40/V La silence avant la tempête (2)
Es war schon längst dunkel draußen, als Hank Bennett und Sheriff Parkinson Seite an Seite den Flur des "Melody Ville Medical Center" entlang gingen und schließlich vor dem Schwesternzimmer Halt machten. "Entschuldigen Sie bitte, wir kommen vom MVPD und würden gerne mit der Patientin Patty Quack sprechen," sprach Hank eine Krankenschwester an, die zufällig vorbeikam. "Sie wissen aber, dass es schon sehr spät ist," erwiderte diese und schaute die beiden mit einem missbilligenden Blick an. "Wir brauchen auch nicht lange. In welchem Zimmer liegt sie?" "Zimmer 409. Den Flur hinunter, letzte Tür links." "Vielen Dank." Hank bedankte sich artig und ging dann gemeinsam mit seinem Kollegen in die ihnen genannte Richtung, bis sie schließlich vor dem gewünschten Zimmer angekommen waren. "Klopf, klopf," machte Hank und als eine weibliche Stimme "Herein" rief, drückte er die Klinke hinunter und betrat den Raum. Sheriff Parkinson folgte ihm in einem kurzen Abstand. "Inspektor Bennett, Sheriff Parkinson, schön Sie beide zu sehen. Entschuldigen Sie mein Aussehen, ich bin immer noch ziemlich lädiert," meinte Patty Quack und richtete sich langsam in ihrem Krankenbett auf. "Nachdem was Ihnen widerfahren ist, ist es ein Wunder, dass Sie überhaupt noch leben," erwiderte Hank, "wir wollten Sie auch eigentlich nicht lange stören. Wir hätten dennoch eine entscheidende Frage: Können Sie sich an irgendwelche Einzelheiten erinnern?" "Es tut mir wirklich leid, aber ich weiß nur noch, dass ich zum Bootsschuppen gefahren bin. Das nächste, woran ich mich erinnere, ist, dass ich im Krankenhaus wieder zu mir gekommen bin," erzählte Patty und machte dabei einen niedergeschlagenen Eindruck. "Die Ärzte sagen, dass ich unter Amnesie leide. Es ist aber gut möglich, dass ich mich bald Stück für Stück wieder an alles erinnern kann." "Dann sagen Sie uns bitte Bescheid, falls dieser Fall eintreten sollte." "Das werde ich," nickte Patty. "Dann werden wir jetzt auch wieder gehen. Gute Nacht." Mit diesen Worten verabschiedeten sich die beiden Polizeibeamten und verließen das Zimmer. Nachdem die zwei Männer gegangen waren, beschloss Patty noch etwas Musik zu hören und setzte ihren Kopfhörer auf. Sie schloss ihre Augen und lauschte den leisen Klängen von klassischer Musik, wodurch sie nicht bemerkte, dass eine Krankenschwester den Raum betrat. Diese schlich vorsichtig um Pattys Bett herum, schnellte dann plötzlich nach vorne und riss Patty den Kopfhörer herunter. Patty wusste überhaupt nicht, wie ihr geschah und konnte sich nicht dagegen wehren, dass die Frau das Kabel des Kopfhörers um ihren Hals wickelte und die Schlinge immer enger zuzog. "Du verdammtes kleines Biest," zischte die Frau, während sie Patty die Luft abdrückte, "du wirst dein Gedächtnis niemals wiedererlangen, dafür werde ich schon sorgen. Was wird wohl die gute Berta dazu sagen?" Patty versuchte zu kämpfen, doch sie war bereits so geschwächt, dass sie schließlich keine Chance hatte. Erst nachdem sich die Frau hundertprozentig sicher war, dass Patty tatsächlich tot war, ließ sie von ihr ab und verschwand so schnell wie sie gekommen war.
Starring
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Halle Berry as Eschke Doughter
Francis Capra as Raoul Figaro
Marcia Cross as Preston Rogers
Courtnee Draper as Piston Rogers
Jan Hoag as Murgy Muschka
James Hyde as Hank Bennett
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Juliett Mills as Tabatha Lopez
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Kay Panabaker as Dinah Beseburgh
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie
Nicholle Tom as Graaz Lopez
Guest Starring
Kelly Bishop as Buffi Mackenzie
Tamara Davies as Patty Quack
Andrea Evans as Trudy Mackenzie
Jennifer Love Hewitt als Mary Frances
William Sadler as Sheriff Parkinson
Harriet Samson Harris as Magda Muschka
Inzwischen war der nächste Morgen angebrochen. Ruthie Mackenzie nahm an diesem wunderschönen Tag im Juni ein Sonnenbad am Pool des Hotels in der Milabu Avenue, wo an diesem Nachmittag die Hochzeit von Piston Rogers und Luis Figaro stattfinden sollte. "Edna, wo steckt Luis?" wollte Piston von einer Bediensteten wissen, während sie die lange Treppe herabstieg, die zur Terrasse führte. "Er ist bei der Mani- und Pediküre," erwiderte Edna mit piepsiger Stimme und schaute dabei zu Boden. "Lüg mich nicht an!" zischte Piston und rannte sie dabei fast um. "Sie sagt die Wahrheit. Luis ist weggefahren," verkündete Ruthie und schaute dabei erhaben über ihre sündhaft teure Gucci-Sonnenbrille hinweg. "Wie bist du hier reingekommen?" fragte Piston, als sie ihre Erzfeindin vor sich erblickte. "Das Dienstmädchen. Ich habe mich als deine Tante James ausgegeben. Das war ganz einfach. Aber du solltest die fette Kuh feuern. Ich habe vor 20 Minuten einen Eistee bestellt," lachte Ruthie und sprang dabei mit einem Satz von ihrer Sonnenliege auf. "Denk ja nicht, ich wäre eine naive Zicke. Wieso wirfst du dich Luis an den Hals. Er gehört mir!" verkündete Piston und stemmte die Hände in die Hüften. "Was ich tue oder nicht ist meine Sache. Luis hatte schon immer eine Schwäche für mich. Du vergeudest nur deine Zeit. Er wird dich nie lieben. Du bist nichts weiter als eine Hure," zischte Ruthie. "Du bist hier die Hure. Auf diese Weise hast du auch Raffi damals bekommen. Es war eine Geldheirat. Du hast dich verkauft!" kontere Piston und verpasste ihrer Erzfeindin eine schallende Ohrfeige, die sich natürlich mit einer noch schallenderen revanchierte. Nach einem heftigen Gerangel am Beckenrand verlor Ruthie plötzlich das Gleichgewicht und stürzte rückwärts in den Pool. Mit einem garstigen Lachen entfernte sich Piston daraufhin vom Ort des Geschehens.
"Es ist nett von Ihnen, dass Sie sich so schnell Zeit für mich genommen haben, Inspektor Bennett," meinte Buffi Mackenzie, als sie Hank in ihrem Penthouse im obersten Stockwerk des Mackenzie Towers begrüßte. "Bitte, nehmen Sie doch Platz." "Aber gerne," erwiderte Hank und ließ sich auf einem der weißen Ledersessel nieder, die in der Mitte des großzügig geschnittenen Wohnzimmers standen. Nachdem er seine blaue Polizistenmütze abgenommen hatte, zog er ein Formular und einen Kugelschreiber aus seiner Tasche hervor und schaute Buffi gespannt an. "Also, was kann ich für Sie tun?" "Ich möchte eine Anzeige erstatten." "Meine Dame, normalerweise ist es üblich, dass man deswegen aufs Polizeirevier kommt," meinte Hank zögerlich und Buffi schaute ihn mit zusammengekniffenen Augen an. "Inspektor, meine Zeit ist knapp bemessen. Das sollten Sie eigentlich wissen." "Ich verstehe. Also, wen möchten Sie denn anzeigen?" "Sein Name ist Raoul Figaro." Buffi betonte jeden Buchstaben sorgfältig, damit Hank alles genau zu Protokoll nehmen konnte. "Raoul Figaro, sagten Sie? Ich hätte es mir denken können, dass der Junge früher oder später wieder straffällig wird." "Was meinen Sie damit?" wunderte sich Buffi. "Wissen Sie denn nicht, dass Raoul wegen Mordes drei Jahre im Gefängnis saß? Er wurde erst vor kurzem auf Bewährung entlassen, da sich seine Mutter vor Gericht für ihn eingesetzt hat." "Dieser Hallodri!" stieß Buffi entsetzt aus. "Wen um alles in der Welt hat er denn umgebracht?" "Ein junges Mädchen namens Hope Adams. Sie war gerade siebzehn Jahre alt." "Du meine Güte!" stieß Buffi entsetzt aus und sie blickte Hank geschockt an. Für Buffi stand nun eins fest: Raoul hatte gewiss auch im Sinn, Mäckie zu töten!
Jene saß in der Zwischenzeit in ihrem Büro bei "Mackenzie Enterprises" und schaute sich am Computer die Verkaufszahlen des letzten Quartals an. "Das ist ja nicht zu fassen," ärgerte sich Mäckie grün und blau, als sie feststellte, dass der Umsatz um fast dreißig Prozent gesunken war. Sie konnte immer noch nicht nachvollziehen, dass der Rest ihrer Familie bei der Vorstandssitzung gegen das von ihr kreierte Parfüm "Chienne de Sahara" gestimmt hatte, obwohl dies sicherlich neue Kunden angelockt hätte. "Die werden sich schon noch wundern, wenn ich zur Konkurrenz gehe und denen das Parfüm anbiete. Herr Sandmann hatte von Anfang an Recht. Ich hätte Buffi niemals vertrauen dürfen. Andere Firmen lecken sich die Finger danach, darauf verwette ich meinen Arsch," zischte Mäckie und wollte gerade den PC ausschalten, als plötzlich eine Instant Message auf dem Bildschirm erschien. "Hallo Mäckie. Ich würde mich gerne heute Abend um 20 Uhr mit dir am Hintereingang des Mackenzie Tower treffen. Beste Grüße, Herr Sandmann," las sie sich selbst laut vor und starrte anschließend wie gebannt auf die Worte. Ungläubig rieb sich Mäckie erstmal die Augen, doch sie stellte rasch fest, dass sie das Ganze nicht geträumt hatte.
Im Hotel in der Milabu Avenue hatten sich indessen alle Hochzeitsgäste eingefunden und bestaunten das festliche Ambiente, das von Preston Rogers hergerichtet worden war. "Alles exklusiv aus Paris," betonte diese immer wieder und achtete gleichzeitig darauf, dass auch alles nach Plan ablief. Hank Bennett hatte sich derweil am Schokoladenbrunnen eingefunden und bewunderte die ausgefallene Architektur. "Du solltest unbedingt davon probieren. Es ist köstlich," sagte plötzlich eine weibliche Stimme hinter ihm. Als Hank sich umdrehte, blickte er in das Gesicht von Tabatha, die eine Waffel mit Schokolade in der Hand hielt und lasziv davon abbiss. "Bist du heute ohne Begleitung?" fragte sie anschließend und er nickte. "Britt hat mich verlassen. Sie ist mit diesem Skilehrer Tonni de Minguez durchgebrannt und hat mir letzte Woche eine Ansichtskarte aus Tijuana geschickt." "Oh, das tut mir so leid," sagte Tabatha mitfühlend und legte ihre Hand auf seine Schulter. "Ich wollte dich nur wissen lassen, dass ich jederzeit für dich da bin. Tag und Nacht!" Diesen Spruch hatte sie sich vor einiger Zeit bei Patty Quack abgeguckt und er zeigte schnell seine Wirkung. Hank begann zu lächeln und Tabatha wusste, dass es ihr trotz allem was zwischen ihnen vorgefallen war immer noch gelang, ihn in ihren Händen wie Schokolade schmelzen zu lassen. Einige Meter neben den beiden stand die Klatschreporterin Eschke Doughter, die sich dieses gesellschaftliche Ereignis natürlich nicht entgehen ließ und eine Live-Berichterstattung fürs Fernsehen ablieferte. "Meine sehr verehrten Zuschauer, meine Name ist Eschke Doughter und ich berichte heute live vom Ort des Grauens für den geschätzten Sender MD-TV! Ich befinde mich gerade auf der Traumhochzeit des Jahres, wo sich in weniger als einer Stunde Piston Rogers und Luis Figaro das Ja-Wort geben werden. Bevor es so weit ist, wird uns eine Ex-Freundin von Luis Rede und Antwort stehen. Bambina, bitte sagen Sie uns doch, wie Sie sich gerade fühlen!" Eschke hielt Bambina das Mikro unter die Nase, die im ersten Moment gar kein Wort rausbringen konnte. "Der endlose Abfuck! Was thinkt Luis, what er is? I cry doch here jetzt not. That könnt ihr ruhig alles showen!" platzte es schließlich aus Bambina heraus und sie stierte mit einem irren Blick in die Kamera. Plötzlich kam Trudy Mackenzie angelaufen und sie war vollkommen außer Atem. "Bitte alle mal herhören," rief sie schließlich mit schriller Stimme und alle Anwesenden drehten sich belustigt zu ihr um. "Der Wetterdienst von Epiphany Town hat gerade eine Unwettermeldung herausgegeben! Ein Hurricane nähert sich Melody Ville und wird in weniger als einer Viertelstunde über die Stadt hinweg fegen!" "Oh mein Gott," riefen alle Hochzeitsgäste fast gleichzeitig und Panik machte sich breit. "Was machen wir denn jetzt?" "Ich hab’s!" meldete sich nun wieder Trudy zu Wort. "Preston Rogers, Sie haben doch einen Luftschutzkeller! Dort können wir alle ausharren." "Auf geht’s!" rief Murgy Muschka, die vorher noch das Buffet leerfegte und drei Torten gleichzeitig verschlang. Anschließend rannte die gesamte Hochzeitsgesellschaft die Milabu Avenue herunter und steuerte auf die Fleet Street zu, wo sich das Haus der Familie Rogers befand. "Halt! Das dürft ihr nicht tun!" rief Preston Rogers ihnen nach, doch niemand schenkte ihr Beachtung. Preston ahnte, dass das Ganze in einer Katastrophe enden würde. Sie rannte so schnell sie konnte zurück ins Hotel, um Piston zu warnen.
Ruthie war wie besessen und wollte um jeden Preis die Hochzeit von Piston und Luis verhindern. Sie folgte ihrer Erzfeindin auf die Glasbrücke, von der Piston eigentlich zu Beginn der Zeremonie hinabschreiten sollte. "Verschwinde von hier, bevor ich den Sicherheitsdienst rufen und dich hinaus werfen lassen!" stieß Piston schließlich aus, als sie Ruthie erblickte. "Da hab ich ja Angst," lachte Ruthie und hielt sich dabei den Bauch. "Mag sein, dass Luis eine Schwäche für dich hat, aber er schläft jede Nacht in meinem Bett. Und jede Nacht schlafen wir miteinander. Finde dich damit ab, dass du verloren hast," triumphierte Piston. "Das werde ich niemals akzeptieren, weil Luis zu mir zurückkommen wird. Und daran kannst selbst du nichts ausrichten." "In weniger als einer halben Stunde werden Luis und ich vor den Altar treten und danach gehen wir auf eine lange Hochzeitsreise. Weit weg von dir und Melody Ville. Und wenn wir zurückkommen, was noch nicht feststeht, dann wird er dich längst vergessen haben." Mit diesen Worten drehte sich Piston um und ging ein paar Schritte. Dabei bemerkte keiner von beiden, dass im Boden der Glasbrücke ein Sprung war, der durch jede Belastung größer wurde. Ruthie packte Piston am Arm und zog sie zurück. "Du wirst mir so lange zuhören, wie ich es für richtig halte. Wahre Leidenschaft empfindet er nur in meinen Armen und jedes Mal wenn er mit dir schläft, denkt er in jeder Sekunde nur an mich," giftete Ruthie und ihre Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen. Energisch riss Piston sich los und ging wortlos erneut ein paar Schritte. Doch dann brach sie durch den Boden der Brücke und stürzte mit einem lauten Schrei in die Tiefe. "Piston!!" kreischte Ruthie und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Sofort lief sie die Treppe hinunter, um Piston zur Hilfte zu eilen, doch mit Entsetzen musste sie feststellen, dass die Glassplitter Pistons gesamten Körper durchbohrt und die großen Stücke sie regelrecht aufgespießt hatten. Sie war sofort tot. Der Hurricane war kurz davor über Melody Ville hinwegzufegen und dementsprechend stark waren die Windstöße, die Ruthies Blümchenkleid nach oben wehten. Sie trug nichts drunter, doch es war niemand in der Nähe, der dies bemerkt hätte. Plötzlich erblickte sie Luis am Pool, der wohl nur darauf wartete, dass die Trauung begann. In Windeseile lief sie zu ihm. "Luis, wir müssen hier weg. Schnell!" versuchte sie hervorzubringen, doch der Gegenwind erschwerte ihr das Sprechen. Luis wusste nicht wie ihm geschah und er folgte Ruthie wortlos zu ihrem Elektroauto. Mit quietschenden Reifen setzte sie den Wagen in Bewegung und brauste davon. Nachdem die beiden verschwunden waren, kam auch Preston Rogers zum Vorschein, die den gesamten Vorfall hinter einem Gebüsch ausharrend beobachtet hatte. Als sie erkannte, dass sie Piston nicht mehr helfen konnte, schluckte sie ihre Tränen hinunter und lief in die entgegengesetzte Richtung. Sie wusste, was nun zu tun war.
In der Zwischenzeit hatte die Hochzeitsgesellschaft mit Trudy, Hank, Tabitha, Bambina, Eschke, Murgy, Graaz und den anderen Gästen das Haus der Rogers erreicht. Da die Haustür abgeschlossen war, hatte Hank sie kurzerhand eingetreten – immerhin handelte es sich um einen Notfall. Nacheinander rannten alle die schmale Treppe in den Keller hinunter und verschlossen anschließend die Luke. "Jetzt kann uns nichts mehr passieren," atmete Trudy erleichtert auf und ließ sich auf einem Stapel alter Zeitschriften nieder. "Genug zu lesen gibt es auch. Vielleicht sind das ja Kochmagazine. Ich muss unbedingt wissen, woher Preston Rogers das Rezept für ihren Kirschkuchen hat. Der ist einfach göttlich." Kurzerhand schnappte sie sich die oberste Zeitschrift und blätterte vergnügt darin rum. Doch was sie darin fand, ließ ihr den Atem stocken. "Das sind ja Fotos von uns!" schrie sie entsetzt auf und sofort versammelten sich die anderen Hochzeitsgäste wie eine Traube um sie herum. "Das ist ja nicht zu fassen," sagten alle fast gleichzeitig und jeder wollte einen Blick erhaschen. Anschließend fanden sie auch noch zahlreiche Akten, die Preston und Piston über jeden Bürger von Melody Ville angelegt hatten. "Die beiden sind offensichtlich Spione," schlussfolgerte Hank daraus. "Aber wer um alles in der Welt sollte uns ausspionieren?" fragte Graaz, die sich genau wie die anderen keinen Reim darauf machen konnte. Auf einmal vernahmen sie ein lautes Kratzen und Klappern. "Das Geräusch kommt aus dieser Richtung," sagte Trudy und zeigte auf eine Tür, die mit einem Holzbolzen verriegelt war. Hank nahm sich der Sache an und entriegelte die Tür. Gespannt verfolgten alle, wie er die Tür schließlich öffnete. Dahinter kam ein stockfinsterer Raum zum Vorschein. Hank leuchtete mit seiner Taschenlampe hinein und erfasste mit seinem Lichtkegel schließlich das Gesicht einer weiblichen Person, die in einer Ecke auf dem Boden saß. "Oh my god! That is die Bitch, die mich once upon a time in einen Kürbis gezaubert hat!" kreischte Bambina und bald erkannten auch die anderen, wer diese Frau war: Mary Frances. "Aber sie ist doch bei der Explosion im Hotel gestorben?" wunderte sich Trudy und alle zuckten mit den Schultern. "Ihr wisst überhaupt nichts," zischte Mary Frances. "Dann erzähl uns endlich die Wahrheit," forderte Hank sie auf und bedrohte sie gleichzeitig mit seiner geladenen Dienstwaffe.
Mit schnellem Schritt stöckelte Preston Rogers den Bürgersteig entlang, um das Taxi zu erreichen, das sie schleunigst aus der Stadt bringen sollte. Mit einer schnellen Handbewegung beförderte sie ihre kleine Reisetasche auf den Rücksitz des Wagens und stieg dann ebenfalls ein. "Ich kann nichts dafür. Trudy Mackenzie schrie plötzlich, dass ich doch einen Luftschutzkeller hätte und ehe ich mich versah, rannten auch alle schon los," versuchte sie einer unbekannten Person zu erklären, mit der sie gerade telefonierte. Doch diese ließ sich nicht beirren und erklärte Preston feierlich, dass es nun zu spät war und sie die Konsequenzen schon bald am eigenen Leib zu spüren bekäme. Dann legte sie auf. Preston sah nervös aus dem Fenster. "Würden Sie bitte noch etwas schneller fahren?" bat sie den Taxifahrer und dieser beschleunigte. Dann passierten sie das Schild "Sie verlassen Melody Ville. Auf Wiedersehen und noch einen schönen Tag". An einer Kreuzung in Richtung Epiphany Town tauchte wie aus dem Nichts ein großer Truck auf. Der Taxifahrer sah ihn zu spät und konnte nicht mehr ausweichen. Mit voller Geschwindigkeit raste der Truck auf das Taxi zu und schob es meterweit vor sich her, ehe es sich ein paar Mal überschlug, dann auf dem Dach die Straße weiter entlang rutschte und schließlich in Flammen aufging. Der Taxifahrer war sofort tot, doch Preston konnte sich aus dem brennenden Wrack befreien. Jedoch hatten ihr Mantel und ihre Haare Feuer gefangen. Sie warf sich auf den Boden und wälzte sich hin und her.
Zur selben Zeit befand sich Mäckie Mackenzie am Hinterausgang des Melody Towers, um sich dort mit Herr Sandmann zu treffen. Draußen stürmte es immer noch und Mäckie schaute durch die großen Panoramafenster auf die Straße, auf der sich lauter umgestürzte Bäume und umgeknickte Strommasten befanden. Plötzlich begann die Deckenbeleuchtung zu flackern und setzte nach einigen Augenblicken komplett aus. Mäckie stand nun völlig im Dunkeln und bekam es mit der Angst zu tun. Als sie noch auch Schritte hinter sich vernahm, versuchte sie sich in einer Ecke zu verstecken. "W-w-wer ist da?" fragte Mäckie leise und ihr Herz schlug ihr bis zum Halse. Sie spürte, dass jemand ganz in der Nähe war. "Raoul? Raoul, bist du’s? Was zum... Aaaah!" Mäckies Aufschrei hallte durch den gesamten Melody Tower, doch niemand hörte sie...














