34/V Melody Housewives (1)

"Mein Name ist Dana Beseburgh. Wenn Sie heute die Morgenzeitung aufschlagen, finden Sie vielleicht einen Artikel über den ungewöhnlichen Tag, den ich letzte Woche erlebte. Normalerweise passierte in meinem Leben nichts Außergewöhnliches, aber das änderte sich am letzten Dienstag. Zunächst erschien alles ziemlich normal. Ich machte meinem Mann Ben und meiner 16-jährigen Tochter Dinah das Frühstück. Ich erledigte meine Hausarbeit. Ich machte meine Besorgungen. Ich machte mich für die Arbeit im Sex-Shop fertig und arbeitete dann ganz normal in meinem Halbtagsjob. Um die Wahrheit zu sagen: Ich verbrachte den Tag wie jeden anderen Tag, indem ich still meiner täglichen Routine nachging, bis alles in Perfektion erstrahlte. Umso erstaunlicher war es, als ich beschloss, zu meinem Kellerschrank zu gehen und einen Revolver hervorzuholen, der noch nie benutzt worden war..." – "Meine Leiche wurde von meiner Nachbarin entdeckt: Murgy Muschka, die von einem eigenartigen knallenden Geräusch erschreckt worden war. Zuerst dachte sie, es wäre ihr alter Kohleofen, der explodiert war, aber sie hatte sich getäuscht. Mit stampfenden Schritten marschierte sie hinüber zu meinem Haus und spionierte durch das Fenster. Sofort sah sie meinen leblosen Körper in einer riesigen Blutlache liegen und stieß einen markerschütternenden Schrei aus, der noch auf der anderen Seite des Magic Mountain zu hören war. Murgy zog ihr überdimensionales Handy aus ihrer Kittelschürze und wählte mit ihren Wurstfingern die Nummer des Rettungswagens..." – "Hallooo? Hören’s, Sie müüüüsen sofort kommen, meine Nachbaaarin wuurdee geschooosen. Kommen’s schnäääl, isch nischt wissen wieso!" - "Sobald Murgy aufgelegt hatte, verharrte sie einen Moment in vollkommener Ruhe, um den Schock zu verarbeiten. Doch dann betrat sie das Haus durch die Hintertür und begab sich in die Küche, wo sie in aller Seelenruhe den Kühlschrank leer futterte. Denn wenn es etwas gab für das Murgy Muschka bekannt war, dann war es ihr nie aufhörender Appetit."

Starring
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Halle Berry as Eschke Doughter
Francis Capra as Raoul Figaro
Marcia Cross as Preston Rogers
Steven Culp as Ben Delany
Courtnee Draper as Piston Rogers
Jan Hoag as Murgy Muschka
James Hyde as Hank Bennett
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Melissa McCarthy as Dana Beseburgh
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Juliett Mills as Tabatha Lopez
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie
Nicholle Tom as Graaz Lopez
Guest Starring
Paulo Benedeti as Tonni de Minguez
Joanna Cassidy as Paris Lohan
Tamara Davies as Patty Quack
Andrea Evans as Trudy Mackenzie
Maria Rubio as Abuela Leone
Harriet Samson Harris as Magda Muschka
Jessica Simpson as Britt Lohan
Sandra Vidal as Sierra Leone

Dana wurde an einem Samstag beigesetzt. Nach der Beerdigung kamen alle Bewohner von Melody Ville, um ihr Beileid auszusprechen. Und wie in solchen Situationen üblich, brachten sie etwas zu essen mit. Eschke Doughter hatte Quiche Lorraine gemacht. Eschke hatte ein tolles Rezept dafür. Doch sie fand leider nicht mehr die Zeit zum Kochen, seitdem sie die Karriereleiter beim lokalen Fernsehsender MD-TV hinaufkletterte. Zudem hatte sie eine Affäre mit dem Mann der verstorbenen Bürgermeisterin. Doch das ist eine andere Geschichte. Nun war sie gemeinsam mit ihrer Tochter Bambina auf dem Weg zur Trauerfeier. Doch da Bambina ein sehr rebellisches Mädchen war, wehrte sie sich dagegen mitzugehen. "Hör auf, hör auf, hör auf! Du wirst dich heute benehmen, denn ich habe keine Lust noch einmal nach der Geschichte mit Alaska und Rex vor der gesamten Nachbarschaft erniedrigt zu werden. Hast du mich verstanden?" ermahnte Eschke ihre Tochter. "Und what happens when ich nicht obeye?" zischte Bambina und stemmte dabei die Hände in die Hüften. Eschke zückte einen Zettel aus ihrer Handtasche. "Das ist die Nummer, die ich anrufe werde, wenn du dich nicht zusammenreißt. Und dann geht es nonstop in ein Internat – nach Timbuktu!" Daraufhin wurde Bambina ganz klein, nahm die Hand ihrer Mutter und folgte ihr. Sierra Leone, die ein Stück weiter wohnt, brachte rote Grütze mit heißer Vanillesoße mit. Sierra war vor Jahren eines der gefragtesten Topmodels weltweit. Doch eines Tages war sie von der Bildfläche verschwunden. Vor ein paar Monaten tauchte sie in Melody Ville auf und arbeitete seither als Spanischlehrerin an der "St. George High School". "Wenn wir gleich da sind, erzählst du allen von unserer heißen Nummer auf dem Klettergerüst auf dem Kinderspielplatz," meinte ihr Verlobter Tonni de Minguez. "Wieso zeigst du ihnen nicht einfach das Video, das wir gedreht haben?" zischte Sierra und warf ihr Haar galant in den Nacken. "Gute Idee," erwiderte Tonni und fasste Sierra ungeniert unter den Rock. Tabatha Lopez, die nebenan wohnte, brachte Körbe voller Muffins mit, die sie zuvor in einer Bäckerei gekauft hatte. Um es so aussehen zu lassen, als wären sie selbst gebacken, hatte sie die Muffins und die Körbe mit Backduftspray eingesprüht. Gefolgt von ihrer Familie, Tabitha, Hank und Graaz, betrat sie nun mit hocherhobenem Kopf das Haus der Delanys und bahnte sich ihren Weg durch die Menge. Trudy Mackenzie von gegenüber brachte überbackene Nudeln mit Käse mit. "Ruthie, wieso bringt sich jemand um?" fragte Trudy ihre Tochter, während sie versuchte mit etwas Alufolie die Auflaufform abzudecken. "Sag mal, in welcher fremden Galaxie lebst du eigentlich?" schrie Ruthie aufgebracht und schlug ihrer Mutter mit aller Kraft den Auflauf aus der Hand. Trudy war entsetzt und vergoss einige bittere Tränen, denn ihre stundenlange Arbeit war nun zunichtegemacht. "Heul nur. Den Ekelfraß hätte sowieso keiner gegessen," zischte Ruthie und rutschte mit ihren Ballettschühchen in der gelben Pampe herum.

"Während sich meine liebsten Freundinnen in meinem Haus versammelten, um mir die letzte Ehre zu erweisen, erwies sich andernorts eine Tochter die Ehre, ihre Mutter zu besuchen..." – "Mutter? Wo steckst du wieder?" rief die blonde Britt Lohan durch den langen Flur des Motels "Bitch & Breakfast", das erst vor wenigen Wochen eröffnet hatte. "Ich rasiere mir grad die Beine," keifte Paris zurück und kam nur im Bademantel aus ihrem Büro gerannt. "Aguilera, Platz!" rief sie ihrem kleinem Pudel zu, der eine rosa Schleife im Haar trug und Britt böse anbellte. "Was ist das hier für ein Chaos?" fragte Britt entsetzt und schaute auf die vielen Umzugskartons, die überall herumstanden. "Schatzi, das Motel hat erst vor ein paar Tagen seine Pforten geöffnet. Ich bin einfach noch nicht dazu gekommen, alles herzurichten. Ich bin ja so gestresst," seufzte Paris und verdrehte theatralisch die Augen. "Apropos Pforten öffnen – was hat dich kleine Hure eigentlich in dieses Provinzkaff verschlagen? Bist du etwa schwanger? Auch das noch! So ein kleiner Schreihals hat mir gerade noch gefehlt. Ich bin mir selbst schon zu anstrengend. Aguilera, komm zu Mami!" "Du redest so schnell, Mom. Ich kann mir das alles nicht merken," stöhnte Britt genervt auf und fächerte sich etwas Luft zu. "Ich ziehe mich jetzt zurück. Um zwei Uhr nehme ich mein obligatorisches Stück Schokokuchen zu mir. Wenn ich bis dahin keine Migräne habe, bitte ich dich vielleicht, mir Gesellschaft zu leisten. Ansonsten erwarte ich dich gegen fünf zum Tee im Foyer. Komm Aguilera, pussi pussi." Paris nahm ihr Schoßhündchen auf den Arm und verschwand dann hinter einem Vorhang. Britt hatte derweil angefangen zu schwitzen, denn sie war solche heißen Temperaturen nicht mehr gewöhnt. So entledigte sie sich zuerst ihren knappen Hot Pants und anschließend ihrer Bluse, die sie ohnehin schon unter ihren üppigen Brüsten zusammengeknotet hatte. Nun stand sie nur in einem String-Tanga in der Eingangshalle des Motels. Auf ihren Brustwarzen prangerten goldene Sterne, die sie noch von der letzten Miss-Wahl in Harmony Bay aufgeklebt hatte. Plötzlich vernahm Britt einen scheppernden Knall und als sie sich umdrehte, sah sie, dass ihr kleines Cabrio vor dem Motel von einem anderem Fahrzeug gerammt worden war.

"Entschuldigen Sie bitte, das hier ist doch das Haus von Dana Beseburgh," erkundigte sich eine dunkelhaarige Frau in einem schwarzroten Kostüm. "Ja ganz recht," erwiderte Tabatha, die gerade dabei war, ein wenig das Haus sauber zu machen. "Ist sie nicht hier?" wollte die Frau wissen. "Das ist hier ist ihre Trauerfeier. Dana ist letzte Woche verstorben." "Oh mein Gott" schrie die Frau auf und verschlug die Hände vor dem Gesicht. "Ich bin eine alte Schulfreundin von Dana aus Harmony Bay. Mein Name ist Patty Quack. Ich erhielt einen Anruf, dass sie mich braucht." "Sind Sie Ärztin?" wollte Tabatha wissen und begann dabei den Staubwedel zu schwingen. "Nein, ich bin Psychologin. Ich bin spezialisiert auf Trauerarbeit." "Das sieht Dana ähnlich. Sie hat für alles gesorgt," mischte sich Ben plötzlich ein, der das Gespräch der beiden Frauen mitangehört hatte. "Sie müssen Ben sein," schlussfolgerte Patty und ging auf ihn zu. Ben nickte nur und wandte sich von ihr ab. "Es tut mir so unendlich leid," schluchzte Patty und legte Ben dabei ihre Hand auf die Schulter. "Möchten Sie vielleicht über ihre Gefühle sprechen?" "Nein, danke" zischte Ben und drehte sich energisch zu Patty um, die erschrocken zurücktrat. "Ich weiß Ihre Bemühungen wirklich zu schätzen, aber ich habe gerade meine Frau beerdigt. Das muss ich erstmal richtig begreifen, verstehen Sie das?" "Aber natürlich. Das ist ganz normal. Sie haben einen großen Verlust erlitten. Es wird einige Zeit dauern bis wieder Normalität in Ihren Alltag zurückkehren wird. Ich wollte Sie nur wissen lassen, dass ich jederzeit für Sie da bin. Tag und Nacht!" erklärte Patty und steckte Ben dabei mit einem Zwinkern ihre Visitenkarte zu. "Flittchen!" zischte Tabatha, bevor sie mit einem Tablett mit schmutzigem Geschirr in der Küche verschwand.

Nach der Trauerfeier war Sierra in Windeseile nach Hause gehetzt, da sich für diesen Tag ihre Großmutter Abuela Leone angekündigt hatte. "Tonni, jetzt räum doch endlich deine dreckigen Sportsocken weg. Abuela Leone kommt jeden Moment und da muss alles perfekt sein," rief Sierra aufgeregt und rannte wie ein aufgescheuchtes Huhn durch das ganze Haus. "Wieso machst du eigentlich so ein Theater wegen dieser alten Frau? Du konntest sie doch noch nie leiden," wollte Tonni wissen. "Das kann ich auch nicht. Aber ich will ihr Vermögen erben und deshalb muss ich in einem besseren Licht erstrahlen als meine missratenen Schwestern. Und jetzt mach schon!" In diesem Moment hörte man draußen das Zuschlagen einer Autotür. Sierra lief zum Spiegel und zupfte ihr Haar zurecht um möglichst gut auszusehen. Abuela Leone legte sehr viel Wert auf Äußerlichkeiten. "Abuela, du kommst aber früh," lächelte Sierra gekünstelt daher und ging ihrer Großmutter entgegen. "Ich wollte dich überraschen und überprüfen, ob du mal wieder in Panik ausbrichst, kurz bevor ich komme, damit auch alles perfekt ist. Ich kenne dich, meine Liebe. Es ist doch immer dasselbe mit dir." Sierra tat so, als hätte sie die Bemerkung ihrer Großmutter überhört und folgte ihr ins Haus. "Abuela, darf ich dir meinen Verlobten vorstellen: Tonni de Minguez." "Sehr erfreut Senora," lächelte Tonni und reichte Abuela die Hand. "Was ist das denn? Soll das ein Händedruck sein oder was?" amüsierte sich Abuela. "Möchtest du etwas trinken, Abuela? Einen Sangria vielleicht?" fragte Sierra vorsichtig. "Por favor," nickte Abuela und ließ sich auf dem angestaubten Ledersofa nieder. Als sie aus dem Fenster schaute, entdeckte sie mit einem missfälligen Blick, wie ein junger Mann mit nacktem Oberkörper draußen das Laub zusammenharkte, obwohl es tiefster Winter war. "Tonni, sage mir, wer ist dieser bastardo?" "Das ist Raoul, unser Gärtner. Er ist sehr fleißig," antwortete Tonni artig. "Das sieht man," verzog Abuela mit einem misstrauischen Blick ihr Gesicht. Kurz darauf kam Sierra mit einem Eimer Sangria zurück und auch an die bunten Strohhalme hatte sie gedacht. Plötzlich öffnete sich die Haustür und Raoul kam ins Haus. "Mrs. Leone, ich habe mir meinen Finger an einer immergrünen Tanne verletzt." "Oh, du armer Junge. Komm mal mit ins obere Stockwerk, ich werde dich verarzten." Sierra strich Raoul über seinen nackten Rücken und schob ihn dann Richtung Treppe. Abuela beobachtete das ganze mit Adleraugen, während sie gierig ihren Sangria schlürfte. "Puta," zischte sie leise zu sich selbst, denn sie merkte, dass hier etwas nicht stimmte.

Nachdem alle Gäste die Trauerfeier verlassen hatten, stand Ben alleine im Wohnzimmer und betrachtete das Familienporträt, welches auf dem Kaminsims stand. Da Tabatha während der Trauerfeier ständig geputzt und alles was an Geschirr so rumstand gespült und weggeräumt hatte, musste Ben nun keinen Finger mehr rühren. Plötzlich erschien Patty im Raum. "Ich dachte, Sie wären gegangen," murmelte Ben und starrte weiterhin auf das Foto. "Das wollte ich auch. Aber man sagte mir, dass das einzige Hotel in der Stadt derzeit renoviert wird und somit habe ich keine Bleibe, bis mein Apartment bezugsfertig ist," erklärte Patty. "Sie können so lange im Gästezimmer bleiben. Aber passen sie auf, dort habe ich bereits Danas Sachen zusammengepackt. Es stehen einige Kartons herum. Ich zeige Ihnen am besten das Zimmer." "Das ist sehr nett. Vielen Dank." Patty folgte Ben ins obere Stockwerk. "Wie Sie sehen, ist das hier das reinste Chaos. Danas Freundinnen kommen morgen und holen die Sachen ab. Ich räume ihnen noch schnell das Bett frei," erklärte Ben und nahm einen Karton hoch. Dieser war jedoch zu voll gepackt, so dass sich der Boden öffnete und sich der gesamte Inhalt auf dem Fußboden verteilte. "Auch das noch," wimmerte Ben und war den Tränen nahe. "Aber das ist doch kein Problem. Ich helfe Ihnen," lächelte Patty und beugte sich lasziv zu Boden. Dabei entdeckte sie zwischen dem ganzen Krempel eine Notiz. "Haben Sie das schon gesehen? Ein Brief, adressiert an Dana am Tag als sie sich erschossen hat. Ich weiß was du getan hast. Es macht mich krank. Ich werde es verraten. Oh mein Gott Ben, Dana wurde erpresst! Und das hier am Rand sind ganz eindeutig eingetrocknete Schokostreusel. Der Erpresser ist wohl eine kleine Naschkatze." "Sie haben Recht. Und ich kann mir auch schon denken, wer dahinter steckt." Ben nahm die Notiz an sich und eilte daraufhin aus dem Haus.

Am Abend hatte sich die Familie Bennett wie gewöhnlich am Essenstisch versammelt. Tabatha saß in feiner Sonntagskleidung am Kopfende des Tisches, Hank hatte ihr gegenüber Platz genommen. An der Seite saßen Tabitha und Graaz, die zurzeit immer noch erblindet war. Wie jeden Abend hatte Tabatha ein feines Essen serviert, dass sie in einem französischen Kochbuch gefunden hatte. "Warum essen wir nie eine normale Suppe?" fragte Graaz in einem weinerlichen Ton, nachdem sie einen Löffel gekostet hatte. "Graaz, Schatz, es ist nichts anormales an Basilikum-Püree," lächelte Tabatha. "Können wir nicht einmal eine Suppe essen, die nicht exotisch ist, sowas wie Tomatensuppe oder Hühnerbrühe?" "Hühnerbrühe verträgt dein Onkel Hank nicht. Er ist allergisch gegen vögeln... Vögel meine ich natürlich. Also, wie schmeckt das Bananenbrot?" fragte Tabatha in froher Erwartung in die Runde. "Ist ganz okay," erwiderte Tabitha mürrisch und knabberte wie ein Kaninchen an einem Stück Brotkruste. "Ganz okay? Tabitha, ich habe fast ganz den ganzen Tag den Teig geknetet. Weißt du wie ich mich fühle, wenn du in diesem mürrischen Tonfall sagst Ist ganz okay?" entfuhr es Tabatha entsetzt. "Es hat dich niemand darum gebeten." "Wie bitte?" "Eschke Doughter kocht jeden Tag aus der Dose. Und sie und ihre Brut Bambina leben immer noch. Also wieso geht das bei uns nicht auch, frage ich dich?" grummelte Tabitha vor sich hin. "Du hättest lieber ordinäres Essen aus der Dose?" Tabatha stiegen Tränen in die Augen. "Du musst dich entschuldigen, Tante Tabitha, ich bitte dich," flehte Graaz sie an, denn sie ahnte, dass es gleich zu einem furchtbaren Theater kommen würde. "Ich muss gar nichts. Warum können wir nicht einfach normales Essen bekommen? Wir sind doch hier nicht im Kindergarten!" "Ich glaube ich muss die Dosis deiner Pillen erhöhen. Gleich morgen gehe ich zur Apotheke. Hank, wo willst du hin?" "In die Küche," erwiderte Hank einsilbig, während er von seinem Platz aufstand. "Gut, dann kannst du mir helfen, den Nachtisch zu holen. Es gibt Kamille-Souflée," lächelte Tabatha gekünstelt und folgte Hank anschließend in die Küche. "Jeder nimmt zwei Schalen, ich habe schon alles vorbereitet." "Es ist aus." "Was? Was ist aus?" "Das mit uns, Tabatha. Ich kann so nicht weiterleben. Dieses perfekte Leben ist nichts für mich." "Perfekt? Hank, ich versuche doch nur, es euch allen rechtzumachen. Was bitte ist daran perfekt, dass du mit meiner Schwester verheiratet bist?" "Stell dir vor, ich wäre mit dir verheiratet. Das wäre genau das Gegenteil von perfekt," erwiderte Hank kaltschnäuzig, "und unser Sexleben funktioniert auch nicht mehr, seitdem du dein Lederkorsett nicht mehr trägst." "Ist das etwa meine Schuld? Es ist schließlich eingegangen, als du einmal die Wäsche gewaschen hast. Da sieht man mal wieder, dass Männer und Haushalt nicht zusammenpassen." "Es reicht jetzt. Es ist aus und dabei bleibt es!" zischte Hank und lief noch im nächsten Augenblick nach draußen. Tabatha blieb für einen Moment mit einem starren Blick in der Küche stehen, bevor sie wieder ein künstliches Lächeln aufsetzte und mit dem Nachtisch ins Wohnzimmer zurückkehrte.

Wild vor Wut stürmte Ben Delany in seinem wetterfesten Regenmantel zum Nachbarhaus, welches während den Wintermonaten von Murgy Muschka bewohnt wurde. Im Sommer hauste die Hexe hauptsächlich in ihrer Höhle am Fuße des Magic Mountain. Ben klopfte fünf Mal laut gegen die Haustür, doch es öffnete niemand. Erst nach ein paar Augenblicken vernahm er Schritte im Flur. Doch statt Murgy stand deren Schwester Magda vor ihm. "Was kann ich für Sie tun?" fragte sie mit einem falschen Lächeln auf den Lippen. "Ich will zu Murgy Muschka." "Murgy ist nicht da, aber Sie können gerne auf sie warten. Einen Keks?" fragte Magda, während sie Ben ins Haus bat. Ihr Topfschnitt wippte mit jedem Schritt von links nach rechts. "Wenn es Ihnen keine Umstände macht." "Aber woher denn. Ich habe auch noch frische Hackpastete. Möchten Sie mal kosten?" "Nein danke, ein Keks genügt," schüttelte Ben den Kopf. Er machte es sich in der Sitzecke in der Küche bequem, während Magda einen Teller mit duftenden Plätzchen auf den Tisch stellte. "Greifen Sie ruhig zu. Sie können es vertragen." "Vielen Dank," nickte Ben und steckte sich einen der Schokokekse in den Mund. "Und, wie geht es Ihnen nach diesem schrecklichen Ereignis? Sagen Sie nichts, ich weiß schon. Sie sind am Boden zerstört. Was wollen Sie denn von meiner Schwester?" "Ich möchte Sie etwas über den Tod meiner Frau fragen. Ich habe den Verdacht, dass Sie Dana erpresst haben könnte." "Sieh an," horchte Magda überrascht auf und verformte ihre Lippen zu einem schmalen Lächeln. "Erst vor wenigen Minuten habe ich diesen Brief hier gefunden. Es ist eindeutig, dass nur Murgy Muschka diese Flecken hinterlassen haben kann. Niemand außer ihr in ganz Melody Ville isst Schweizer Schokolade." "Doch. Und zwar ich. Schauen Sie die Plätzchen an. Es ist dieselbe Schokolade," begann Magda zu grinsen. "Dann... dann haben Sie...?" fragte Ben geschockt. "Ganz recht. Und Sie sind der nächste." Mit diesen Worten zog Magda einen überdimensionalen Baseballschläger hinter ihrem Rücken hervor und verpasste Ben damit einen gewaltigen Schlag auf den Kopf. Er schrie kurz auf, doch nur eine Sekunde später kippte er bewusstlos zur Seite. Magda zögerte nicht lange und zog seinen regungslosen Körper ins Wohnzimmer, wo sie ihn in einem schwarzen Teppich einrollte. Danach stemmte sie Ben mit aller Kraft nach draußen und verfrachtete den Teppich auf die Ladefläche von Murgys neuem Tieflader. Mit brausendem Tempo raste Magda in Richtung Melody Forrest, wo sie Leiche vergraben wollte...

Letzte Aktualisierung: 10.06.2010

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