39/V La silence avant la tempête (1)
An diesem Morgen ging in Epiphany Town alles seinen gewohnten Gang: Die berufstätigen Leute machten sich auf den Weg zur Arbeit, die Hausfrauen bügelten ihre Wäsche und erledigten kleinere Einkäufe, und die Kinder gingen artig zur Schule. Nur eine Kleinigkeit war an diesem Tag anders: Vor dem großen, grauen Bürogebäude, in dem seit über dreißig Jahren der Sitz von "Mackenzie Enterprises" war, hielten hintereinander mehrere schwarze Limousinen und die gesamte Presse aus der Umgebung war anwesend. Natürlich durfte auch die Starreporterin Eschke Doughter bei diesem Ereignis nicht fehlen. "Meine sehr verehrten Zuschauer, mein Name ist Eschke Doughter und ich berichte heute live vom Ort des Grauens für den geschätzten Sender MD-TV! Ich stehe hier am roten Teppich direkt vor dem einzigartigen Mackenzie Tower in Epiphany Town. Es dürfte sich nur noch um wenige Sekunden handeln, bis das Spektakel losgeht. Bleiben Sie dran, verehrte Zuschauer! Wir haben die Stars, die anderen nicht!" Kaum hatte Eschke diesen Satz ausgesprochen, wurde die Türe der ersten Limousine geöffnet und Buffi Mackenzie, die Seniorchefin von "Mackenzie Enterprises", trat festlich gekleidet ins Freie. Sofort wurde sie vom einsetzenden Blitzlichtgewitter erfasst und war vollkommen geblendet. Ihr Bodyguard brachte ihr sogleich eine Sonnenbrille und schirmte sie mit einem Sonnensegel ab, während er sie schnell und sicher ins Innere des Gebäudes geleitete. Als nächstes erschienen Ruby Mackenzie und ihre Schwester Medusa, die beide in seperaten Limousinen eingetroffen waren. Anschließend folgten Gilmore Mackenzie und die kleine Rory, die sich beide an den Händen fassten und wie Profis für die Fotografen posierten. Zum Schluss kamen die Insassen der vierten Limousine zum Vorschein: Nach Trudy Mackenzie, die ein luftiges Sommerkleid und einen Sonnenhut mit Schleife trug, wurde Mäckie Mackenzie in Begleitung ihres Freundes Raoul Figaro von der Presse in Empfang genommen. Wie immer bei offiziellen Anlässen stolzierte Mäckie auf Stelzen, die sie unter ihrem Pelzmantel versteckt hatte, und setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen, während sie sich bei Raoul untergehakt hatte. Plötzlich durchbrach ein irrsinniger Fan die Absperrung und kam auf die beiden zugestürzt, während er "Mäckie M.! Ich will ein Autogramm von Mäckie M.!" brüllte. In letzter Sekunde wurde er von der Security abgefangen, die den wild strampelnden Mann in Gewahrsam nahmen. Mäckie ließ sich den Vorfall nicht anmerken und bot eine professionelle Performance auf dem roten Teppich dar, bevor sie sich mit Kusshand an die Presse wandte und anschließend im abgeriegelten Mackenzie Tower verschwand.
Starring
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Halle Berry as Eschke Doughter
Francis Capra as Raoul Figaro
Marcia Cross as Preston Rogers
Courtnee Draper as Piston Rogers
Jan Hoag as Murgy Muschka
James Hyde as Hank Bennett
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Juliett Mills as Tabatha Lopez
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Kay Panabaker as Dinah Beseburgh
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie
Nicholle Tom as Graaz Lopez
Guest Starring
Kathy Baker as Catalina Figaro
Mischa Barton as Merissa Cohen
Kelly Bishop as Buffi Mackenzie
Barbara Crampton as Medusa Mackenzie
Andrea Evans as Trudy Mackenzie
Dakota Fanning as Gilmore Mackenzie
Lauren Koslow as Ruby Mackenzie
Jennifer Stone as Rory Mackenzie
Einige Kilometer von Epiphany Town entfernt befand sich das ehrenwürdige "Camp Harmony". In der vorherigen Nacht hatte sich Ruthie Mackenzie das Gehirn darüber zermartert, wie sie am besten von diesem Ort flüchten konnte, und letztendlich hatte sie auch den perfekten Plan ausgetüftelt. Nachdem alle anderen Schüler, einschließlich ihrer Zimmernachbarin Merissa Cohen, in die Mensa gegangen waren, um dort ihr proteinreiches Frühstück mit gesunden Cerealien einzunehmen, hatte sich Ruthie hinter der Zimmertür versteckt, damit sie bei der stündlichen Zimmerkontrolle durch die strenge Herrin Madam Moffat nicht entdeckt wurde. Sobald diese alles inspiziert hatte und im nächsten Zimmer verschwunden war, machte sich Ruthie an ihrem Koffer zu schaffen und plunderte einige Augenblicke darin umher, bis sie endlich fand, wonach sie gesucht hatte: Eine Nonnentracht samt Kutte und Schleier. "Fasching ’88. Ich kann den Moder förmlich riechen," rümpfte Ruthie ihre empfindliche Nase und schlüpfte dann mit einem Satz in das unförmige Gewand, welches ihren Schlüssel zur Freiheit darstellte. Wie auf Samtpfoten schlich Ruthie Mackenzie über den Flur und huschte von Ecke zu Ecke, um nur kein Aufsehen zu erregen. Katzenartig glitt sie über die zahlreichen Treppenstufen und sie hatte fast ihr Ziel erreicht, als sie plötzlich vor Schreck erstarrte: Merissa Cohen erschien im Türbogen und erblickte die vermeintliche Nonne auf dem Treppenabsatz. Ruthie rechnete fest damit, dass Merissa sofort Alarm schlagen würde, doch stattdessen kam diese mit langsamen Schritten auf sie zu und schaute sie verschwiegen an. "Schwester, Sie schickt der Himmel, ich muss ganz dringend mit Ihnen reden." Ruthie verstand zunächst nicht, worauf sie hinauswollte, doch dann entschied sie sich, das Spiel durchzuziehen, damit ihre Tarnung nicht aufflog. "Aber sicher, mein Kind. Schwester... äh... Ruthie Benard hat für jeden ein offenes Ohr." "Wissen Sie, ich habe so ein schlechtes Gewissen... ich hatte schlechte Noten in Algebra, so dass der Internatsleiter mich der Schule verweisen wollte. Um ihn umzustimmen, da habe ich mich einfach vor ihm ausgezogen, und dann hat er die Noten nachträglich geändert. Aber jetzt schäme ich mich so – was soll ich denn nur tun?" schluchzte Merissa ungehemmt. "Lass mich dir deine Sünden nehmen," bot Ruthie ihr mit einem diabolischen Unterton an, "befreie dich von der Last des Bösen und alles wird wieder gut. Ich schlage vor, dass du mir dein Handy, deine EC-Karte, deinen MP3-Player, deine Armbanduhr und deinen Schmuck überlässt. Ich werde alles für dich konfiszieren, während du Buße tust und die einfachen Dinge des Lebens zu schätzen lernst." "Das ist wirklich unglaublich nett von Ihnen," atmete Merissa auf und überreichte Ruthie mit eifrigen Händen ihre Wertgegenstände. "Schalom," grinste Ruthie zum Abschied und machte sich dann schleunigst aus dem Staub, während Merissa erleichtert ihren Weg fortsetzte und sich gleich viel besser fühlte.
Auf der kardiologischen Station des "Melody Ville Medical Center" im fünften Stock in Zimmer 531 lag Tabitha Bennett, die nur wenige Stunden zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatte. Ihre Zwillingsschwester Tabatha und deren beste Freundin Eschke Doughter wechselten sich ab, um der angeschlagenen Tabitha beizustehen. "Tabatha, du siehst völlig erschöpft aus. Wie wäre es, wenn du uns einen Kaffee holst? Ich werde solange bei Tabitha bleiben," schlug Eschke ihr vor und drängte sie in Richtung Kaffeeautomaten. "Kaffee? Der ist nichts für meine Nerven. Ich brauche einen Kräutertee. Bis gleich," erwiderte Tabatha und ging zu den Besucheraufzügen, um runter in die Cafeteria zu fahren. Als Eschke gerade das Krankenzimmer betreten wollte, wurde sie unfreiwillig Zeugin einer Unterhaltung, die jedoch nicht für ihre Augen und Ohren bestimmt war. Tabitha saß aufrecht in ihrem Bett und unterhielt sich mit dem behandelnden Arzt Dr. Iñigo. Dabei holte sie aus ihrer Handtasche ein Scheckbuch hervor und begann einen Scheck auszustellen. "Ich danke Ihnen, dass Sie mir dabei geholfen haben, die Herzattacke vorzutäuschen. Das ist für Ihre treuen Dienste, Doktorchen. Damit können Sie endlich Ihre Familie in Guadalajara besuchen." Mit diesen Worten riss Tabitha den Scheck heraus und überreichte ihn dem Doktor. Dieser war gerade im Begriff zu gehen, als Tabitha ihn an seinem Kittel festhielt. "Und falls Sie auch nur ein Sterbenswörtchen über unseren Deal verlieren sollten, werde ich dafür sorgen, dass alle Welt erfährt, dass Sie überhaupt keine Zulassung haben. Comprende?" zischte Tabitha und ihre Augen verengten sich zu keinen Schlitzen. "Ja, Señora," nickte der Doktor und verließ daraufhin das Zimmer. Eschke hat sich noch rechtzeitig zurückgezogen, um nicht entdeckt zu werden. Als Tabatha mit zwei Bechern Kräutertee zurückkehrte, lief Eschke ungehalten auf sie zu und erzählte, was sie gerade erfahren hatte. Mit voller Wucht stieß Tabatha mit ihrem rechten Fuß die Tür zu Tabithas Krankenzimmer auf und erblickte ihre Schwester, die dabei war ihre Sachen zu packen. "Tabatha, da bist du ja. Ich habe gerade meine Entlassungspapiere unterschrieben. Ich gehe auf eigene Verantwortung," verkündete sie. Mit Schwung schleuderte Tabatha die Teebecher in die Ecke des Zimmers, um Tabitha anschließend eine schallende Ohrfeige zu verpassen. "Und das war für deinen vorgetäuschten Herzinfarkt!" schrie Tabatha, während Tabitha nach Luft schnappte. Doch im Nu hatte sie sich wieder gefangen und holte zum Gegenschlag aus, indem sie ihrer Zwillingsschwester eine noch schallendere Ohrfeige verpasste. "Du Schlampe!" zischte Tabitha. Eschke hatte selbstverständlich sämtliche Vorkehrungen getroffen und die beiden Schwestern merkten nicht, dass sie von Max gefilmt wurden. "Das war die zweite Runde," lachte sie, während Tabatha und Tabitha zu kämpfen begannen und dabei die gesamte Krankenzimmereinrichtung zertrümmerten.
Während Ruthie sich ihren Weg aus dem Camp bahnte, hatte sich der Rest ihres Familienclans im Konferenzraum von "Mackenzie Enterprises" eingefunden. Hier sollte heute, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, die neue Produktpalette vorgestellt und im Familienrat darüber abgestimmt werden. Per Netmeeting waren auch die Vorsitzenden von "Mackenzie Enterprises International" zugeschaltet. Für jeden Kontinent gab es eine eigene Abteilung des Weltkonzerns: Mamba Mackenzie war für Afrika verantwortlich, Mauzy Mackenzie für Australien, Caramba Gonzalez Mackenzie für Südamerika, Yamaha Mackenzie für Asien und Melitta Mackenzie für den europäischen Markt. Buffi hatte vorab jeder von ihnen einen Präsentkorb geschickt, damit sie sie auf ihre Seite ziehen konnte, denn falls zu viele Ratsmitglieder gegen die neue Produktpalette stimmen würden, konnte sie letztendlich nicht auf den Markt gebracht werden. "Herzlich willkommen zu unserer heutigen Sitzung. Ich freue mich, dass ihr alle so zahlreich erschienen seid, und dank der modernen Technik ist es auch möglich, dass unsere Verwandten in Übersee teilnehmen können. Wir benutzen natürlich die allerneueste Software," eröffnete Buffi schließlich die Konferenz, "und jetzt übergebe ich das Wort an unsere allseits geschätzte Mäckie, die in den vergangenen Wochen fast 24 Stunden am Tag im Labor verbracht hat. Applaus bitte." Buffi trat zur Seite und Mäckie begab sich nach vorne, wo sie mit einem strahlenden Lächeln in die Runde blickte. "Sicher seid ihr alle neugierig, was ich kreiert habe. Ich möchte euch auch nicht länger auf die Folter spannen. Licht aus, Spot an!" Nachdem sie diese Worte ausgesprochen hatte, dunkelte Raoul auf ihr Geheiß den Saal ab und betätigte den Filmprojektor, durch den nun ein Werbefilm an die Wand projiziert wurde. Diesen hatten Raoul und Mäckie vor einigen Tagen selbst gedreht und er zeigte Mäckie, wie sie im Labor herumpanschte. Zwischen rosafarbenem Nebel und sprühenden Funken säuselte Mäckie mit Engelszunge in die Kamera: "Chienne de Sahara ist der Traum jeder Frau. Ein Parfüm, das seinesgleichen sucht. Der liebliche Duft betört die Sinne und macht Sie willenlos." Bis zu diesem Zeitpunkt sahen alle Ratsmitglieder gebannt auf die Leinwand und alle machten erfreute Gesichter. Doch dann schlug die Stimmung mit einem Male um, als Mäckie den Satz "Das neueste Produkt aus der Reihe Mäckie’s Bedroom, vertrieben durch Mackenzie Enterprises" aussprach. "So geht das aber nicht hier!" schallte es aus mehreren Ecken des Raumes und die Stimmung im Saal verwandelte sich in Windeseile in einen Hexenkessel.
Piston Rogers und Luis Figaro spazierten derweil durch die Straßen von Melody Ville und machten einen kleinen Schaufensterbummel. Nach außen hin wirkten sie unbeschwert, doch in Wahrheit bedrückte beide etwas: Luis hatte Schuldgefühle, da er seine Freundin Ruthie Mackenzie mit Piston betrogen hatte, und Piston war von ihrer Mutter Preston gegen ihren Willen dazu gezwungen worden, Luis zu heiraten. Während sie spazieren gingen, versuchte Piston Luis’ Hand zu ergreifen, doch er entzog sich jedes Mal ihren Berührungen und täuschte unter anderem mehrere Hustenanfälle vor. "Bleib mal stehen," sagte Piston schließlich, als die beiden vor dem großen Einkaufszentrum, der Melody Mall, angelangt waren. "Was ist denn?" fragte Luis heiser. Er wirkte sehr verkrampft und die Angst vor weiteren persönlichen Tiefschlägen stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. "Es geht um uns. So wie es momentan zwischen uns steht, kann es nicht weitergehen." "Du willst mich verlassen? Ist das dein Ernst?" brachte Luis mit weinerlicher Stimme hervor und er merkte, wie ihm langsam schwindelig wurde. "Quatsch mit Soße. Nein, ich finde, dass wir unsere Beziehung endlich publik machen sollten. Luis, wir gehören einfach zusammen. Bitte schau jetzt einmal nach oben." Piston deutete auf die große Leuchtreklame an der Melody Mall, auf dessen Anzeige nun der Satz "Luis, willst du mich heiraten?" in neonroten Lettern erschien. "Ich glaube, ich werde ohnmächtig!" stieß Luis aufgewühlt aus und legte sich theatralisch die Hand vor die Stirn. "Untersteh dich!" zischte Piston und legte vorsichtshalber ihren Arm um seine Schulter. "Also, was sagst du? Willst du mich heiraten?" fragte Piston ihn mit einer gewissen Anspannung in der Stimme. "Ich bin vollkommen überfordert... meine Hände sind ganz kalt... und ich krieg kaum noch Luft," röchelte Luis und er begann rot anzulaufen. "Meine Mutter würde mir das außerdem niemals erlauben, " fügte er noch schnell dazu. Piston wusste, dass sie nun zu Trick 17 greifen musste. "Ich wollte es dir eigentlich erst später sagen, aber... ich bin schwanger, Luis. So, jetzt ist die Katze endlich aus dem Sack," log Piston ihn schamlos an. "Oh mein Gott! Wenn das meine Mutter erfährt, wird sie mich umbringen. Ein uneheliches Kind! Oh Gott, oh Gott!" jammerte Luis. "Ist sie so streng?" wunderte sich Piston. "Streng ist gar kein Ausdruck. Wenn sie erfährt, dass wir vor der Hochzeit miteinander geschlafen haben, wird sie nie wieder ein Wort mit mir reden!" "Dann bleibt uns nur eine Möglichkeit übrig: Wir müssen so schnell wie möglich heiraten, dann wird die Wahrheit für immer unser kleines Geheimnis bleiben," meinte Piston mit verschwörerischer Miene und konnte Luis letztendlich ein zustimmendes Lächeln entlocken.
"Was ist das Problem?" fragte Mäckie mit einem giftigen Blick in die Runde, nachdem im Konferenzraum von "Mackenzie Enterprises" ein wahrer Tumult ausgebrochen war. "Das fragst du noch? Es war nie die Rede davon, dass Mäckie’s Bedroom ein Bestandteil von Mackenzie Enterprises wird! Ich kann das einfach nicht begreifen," schlug Buffi die Hände über dem Kopf zusammen, "ich werde meinen Namen nicht für so etwas hergeben. Du weißt doch ganz genau, wie lange es dauert, eine angeschlagene Marke wieder aufzubauen! Außerdem wird das die Kunden durcheinander bringen." "Ein gutes Argument," warf Ruby eifrig ein. "Mom? Was sagst du dazu?" richtete sich Mäckie nun an Medusa, doch diese zog nur einen Schmollmund. "Tja. Wirklich sehr gewagt," war das Einzige, was sie dazu zu sagen hatte. "Sag es doch einfach! Es ist das absolut Verkehrte für Mackenzie Enterprises!" schrie Buffi ungehalten. "Siehst du das auch so?" wollte Mäckie wissen. "Es widerspricht unserer Tradition," ließ Medusa verlauten, "ich weiß, das hast du auch beabsichtigt." "Aber sie ist eindeutig zu weit gegangen," mischte sich nun auch wieder Ruby ein, "mir gefällt die Botschaft nicht, die du hier vermittelst." "Welche Botschaft? Es ist lediglich ein Parfüm," sagte Raoul und er trat neben Mäckie, um sie in Schutz zu nehmen. "Wenn Mackenzie Enterprises es nicht anbietet, machen es andere." "Ach sieh einer an. Der Ghettojunge möchte auch etwas sagen. Der hat doch sowieso keine Ahnung," meinte Buffi abwertend. "Ich bin in dieser Branche genau wie du groß geworden," muckte Mäckie auf und schaute ihre Großmutter herablassend an. "Bestimmt nicht auf dieselbe Weise," konterte diese. "Du ärgerst dich doch bloß über mich. Dir gefällt der Platz nicht, den ich in der Familie einnehme. Darum geht’s hier in Wahrheit! Du willst nicht, dass ich, Mäckie Rory Mackenzie, groß herauskomme. So ist es doch, oder? Tja, dazu kann ich nur eins sagen: Gewöhn dich endlich daran!" "Ist es wirklich so schwer zu verstehen, dass es mir nicht gefällt? Das ist eine rein geschäftliche Entscheidung! Und vor allem solltest du Leute daraus halten, die nichts davon verstehen!" Buffi meinte damit Raoul, der seinen Arm um Mäckies Schulter gelegt hatte und seine Freundin dicht an sich drückte. "Mutter!" rief Trudy erschrocken über so viel Feindseligkeit aus. "Für wen zum Teufel halten Sie sich eigentlich?" ergriff Raoul das Wort. "Wissen Sie was, ich mag Sie nicht! Sie führen sich auf wie ein Idiot!" "Oh je, das verursacht mir schlaflose Nächte," lachte Buffi gekünstelt auf, "warum bist du überhaupt hier? Braucht Mäckie unbedingt jemanden, der ihr das Händchen hält?" "Mäckie legt Wert auf meine Meinung!" "Ein schrecklicher Gedanke." "Ich habe Sie gewarnt, Buffi. Reden Sie nie wieder in diesem Ton mit mir oder meiner Freundin!" zischte Raoul wütend. Noch im nächsten Moment verpasste er der Präsidentin von "Mackenzie Enterprises" einen saftigen Kinnhaken.
"Jesus, Maria Gottes! Mein Sohn will heiraten, ist es denn die Möglichkeit," schlug Catalina die Hände über dem Kopf zusammen, nachdem sie von den Hochzeitsplänen von Luis und Piston erfahren hatte. Catalina war gerade erst von einem Feuerwehreinsatz zurückgekommen und trug immer noch ihre komplette Montur. Die beiden jungen Erwachsenen saßen derweil nebeneinander auf der Couch und hielten Händchen. Catalina befand sich in einem Zustand zwischen tiefstem Entsetzen und größter Freude, wobei sie eher dazu tendierte, sich zu freuen, denn sobald Luis unter der Haube war, war sie nicht mehr für seinen Lebensunterhalt verantwortlich. Sollte sich doch seine Ehefrau Piston um den labilen jungen Mann kümmern und sich mit seinen ständigen Wehwehchen herumschlagen! Nachdem sie sich heimlich ins Fäustchen gelacht hatte, stellte Catalina ein Tablett mit Limonade und Kuchen auf den Couchtisch und schaute die beiden dann erwartungsvoll an. "Und, habt ihr schon konkrete Pläne, wie und wo die Hochzeitsfeier stattfinden soll? Ich könnte zum Beispiel einen Kuchen backen. Luftschlangen und Luftballons gibt’s übrigens grad günstig im Supermarkt um die Ecke, habe ich heute durch Zufall gesehen." "Das ist zu freundlich von Ihnen, aber meine Mutter wird sich um die Ausrichtung der Feier kümmern. Das ist ihr ganz spezielles Metier, da macht ihr niemand etwas vor. Ich habe sie übrigens gebeten, schnell vorbeizukommen, damit eventuelle Wünsche vorher abgeklärt werden können," meinte Piston in einem hochnäsigen Ton. Catalina wollte gerade eine erboste Antwort geben, als es an der Haustür klopfte. "Das wird sie wohl sein. Machst du ihr bitte auf, Luis?" klimperte Piston mit den Wimpern und Luis gehorchte aufs Wort. "Guten Tag, Mrs. Rogers," sagte er artig und machte einen Knicks. "Jaja, sparen wir uns den Schmus. Schau an, das ist also die Behausung einer Feuerwehrfrau. Das ist tatsächlich noch armseliger, als wie ich es aus dem Fernsehen kenne," meinte Preston abfällig und ließ ihren Blick durch die veraltete Inneneinrichtung schweifen. "Wenn Sie dann mit Ihren Beleidigungen fertig sind, können wir uns vielleicht um die wichtigen Dinge kümmern. Möchten Sie ein Stück Kuchen?" Catalina reichte Preston den Kuchenteller, doch Preston machte eine abwehrende Handbewegung. "Tut mir leid, ich esse nur Gebäck frisch aus Paris," lächelte sie falsch und wandte sich dann an das zukünftige Brautpaar, "also Kinder, ich habe bereits alles arrangiert. Wir werden im Hotel in der Milabu Avenue feiern, mit allem drum und dran. Es gibt eine Liveband, ein exklusives Catering und für Spiel und Spaß ist auch gesorgt." "Das klingt super," sagten Piston und Luis fast gleichzeitig. "Dann ist ja alles geregelt," meinte Preston zufrieden, doch Catalina war da anderer Meinung. "Und meine Meinung zählt nicht?" fragte sie in einem scharfen Ton und Preston zog pikiert eine Augenbraue hoch. "Dürfte ich fragen, was für eine Art Hochzeit Ihnen vorschwebt? Eine Grillparty im Garten? Oder ein Umzug mit Feuerwehrautos mit Blaulicht und Tatü-Tata?" versuchte sie Catalina bloßzustellen und sie lächerlich zu machen. Catalina platzte schließlich die Hutschnur: Sie nahm den Kuchenteller und warf ihn Preston mitten in ihr aufgebrezeltes Gesicht.
"Das wird mir dieser kleine Giftzwerg büßen," zischte Buffi Mackenzie verächtlich, nachdem sie langsam wieder zu Bewusstsein gekommen war. Die alte Dame lag auf einer Trage im Erfrischungsraum des Mackenzie Towers, umringt vom Rest ihrer Familie. Lediglich Mäckie war nirgends zu sehen. Trudy saß an Buffis Kopfende und wedelte ihr mit ihrem Sommerhut frische Luft zu. "Und, wie fühlst du dich?" fragte sie mitfühlend und setzte eine betroffene Miene auf. "Es ging mir niemals besser!" herrschte Buffi ihre Tochter in einem scharfen Tonfall an und richtete sich dann mit einem Mal auf. "Ich habe wahnsinnige Kopfschmerzen! Rory, hol deiner Großmutter bitte noch etwas Eis. Aber hurtig," befahl sie ihrer jüngsten Enkelin, die sich sofort auf den Weg machte. "Und, was wirst du jetzt bezüglich Mäckie und Raoul tun? So ein Verhalten wirst du doch nicht dulden, habe ich Recht?" fragte Medusa gespannt und versuchte Buffi unterschwellig zu einem Gegenschlag anzustacheln. "Glaubst du im Ernst, ich würde Mäckie nach diesen Vorkommnissen noch in der Firma behalten? Nein, nein! Die kleine Göre hat sich damit jede Chance verspielt. Mäckie hat mich eiskalt angelogen und sich dadurch einen Platz im Betriebsrat erschlichen. Das wird sie noch büßen!" Buffi redete sich regelrecht in Rage und Trudy war über diese Äußerungen äußerst schockiert. "Aber Mutter, Mäckie hatte ganz bestimmt keine schlechten Absichten. Ich meine, sie ist doch noch so jung..." "Hör doch auf, sie die ganze Zeit in Schutz zu nehmen!" mischte sich nun wieder Medusa ein. "Mäckie ist berechnend, eiskalt und karrieregeil, das weiß doch jeder." "Von wem sie das wohl hat," erwiderte Trudy mit großen Augen und legte ihren Kopf in den Nacken. Medusa wollte gerade kontern, als die kleine Rory zurückkehrte und Buffi das verlangte Eis brachte. Allerdings hatte sie keinen Eisbeutel besorgt, sondern ein Eis am Stiel vom Automaten gekauft. Stolz hielt sie ihrer Großmutter hin. "Doch nicht so ein Eis," rief Buffi ungehalten und schlug Rory das Eis aus der Hand. "Bin ich hier eigentlich nur von Idioten umgeben?" Sie hielt sich eine Hand an die Stirn und schaute sich dann nervös im Zimmer um. "Meine Tasche! Hat jemand meine Tasche gesehen?" Schweißtropfen bildeten sich auf ihrer Stirn und ihr Puls begann zu rasen. "Hier ist sie," meldete sich Ruby zu Wort und brachte sie Buffi. "Her damit! Wie könnt ihr es wagen, meine Tasche auf dem dreckigen Fußboden abzustellen? Die Tasche ist ein Unikat, einfach unersetzlich – wie oft muss ich es euch eigentlich noch sagen?" Ungläubig über so viel Ignoranz schüttelte Buffi den Kopf, kramte ein wenig in ihrer kostbaren Tasche und brachte nach einigen Augenblicken ihr hochmodernes Handy zum Vorschein. "Was hast du denn vor?" erkundigte sich Trudy und schaute Buffi mit einem fragenden Blick an. "Ich rufe jetzt die Polizei an und erstatte Anzeige gegen Raoul. So einer wie der darf einfach nicht frei herumlaufen. Der ist ja eine Gefahr für die Allgemeinheit." Mit viel Feingefühl tippte Buffi die Ziffern auf dem Display an und legte dann das Handy an ihr rechtes Ohr.
Nach einem langen Marsch über Stock und Stein war Ruthie Mackenzie endlich in Epiphany Town angelangt. Das letzte Stück von der Stadtgrenze bis zum Melody Tower war sie per Anhalter gefahren und hatte dem LKW-Fahrer auf ihre persönliche Art und Weise gedankt. Inzwischen hatte sie sich auch ihres Nonnenkostüms entledigt und es achtlos auf die Straße geworfen. Beim Melody Tower war inzwischen nichts mehr vom Trubel des Vormittags zu bemerken, nicht eine Person war weit und breit zu sehen. Dies kam Ruthie äußerst gelegen, denn es sollte schließlich niemand erfahren, dass sie das Camp verlassen hatte. Auf leisen Sohlen schlich sie auf den Haupteingang zu, der von einem ausgeklügelten Videosystem mit Pupillenscanner überwacht wurde. Siegessicher stellte sich Ruthie vor die Kamera und schaute lasziv hinein. Doch dann kam das böse Erwachen: Die verzerrte Computerstimme sagte "Kein zugangberechtigtes Individuum. Zutritt verweigert!" und Ruthie verstand die Welt nicht mehr. "Das habt ihr euch ja fein ausgedacht, ihr dreckigen Schlampen. Aber dafür werdet ihr büßen – und meine Rache wird fürchterlich sein!" zischte Ruthie und trat noch einmal mit voller Wucht gegen die Panzerglastür, bevor sie wutentbrannt davonstürmte. Nach wenigen Minuten hatte sie die Innenstadt von Epiphany Town erreicht. Ziellos irrte Ruthie durch die Straßen, bis sie schließlich auf einem belebten Marktplatz ankam. Vor einem Geschäft hatte sich eine Menschentraube versammelt, die gebannt auf einen Fernseher im Schaufenster starrte. Ruthie näherte sich dem Geschehen und verschaffte sich Platz, indem sie lauthals "Weg da, macht Platz, hier komm ich, Ruthie Mackenzie!" rief und ihre Ellenbogen einsetzte. Nachdem sie sich in die erste Reihe vorgekämpft hatte, erkannte sie Eschke Doughter auf dem Bildschirm, die gerade mit ihrer erfolgreichen Sendung "Girls and Gossip" live auf Sendung war. "Und nun die Topmeldung des Tages: In Melody Ville haben heute zwei sympathische Mitbürger ihre baldige Hochzeit bekanntgegeben. Es handelt sich dabei um Piston Rogers und Luis Figaro. Die Trauung findet bereits morgen statt. Jeder, der an den Feierlichkeiten teilnehmen möchte, wird gebeten, sich telefonisch bei Mrs. Preston Rogers zu melden und seine Kreditkartennummer durchzugeben. Die Telefonnummer blenden wir gleich am unteren Bildschirmrand ein. Und nun geht es weiter mit..." Ruthie hatte genug gehört und gesehen. Sie war kurz vom Explodieren und hätte am liebsten wild um sich geschlagen. "Sieht so aus, als hätte sich alles gegen mich verschworen. Aber warte nur, liebste Piston Rogers, dir wird das Lachen schon noch vergehen. Ich werde dir den Spaß gründlich verderben, so wahr ich Ruthie Mackenzie heiße. Ich habe schon einmal eine Hochzeit ruiniert und es wird mir auch ein zweites Mal gelingen," grinste Ruthie diabolisch und strich sich dabei eine Strähne ihres goldblonden Haars aus dem Gesicht...














