41/VI Les autres cinq saisons
Melody Ville, 26. April 2009, 16:30 Uhr
(knüpft an an Folge 40)
Während der furchtbare Tornado über Melody Ville hinwegfegte und überall für Zerstörung und Verwüstung sorgte, hatten zahlreiche Bewohner der Stadt im Luftschutzkeller der Familie Rogers Zuflucht gefunden. Auf einmal vernahmen sie ein lautes Kratzen und Klappern. "Das Geräusch kommt aus dieser Richtung," sagte Trudy und zeigte auf eine Tür, die mit einem Holzbolzen verriegelt war. Hank nahm sich der Sache an und entriegelte die Tür. Gespannt verfolgten alle, wie er die Tür schließlich öffnete. Dahinter kam ein stockfinsterer Raum zum Vorschein. Hank leuchtete mit seiner Taschenlampe hinein und erfasste mit seinem Lichtkegel schließlich das Gesicht einer weiblichen Person, die in einer Ecke auf dem Boden saß. "Oh my god! That is die Bitch, die mich once upon a time in einen Kürbis gezaubert hat!" kreischte Bambina und bald erkannten auch die anderen, wer diese Frau war: Mary Frances. "Aber sie ist doch bei der Explosion im Hotel gestorben?" wunderte sich Trudy und alle zuckten mit den Schultern. "Ihr wisst überhaupt nichts," zischte Mary Frances. "Dann erzähl uns endlich die Wahrheit," forderte Hank sie auf und bedrohte sie gleichzeitig mit seiner geladenen Dienstwaffe.
Starring
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Halle Berry as Eschke Doughter
Francis Capra as Raoul Figaro
Jan Hoag as Murgy Muschka
James Hyde as Hank Bennett
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Juliett Mills as Tabatha Lopez
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie
Nicholle Tom as Graaz Lopez
Guest Starring
Jessica Biel als Emba van de Driesche
Sandra Cretu als Hillery Carpenter
Marcia Cross als Preston Rogers
Courtnee Draper als Piston Rogers
Barbara Eden als Tiffy Mackenzie
Andrea Evans as Trudy Mackenzie
Jennifer Love Hewitt als Mary Frances
Katherine Kelly Lang als Florke de Mahaffy
Leighton Meester als Ällis Bäxter
Dustin Milligan as Raffi de Mahaffy
Beverley Mitchell als Chastity Bellet
Chad Michael Murray als Chad Lennox
Lisa Rinna als Carrie Carpenter
Harriet Samson Harris as Magda Muschka
Nicolette Sheridan als Alaska Lennox
"Schon gut, schon gut," lenkte Mary Frances schließlich ein und erhob sich mühsam von den kalten, verdreckten Bodenfliesen. Sie wirkte abgemagert und trug nur einen schmutzigen Fetzen am Leib. "Was haaat alles zuuu deuten? Reden’s endlisch!" verlor nun auch Murgy Muschka die Geduld und hob drohend ihre schwere Pranke. "Immer mit der Ruhe," ächzte Mary, "hat vielleicht jemand einen Schluck Wasser für mich?" "Ich habe noch einen Tetrapack," meldete sich Graaz zu Wort, die stets Mitleid mit den Bedürftigen hatte. Sie reichte es Mary Frances, die lechzend ihre dürren Ärmchen nach dem Trinkpäckchen ausstreckte. Gierig ließ sie das kühle Nass in ihre trockene Kehle rinnen, während die anderen sie mit wachsamen Blicken beobachteten und jede ihrer Bewegungen akribisch verfolgten. Nachdem Mary Frances ihren Durst gestillt hatte, legte Hank ihr Handschellen an, was sie ohne zu murren akzeptierte. Er führte sie daraufhin in den Hauptraum des Kellers, wo er ihr befahl, sich auf eine der aufgetürmten Apfelsinenkisten zu setzen. "Und jetzt raus mit der Sprache," eröffnete Hank das Kreuzverhör, "wer zum Teufel bist du wirklich?" Mary Frances zögerte mit ihrer Antwort und musterte alle Anwesenden gründlich, in der Hoffnung, zumindest einen Verbündeten in der Menschenmenge zu erkennen. Als sie jedoch feststellte, dass niemand dort war, der ihr den Rücken stärken konnte, erkannte sie, dass es zwecklos war, weiter zu lügen. Offensichtlich hatte es eine Panne gegeben und der Plan konnte nicht mehr wie verabredet durchgeführt werden.
"Ihr kennt mich lediglich als Mary Frances," sagte sie schließlich stockend, "aber mein richtiger Name lautet Berta Adams." "Und was haben Sie hier im Keller der Familie Rogers zu suchen? Hat Preston Sie etwa entführt?" "Es ist viel komplexer, als Sie sich vorstellen können! Preston und ich, wir gehören zu einer Vereinigung, die das Ziel verfolgt, Melody Ville und ihre Bewohner zu vernichten," brach es schließlich aus Mary Frances heraus und sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen, "wir haben seit mehreren Jahren zahlreiche Spione in die Stadt entsandt, um hier für Unfrieden zu stiften! Wir haben unzählige Morde begangen und mehrere Menschen entführt!" Ein Raunen ging durch die versammelte Menge. "Und woher stammt diese Vereinigung? Woher rühren ihre Motive?" brannte es Hank unter den Nägeln. "Könnt ihr euch das nicht denken? Niemand hasst Melody Ville mehr als die Bewohner eurer ehemaligen Kolonie Harmony Bay! Seit dem Ende der Kolonialzeit hat sich nichts verbessert, nicht ein Stückchen! Neue Gesetze habt ihr uns versprochen, Handelsbeziehungen, Wirtschaftswachstum – Pustekuchen! Ihr habt alles Geld in Epiphany Town gesteckt und unsere Stadt verrotten lassen!" schrie Mary Frances in Rage. "Und dann haben wir uns eine gnadenlose Rache überlegt..."
Harmony Bay, 12. Februar 2003, 10:03 Uhr
(knüpft an vor dem Beginn der Serie)
Die Sonne stand schräg über Harmony Bay und vertrieb mit ihren warmen Strahlen allmählich die kalte Winterluft. Florke de Mahaffy saß im Bikini auf der Veranda ihrer protzigen Villa und blätterte gelangweilt in der Tageszeitung. Ab und zu nippte sie an ihrem frischgepressten Orangensaft, den sie wie üblich mit reichlich Alkohol verdünnt hatte, um – wie sie stets betonte – "die schädlichen Vitamine abzutöten". Ihr Sohn Raffi saß derweil am Poolrand und faltete kleine Papierschiffchen. Nach einer Weile stand er auf und trat mit gesenktem Blick an Florke heran. "Mutter, wann fahren wir denn in die Stadt? Ich brauche noch einen Smoking, damit ich mit Simbali zum Frühlingsball gehen kann." "Heute nicht, ich habe furchtbare Kopfschmerzen," stöhnte Florke genervt auf und verdrehte die Augen. "Aber Mutter," wollte Raffi ansetzen, doch Florke holte aus und verpasste ihrem Sohn eine schallende Ohrfeige. Raffi taumelte und stürzte benommen in den frischgedeckten Frühstückstisch. "Da siehst du, was du angerichtet hast! Herrgott, meine Nerven! Miss Cortez, räumen Sie sofort diese Schweinerei auf! Und nicht wieder heimlich von der Marmelade naschen!" befahl Florke ihrer Haushälterin in einem herablassenden Ton. Während Miss Cortez Schaufel und Besen holte, um die kümmerlichen Reste des Essen aufzufegen, betraten zwei weitere Gestalten die Veranda. "Einen schönen guten Morgen allerseits!" wünschte Preston Rogers und schaute mit einem erhabenen Blick in die Runde. Neben ihr stand ihre Tochter Piston, welche wie frisch aus dem Ei gepellt wirkte. "Wofür habt ihr euch denn so fein gemacht?" fragte Florke und schaute die beiden misstrauisch an. "Wir machen heute einen Stadtbummel. Piston braucht noch ein Kleid für den Frühlingsball und wir wollen rechtzeitig eines besorgen, bevor der niedere Pöbel die Geschäfte leerkauft," klärte Preston sie auf, "und heute Abend besuchen wir die Versammlung in der Stadthalle. Du kommst doch auch, hoffe ich?" "Vielleicht. Mal sehen, ob ich es einrichten kann," meinte Florke gelangweilt, während sie versuchte, eine Fliege mit ihrem Ehering zu töten, indem sie die Sonnenstrahlen auf das Insekt lenkte. "Ich werde noch vier Bleche Muffins backen," ließ Preston verlauten und wandte sich dann an Piston. "Wir müssen jetzt gehen, das Taxi wartet." Piston warf Raffi noch einen heimlichen Küssmund zu und folgte dann ihrer Mutter nach draußen. Florke hingegen stürzte den Rest ihres Orangensafts mit einem Zug hinunter und sackte dann in sich zusammen.
Harmony Bay, 12. Februar 2003, 20:15 Uhr
(knüpft an vor dem Beginn der Serie)
Die kleine Stadthalle von Harmony Bay war an diesem Abend brechend voll. Es gab keinen freien Stuhl mehr und teilweise saßen die Menschen auf den Fensterbänken oder sogar auf dem Fußboden, da niemand die große Versammlung verpassen wollte. Im Publikum konnte man Florke, Raffi, Preston und Piston erkennen, die gespannt darauf warteten, dass es endlich losging. Nach weiteren 15 Minuten betrat eine reifere Dame die Bühne und stellte sich an das Rednerpult. Nachdem sie ihre Papiere geordnet hatte, ergriff sie das Wort und eröffnete die Versammlung. "Sehr verehrte Bürgerinnen und Bürger von Harmony Bay, ich danke Ihnen, dass Sie heute Abend so zahlreich erschienen sind. Das Anliegen ist äußerst ernst. Wie Sie sicherlich alle mitbekommen haben, ist die wirtschaftliche Lage von Harmony Bay zurzeit mehr als bedenklich. Außer dem Kloster St. Elsewhere, welches unsere einzige touristische Attraktion darstellt, steht die Industrie still. Und nun frage ich Sie, meine Damen und Herren, wer ist daran Schuld? Die Antwort liegt auf der Hand: Unsere ehemaligen Kolonialherren in Melody Ville! Sie haben uns das Blaue vom Himmel versprochen – und nichts davon eingehalten. Es ist eine Schande sondergleichen. Da wir auf diplomatischer Ebene nichts erreichen konnten, müssen wir nun rohe Gewalt anwenden, um unsere Ziele durchzusetzen. Ich, Tiffy Mackenzie, rufe Sie deshalb dazu auf, sich der Verantwortung zu stellen und für ihre Heimatstadt zu kämpfen. Zu diesem Zwecke lassen wir nun ein Anmeldeformular durch die Reihen gehen." Ein Raunen ging durch die Menge und aus allen Ecken konnte man Stimmen hören, die "Ich mache mit" oder "Nieder mit Melody Ville" riefen. Ein breites Grinsen erschien daraufhin auf Tiffys Gesicht, denn nun konnte sie sich endlich an ihrer verhassten Schwester Buffi Mackenzie rächen, die seit Jahr und Tag nur Spott und Häme für Tiffy übrighatte.
Zu diesem Zeitpunkt konnte Tiffy jedoch nicht ahnen, dass sie sich mit ihrem Vorhaben gewaltig verschätzt hatte.
Melody Ville, 10. Juni 2003, 16:30 Uhr
(knüpft an an Folge 7)
Pfeifend schlenderte Hillery Carpenter durch die Straßen von Melody Ville und kaute nebenbei an einer Bockwurst, die sie sich beim Metzger um die Ecke besorgt hatte. Es war ihr Leibgericht, und sie würde dafür sogar einen Mord begehen, wenn sie Heißhunger auf Bockwurst hatte. "Hmmm, das schmeckt," sagte sie genüsslich zu sich selbst. Während sie so weiterging, sah sie von weitem eine Frau, die einen schwarzen Trenchcoat und einen schwarzen Schlapphut trug. Zuerst dachte sich Hillery nichts dabei, doch dann wurde ihre böse Vorahnung zur Gewissheit: Es war ihre Schwester Carrie, die an einem Baum gelehnt per Handy telefonierte. "Ich möchte mitteilen, dass meine Schwester Hillery gerne ihre Organe spendet, wenn sie morgen zu Ihnen ins Leichenschauhaus gebracht wird," hörte Hillery ihre Schwester süffisant sprechen. "So haben wir nicht gewettet, du Hure!" Hillery rannte auf Carrie zu und rempelte sie rabiat an, so dass ihr Handy zu Boden fiel. Hillery sprang mit ihren Lackstiefeln darauf herum, so dass es in alle Einzelteile zerfiel, und wandte sich danach an ihre verhasste Schwester. "So, du planst also wieder mich umzubringen, ja? Du hast also immer noch nicht genug!" "Gut kombiniert, du billige Fummelschlampe!" kreischte Carrie und stürzte sich auf Hillery. Die beiden fielen zu Boden und gerieten in eine üble Schlägerei mit allen Raffinessen.
Nur eine Straßenecke weiter saß Raoul Figaro auf einer Bank und unterhielt sich angeregt mit einem gleichaltrigen Mädchen. "Ach Raoul, ich bin ja so glücklich, dass ich dich kennen gelernt habe. Als ich nach Melody Ville kam, fühlte ich mich so verloren, aber du warst so lieb zu mir und hast mir das Gefühl von Geborgenheit gegeben. Das werde ich dir nie vergessen," sprach sie und ergriff Raouls Hände. "Das habe ich doch gern getan, Ällis," erwiderte Raoul lächelnd. "O Raoul, ich freue mich so, mit dir auf den Kürbisball zu gehen. Schade nur, dass das Hotel in der Milabu Avenue letzte Woche abgebrannt ist. Es war einfach furchtbar, aber zum Glück konnten alle gerettet werden. Stell dir nur vor, was da alles hätte passieren können!" "Ich weiß, aber lass uns jetzt nicht daran denken," meinte Raoul, "wir beide sind im Moment viel wichtiger." Ällis Bäxter strahlte über das ganze Gesicht und beugte sich vor, um Raoul einen zärtlichen Kuss zu geben, doch plötzlich packte Raoul Ällis’ Handgelenke und riss sie mit einem Ruck nach oben. "Aua, du tust mir weh!" schrie sie weinerlich und versuchte damit die Aufmerksamkeit von einigen Passanten zu erlangen, doch diese schenkten Ällis keinerlei Beachtung und widmeten sich stattdessen dem großen Stadtfest. "Dein Spiel ist aus, Hope Adams!" rief Raoul und Ällis’ Gesichtszüge entgleisten in diesem Moment vollkommen. "Woher zum Teufel kennst du meinen richtigen Namen?" "Für wie blöd hälst du mich denn? Ich habe von Anfang an gewusst, was du im Schilde führst – obwohl dein Plan wirklich gut durchdacht war: Sich über den Sohn von Catalina Figaro bei der Feuerwehr einschleichen, absichtlich Brände legen und dann die Löscharbeiten sabotieren. Aber du hast deine Spuren nicht gründlich genug verwischt. Ich habe deinen Messbecher in den Trümmern des Hotels gefunden und da wurde mir einiges klar!" Raoul packte noch fester zu und zog mit der anderen Hand eine Pistole hervor, die er nun an Hopes Schläfe hielt. "Wenn du mich nicht sofort loslässt, werde ich dich töten müssen," keuchte Hope und versuchte sich aus Raouls Griff zu befreien. "Wer ist dein Auftraggeber?" zischte Raoul, doch statt einer Antwort spuckte Hope ihm lediglich ins Gesicht. Durch diesen Trick entkam Hope Raouls Fängen und wollte sich hinter einem Baum verstecken, doch dann rutschte sie auf einer Bananenschale aus, stürzte rücklings auf den Asphalt und begrub Raoul unter sich, der mit gezogener Waffe nur einen Meter hinter ihr stand. Plötzlich löste sich ein Schuss, der Hopes Oberkörper durchbohrte. Blutüberströmt blieb Mary Frances’ Tochter auf dem eiskalten Beton liegen und starb nur wenige Augenblicke später.
Als sie die Schussgeräusche vernahmen, sackten Hillery und Carrie Carpenter regungslos auf dem Asphalt zusammen. Beide bemerkten zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht, dass nicht sie, sondern jemand anderes erschossen wurde.
Raoul Figaro hingegen wurde nach dem vermeintlichen Mord an Hope Adams verhaftet und verbrachte einige Jahre im Gefängnis. Seine Mutter Catalina konnte letztendlich die Richter erweichen und eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung erreichen.
Melody Ville, 31. Oktober 2003, 22:26 Uhr
(knüpft an an Folge 16)
Es war der Abend des großen Maskenballs auf Burg Flatterfels, auf dem sich alle Bewohner von Melody Ville mehr oder weniger prächtig amüsierten. "Na los, ihr Schlampen, bewegt euch, andere Leute wollen sich auch noch den Bauch vollschlagen," wetterte Tabitha Bennett am üppigen Büffet und legte sich einige vor Fett triefende Hähnchenkeulen auf ihren angeschlagenen Dessertteller. Gerade als Tabitha ihre Hand nach einem Stück Kuchen ausstrecken wollte, bekam sie auf diese Hand einen heftigen Schlag mit einem Tortenheber aus Gusseisen. "Finger weg, das ist meins!" kreischte Hillery Carpenter mit einer schrillen Stimme und schob Tabitha unsanft zur Seite. Das ließ Tabitha natürlich nicht auf sich sitzen, und so nahm sie ihren Teller und zerschlug ihn auf Hillerys Kopf. "Niemand legt sich ungestraft mit Tabitha Bennett an! Wenn ich Kuchen will, bekomme ich auch Kuchen, hast du mich verstanden, du dreckiger Lumpensack!" In einem Anfall von geistiger Umnachtung zog Tabitha eine Pistole aus ihrer Handtasche und schoss Hillery mehrmals in die Schulter. Laut schreiend brach Hillery auf den kalten Fliesen zusammen.
"Nein, nein.... neeeeiiiinnn!" schrie Carrie Carpenter und beugte sich verzweifelt über den regungslosen Körper ihrer Schwester Hillery. Sie rüttelte sie und gab ihr mehrere Ohrfeigen, doch Hillery gab kein Lebenszeichen mehr von sich, da sie war auf der Stelle verstorben war. Carrie war in Tränen aufgelöst und stand langsam wieder auf. Blut war an ihren Händen, es war das Blut ihrer Schwester. Angewidert starrte sie auf ihre Hände und richtete danach ihren Blick auf Tabitha, die wie angewurzelt vor dem Buffet stand – sogar die Tatwaffe hielt sie noch in ihren Händen. "Wie konntest du das tun," brachte Carrie atemlos hervor und ging langsam auf Tabitha zu, "sag mir auf der Stelle, wieso!" "Es... es war ein Unfall...," stammelte Tabitha und starrte dabei fassungslos auf Hillerys Leiche. "Ach was, Unfall! Weißt du eigentlich, was du da angerichtet hast?! Ich wollte Hillery töten, ich alleine hatte das Recht dazu, ich habe es mir sogar patentieren lassen! Und da kommst du Ratte einfach so daher und nimmst dir die Frechheit heraus, mir alles zu verderben! Das ertrage ich einfach nicht!" Carrie war vollkommen durch den Wind und bahnte sich ihren Weg durch die Menschenmenge. Wenige Sekunden später erreichte sie die große Wendeltreppe aus Stein, die in den Nordturm der Burg Flatterfels führte.
Vollkommen außer Atem kam Carrie auf der höchsten Zinne an und wollte sich einen Moment hinsetzen, um über alles nachzudenken. Doch dazu kam es nicht mehr: Zu spät stellte Carrie fest, dass sich dort oben schon eine dunkel gekleidete Person befand. Sie packte Carrie und hielt ihr den Mund zu, damit sie nicht schreien konnte. Das Letzte, was Carrie merkte, war, wie sie von der Person kopfüber vom Turm gestoßen wurde. Nachdem Carries Schreie verstummt waren und es unten im Burggraben einen dumpfen Aufprall gegeben hatte, lüftete die vermummte Person ihre Kapuze. Darunter kam das Gesicht von Mary Frances zum Vorschein. "Nehmt euch in Acht – die böse Mary ist da und wird euch das Fürchten lehren!" zischte sie. "Und jetzt schnell zurück nach Melody Ville. Ich muss meinen Auftritt als Psychiaterin noch einmal durchgehen und anschließend ins Labor hinabsteigen. Es gibt noch einiges zu tun bis zur Stunde X," murmelte Mary und kletterte anschließend von der Burgzinne, indem sie sich am dichten Efeu festhielt.
Las Vegas, 8. August 2004, 23:54 Uhr
(knüpft an an Folge 22)
Es war kurz vor Mitternacht, als Emba die Hotelküche des "Excelsior" betrat. Sie hatte den ganzen Tag Strippoker gespielt und war daher noch nicht dazu gekommen, etwas zu essen. Das Küchenpersonal hatte bereits Feierabend gemacht und so stand Emba nun ganz allein in der Küche und sah sich um. Auf der Anrichte lag noch ein wenig Obst und auch etwas Brot, an dem sich Emba nun schmatzend bediente. "Boah, jetzt noch ein kühles Glas Sekt und ich schwebe im sexten... äh sechsten Himmel," murmelte sie in einem frivolen Ton und überlegte, wo wohl etwas zu trinken sein könnte. Schließlich entdeckte sie eine Tür, auf der in großen Buchstaben "Kühlraum" stand. Voller Vorfreude ging sie auf den Raum zu und verschwand darin. Binnen kürzester Zeit hatte sich Emba die Wampe mit allen Köstlichkeiten, die sich ihr boten, vollgeschlagen. "Puh, das war besser als die heiße Nacht mit diesem Matrosen," lachte sie und leerte mit einem Zug die dritte Flasche Champagner, als plötzlich ihr Handy klingelte. Wie es der Zufall wollte, war genau jener Matrose am anderen Ende der Leitung. "Hallo?" lallte sie ins Telefon. "Ja, ich weiß dass wir verabredet waren, aber ich bin so voll, dass ich froh bin, wenn ich noch zu meiner Kabine finde," versuchte Emba ihn abzuwimmeln.
Durch ein Geräusch im vorderen Teil des Kühlraums schreckte sie auf. "Bleib mal kurz dran," meinte sie und sah sich suchend um. "Was?" jaulte sie auf und erstarrte fast zu Stein, als auf einmal ein Double vor ihr stand, welches ihr bis auf den Schlüpfer, den sie natürlich wie immer nicht trug, glich. "Geh in die Küche," forderte das Double sie auf und richtete dabei eine Pistole auf Emba. "Sie sehen aus wie ich!" stotterte Emba und stolperte rückwärts zu Boden. "Jetzt bin ich du!" erwiderte die Person. Ohne zu zögern drückte das Double ab und streckte Emba mit einem Kopfschuss nieder. Sie war sofort tot. Dann schnappte sich das Double das Telefon. "Ich bin in fünf Minuten bei dir, mein Süßer. Zieh dich schon mal aus," sprach sie mit süffisanter Stimme.
Eine knappe halbe Stunde später erhielt das Double einen weiteren Anruf. "Ja?" "Ich wurde um die Bestätigung gebeten, dass du in Position bist, Lücie," erwiderte Mary Frances am anderen Ende der Leitung. "Ja. Es ist alles vorbereitet." Lücie legte auf und blickte auf Embas blutüberströmte Leiche, die noch immer vor ihr auf dem Boden lag.
Melody Ville, 1. Mai 2005, 22:17 Uhr
(knüpft an an Folge 29 und an Folge 30)
Mit Tempo 180 raste Alaska Lennox den Highway hinunter, der von Big Deer nach Melody Ville führte. "Alaska, ich bitte Sie. Wir können doch über alles reden," jammerte Eschke Doughter, die durch die riskante Fahrweise von Alaska Angst um ihr Leben bekam. "Halten Sie endlich ihre Klappe. Ich musste mir lange genug ihr Gelaber anhören. Jetzt reicht es!" konterte Alaska und machte ein waghalsiges Ausweichmanöver. Auf der anderen Seite des Highways war Chastity Bellet auf der Flucht vor den Mackenzies. Während sie mit hoher Geschwindigkeit den Highway entlang raste, wühlte sie nebenbei in Buffi Mackenzies Tasche, die sie auf den Beifahrersitz gelegt hatte. "Na sieh mal einer an, was die alte Schachtel alles mit sich führt," lachte Chastity und beschleunigte dabei. "Alaska, was soll denn das? Da ist eine Kurve, nicht überholen. Oh mein Gott!" kreischte Eschke. Alaska wurde durch die Scheinwerfer des entgegenkommenden Fahrzeugs so geblendet, dass sie die Kontrolle über ihren eigenen Wagen verlor und in den Gegenverkehr raste. Ein Zusammenstoß war unabwendbar.
Zur selben Zeit rauschte Alaskas Sohn Chad Lennox mit seinem schwarzen Porsche über den Highway nach Big Deer. Neben ihm saß Tabatha Lopez, Alaskas beste Freundin, die nervös mit ihren Stricknadeln klimperte. "Also wenn da was passiert... ich würde mir das nie verzeihen! Ich mache mir solche Vorwürfe, dass ich mich nicht genug um sie gekümmert habe!" jammerte Tabatha, während Chad immer fester auf das Gaspedal drückte. Doch plötzlich legte er eine Vollbremsung hin, da nur wenige Meter vor ihnen die Unfallstelle lag. "Oh mein Gott!" schrie Chad, riss die Fahrertür seines Wagens auf und sprintete so schnell wie möglich zum verunglückten Wagen von Eschke. "Mom! Mom, lebst du noch?" "Chad, mein Schätzchen, ja ich lebe noch...," röchelte Alaska, "aber ich bin eingeklemmt. Ich weiß nicht, was mit Eschke ist! Ihr müsst versuchen, sie rauszuziehen! Nun macht schon!" Chad und Tabatha liefen zur anderen Seite des Wagens. Mit vereinten Kräften schafften es die beiden, die eingedrückte Tür zu öffnen. Chad kletterte ins Innere des Fahrzeugs und zog die bewusstlose Eschke schließlich ganz behutsam heraus. "Hier, nehmen Sie mein Handy und rufen Sie einen Krankenwagen und die Feuerwehr!" befahl er Tabatha, während er selbst zurück zum Wagen eilte, um seine Mutter zu befreien. Doch in diesem Moment gab es einen ohrenbetäubenden Knall, eine Stichflamme schoss empor und nur eine Sekunde später explodierte der Wagen in einem hellen Feuerball. Chad und Tabatha schauten mit entsetzten Gesichtern in das lodernde Inferno.
Beide ahnten nicht, dass Alaska wenige Meter hinter den brennenden Autowracks auf dem staubigen Wüstenboden lag und von niemand Geringerem als Madga Muschka notdürftig versorgt wurde. Neben ihr saß Chastity zusammengekauert zwischen einigen hohen Grashalmen und wimmerte leise vor sich hin. "Halt endlich deinen Mund, du dumme Kuh. Hast du die Tasche noch?" fragte Madga in einem ruppigen Ton, während sie Alaska mit einer magischen Kräutermixtur beträufelte. "Die... die habe ich da hinten hingelegt," erwiderte Chastity mit zitternder Stimme und zeigte auf eine kleine Anhöhe. Als Madga ihren Blick dorthin wandte, sah sie mit Schrecken, dass sich ein Greifvögel an der Tasche zu schaffen machte. Schließlich breitete der Vogel seine Schwingen aus und machte sich mit Buffis Handtasche zwischen seinen Krallen aus dem Staub. "Du dummes Miststück!" schrie Madga und verpasste Chastity eine schallende Ohrfeige. "Tiffy hat jahrelang darauf gewartet, Buffis Tasche in die Hände zu bekommen!" Madga war in Rage und wollte Chastity in die Mangel nehmen, doch als Alaska plötzlich zu husten anfing und Magda dadurch abgelenkt wurde, nutzte Chastity die Gunst der Stunde und lief so schnell wie sie konnte davon. "Du kannst uns nicht entkommen! Wir wissen immer, wo du bist!" rief Magda ihr hinterher. Anschließend wickelte sie die bewusstlose Alaska in eine Decke ein und legte die kostbare Fracht auf der Ladefläche eines Kleinlasters ab. "Diese Sklavin ist gut und gerne 200.00 Harmonytaler wert. Tiffy wird zufrieden sein," meinte Madga und verformte ihre Lippen zu einem schmalen Lächeln. Wenige Augenblicke später startete sie den Motor des Kleinlasters und brauste davon.
In der Ferne konnte man bereits zahlreiche Martinshörner vernehmen.
Melody Ville, 19. Juni 2005, 23:35 Uhr
(knüpft an an Folge 31)
Nachdem Lücie Mary Frances in eine Kiste gesperrt und diese von Bord der "AIDA" geworfen hatte, hatte Mary Frances einige Monate ziellos über die sieben Weltmeere getrieben, bis sie schließlich am Ufer des Melody River strandete. Dort angekommen, befreite sie sich aus ihrem engen Gefängnis und meldete sich per Funk bei ihrer Auftraggeberin Tiffy Mackenzie. "Ich befinde mich in unmittelbarer Nähe des gesuchten Objekts und werde alsbald zuschlagen," gab sie Tiffy zu verstehen und lief dann mit schnellen Schritten am Ufer entlang Richtung Melody Ville. Plötzlich erspähte sie einen klapperigen Wohnwagen, der am Waldrand abgestellt war. Mary Frances fackelte nicht lange und ging darauf zu. Sie ging sie einmal im Kreis um den Wagen herum, bevor sie ohne vorher anzuklopfen hineinstürzte. Im Inneren des Wohnwagens campierte niemand Geringeres als Chastity Bellet, die stets auf der Flucht war. Chastity erschrak, als Mary Frances plötzlich vor ihr stand. "Was... was wollen Sie von mir? Ich habe kein Bargeld bei mir!" schrie sie sich die Lunge aus dem Hals. "Das macht nichts. Wir müssen uns trotzdem ganz dringend unterhalten," lächelte Mary Frances eiskalt und hielt Chastity im nächsten Augenblick eine geladene Pistole an die Schläfe. Wenige Sekunden später drückte sie ab und tötete Chastity mit nur einem Schuss. Anschließend durchwühlte Mary Frances den Wohnwagen auf der Suche nach passenden Klamotten, stellte dabei jedoch fest, dass Chastity keinerlei Sinn für Mode besessen hatte. In einer Schublade stieß sie allerdings auf hochbrisantes Material: Es handelte sich dabei um die Handtasche von Buffi Mackenzie! "Du dachtest wohl, du wärst besonders schlau," zischte Mary Frances und schaute mit einem missbilligenden Blick auf die langsam ausblutende Leiche von Chastity. Mary Frances nahm die Tasche an sich und verstaute zwei Flaschen Bier und eine Chipstüte darin, welche ihr als Reiseproviant dienten sollten. Anschließend verließ sie den Wohnwagen und verschwand in der stockfinsteren Nacht.
Melody Ville, 26. April 2009, 17:16 Uhr
"Und dann habe ich mich in der Verkleidung von Buffi Mackenzie auf den Schulball geschlichen, wo ich Lücie endgültig in die Enge treiben wollte," erzählte Mary Frances, "leider kam es dort zu einem Unglück, als das chinesische Amulett explodierte." "Das chinesische Amulett?" fragte Hank mit einer Portion Misstrauen in der Stimme. "Ganz genau," nickte Mary Frances und schlug divenhaft die Beine übereinander, "ich hatte dieses Amulett vor einigen Jahren von einer Studienreise nach China mitgebracht. Es gehörte einst dem Zauberer Sim Sala Bim und hat magische Kräfte. Wie sonst hätte ich die sieben Todsünden heraufbeschwören oder einige von euch in Märchengestalten verwandeln können? Ich gab Lücie das Amulett, damit sie die Gestalt von Emba van de Driesche annehmen konnte. Leider konnte niemand ahnen, dass das Experiment außer Kontrolle geraten und Lücie mir nicht mehr gehorchen würde. Sie überwältigte mich und nahm das Amulett an sich, um damit die Weltherrschaft zu erlangen. Doch es gab auch noch andere Personen, die auf das Amulett aus waren und Lücie verfolgten. Eine davon war eure geschätzte Mitbürgerin Murgy Muschka!" Mary zeigte mit dem Finger auf Murgy, welche in der hintersten Ecke des Kellers stand und vor Aufregung wild nach Luft schnappte. "Jaaa und? Is nix verboten, zu zaubern. Wir haben’s Lücie aaaber nischt kriegen kinnen. Dieses Miststick!"
"Nach der Explosion des Amuletts musste ich eine Weile von der Bildfläche verschwinden. Per Funk habe ich Verstärkung angefordert, so dass Preston und Piston Rogers nach Melody Ville kamen und mich fortan in ihrem Keller versteckten," fuhr Mary Frances mit ihren Ausführungen fort, "zudem hat Magda Muschka weitere riskante Aufträge ausgeführt. Unter anderem hat sie Dana Beseburgh in den Selbstmord getrieben und Ben Delany umgebracht." "Oh mein Gott! Also das ist einfach alles kaum zu fassen!" konnte Trudy nicht mehr an sich halten und schnaubte lauthals in ihr Taschentuch. Auch die anderen Anwesenden waren mehr als erschüttert, als sie die gesamte Wahrheit erfuhren. Plötzlich vernahmen sie Schritte im oberen Stockwerk des Hauses. Alle erstarrten vor Schreck, als sich die Kellerluke öffnete und Tageslicht hineinströmte. "Oh my God, das is ja my sweety pie!" schrie Bambina entzückt, als sie Luis’ Gesicht erspähte. "Ganz recht! Wir sind es," krähte Ruthie Mackenzie und postierte sich mit verschränkten Armen vor der Kellertreppe. "Der Sturm ist vorüber. Die Gefahr ist gebannt," verkündete Luis feierlich, und nach und nach kehrten alle Bewohner von Melody Ville an die Oberfläche zurück. Dort bot sich ihnen jedoch ein schreckliches Bild: Die gesamte Stadt glich einem Schlachtfeld. Fast alle Strommasten waren umgeknickt, Häuser und Autos waren stark beschädigt, und Bäume lagen kreuz und quer über den Straßen.
Während sich die meisten in den Armen lagen, um einander Trost zu spenden, zog Ruthie ihren Sidekick hervor, welcher den Sturm unversehrt überstanden hatte. Rasch stellte sie fest, dass sie eine neue Textnachricht hatte. "Wir haben Mäckie Mackenzie in unserer Gewalt. Kommt und holt sie euch," las Ruthie laut vor und alle Anwesenden schrien vor Entsetzen auf. "Scheinbar hat da jemand seine Hausaufgaben gemacht," grinste Mary Frances, welche von Hank an einen umgestürzten Laternenpfahl gefesselt worden war. Ruthie fackelte nicht lange und schlug Mary Frances mehrmals mit der flachen Hand ins Gesicht. "Wer ist dafür, dass wir auf Stelle nach Harmony Bay fahren und denen mal richtig in den Arsch treten?" rief Ruthie anschließend in die Menge. "Yes, we will!" erwiderte Bambina und bald stimmten alle im Chor mit ein.
Dieses Abenteuer war für alle Beteiligten noch lange nicht vorbei.














