36/V Les filles du collège

Trudy Mackenzie war eigentlich eine Frau auf die man sich stets verlassen könnte. Wenn jemand etwas Zucker brauchte, dann half Trudy aus (Trudy überreicht Eschke mit einem Lächeln eine Tasse Zucker). Sie vergaß nie einen Geburtstag (Trudy schreibt Glückwunschkarten). Und wenn jemand eine Schulter zum Anlehnen brauchte, war Trudy zur Stelle (Trudy sitzt gemeinsam mit Tabatha auf der Couch und reicht ihr ein Taschentuch). Doch es gab auch einige Situationen, in denen Trudy vollkommen neben sich stand. So kam sie damals zu ihrer eigenen Abschlussfeier zu spät. Und zur Einschulung ihrer Tochter Ruthie. Und sogar zu ihrer eigenen Hochzeit. Ja, es gab Situationen im Leben, die selbst Trudy Mackenzie über den Kopf wuchsen. Und auch dieses Mal war es nicht anders. Nach ihrer durchzechten Nacht mit Captain Dick Shame wachte sie erschrocken in dessen Kajüte auf. "Du meine Güte, wie spät ist es?" schrie sie schaute auf den Wecker. "Oh nein, nicht schon wieder!" In Windeseile suchte sie ihre sieben Sachen zusammen und begann sich hastig anzuziehen.

Währenddessen saß Ruthie schmatzend am Küchentisch und verdrückte kalte Pizza vom Vortag. Mäckie war derweil im Badezimmer und machte sich frisch. Doch plötzlich kam sie heulend in die Küche gelaufen. "Als ich gerade in den Spiegel geschaut habe, wäre ich fast in Ohnmacht gefallen! Ich habe einen riesigen Pickel auf der Nase und das ausgerechnet heute!" "Wenn ich so aussehen würde wie du, würde ich gar nicht mehr aufwachen!" zischte Ruthie garstig und flitschte mit einer Kugel aus kaltem Käse nach Mäckie. "Bei dir zerbricht der Spiegel doch sofort in tausend Teile, wenn du einen Blick hinein wirfst!" knatschte Mäckie und trat in ihrer Wut gegen Ruthie, doch sie erwischte stattdessen nur das Tischbein und schrie entsetzt auf. In diesem Moment hupte es vor dem Haus drei Mal kurz hintereinander, und Ruthie und Mäckie stürmten zum Fenster. Eine lange, schwarze Limousine hatte vor dem Haus der Mackenzies geparkt und nun wurde die hintere Fensterscheibe runtergekurbelt. Dahinter kam Bambina Knirsh zum Vorschein. "Hey gals! Ist das not fantastic? Wir driven wie die Stars! Und meine Mutter payt den Shit! Na los, come on!" Dies ließen sich Ruthie und Mäckie nicht zwei Mal sagen und stürmten wie von der Tarantel gestochen nach draußen. Die beiden quetschten sich neben Bambina und Graaz auf die viel zu schmale Rückbank und knallten dann die Türe zu. "I brought uns eine wonderfulle Kostbarkeit! Oh, es prickelt so toll in my bellybutton!" kicherte Bambina lauthals und zauberte eine Flasche Champagner aus der Minibar hervor. "Nasdrowje!" kreischte sie und ließ den Korken knallen. Danach gab es kein Halten mehr und alle vier stürzten sich auf den schmackhaften Inhalt der Flasche. Bambina gab dem Chauffeur per Pfeifzeichen das Signal zum Start und schon kurz darauf setzte sich die Limousine in Bewegung.

Starring
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Halle Berry as Eschke Doughter
Francis Capra as Raoul Figaro
Marcia Cross as Preston Rogers
Courtnee Draper as Piston Rogers
Jan Hoag as Murgy Muschka
James Hyde as Hank Bennett
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Juliett Mills as Tabatha Lopez
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Kay Panabaker as Dinah Beseburgh
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie
Nicholle Tom as Graaz Lopez
Guest Starring
Joanna Cassidy as Paris Lohan
Andrea Evans as Trudy Mackenzie
Jessica Simpson as Britt Lohan
Chandra Wilson as Mironda Hailey

An diesem Morgen war Britt Lohan früh aufgestanden, um noch vor dem Frühstück ein paar Runden durch die Straßen von Melody Ville zu joggen. Doch sie kam nicht weit, denn bereits in der Einfahrt zum Hotel "Bitch & Breakfast" wurde ihr Morgenlauf vorzeitig beendet. Geschockt starrte sie auf das Garagentor, auf das in großen roten Buchstaben das Wort WHORE gesprayt worden war. "Oh mein Gott!" schrie Britt aufgebracht auf. "Mutter, komm sofort hier her. Das musst du dir ansehen!" befahl sie ihrer Mutter Paris, die mit Gurkenmaske und im Bademantel aus dem Hotel gelaufen kam. "Was ist denn passiert? Ich habe gleich einen Termin, na du weißt schon...," bemerkte sie. "Könntest du mir das bitte mal erklären? Als ich gestern Abend nach Hause kam, stand das noch nicht da," zischte Britt und stemmte die Hände in die Hüften. "Schätzchen, da steht das geschrieben, was wir nicht auf unser Hotelschild schreiben durften. Du erinnerst dich doch sicher noch an die Diskussion, die ich mit Sheriff Parkinson hatte. Leider konnten wir uns auch nicht außerhalb des Police Departments einigen," erklärte Paris ihrer Tochter, während sie sich ihre frisch operierten Brüste zurecht rückte. "Achso! Na dieser Sheriff ist mir auch unsympathisch. Er wollte mir doch partout nicht glauben, dass jemand mein Fahrgestell gebumst hatte. Tse!" "Nun aber Schluss damit. Hol dir hurtig einen Eimer Farbe und übermal das Gekritzel. Eine Gruppe Bodybuilder hat sich für heute angemeldet, die besonders pflegebedürftig sein sollen. Und da soll doch alles Tiptop aussehen." Mit diesen Worten verschwand Paris wieder im Hotel. Weder sie noch Britt hatten bemerkt, dass ihr Gespräch von niemand Geringerem als Eschke Doughter belauscht wurde, die sich auf der anderen Straßenseite befand und in der Geschichte die perfekte Story für die Mittagsnachrichten witterte. Blitzschnell fischte sie mit spitzen Fingern ihr Handy aus der Tasche und rief ihren Kameramann Max an, der sich augenblicklich auf den Weg zum Hotel machen sollte.

Mit quietschenden Reifen kam die Limousine mit Bambina, Graaz, Ruthie und Mäckie gerade noch rechtzeitig auf dem Campus des Melody College zum Stehen. "Oh my god, ich bin so ja so excited about the whole thing hier!" platzte es aus Bambina heraus während die vier aus dem Wagen aussteigen. "Jetzt bleib mal locker, du Drama Queen, sonst sehe ich mich gezwungen dir dein Drama Maul zu stopfen," zischte Ruthie und schubste Bambina in Richtung Eingang. Nachdem die vier Mädchen die College Lounge betreten hatten, erblickten sie eine riesige Traube von anderen Studenten, die sich vor dem schwarzen Brett versammelt hatte. "Da scheint irgendwas Wichtiges zu stehen," bemerkte Graaz mit unsicherer Stimme. Ruthie ging als Erste und boxte sich den Weg durch die Massen. "Weg da, macht Platz, hier komm ich, Ruthie Mackenzie!" rief sie immer wieder und trat den anderen auf die Füße oder versetze ihnen einen Hieb in die Rippen. Nachdem alle ihren Namen auf der Liste entdeckt hatten, ließ ein Name fast Ruthies Blut in den Adern gerinnen. "Piston Rogers? Was, die alte Drecksau ist auch hier?" hallte es plötzlich durch die Lounge und es war mucksmäuschenstill. "Ganz recht! Ich bin es leibhaftig!" brach eine weibliche Stimme das Schweigen und alle Gesichter drehten sich in Richtung der langen Treppe, auf der eine junge Frau mit erhobenen Haupt auf die Menge blickte. "Schluss jetzt mit den Mätzchen, mein Name ist Dr. Hailey und ich werde Sie heute hier rumführen!" schrie plötzlich eine dominante Stimme und eine kleine, etwas korpulentere dunkelhäutige Frau rauschte an Piston die Treppe hinunter. "Ihr braucht euch nicht einzuschleimen, denn ich hasse euch jetzt schon. Ihr tut das, was ich euch sage. Solltet ihr meinen Anweisungen nicht folgen, fliegt ihr schneller raus, als dass ihr Semesterferien sagen könnt. Sowas wie Freizeit habt ihr ab jetzt nicht mehr." Nachdem Dr. Hailey die Gruppe über den ganzen Campus geführt hatte, ihnen jeden einzelnen Hörsaal, die Bibliothek und die Mensa gezeigt hatte, brach ein Teil in der Lounge erschöpft zusammen. "Ich möchte, dass Sie mir einen zehnseitigen Essay schreiben, in dem Sie ihre Erwartungen und eigene Ziele an das College aufschreiben. Abgabe morgen um Punkt 10 Uhr." Bambina hob den Arm und fuchtelte damit wie wild in der Luft herum. "Was wird das, wenn es fertig ist?" wollte Dr. Hailey wissen. "Und what happens when wir not in time abgeben?" "Das wollen Sie gar nicht wissen!" Mit diesen Worten begab sich Dr. Hailey in Hörsaal 2, wo sie auf eine alte Bekannte treffen sollte. "Mironda?" entgegnete Trudy Dr. Hailey. "Trudy? Oh mein Gott!" kreischten beide gleichzeitig und fielen sich in die Arme. "Wie geht’s dir?" wollte Mironda von ihrer alten Schulfreundin wissen. "Ganz hervorragend. Was machst du denn hier?" "Das ist mein Kurs!" "Ist nicht dein Ernst. Ich dachte, ich wäre die Einzige in meinem Alter hier in diesem Kurs. Ich bin viel zu spät dran. Ich habe schon die Einführung verpasst. Setz dich doch," lachte Trudy und legte ihren Kopf in den Nacken. "Oh nein, ich bin hier, weil ich hier unterrichte." Trudy verdrehte die Augen und ließ sich in ihren Sitz fallen.

Obgleich Melody Ville eine sehr kleine Stadt war, gab es für die Mitarbeiter des Polizeipräsidiums – kurz MVPD – keine ruhige Sekunde. Mal ging es um gestohlene Dreiräder, dann wieder um verschwundene Babys oder auch Mord und Totschlag. Auch an diesem Tag hatten die Beamten alle Hände voll zu tun: Während sich Sheriff Parkinson mit dem defekten Wasserspender beschäftigte, hatte Hank Bennett seine ehemalige Lebensgefährtin Tabatha Lopez aufs Revier gebeten. "Ich hoffe, es dauert nicht allzu lange. Ich muss dringend auf den Markt und frisches Gemüse kaufen," meckerte Tabatha, "was willst du überhaupt von mir? Mich bitten, dass du zu mir zurückkommen darfst? Vergiss es! Und dazu noch in dieser geschmacklosen Umgebung. Ein großer Romantiker warst du ja noch nie!" "Ich mache es kurz: Hast du gestern Nacht das Garagentor des Bitch & Breakfast beschmiert?" fragte Hank sie in einem scharfen Ton und Tabatha lachte künstlich auf. "Ich? Wie kommst du denn darauf?" "Nun, du bist die einzige Person, die in Frage kommt. Britt war total fertig und mit den Nerven am Ende, als sie mich vorhin benachrichtigt hat. Sie musste das Garagentor ganz alleine streichen und hat sich dabei selbst angemalt, weil sie den Pinsel nicht halten konnte." "Hör mir mal gut zu, Hank: Habe ich auch nur einmal einen Fleck absichtlich produziert? Habe ich jemals einen Fussel hinterlassen oder ein Staubkörnchen übersehen? Nein! Ich würde niemals auf die Idee kommen, absichtlich etwas zu beschmutzen." "Das klingt einleuchtend," murmelte Hank und legte nachdenklich seine Stirn in Falten. Konnte er Tabatha vertrauen oder nicht? Das Gespräch der beiden wurde unterbrochen, als ein Paketbote das Präsidium betrat und auf Hanks Schreibtisch zukam. "Ein Päckchen aus The Ditz für Officer Bennett! Bitte unterschreiben Sie hier!" "Aus The Ditz? Muss ja sehr wichtig sein," rümpfte Tabatha die Nase. In The Ditz befand sich der Regierungssitz, das wusste jedes kleine Kind. Nachdem Hank das Päckchen im Empfang genommen hatte, riss er die Verpackung auf und hielt nur wenige Sekunden später ein Videoband in den Händen. "Was ist das?" fragte Tabatha neugierig und Hank zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung. Aber das werde ich gleich sehen." Mit diesen Worten steckte er das Videoband in den altmodischen Videorekorder, der neben seinem Schreibtisch stand. Da die Lautstärke auf vollster Stufe stand, ertönte schon bald eine schräge Saxophonmusik zu dem verzerrten Bild auf dem Fernseher. Kurz darauf erschien der Schriftzug "Titten-Britt macht alles mit" und Tabatha warf Hank einen erschütterten Blick zu. Das Bild wechselte schließlich und auf dem Video war nun Britt zu sehen, die sich direkt an die Zuschauer wand. "Hallo, ich bin Titten-Britt und mache alles mit. Wenn ihr wissen wollt, was alles ist, dann begleitet mich auf meiner Reise durch das Shag Valley. Und schon geht’s los!" Britt zwinkerte einmal und war dann durch einen billigen Schnittwechsel aus der Szene verschwunden. "Oh mein Gott, Hank, das ist ein, ein..." Tabatha fehlten in diesem Moment die Worte. "Den kenne ich noch gar nicht," meinte Hank abwesend und seine Augen blieben regelrecht am Bildschirm kleben. Tabatha wurde das Ganze nun zu bunt und sie stand mit hochrotem Kopf auf, um den Stecker zu ziehen.

Mäckie hatte sich derweil mit einem Lageplan des Colleges bewaffnet und sich auf eigene Faust auf den Weg gemacht, um sich für ihr Studienfach einzutragen. Nachdem sie durch einen schier endlosen Gang gelaufen war, erreichte sie endlich eine Tür. Zögerlich klopfte Mäckie daran und betrat dann das kleine, finstere Büro, in dem nur ein uralter Schreibtisch und zwei Holzstühle standen. Auf einem der Stühle saß ein junger Mann – es war niemand Geringeres als Raoul Figaro. "Hallo," piepste Mäckie leise, "bin ich hier richtig? Ich wollte mich für mein Studienfach einschreiben." "Ja," brummte Raoul, "aber nur wenn dein Nachname mit den Buchstaben M, N, O oder P anfängt. Wie heißt du denn?" "Mäckie Douglas Mackenzie. Aber Douglas ist nur ein Künstlername. Hier ist mein Ausweis." "Da steht aber Mäckie Rory Mackenzie." "Rory ist mein zweiter Vorname. Den benutze ich aber schon seit einem Jahr nicht mehr," erwiderte Mäckie schnippisch. "Jaja, und ich hieß früher mal Brad Pitt." "Machst du dich etwa über mich lustig? Du solltest lieber froh sein, dass sich überhaupt jemand in dein popeliges Büro verirrt." "Hör zu, Püppchen, ich habe mir diese Arbeit nicht ausgesucht, verstanden? Meine Mutter meinte, dass sie mich dringend wieder in die Gesellschaft einführen muss, also hat sie mir diesen gutbürgerlichen Job verschafft. Ach, im Gefängnis war doch vieles einfacher," seufzte Raoul und Mäckies Interesse war erwacht. "Du warst im Gefängnis? Wahnsinn! Erzähl doch mal." Mäckie setzte sich Raoul gegenüber auf den zweiten Stuhl, schlug ihre Beine übereinander und schaute ihn erwartungsvoll an.

"Wie war das? Ein Schmuddelfilm mit Britt Lohan in der Hauptrolle? Wunderbar... Aber nein, Tabatha, ich sagte das ist furchtbar, absolut skandalträchtig! Ja, meine Liebe, es war gut, dass du mir Bescheid gesagt hast. Ich werde mich darum kümmern," lächelte Eschke mit einem teuflischen Blick, nachdem Tabatha ihr von Britts Pornovideo erzählt hatte. "Max! Komm sofort her!" schrie sie über die gesamte Straße. "Lass die Hochglanzmagazine gefälligst im Wagen und bring die Kamera mit! Jetzt geht’s rund!" Eschke räusperte sich einmal und drehte sich mit dem Wind, damit ihre Haare besser lagen. "Kamera an – Action!" rief Max und Eschke setzte sich gekonnt in Szene. "Meine verehrten Zuschauer, guten Tag, mein Name ist Eschke Doughter, ich berichte heute live vom Ort des Grauens für den geschätzten Sender MD-TV!" Eschke und Max hetzten vor das Motel "Bed & Breakfast" und positionierten sich direkt vor dem Haupteingang. "Noch vor wenigen Wochen dachte sich niemand etwas dabei, als vor den Toren der Stadt ein neues Motel eröffnete – man dachte, dass es womöglich den Tourismus ankurbeln würde. Doch dass es sich dabei eher um Sex-Tourismus handeln würde, hatte sich niemand auch nur in den kühnsten Träumen vorgestellt! Heute wurde der Polizei ein Videoband zugespielt, auf dem die Tochter der Besitzerin in obszönen Posen zu sehen ist. Und ich, Eschke Doughter, werde die Erste sein, die ein Exclusiv-Interview führen wird." Mit diesen Worten drückte Eschke mit ihren langen Fingernägeln auf die Türklingel. Nur wenige Sekunden später öffnete sich die Pforte und Paris Lohan erschien. Sie hatte eine Gurkenmaske auf dem Gesicht und ihre Haare unter einem überdimensionalen Handtuch versteckt. "Was wollen Sie? Wir haben noch geschlossen. Frische Bettwäsche ist aus. Kein Wunder, nach letzter Nacht," lachte Paris kurz auf. "Ich habe keine Zeit für Smalltalk! Aus dem Weg!" befahl Eschke und schubste Paris zur Seite. Mit Max an ihrer Seite, der jeden Schritt abkribisch verfolgte, stürmte sie bis zur Rezeption, wo Britt sich gerade mit einem Taschenrechner abmühte. "Eins plus... ach man, wo ist denn nur schon wieder die Taste mit der Eins?" jammerte Britt und merkte nicht, dass plötzlich jemand neben ihr. "Hier sehen wir Britt Lohan, die gerade nachrechnet, mit wie vielen Männern sie letzte Nacht sexuelle Kontakte hatte! Immer draufhalten, Max!" schrie Eschke und nun wurde auch Britt auf sie aufmerksam. "Wer sind Sie? Was wollen Sie hier?" "Mein Name ist Eschke Doughter, ich berichte live für MD-TV. Titten-Britt, erzählen Sie uns bitte alles über Ihre wilde Vergangenheit. Die Zuschauer interessiert jedes kleinste Detail, und sei es auch noch schmutzig!" Eschke hielt Britt das Mikrophon direkt unter die Nase. "Nicht so nah dran mit der Kamera. Nicht so nah ran, sonst flipp ich aus!" kreischte Britt entsetzt auf und versuchte ihr Gesicht mit ihren Händen zu verbergen.

Nach dem Schock mit Dr. Hailey hatten sich die Studenten erstmal in die Mensa begeben, um sich etwas zu stärken. Mäckie hatte sich eine große Portion Kartoffelbrei mit viel Soße geholt, da sich das am liebsten aß. Die Mensa war jedoch so überfüllt, dass sie nirgendwo einen Platz erspähen konnte. Nirgendwo außer neben Piston Rogers. Sie setzte sich neben sie und begann zu essen. "Boah, schmeckt das toll," schmatzte Mäckie, während sie den Kartoffelbrei in sich hineinschaufelte. Piston schien ihre Tischnachbarin jedoch vollkommen zu ignorieren und stocherte wortlos in ihrem Salat herum. Ruthie, die das Geschehen beobachtet hatte, kam nun zu den beiden an den Tisch. "Die Prinzessin auf der Erbse mag dich auch nicht lieber als eine von uns," meinte Ruthie und plötzlich erschienen hinter ihr Bambina und Graaz. "Ach halt doch dein Maul. Was weißt du denn schon?" entgegnete Mäckie mit vollem Mund. "Ich weiß mehr als du. Das merk dir, Flittchen!" zischte Ruthie und schüttete ihrer Cousine ein Glas Eistee ins Gesicht. "Verzieh dich, du Schlampe. Du kannst es doch nur nicht ertragen, dass ich mich mit Piston anfreunde und sie dich wie die Pest hasst!" schrie Mäckie und sprang von ihrem Stuhl auf. "Ha, dass ich nicht lache. Sie ignoriert dich doch," erwiderte Ruthie und fegte mit einem Schlag Pistons Tablett vom Tisch. Daraufhin nahm Mäckie eine Hand voll Kartoffelbrei und warf ihn Ruthie ins Gesicht. "Du Aas! Gib dein Essen her!" schrie sie und warf den Tisch um. "Essensschlacht!" schrie Bambina und innerhalb von Sekunden bewarf sich die gesamte Mensa mit Essen.

Inzwischen war es Abend geworden in Melody Ville und der Tag neigte sich langsam dem Ende zu. Piston Rogers hatte, nachdem sie von der Collegetour zurückgekommen war, erst einmal eine halbe Stunde unter der Dusche gestanden, um den angetrockneten Kartoffelbrei von ihrer Haut zu kratzen und die Soße aus ihren Haaren zu waschen. "Miststück, verdammtes," zischte sie und drehte Ruthie in Gedanken den Hals um. Die beiden waren seit jeher Erzrivalinnen, denn Piston Rogers hatte damals in Harmony Bay als Au Pair-Mädchen für Ruthie und ihren damaligen Ehemann Raffi de Mahaffy gearbeitet. Piston hüllte sich in ihren teuren Bademantel aus Satin und freute sich auf einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher. Ihre Mutter Preston war auf einer Tupperwarenparty und würde nicht vor Mitternacht nach Hause kommen. Gerade, als Piston die Treppe ins Erdgeschoss herunterkam, klingelte es an der Haustür. "Entschuldigung, dass ich so spät noch störe, aber ich wollte zu Preston Rogers," sagte Luis Figaro und machte einen höflichen Knicks, nachdem Piston die Tür geöffnet hatte. "Meine Mutter ist nicht da. Kann ich ihr etwas ausrichten?" "Sie ist nicht da? Oh, das ist aber schade. Ich hätte jetzt eigentlich Klavierunterricht bei ihr. Ich habe ihr auch einen Strauß Blumen mitgebracht." Luis überreichte Piston einen großen Strauß Klatschmohn. "Oh, die sind wirklich wunderschön. Meine Mutter hat den Termin wohl vergessen." Piston wusste, dass ihre Mutter sonst nichts vergaß – außer, wenn sie die Möglichkeit hatte, auf eine Tupperparty zu gehen. Dafür würde sie jederzeit alles stehen- und liegenlassen. "Willst du vielleicht reinkommen? Wir können zusammen ein Glas Milch trinken." "Ein Kakao wäre mir lieber," erwiderte Luis. "Auch das ist kein Problem," lächelte Piston und ließ Luis danach ins Haus eintreten. Ein paar Vögelchen zwitscherten in der Nähe, als Piston die Tür hinter sich schloss.

Letzte Aktualisierung: 10.06.2010

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