sie schwang sich auf ihr Skateboard und raste schnell wie der Wind die Baker Street hinunter bis zu Valerys Etablissement. Dort angekommen düste sie in die oberste Etage und platzte ohne vorher anzuklopfen in Valerys Büro, wo Valery und Dimitry eng umschlungen am Fenster standen. "Gib ihn sofort her!" zischte Ruthie und fletschte die Zähne. "Er gehört mir!" erwiderte Valery und schmiegte sich an Dimitrys Brust. "Ich rede von dem Umschlag, nicht von diesem armseligen Würstchen! Also, wird’s bald?" "Ich weiß nicht, was mir mehr auf die Nerven geht als eine bekloppte taube Nuss!" lachte Dimitry und Valery ging mit langsamen Schritten auf Ruthie zu. "Den Umschlag werde ich behalten, Püppchen. Die Polizei wird sich sicher sehr für den Inhalt interessieren." "Das glaube ich wohl nicht! Außerdem hast du den Umschlag gestohlen! Wie kommst du also darauf, dass die Papiere dir gehören?" "Das geht dich überhaupt nichts an! Sie gehören mir einfach und mehr brauchst du nicht wissen! Leg dich besser nicht mit mir an. Ich bin nicht besonders gut drauf. Und wenn du Beweise willst, bitte!" Valery holte aus und ohrfeigte Ruthie. Die hielt sich für einen Augenblick ihre gerötete Wange. "Ich bin auch nicht besonders gut drauf! Und wenn du Beweise dafür willst, hier!" Mit diesen Worten schlug Ruthie zurück – und zwar so fest, dass Valery nach hinten stürzte und von Dimitry aufgefangen werden musste. "Das wird ein Nachspiel haben!" keuchte Valery. "Das Vorspiel habe ich ja gerade unterbrochen," erwiderte Ruthie garstig und machte auf dem Absatz kehrt. Beim Rausgehen schlug sie die Tür so fest zu, dass der Putz von der Decke bröckelte und die Tür aus den Angeln kippte.

Binnen weniger Tage setzte Valery ihre Drohung in die Tat um und hetzte Ruthie die Polizei auf den Hals. Da sich Valerys Vorwurf, dass Ruthie ihr 250.000 Dollar gestohlen hatte, als wahr herausstellte, wurde Ruthie zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, die sie nicht vollständig bezahlen konnte. Nun war sie bankrott und musste ihren Call-Girl-Ring dichtmachen. Um sich über Wasser zu halten, ging sie fortan selbst auf den Strich – doch die Baker Street war nach wie vor die gefährlichste Ecke von Melody Ville. An diesem Abend trug Ruthie ein silberfarbenes Kleid und eine passende Jacke, während sie mit gemächlichen Schritten den Straßenrand entlangspazierte und nach Freiern Ausschau hielt. An der nächsten Ampel standen ausgerechnet Romina, Jadira und Kikis, die nach der Schließung von Ruthies Call-Girl-Ring arbeitslos waren. Valery wollte sie nämlich um keinen Preis zurücknehmen. Als die drei Ruthie erblickten, trauten sie ihren Augen kaum. "Hey Baby, du hast hier nix verloren!" rief Romina in einem aggressiven Tonfall. Ruthie tat so, als ob sie sie nicht gesehen hätte. Sie drehte sich um und wollte in die andere Richtung gehen, doch die drei folgten ihr. "So ist es gut! Beweg deinen lahmen Arsch bloß von hier weg!" machte Romina sie von hinten an. Schließlich hatten sie Ruthie eingeholt und umzingelten sie. "Was soll das?" zischte Ruthie. "Dies ist ein freies Land und ich kann tun und lassen, was ich will und wo ich will!" "Oh, tatsächlich?" lachte Kikis. "Warum geht ihr nicht zurück in euer Loch? Ich kenne genug Leute, die euch in die Mangel nehmen werden, wenn ihr mir nicht sofort aus dem Weg geht!" fauchte Ruthie. "Oh Baby, du hast wohl immer noch nicht geschnallt, dass dein Zug längst abgefahren ist. Hier in der Baker Street bist du unten durch, Schätzchen. Die Königin wurde von ihrem Thron gestoßen," meinte Romina großspurig und schubste Ruthie, so dass sie stürzte und vor Kikis’ Füßen landete. Kikis packte Ruthie am Kragen, zog sie hoch und verpasste ihr eine Ohrfeige. Jadira versetzte Ruthie einen Schlag mit ihrer Handtasche. Schließlich traten die drei auf die am Boden liegende Ruthie ein. "Du bist ein Drecksstück, Ruthie, und dein Vorstrafenregister beweist es," war das letzte, was Ruthie hörte, bevor sie das Bewusstsein verlor.

Nachdem sich Ruthie von dieser Attacke erholt hatte, wurde ihr klar, dass ihr nur noch ein Ausweg blieb, um ihre alte Stellung in der Baker Street zurückzuerhalten: Sie musste sich geschickt bei Valery einschmeicheln! "Und wie willst du das anstellen? Ich denke, sie hasst dich?" fragte Mäckie, welche ihre Cousine für einige Tage in Melody Ville besuchte. Sie saß auf Ruthies Bett und blätterte Modezeitschriften vergangener Tage durch. "Ich werde heute Abend ins 'Blo'n'Go' gehen und Valery Honig um den Bart schmieren," kicherte Ruthie, während sie sich im Spiegel betrachtete und Grimassen schnitt. Mäckie nickte spastisch, sprang vom Bett auf und ging in die Küche. Als sie zurückkam, hielt sie ein Glas Honig in der Hand und überreichte es Ruthie. "Doch nicht solchen Honig!" zischte Ruthie und schlug Mäckie das Glas aus der Hand. "Darf ich denn mitkommen?" bettelte Mäckie. "Schlag dir das aus dem Kopf," erwiderte Ruthie harsch. Sie schlüpfte in ein pastellfarbenes Kleidchen, welches leicht durchsichtig war, so dass jeder gleich bemerkte, dass sie keinen BH trug. "Ich bin jetzt weg! Und du machst dich gefälligst etwas nützlich! Du wirst schließlich nicht fürs Rumsitzen bezahlt!" "Ich werde gar nicht bezahlt," maulte Mäckie. "Wie war das?" meinte Ruthie mit einem zornigen Blick. Sekunden später stürmte sie aus der Wohnung und fuhr mit dem Taxi zum "Blo'n'Go", obwohl es nur zwei Straßenecken entfernt war. Dort angekommen mogelte sie sich am Türsteher vorbei und betrat den Innenraum, wo die Menschen gerade ausgelassen zum neuesten Kracher der "Bubsi Girls" tanzten. Es dauerte keine zehn Sekunden, bis sie Valery an der Bar erspäht hatte. Als sich Ruthies und Valerys Blicke trafen, lächelte Valery freundlich und winkte Ruthie zu sich. "Hallo Ruthie. Ich hoffe, du bist nicht hier, um mir Kunden zu stehlen," begrüßte Valery sie und gab ihr ein Küsschen auf die Wange. "Eigentlich bin ich nur hier, um dich zu fragen, ob du mich wieder einstellen würdest," flötete Ruthie engelsgleich. "Tatsächlich? Das ist ja interessant," meinte Valery überrascht. "Du meintest doch, dass ich ein Schatz wäre und du nicht wüsstest, was du ohne mich machen würdest," fügte Ruthie hinzu. "Brad? Bitte einen Martini – für meinen kleinen Schatz Ruthie Mackenzie," wandte sich Valery an den Barkeeper. "Wie du ja sicherlich weißt, hatte ich in letzter Zeit sehr viel Pech," versuchte sich Ruthie zu erklären. "Und da dachtest du, du kehrst zu deinen Wurzeln zurück. Du bist ja so schlau, Ruthie. Darauf möchte ich einen Toast aussprechen." Valery reichte Ruthie ihren Martini. "Auf das Einzige, was du jemals von mir bekommen wirst: Diesen Drink." Als Valery diese Worte aussprach, entgleisten Ruthies Gesichtszüge. Sie zögerte nicht lange und schüttete Valery das Getränk ins Gesicht. Sofort wurde sie von einem Sicherheitsbeamten geschnappt und nach draußen gezerrt. "Vergiss nicht, Ruthie, du schuldest mir noch immer 10.000 Mäuse!" rief Valery ihr lachend nach.

Am selben Abend saß Jadira in ihrem heruntergekommenen Apartment und schaute sich eine Folge der Seifenoper "Zeit der Unruhe" an. Plötzlich klingelte es an der Tür. "Ausgerechnet jetzt, wo Geesje beichten will, dass sie ein Kind vom Schwager ihrer Mutter erwartet!" ärgerte sich Jadira. Als die Tür öffnete, stand Marjena vor ihr. "Marjena, was willst du hier? Weißt du nicht, dass jetzt 'Zeit der Unruhe' läuft?" fragte Jadira. "Ich bin gekommen, um dich umzubringen!" rief Marjena und zog ein großes Küchenmesser hervor. Sie drängte Jadira in die Wohnung und gab ihr somit keine Gelegenheit zum Entkommen. "Nein, nein!" jammerte Jadira und versuchte sich hinter dem Sessel zu verstecken. "Nutte, Verräterin!" brüllte Marjena außer sich vor Wut. "Vergiss nicht, dass wir befreundet sind," flehte Jadira um ihr Leben. "Waren, du Miststück! Wir waren Freundinnen, aber Freundinnen verraten sich normalerweise nicht! Wieso hast du Valery erzählt, dass ich mit Ruthie gemeinsame Sache mache? War das deine Rache dafür, dass ich dich abgewiesen habe? Du hast gelogen! Also verabschiede dich! Verabschiede dich von dieser Welt, denn dein Leben ist zu Ende! Verfluchte Verräterin! Verdammtes Miststück! Warte nur, ich werde dich umbringen! Dein Leben ist vorbei! Ich bring dich um! Du elende Schlampe!" Schließlich stach Marjena zu und tötete Jadira. Vollkommen außer sich rannte Marjena aus der Wohnung. Am Hauseingang wurde ihr von jemandem ein Beinchen gestellt, so dass sie der Länge nach auf den Asphalt stürzte. Ehe sie sich aufrappeln konnte, hielt ihr jemand ein mit Chloroform getränktes Tuch unter die Nase. "Süße Träume," flüsterte Ruthie Mackenzie. Anschließend schleppte sie die bewusstlose Marjena auf die Ladefläche eines Pick-ups, den sie wenige Stunden zuvor gestohlen hatte. "Viel Spaß in Caracas," lachte sie garstig und verschloss die Ladeklappe.

Nachdem sie Marjena in eine große Kiste verfrachtet und diese nach Südamerika geschickt hatte, lud Ruthie Mackenzie zahlreiche Käfige auf die Ladefläche ihres Pick-ups. Damit ausgerüstet fuhr sie zurück in die nächtliche Baker Street. "Du wolltest 10.000 Mäuse, Valery? Hier hast du sie," zischte Ruthie und öffnete einen Käfig nach dem anderen, aus dem insgesamt 10.000 weiße Mäuse ins Freie strömten. Jede einzelne von ihnen trug ein Halsband mit der Aufschrift "Zehntausend Küsse, Ruthie Mackenzie". Mit dieser Aktion brachte Ruthie binnen weniger Stunden ganz Melody Ville gegen sich auf. Mit Mistforken und brennenden Fackeln bewaffnet stürmten die Bewohner in die Baker Street und forderten Ruthie auf, sofort die Stadt zu verlassen. Ruthie wurde daraufhin der Boden unter den Füßen zu heiß und sie verschwand spurlos, bis sie einige Jahre später in die Stadt zurückkehrte.

Ruthie stand noch immer mit dem Rücken zur Wand und wurde von Tabitha und den anderen bedroht, als Murgy Muschka plötzlich "Da hiiinten plätschert’s!" rief. "Oh my God, that’s ein Fluss! We are gerettet!" quietschte Bambina entzückt. Innerhalb weniger Sekunden streifte sie sich ihr schmutziges Kleidchen über den Kopf und rannte in Unterwäsche ins kühle Nass. Die anderen folgten ihr und ließen daher von Ruthie ab. "Das Schicksal meint es eben immer gut mit Ruthie Mackenzie," grinste Ruthie bis über beide Ohren und hüpfte dann ebenfalls zum Fluss, um ein erquickendes Bad zu nehmen.

Letzte Aktualisierung: 17.10.2010

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