35/V Melody Housewives (2)

"Der Abend senkte sich langsam über Melody Ville, doch von Ruhe war weit und breit nichts zu spüren. Schlimm genug, dass ich vor ein paar Tagen Selbstmord begangen hatte – nein, meine engsten Freunde hatten selber genug Dramen in ihren eigenen Leben..." Vor lauter Wut über Tabathas Putzsucht hatte Hank Bennett schließlich seine Koffer gepackt und hatte mit Sack und Pack das Haus verlassen. Bei seinem besten Freund Ben konnte er nicht unterkommen, da dieser nach Danas Tod genug Sorgen hatte. Also blieb ihm als einziger Ausweg, in ein Motel zu ziehen. Was für ein Glück also, dass "Bitch & Breakfast" vor kurzem in Melody Ville eröffnet hatte. Als er in seinem Dienstwagen, dem einzigen Polizeiauto in der ganzen Stadt, vor dem Motel hielt, hörte er plötzlich eine schrille Frauenstimme. "Officer, jemand hat mein Fahrgestell gebumst!" Es handelte sich dabei um Britt Lohan, die vollkommen aufgelöst auf der Straße stand und ihren demolierten Wagen betrachtete. "Warten Sie, ich helfe Ihnen," rief Hank und kam auf sie zugelaufen. "Was ist denn passiert?" "Ich weiß es nicht. Ich weiß sowieso nicht viel, aber das hier übersteigt meinen geistigen Horizont um Längen," schluchzte Britt hemmungslos, während Hank den Schaden begutachtete. "Also wenn ich das richtig sehe, dann ist das nur ein leichter Blechschaden. Das Nummernschild ist auch noch ganz." "Und das Rohr steht sicher auch wie eine Eins," bemerkte Britt und betrachtete Hanks Schritt aus dem Augenwinkel. "Das tut es, schauen Sie doch," erwiderte Hank, der schließlich dachte, dass Britt vom Auspuffrohr des Wagens sprach. "Sie haben mir so sehr geholfen. Vielen Dank," hauchte Britt und gab Hank einen spontanen Kuss auf die Wange. "Es ist ganz schön heiß heute, nicht wahr? Vielleicht sollte ich mich ein wenig abkühlen." Britt nahm den Schwamm, mit dem sie sonst immer ihr Auto abwusch, und tupfte sich damit lasziv die Stirn ab, auf der sich schon einige Schweißperlen gebildet hatten. "Vielleicht haben Sie auch Fieber. Wäre kein Wunder, immerhin laufen Sie hier fast nackt in der Gegend rum. Da holt man sich leicht eine Erkältung," meinte Hank und Britt schaute ihn verwundert an. "Ich dachte, Sie sind Polizist und kein Arzt?" "Oh, ich bin kein Arzt, aber..." "Sie sind ja so klug. Ich möchte so viel von Ihnen lernen," himmelte Britt Hank regelrecht an. Danach nahm sie seine Hand und platzierte sie auf ihren nackten Brüsten. "Ich bin Ihnen zutiefst ergeben." Eine solche Einladung ließ sich ein Mann wie Hank natürlich nicht zweimal erbitten und seine Augen glühten vor Vorfreude.

Starring
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Halle Berry as Eschke Doughter
Francis Capra as Raoul Figaro
Marcia Cross as Preston Rogers
Courtnee Draper as Piston Rogers
Jan Hoag as Murgy Muschka
James Hyde as Hank Bennett
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Juliett Mills as Tabatha Lopez
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Kay Panabaker as Dinah Beseburgh
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie
Nicholle Tom as Graaz Lopez
Guest Starring
Kathy Baker as Catalina Figaro
Andrea Evans as Trudy Mackenzie
Maria Rubio as Abuela Leone
Harriet Samson Harris as Magda Muschka
Jessica Simpson as Britt Lohan
Lee Tergesen as Dick Shame
Sandra Vidal as Sierra Leone

"Meine gute Freundin Tabatha Lopez war schon immer eine praktisch veranlagte Frau gewesen. Sie hatte nie irgendwelche Klamotten weggeworfen, selbst wenn sie längst aus der Mode gekommen waren. Denn, so sagte sie immer, irgendwann im Leben kommt der Tag, wo man diese Sachen noch einmal gebrauchen könne. Und sie sollte Recht behalten..." Hanks Auszug hatte Tabatha vollkommen aus der Bahn geworfen und sie konnte Hanks eigenmächtiges Handeln nicht einfach auf sich sitzen lassen. Nein – sie war fest entschlossen, ihn zurückzuerobern! Um dies zu bewerkstelligen hatte sie sich in einen sexy Pelzmantel geworfen, den sie auf dem Speicher gefunden hatte. Er war zwar mindestens vierzig Jahre alt und roch auch ebenso, aber das störte Tabatha nicht im Geringsten. Sie wusste, wenn sie Hank zurückgewinnen konnte, dann nur mit diesem Pelz! Mit quietschenden Reifen stoppte sie also an diesem Abend vor dem Motel "Bitch & Breakfast". Nirgends brannte mehr Licht, doch Tabatha ließ sich davon nicht abschrecken. Als auch die Vordertüre schon abgeschlossen war, kletterte sie kurzerhand über den weißen Gartenzaun und ging vorsichtig um das Gebäude herum. Auf der Rückseite erspähte sie schließlich den Whirlpool, um den herum einige Partyfackeln in den Boden gerammt waren. Diese waren angezündet und erhellten spärlich die Nacht. Durch das schummerige Licht konnte Tabatha erkennen, dass eine Gestalt im Whirlpool saß – und es war Hank. Langsam kam Tabatha näher auf ihn zu. Hank hatte den Kopf in den Nacken gelegt und schien zu träumen. Plötzlich legte Tabatha ihre Hand auf seine nackte Schulter und hauchte ein verführerisches "Guten Abend, Fremder" in die Nacht. Dann ließ sie lasziv ihren Pelzmantel über die Schultern fallen und präsentierte sich in einem roten Lederkorsett. Doch ihre Vorstellung brachte nicht den gewünschten Anklang, denn Hank drehte sich erschrocken um und vor ihm tauchte Britt Lohan aus dem Wasser an die Oberfläche. "Oh... mein... Gott...," stieß Tabatha entsetzt auf. "Wollen Sie mitmachen? Hier ist noch genug Platz," sagte Britt ungeniert und dieser Satz brachte Tabatha vollends auf die Palme. "Du miese Hure!" schrie sie außer sich vor Wut und vollführte einen Hechtsprung, um sich auf Britt zu stürzen. "Du blödes Miststück! Blödes Miststück!" Tabatha begann Britt zu würgen und sie an ihren langen blonden Haaren zu ziehen. Danach gab sie ihr einige schallende Ohrfeigen und knallte ihren Kopf gegen die Beckenwand. "Hilfe! Eine Verrückte!" wimmerte Britt unter Tränen, nachdem Tabatha endlich von ihr abgelassen hatte. Mit Mühe und Not stieg Tabatha schließlich aus dem Pool aus, denn ihr Pelz hatte sich komplett mit Wasser vollgesogen und wog deshalb mehr als das Dreifache. "Ich hätte dir mehr Geschmack zugetraut," zischte sie Hank zu, bevor sie im Dunkeln der Nacht verschwand.

Unruhig wippte Abuela Leone am nächsten Morgen in ihrem Schaukelstuhl und warf ab und zu einen Blick auf den Fernseher, wo gerade ihre Lieblingstelenovela "Hija de la Luna" lief. Abuela befand sich immer noch im Wohnzimmer ihrer Enkelin Sierra, doch diese war bereits seit einer guten Stunde im oberen Stockwerk verschwunden – und zwar gemeinsam mit ihrem Gärtner, dem minderjährigen Raoul Figaro. Sierras Verlobter Tonni de Minguez war derweil ins Fitnesscenter gefahren. "Irgendetwas kommt mir hier sehr spanisch vor," zischte Abuela, nachdem sie noch einen Schluck Sangria zu sich genommen hatte. "Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass Sierra mich hereinlegen will. Mit der alten Abuela kann man es ja machen. Aber so nicht, du Früchtchen. Sierra will doch nur meine Peseten, um sich davon ein schönes Leben zu machen. Aber von mir bekommt sie keinen verrotteten Peso." Ächzend erhob sich Abuela Leone aus dem Schaukelstuhl und stieg die schmale Wendeltreppe ins obere Stockwerk herauf. Dort angekommen fand sie sich erst einmal gar nicht zurecht, denn es gab mindestens zehn verschiedene Türen. Hinter jeder Türe, die Abuela öffnete, befand sich ein Badezimmer nach dem nächsten. Jedes war mit einem großen Wannenbad und Marmorfliesen ausgestattet. "Dieses verschwenderische Miststück," zischte Abuela und bediente sich an den zahlreichen Parfümfläschchen, die auf einer Anrichte fein säuberlich aufgereiht waren. "Von wegen Sierra ist bettelarm. Wenn Geld stinken würde, dann wäre das hier das Paradies," verzog Abuela angewidert das Gesicht, nachdem sie an einer Prise Moschus gerochen hatte. Endlich erreichte sie auch das Schlafzimmer und stieß schwungvoll die Türe auf. Der Anblick, der sich ihr bot, setzte dem Ganzen noch die Krone auf: Sierra lag mit Juwelen überhäuft auf dem großen Doppelbett und ließ sich von Raoul mit Weintrauben füttern. "Oh mi corazon!" schrie Abuela Leone entsetzt auf. "Das schlägt dem Fass doch den Boden aus! Du lebst hier in Saus und Braus und willst dir gleichzeitig noch das Erbe einer alten, hilflosen Frau erschleichen? Dass du dich nicht schämst! Du bist enterbt, Sierra!" "Aber Abuela...!" fuhr Sierra erschrocken hoch und verschluckte sich dabei an einer Traube. "Schweig still! Ich habe genug gesehen!" zischte Abuela und machte auf dem Absatz kehrt. "Halt sie auf! Du musst sie aufhalten!" schrie Sierra Raoul zu und er rannte Abuela hinterher. Auf dem Treppenabsatz hatte er sie bereits eingeholt, doch sie versetzte ihm einen kräftigen Schlag in den Magen. Ungehindert lief sie auf die Straße, um sich ein Taxi heranzuwinken. Doch das gelbe Auto, was angebraust kam, war kein Taxi, sondern der Tieflader von Murgy Muschka, an dessen Steuer niemand Geringeres als Magda saß. Ohne zu bremsen raste diese mit 180 km/h durch die Milabu Avenue und achtete auf nichts und niemanden. Abuela Leone konnte dem Wagen nicht mehr rechtzeitig ausweichen und wurde meterweit durch die Luft geschleudert. Blutüberströmt blieb sie auf der Fahrbahn liegen.

Vollkommen abgehetzt erreichte Magda Muschka schließlich das Haus ihrer Schwester Murgy. Zunächst entledigte sie sich ihres schwarzen Overalls und brachte danach die große Schaufel, mit der sie zuvor im Melody Forest ein tiefes Loch gegraben hatte, zurück in die Garage. Als sie in die Küche ging, um sich eine große Schüssel Pudding zu genehmigen, klopfte es plötzlich an der Haustür. Madga wischte sich ihre blutverschmierten Hände an ihrer Kittelschürze ab und öffnete dann. "Dinah? Das ist aber eine Überraschung," setzte sie ein künstliches Lächeln auf, als sie Bens und Danas Tochter vor sich stehen sah. "Entschuldigen Sie die Störung, aber ich wollte Sie fragen, ob Sie vielleicht wissen, wo mein Vater ist? Er ist seit gestern Abend spurlos verschwunden." "Tut mir leid, ich habe keinerlei Ahnung. Möchtest du vielleicht hereinkommen? Es ist noch Pudding da." "Danke, das ist sehr freundlich," nickte Dinah und betrat zaghaft den Hausflur, wo sie sich erst einmal neugierig umsah. "Das ist nur Krempel meiner Schwester. Sie hat einen furchtbaren Geschmack," meinte Magda abfällig und stellte gleichzeitig zwei kleine Schälchen auf den Küchentisch. "Komm her und setz dich." Dinah tat wie ihr befohlen und nahm auf einem der moderigen Stühle Platz. "Sind Sie auch so eine fiese Hexe wie ihre Schwester?" fragte sie schließlich und hätte sich am liebsten direkt danach auf die Zunge gebissen. "Aber Kindchen, wie kommst du denn auf sowas," lächelte Magda und drehte sich für einen Moment um. "Ich bin noch viel gemeiner als meine Schwester," lachte Magda schließlich, "wurdest du schon einmal hypnotisiert, Dinah? Nein? Dann ist es jetzt höchste Zeit." Mit diesen Worten zog sie ein Pendel hinter ihrem Rücken hervor und ließ es vor Dinahs Augen hin- und herschwingen. Dinah konnte sich nicht wehren und wurde in einen Trancezustand versetzt. "Hör mir jetzt gut zu, Dinah. Dein Vater ist tot. Meine Schwester Murgy hat ihn umgebracht. Hast du verstanden? Wiederhole, was ich gerade gesagt habe, sonst knallt es." "Murgy Muschka hat meinen Vater getötet," erwiderte Dinah mit schleppender Stimme. "Braves Kind," lächelte Magda zufrieden und tätschelte Dinahs Kopf, doch plötzlich durchfuhr sie ein elektrischer Schlag. Sie hatte eine Vision... "Du sag mal, ist das Zahnpasta da auf deiner Hose?" meinte sie und zeigte auf die weißen Flecken auf Hanks Jeans. "Ja... so wird es wohl sein...," Hank wurde hochrot, als Dana an den Flecken herumrieb. "Das ist ja noch ganz frisch," bemerkte sie... "Kann es vielleicht sein, dass Sie schwanger sind?" "Ich weiß nicht, ich habe mit meinem Mann schon seit über einem Jahr nicht mehr geschlafen," zuckte Dana mit den Schultern. "Das können wir ganz schnell prüfen. Sie sind schwanger, ohne Irrtum. Und das bereits in der ersten Woche." "Aber... das... das ist doch unmöglich..." röchelte Dana... "Sacre bleu! Welch perfides Geheimnis! Ben ist also gar nicht Dinahs leiblicher Vater," entfuhr es Magda, als sie langsam wieder zu sich kam. "Mal sehen, ob ich dieses Geheimnis nicht noch irgendwie für mich nutzen kann." Wieder erschien ein teuflisches Grinsen auf Magdas Gesicht.

"Kommst du also noch mal nach Hause," bemerkte Catalina Figaro in einem abfälligen Ton, als ihr ältester Sohn Raoul gegen Mittag in seinem Elternhaus am Rande von Melody Ville auftauchte. "Ich hatte viel zu tun," erwiderte Raoul knapp und schnappte sich im Vorbeigehen die Tageszeitung, die auf dem Tisch lag. Als er an seiner Mutter vorbeiging, rümpfte diese entsetzt ihre Nase. "Du riechst nach Nutte." "Was?" "Natürlich! Du warst bei einer Frau. Lüg mich nicht an, ich kann es dir an der Nasenspitze ansehen." "Du liest zu viele Groschenromane. Und jetzt lass mich durch, ich bin müde." "Oh nein, Freundchen, so schnell kommst du mir nicht davon. Wer ist es?" funkelte Catalina ihren Sohn mit einem bösen Blick an. "Das geht dich nichts an." "Oh doch, so lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, gehörst du mir, Jungchen. Erinnere dich an den Deal, den wir besiegelt haben, damit ich dich aus dem Gefängnis hole! Normalerweise hättest du noch zehn Jahre hinter Gittern schmoren müssen." Plötzlich klingelte Raouls Handy und bevor er den Anruf entgegennehmen konnte, riss Catalina ihm das Gerät aus den Händen. Auf dem Display war "Sierra ruft an" zu lesen. "Sierra? Sierra Leone? Ich hätte es mir gleich denken können. Diese Frau nimmt alles, was nicht bei Un, dos, tres auf den Bäumen ist!" Catalina verpasste ihrem Sohn daraufhin eine schallende Ohrfeige. "Ich dachte immer Luis ist missraten, aber du bist noch tausend Mal schlimmer! Geh sofort auf dein Zimmer!" Nachdem Raoul verschwunden war, holte Catalina das dicke Telefonbuch aus dem Wandschrank. "Wo ist denn nur... ah, die Telefonnummer von Sheriff Parkinson. Jetzt geht es dir an den Kragen, Sierra."

Es war lange her gewesen, seitdem sich die Clique von Melody Ville das letzte Mal an der Statue von St. Alamain getroffen hatte, um zu quatschen und Schabernack zu treiben. Zu allem Überfluss waren aus der Clique auch nur noch wenige Leute übrig geblieben, doch der harte Kern hatte stets wie Pech und Schwefel zusammengehalten. Graaz, die immer noch erblindet war, saß auf dem Marmorrand der Statue, und Bambina und Luis spielten derweil Seilchen springen. Unbemerkt von den drei Jugendlichen tauchte Dinah auf. "Darf man bei euch mitmachen?" Bambina und Luis hielten für einen Augenblick inne und schauten Dinah erstaunt an. "Oh my god, Dinah, is das wirklich you?" fragte Bambina mit großen Augen. "The last time ich habe dir gesehen, du warst noch so little mit Hut." Bambina zeigte mit ihren Fingern eine Spanne von ungefähr fünf Zentimetern. "Sie ist eben sehr frühreif," machte Luis ihr schöne Augen, was Dinah aber nicht bemerkte. "Oh Dinah, natürlich darfst du bei uns mitmachen. Ich kann ja so sehr nachempfinden, wie du dich jetzt fühlst," meinte Graaz mitleidig und streckte ihre Arme aus, um Dinah zu umarmen, doch Dinah zündete sich erst einmal eine Zigarette an. "Das ist so cool von euch. Hier in der Stadt ist es nämlich so öde. Ich muss dringend mal etwas Dampf ablassen. Wer von euch hat Bock auf eine Mopedtour zum Melody Lake?" fragte Dinah in die Runde, doch alle schauten sie nur unschlüssig an. Niemand bekam mit, dass ein anderes Mädchen diese Szene aus naher Ferne beobachtete: Piston Rogers hatte sich hinter einem Müllcontainer versteckt und machte sich auf einem kleinem Block eifrig Notizen.

Während Trudy Mackenzie sich im Fernsehen die finalen Entscheidungen der olympischen Winterspiele ansah und Mäckie in ihrem Zimmer Talkshow mit Herr Sandmann spielte und alles mit ihrem Kassettenrecorder aufzeichnen wollte, lief Ruthie mit einem Spuckrohr durch die Wohnung und nietete alles um, was ihr ein Dorn im Auge warf. Nun hatte sie sich genau gegenüber von Mäckies Zimmertüre postiert und wartete darauf, dass ihre Cousine aus dem Zimmer kam. Als Mäckie die Türe öffnete, spuckte Ruthie ihr ein kleines Kügelchen mithilfe des Spuckrohrs genau ins Gesicht. Mäckie fing natürlich sofort an zu plärren und rannte zu Trudy ins Wohnzimmer. "Tante Trudy, Tante Trudy, Ruthie hat mich angespuckt und außerdem hat sie meinen Kassettenrecorder kaputt gemacht!" schluchzte Mäckie und hielt dabei den Recorder an ihren Händen. "Das ist gar nicht wahr, du Mistkröte!" zischte Ruthie, die ins Zimmer gelaufen kam und sie verpasste Mäckie mit dem Spuckrohr einen Schlag auf den Hinterkopf. "Wohl, ich hab genau gesehen, wie du vorhin aus meinem Zimmer geschlichen kamst. Und jetzt kann ich abends keine Gute-Nacht-Geschichten mehr von dem Einschlafen hören. Damit hast du den Zorn von Herrn Sandmann auf dich gezogen. Mit seiner Hilfe werde ich dich schon kaltstellen!" "Ach, halt die Klappe!" keifte Ruthie. "Halt du doch die Klappe!" erwiderte Mäckie und schlug Ruthie das Spuckrohr aus der Hand. "Nein, du hälst die Klappe!" "Haaaaalt die Klaaaaaaappe!" Ruthie riss Mäckie den Recorder aus der Hand und warf ihn gegen die Wand, so dass er in tausend Stücke zerschellte. Daraufhin nahm Mäckie ihre Cousine in den Schwitzkasten und verpasste ihr ein paar Kopfnüsse. "Na, wer hält jetzt seine Klappe?!" schrie Mäckie mit zusammengekniffenen Zähnen. "Schluss jetzt, ihr beide haltet jetzt eure verdammte Klappe!" schrie Trudy und sprang mit einem Satz aus ihrem Sessel auf. "Ich möchte mir hier im Fernsehen die olympischen Spiele ansehen. Also tragt eure Scherereien woanders aus!" Mäckie ließ von Ruthie ab. Diese schnappte sich das Spuckrohr, welches am Boden lag, und lief so schnell sie konnte nach draußen.

Nachdem Catalina Figaro Anzeige gegen Sierra Leone wegen Verführung Minderjähriger gestellt hatte, war in Windeseile eine Gerichtsverhandlung angeordnet worden. Sierra saß in Handschellen auf der Anklagebank, während sich diverse andere Bürger der Stadt im Besucherraum befanden und dem Treiben mit Begeisterung zuschauten. Schließlich öffnete sich die Tür und niemand Geringeres als Ruthie Mackenzie betrat in einer schwarzen Robe den Saal. "Bitte erheben Sie sich. Die ehrenwerte Richterin Ruthie Mackenzie hat den Vorsitz!" verkündete einer der Gerichtsdiener. Professionell und ohne jegliche Fehler setzte sich Ruthie auf den Richterstuhl und nahm dann den Hammer in die Hand. "Die Verhandlung ist eröffnet!" krähte sie in die Runde. "Die Angeklagte Sierra Leone wird beschuldigt, einen minderjährigen Jungen zu sexuellen Handlungen verführt zu haben. Das Gericht stellt den Antrag, Miss Leone sofort von ihren Tätigkeiten als Lehrerin an der St. George High School zu entheben. Außerdem wird ihr die Staatsbürgerschaft von Melody Ville entzogen." Ruthie warf Sierra einen fiesen Blick zu, nachdem sie diese Punkte vorgelesen hatte. Mit ihren Lippen formte Sierra den Satz "Fick dich", was Ruthie natürlich nicht verborgen blieb. "Entschuldigung, Euer Ehren, aber ich möchte noch etwas sagen," meldete sich nun Magda Muschka zur Wort, die im Besucherraum saß. "Ach ja?" zog Ruthie misstrauisch eine Augenbraue hoch. "Also gut, Sie haben das Wort." "Heute Mittag verstarb Sierra Leones Großmutter unter mysteriösen Umständen vor dem Haus ihrer Enkelin. Mich beschleicht das Gefühl, dass Mrs. Leone etwas damit zu tun haben könnte. Für mich sieht es so aus, als wenn sie ihre Großmutter absichtlich getötet hat, um sich ihr Erbe zu erschleichen. Und nun, wo feststeht, dass Mrs. Leone offensichtlich kriminelle Energien in sich hat, kommt dieser Verdacht auch nicht von ungefähr. Ich danke Ihnen, Euer Ehren." Nachdem sie diese Sätze gesprochen hatte, setzte Magda ein Lächeln auf und setzte sich wieder hin. "Aber das ist doch gar nicht wahr, ich...," versuchte sich Sierra zur Wehr zu setzen, doch Ruthie unterbrach sie in einem harschen Ton. "Genug gequatscht! Ich selbst habe auch noch einen Beweis für Sierra Leones kriminelle Tätigkeiten." Mit diesen Worten bückte sich Ruthie und stellte einen altmodischen Kassettenrecorder auf das Richterpult. Als sie auf "Play" drückte, ertönte Sierras Stimme vom Band. "Da wäre ich mir nicht so sicher. Ich habe dich nämlich in Spanisch durchfallen lassen." "Du mieses Stück!" schrie Sierra aufgebracht. "Schnauze! Bitte erheben Sie sich, ich werde nun das Urteil sprechen! Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Die Angeklagte Sierra Leone wird wegen Mordes, Verführung Minderjähriger und Manipulation von Schulnoten auf Lebenszeit der Stadt verwiesen." Ruthie grinste Sierra frech an und formte mit ihren Lippen den Satz "Aus die Maus". Während Sierra von Polizisten abgeführt wurde, hüpfte Ruthie vergnügt nach draußen und erfrischte sich am Wasserspender.

Mäckie hatte sich währenddessen im Forschungslabor von "Mackenzie Enterprises", der Firma ihrer Großmutter Buffi Mackenzie, eingeschlossen und arbeitete an einem geheimen Projekt. "Herr Sandmann hat gesagt, wenn ich Katmium und Chlorstoffmonoxid zusammenmische, würde ich das beste Ergebnis erzielen," murmelte Mäckie vor sich hin und hantierte dabei mit einigen Teströhrchen. Als sie endlich eine zähe Brühe zusammengemischt hatte, gab sie noch ein paar Spritzer Salatöl dazu und anschließend noch zwei Rosenblüten. Diese Masse füllte sie in eine Zentrifuge und stellte die Geschwindigkeit auf Maximum. Nach zwei Minuten holte Mäckie das Gebräu wieder heraus und füllte es in einen Behälter ab. Als sie kurz daran roch, wurde sie von dem lieblichen Geruch fast benebelt. "Es ist traumhaft. Oh Herr Sandmann, damit werden wir uns eine goldene Nase verdienen," lachte Mäckie zufrieden auf. Nun musste sie nur noch ihre Großmutter dazu überreden, das Parfüm von "Mackenzie Enterprises" vermarkten zu lassen.

Trudy Mackenzie hatte an diesem Abend einige Besorgungen in Bramsenbach-Dromsenbusch zu erledigen und befand sich nun mit ihrem klapprigen Auto auf dem Weg nach Hause. Doch was sie nicht wusste, war, dass ihre Tochter Ruthie sich zuvor den Wagen ausgeliehen hatte, um aus Spaß den Tank leer zu fahren. So kam es, dass Trudy im Hafen von Melody Ville liegen blieb. Der Benzinkanister im Kofferraum fehlte und auch sonst war weit und breit keine Tankstelle in Sicht. Daher sah sich Trudy gezwungen in der alten Fischerkneipe unten am Pier um Hilfe zu bitten. Als sie die Kaschemme betrat, stieg ihr ein übler Geruch von Schweiß, Bier und Fisch in die Nase, so dass sie sich fast auf den Fußboden übergeben hätte, der über und über mit Erdnussschalen bedeckt war. "Kann ich Ihnen helfen, hübsche Lady?" fragte plötzlich eine brummende Stimme und Trudy drehte sich um. Vor ihr stand ein großer, gut gebauter Seemann mit Vollbart und einer Zigarre im Mund. Wenn es einen Typ Mann gab, auf den Trudy total abfuhr, dann war es so einer. "Ähm... ja, nein, doch... Vielleicht! Ich bin mit meinem Wagen liegen geblieben und brauche nun Benzin. Haben Sie zufällig welches da?" erwiderte Trudy mit zittriger Stimme. "Nun, Benzin habe ich schon. Aber ich glaube kaum, dass es das ist, was sie benötigen. Hier, trinken Sie!" Mit diesen Worten drückte der unbekannte Seemann Trudy ein Glas Tequila in die Hand. Nachdem Trudy dieses gekippt hatte, musste sie sich nun wirklich setzen. "Und wie heißt der Rotschopf, der sich in unsere bescheidene Kneipe verirrt hat?" "Bescheiden trifft es wohl nicht so ganz. Sie können mich Trudy nennen. Und wie lautet Ihrer?" wollte Trudy wissen und legte ihren Kopf in den Nacken. "Captain Shame, aber nennen Sie mich Dick." "Oh, Sie sind ein richtiger Kapitän. Wie männlich. Ich liebe ja Schiffe über alles. Ich selbst war erst im letzten Jahr auf einer Kreuzfahrt mit meiner Schwester. Das war herrlich sage ich Ihnen." Dick verabreichte Trudy einen Tequila nach dem anderen. Nach ungefähr zwei Stunden war es schon so spät, dass die Kneipe dich machte. "Und wie komme ich jetzt nach Hause?" lallte Trudy und bekam dabei Schluckauf. "Ich würde Sie ja nach Hause fahren, aber leider besitze ich nur ein Boot. Aber dort ist selbstverständlich Platz für uns beide," grinste Dick und und hielt Trudy fest, da diese sonst auf den Erdnussschalen ausgerutscht wäre. "Normalerweise ist es ja nicht meine Art, Seemanner in heruntergekommenen Kneipen aufzureißen, aber Sie sind irgendwie anders." Trudy lehnte sich an Dicks Schulter und war im Nu eingeschlafen.

Nervös starrte Preston Rogers an diesem Abend auf die alte Kuckucksuhr in ihrem Wohnzimmer. Es war schon halb zehn und noch immer war weit und breit nichts von ihrem Ehemann Princeton zu sehen. Um sich abzulenken, hatte sich Preston mit einer Stickerei beschäftigt. Im Sticken war sie nämlich ungekrönte Meisterin und hatte schon etliche Wettbewerbe gewonnen. Das Knarren der Treppe verriet ihr, dass ihre Tochter Piston aus ihrem Zimmer gekommen war. "Willst du noch ausgehen?" fragte Preston mit einem strengen Blick, als sie Piston auf dem Treppenabsatz erblickte. "Ich wollte mir nur ein Glas Milch holen." "Gut. Hast du schon deine Hausaufgaben gemacht?" "Mom, es sind Ferien. Außerdem beginne ich bald das College." "Dieser aufmüpfige Ton will mir aber gar nicht gefallen," verzog Preston säuerlich das Gesicht und legte ihre Stickerei zur Seite. "Nimmst du Drogen, Piston?" "Wie bitte?" fragte Piston entsetzt. "Dein Verhalten lässt in letzter Zeit zu wünschen übrig. Ich erkenne diese Anzeichen sofort. Du hast ab sofort Hausverbot." "Ich glaub, ich spinne!" rief Piston entsetzt aus. "Das glaube ich auch. Und jetzt ab nach oben! Na los, worauf wartest du noch? Willst du deiner Mutter noch mehr Kummer bereiten?" befahl Preston ihr in einem strengen Ton. Piston schüttelte ungläubig den Kopf, fügte sich aber schließlich ihrem Schicksal und trottete mit hängenden Schultern die Treppe hinauf. Preston schaute ihr mit Genugtuung hinterher und ging dann in die Küche, wo sie ein Tablett auf die Anrichte stellte. Danach begann sie ein paar Leberwurstbrote zu schmieren und legte noch eine Senfgurke als Verzierung an den Tellerrand. Dazu gab es noch eine Tasse dampfenden Hagebuttentee. Damit ausgestattet machte sich Preston auf den Weg zur morschen Kellertreppe, die nur über eine Luke im Boden zu erreichen war. Vorsichtig stieg sie die Stufen hinab und kam vor einer Tür zum Stehen, die mit einem schweren Eisenschloss verkettet war. Preston fischte den Schlüssel aus ihrer Bluse und öffnete das Schloss. Im Kellerraum war es stockdüster und Preston machte nur zwei Schritte in den Raum hinein, bevor sie das Tablett auf einem kleinen Holztisch abstellte. Zu guter Letzt zündete sie noch eine kleine rote Kerze an, bevor sie den Raum wieder verließ und die Tür von außen abschloss. Im Schein der Kerze wurde nun sichtbar, dass sich ein Bett im Keller befand. Eine magere Gestalt lag zusammengekrümmt darauf und drehte sich nun langsam um. Mit zittrigen Fingern griff sie nach einem der geschmierten Brote und machte sich gierig darüber her...

Letzte Aktualisierung: 10.06.2010

Charaktere

Slide Slide Slide Slide