31/IV L’ultime combat (1)
Plötzlich fielen draußen vor dem Gebäude einige Schüsse und in der Menge brach eine große Panik aus. "Achtung, Achtung, hier spricht das FBI! Das Gebäude ist umstellt!" wurde durch ein Megaphon durchgesagt. Graaz brach in Tränen aus. Sie wusste, dass dies Bambinas Werk war. Nun würde herauskommen, dass sie Danas und Bens Baby gekidnappt hatte. Schon im nächsten Moment stürzte eine Horde bewaffneter Polizisten in den Festsaal. Unter ihnen war auch Sära van de Driesche, die das Kommando gab. Graaz rechnete mit dem Schlimmsten und wollte sich theatralisch zu Boden werfen, als die Polizisten auf sie zugerannt kamen - doch anstatt sie zu verhaften, stießen sie sie zur Seite und liefen hinter die Bühne. Graaz verstand die Welt nicht mehr und rappelte sich nur langsam wieder auf. "Was... was geht hier vor sich?" fragte sie mit einem verwirrten Blick. "Wir suchen eine gefährliche Spionin. Ihr Name ist Lücie und sie hat durch einen Klonprozess das Aussehen meiner Schwester Emba angenommen," klärte Sära sie auf. Hinter der Bühne war derweil das totale Chaos ausgebrochen. Die Polizisten durchwühlten alle Kleider, durchsuchten die Taschen aller Anwesenden und machten eine großangelegte Personenkontrolle. "Man kann nicht ausschließen, dass sich Lücie erneut geklont hat und die Gestalt einer weiteren Person angenommen hat," meinte Sära und beäugelte Ruthie Mackenzie misstrauisch. "Dies ist nämlich nur mit dem Amulett des chinesischen Zauberers Sim Sala Bim möglich und laut dem aktuellen Stand unserer Ermittlungen ist Lücie schon seit längerem im Besitz dieses Objekts." "Pfoten weg, oder es knallt! Und zwar so richtig!" zischte Ruthie in einem garstigen Ton, als ein Polizist versuchte, eine Körperkontrolle bei ihr durchzuführen. "Meine Modenschau ist ein einziges Desaster! Jetzt muss ich meine Boutique schließen und sitze auf einem Berg Schulden! Mein Leben ist ein einziger Trümmerhaufen!" schluchzte Mäckie derweil und war einem Zusammenbruch nahe. "Lücie ist nicht mehr hier," verkündete Sära schließlich und pfiff ihre Kollegen zurück. "Und wer kommt mir für den Schaden auf?" fragte Mäckie zornig. "Na, die Versicherung. Dumm nur, dass es in ganz Melody Ville keine Versicherung gibt," erwiderte Sära und machte sich daraufhin auf den Weg nach draußen, und der Rest ihrer Einsatztruppe folgte ihr. "Keine Versicherung in ganz Melody Ville? Das schreit förmlich nach einer Marktlücke... Tante Trudy, komm sofort mit in die Boutique, wir müssen uns einen neuen Strategieplan ausdenken! Das wäre ja gelacht, wenn ich nicht auch ohne das Geld dieser lächerlichen Hexe Karriere machen könnte!" Mäckie zog ihre Tante Trudy durch den Hintereingang nach draußen, während Graaz und die anderen versuchten, das Chaos im Festsaal zu beseitigen. Niemand ahnte, dass Lücie noch ganz in der Nähe war: Sie hatte sich im Heizungsschacht versteckt und hatte somit jedes Wort mitbekommen...
Starring
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Halle Berry as Eschke Doughter
Steven Culp as Ben Delany
Jan Hoag as Murgy Muschka
James Hyde as Hank Bennett
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Melissa McCarthy as Dana Beseburgh
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Juliett Mills as Tabatha Lopez
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Chad Michael Murray as Chad Lennox
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie
Nicholle Tom as Graaz Lopez
Guest Starring
Paulo Benedeti as Tonni de Minguez
Jessica Biel as Emba van de Driesche
Alexis Bledel as Sära van de Driesche
Andrea Evans as Trudy Mackenzie
Jennifer Love Hewitt as Mary Frances
Catherine Hicks as Miss Schlivi
Beverley Mitchell as Chastity Bellet
William Sadler as Sheriff Parkinson
Sandra Vidal as Sierra Leone
In dieser Nacht zog ein eiskalter Wind über Melody Ville hinweg. In der gesamten Stadt herrschte gespenstische Ruhe, denn jeder hatte sich aus Angst vor der frei herumlaufenden Lücie in seinem Haus verbarrikadiert. Nun, zumindest fast jeder. Chad Lennox hatte besseres im Sinn, denn er war auf der Suche nach der Möglichkeit, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Schon seit seiner Kindheit hatte er davon geträumt, über alle Menschen befehlen zu können. Dass seine Mutter Alaska Bürgermeisterin war, war zwar schon ein Schritt in die richtige Richtung, aber Chad wollte noch viel höher hinaus. Und so trieb er sich zu diesem Zeitpunkt in der "St. George High School" herum. Nachdem er die rostige Leiter in den Kellerraum hinabgestiegen war, knipste er vorsichtig seine Taschenlampe an und leuchtete ein wenig in dem moderigen Raum herum - bis ihm auf einmal eine eiskalte Hand auf die Schulter fasste. Chad erschrak, drehte sich blitzschnell um und schaute in das fettige Gesicht von Murgy Muschka. "Waarum so schreekhaft? Du bist späät. Wollten schon vorr zäähn Minuten beginnen!" "Es tut mir leid, aber ich hatte meinen Wohnungschlüssel verlegt," entschuldigte sich Chad bei der dicken Hexe. "Nun gut. Will′s vergessen," meinte Murgy und plötzlich kam auch die dunkelhaarige Hexina van Halen aus der anderen Ecke des Raumes. "Nun, da wir jetzt alle da sind, konnen wir ja endlich anfangen!" meinte diese mit schriller Stimme. "Ich sage es nur ungern, aber im Grunde haben wir drei dasselbe Ziel: Wir wollen das Amulett von Sim Sala Bim. Aber nur, wenn ihr uns zusammenschließen, sind wir stark genug, um es der mächtigen Lücie abzuluchsen." "Und wie sollen wir das anstellen?" fragte Chad und kassierte dafür eine Kopfnuss von Murgy. "Haaalt′s Maul und laaass ausreden!" "Zuerst einmal müssen wir die Bitch ausfindig machen. Und das wird nicht einfach. Ich kann sie auf meiner Radarkugel einfach nicht orten," erklärte Hexina ihren Kumpanen, "wir müssen also Augen und Ohren offen halten. Sobald jemand sie gefunden und umzingelt hat, sagt ihr Bescheid." "Wie soll man denn jemanden alleine umzingeln?" wunderte sich Chad. "Junge, du stellst zu viele Fragen!" zischte Hexina. "Entweder du hälst dich an die Regeln oder du kannst das Amulett vergessen!" "Oh... okay," meinte Chad kleinlaut. "So, dann hätten wir ja alles geklärt. Ich verlange vollste Diskretion. Wir hören voneinander!" Mit diesen Worten verpuffte Hexina in einer Staubwolke, und Chad und Murgy kletterten über die Leiter wieder nach oben. Draußen auf der Straße holte Murgy ein kleines Tuch aus ihrer Jackentasche und faltete es sorgfältig auf, so dass ein richtiger Teppich zum Vorschein kam. Danach setzte sie sich darauf, sagte laut "Hü Hott" und kurz darauf erhob sich der Teppich in die Lüfte. Chad musste derweil zu Fuß nach Hause laufen.
Es war mal wieder einer dieser Morgen, der nicht schöner hätte sein können. Die Sonne strahlte wie ein Honigkuchenpferd, die Vögel zwitscherten und jeder in Melody Ville war bester Laune. Jeder, bis auf Graaz Lopez. Nachdem sie sich auf der Modenschau bis auf die Knochen blamiert hatte, musste sie sich eingestehen, dass das Versteckspiel mit Dinah und ihre Phantasie von einer gemeinsamen Zukunft mit Luis ihr nur noch mehr Probleme bereiten würden. "So kann das auf keinen Fall weitergehen, schluss damit!" sagte sich Graaz immer wieder, als sie sich an diesem Morgen in aller Frühe aus dem Haus schlich. Mit Kopftuch, Sonnenbrille und einem Trenchcoat bekleidet machte sie sich gemeinsam mit Dinah in einer Tragetasche auf dem Weg zum Melody River. Als sie am Haus von Luis vorbei kam, blieb sie einen Moment lang stehen. Sie blickte hinauf zu seinem Fenster im ersten Stock, das noch verdunkelt war. "Ich weiß, was ich getan habe war falsch, aber ich habe es für uns getan. Doch ich werde meinen Fehler jetzt korrigieren," schluchzte Graaz und trottete weiter. Am Flussufer angekommen, setzte sie die Tragetasche, in der Dinah friedlich schlummerte, kurz auf dem Rasen ab. "Ich habe das alles nicht gewollt. Doch nun ist es zu spät. Es gibt kein Zurück." Nachdem Graaz ein paar Mal in ihre geblümtes Taschentuch geschnäuzt hatte, trug sie vorsichtig die Tragetasche ans Wasser und ließ sie schließlich darauf schwimmen. Nun streckte sie das Taschentuch aus und winkte damit Dinah zu, die sich nun immer mehr vom Ufer entfernte. Graaz bemerkte nicht, dass eine dunkle Kiste, die zur Hälfte sichtbar war, durch den Fluss trieb. Dies war nur eines der vielen Geheimnisse, die sich unter der Oberfläche verbargen...
Derweil betrat Eschke Doughter das Melody Ville Police Department. Sie war noch immer sehr wackelig auf den Beinen und brauchte daher eine Krücke um sich zu stützen. Das hinderte sie jedoch nicht daran die neusten Stilettos zu tragen. "Bringen Sie mich zu sofort meiner Tochter. Ich habe nicht ewig Zeit," zischte sie Sheriff Parkinson an, der gerade hastig einen Donut verschlang. "Sie müssen sich schon noch ein wenig gedulden, Teuerste. Ich habe gerade Mittagspause," erklärte der Sheriff schmatzend und spülte mit einem Schluck Kaffee nach. "Das ist mir sowas von egal. Nun machen Sie schon, sonst sind Sie der Nächste, der im Krankenhaus landet!" Eschke nahm ihre Krücke und schlug ihm mit voller Wucht seinen Becher Kaffee aus der Hand. Daraufhin erhob sich der Sheriff mit einem Seufzer von seinem Stuhl und begab sich in Richtung Zellen. "Oh my God, mother, da bist du ja finally," platzte es förmlich aus Bambina heraus, als sie ihre Mutter erblickte. Wie jeder Gefangene trug sie einen orangefarbenen Overall. "What took you so long?" zischte sie ihre Mutter an und stemmte die Arme in die Hüften. "Meine Karriere geht gerade den Bach runter und da habe ich weiß Gott andere Probleme," erwiderte Eschke genervt und sah bei auf ihre frisch lackierten Fingernägel. "Bringen Sie mir den Pass und Miss Knirsh kann auf den Abschlussball," warf Sheriff Parkinson schließlich in das Gespräch ein. "What, keine bail? Aber das ist ja fantastic!" Bambina malte sich schon aus, wie sie von Miss Schlivi zur Ballkönigin gekrönt wurde. Doch die Worte ihrer Mutter holten sie schon schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. "Tut mir leid, aber ich habe keine Ahnung, wo der Pass meiner Tochter ist. Ich kann ja nicht mal meine eigenen sieben Sachen beisammen halten." "Bist du serious? I don’t think so. Du weißt exactly wo der Pass ist. Also get you ass out of here und bring ihn mir, now!" Bambina klammerte sich an die Gitterstäbe. Eschke begann ihre Tochter zu mustern. "Ich kann nicht glauben, dass sowas meinen Lenden entsprungen ist. Wenn ich dir deinen dämlichen Pass besorge, dann musst du auch etwas für mich tun."
Eine gesunde Mischung aus Pferdemist und Küchenabfällen lag in der Luft, als die Abschlussklasse 2005 der "St. George High School" aus dem klapperigen Bus stieg, der vor dem Ponyhof am Rande der Stadt gehalten hatte. Es war ihr letzter gemeinsamer Ausflug vor der Abschlussfeier und somit waren alle etwas wehmütig gestimmt. Unter den Anwesenden befanden sich Mäckie, Ruthie, Sära und Chad. "Hallöchen!" begrüßte Miss Schlivi den Besitzer des Ponyhofs freudig. Sie, Sierra Leone und Tonni de Minguez waren als Aufpasser mitgefahren. Der Besitzer nahm Miss Schlivi zur Seite und schaute sie mit einem ernsten Gesichtsausdruck an. "Es tut mir Leid, aber letzte Nacht hat die Pferdegrippe unseren Hof erwischt. Alle Tiere bis auf eins sind daran erkrankt. Und das ist ausgerechnet Windpocke, ein überaus scheußliches Pony, das bald zum Schlachter soll." "Ach, machen Sie sich mal keine Sorgen. Wir sind es gewohnt, zu improvisieren. Wissen Sie, an der Schule, wenn wir da keine Kreide haben, nehmen wir immer Mehl, und -," wollte Miss Schlivi schon ausholen, doch der Besitzer schnitt ihr das Wort ab. "Entschuldigung, aber ich muss mich um meine Pferde kümmern." "Ich habe ja gleich gesagt, dass wir an die Costa Cabana fahren sollen, wo es so caliente ist," zickte Tonni herum und Sierra pflichtete ihm bei. "Oder nach Lorett del Mar, nur da gibt es das fuego, das wir alle brauchen. Hasta la vista!" "Ach, macht doch, was ihr wollt! Ich bin hergekommen, um ein Pony zu reiten, und das werde ich jetzt auch tun!" erwiderte Miss Schlivi trotzig und machte sich auf den Weg in den Stall. Währenddessen hatten es sich die Kinder im Schatten einer Birke bequem gemacht und Sära erzählte zum x-ten Male, wieso sie plötzlich Special Agent beim FBI war. "Als meine Eltern noch lebten, haben sie mich auf eine Spezialschule geschickt, wo ich zum Teen Agent ausgebildet wurde. Emba fühlte sich benachteiligt und brachte unsere Eltern dann während eines Tobsuchtsanfall um die Ecke. Um mich ruhigzustellen, gab sie mir Dummheitspillen. Kurz darauf sind wir dann nach Melody Ville gezogen. Eine zeitlang ging alles gut, bis ich eines Tages feststellte, dass ich wieder schlauer wurde. Und dann bemerkte ich, dass Emba gar nicht mehr Emba war. Die Spionin Lücie hatte Emba aus dem Weg geräumt und sich ihr Aussehen verschafft." "Boah, ist das spannend," meinte Mäckie träumerisch, doch plötzlich ließ ein schriller Aufschrei die Clique hochschrecken. "Was ist passiert?" kreischten alle wild durcheinander, und die Antwort sahen sie kurz darauf: Das Pony Windpocke hatte Miss Schlivi abgeworfen, die nun in einer Matschpfütze lag und sich vor Schmerzen krümmte. Niemand ahnte auch nur im geringsten, dass Lücie dafür verantwortlich war: Sie hatte einen unsichbaren Faden zwischen den Bäumen gespannt.
Mit betretenen Gesichtern saßen die Schüler der "St. George High School" im Musikzimmer und drehten Däumchen. Nachdem Miss Schlivi vom Pferd gefallen war, wurde sie sofort mit dem Rettungswagen ins "Melody Medical Center" gebracht, wo die Ärzte eine schreckliche Diagnose feststellten: Die Lehrerin hatte ein Schleudertrauma und konnte somit nicht an der Abschlussfeier teilnehmen. "Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber mich würde es jetzt ungemein trösten, wenn wir ein Stück von Shakespeare nachspielen würde. Ich fühle mich dann immer gleich viel besser," meinte Graaz und schaute in die Runde. "Das ist eine großartige Idee," pflichtete Mäckie ihr bei, "und welches Stück nehmen wir? Nicht schon wieder Romeo und Julia. Weil dann werde ich immer an das tragische Schicksal von Raffi und mir erinnert." Mäckie begann zu schluchzen und Graaz reichte ihr ein Taschentuch, während Ruthie gruselige Grimassen schnitt, um ihre Cousine noch mehr aufzuregen. "Hat jemand den Schlüssel zum Schrank mit den Skripten?" "Den hat doch Sära. Sie ist auch die Einzige, die die Rollen verteilen darf. Wo ist sie denn eigentlich?" erkundigte sich Luis, doch alle zuckten nur mit den Schultern. "Ich habe sie schon seit heute Morgen nicht mehr gesehen. Vielleicht hat sie jetzt wichtigere Dinge als unseren Shakespeare-Club im Kopf - immerhin ist sie ein Teen Agent," meinte Mäckie und wieder hatte sie diesen bewundernden Unterton in der Stimme. "Und wenn ihr etwas zugestoßen ist? Vielleicht hat sie Lücie gefunden - oder noch schlimmer: Lücie hat sie gefunden und..." Graaz verstummte abrupt und musste schlucken. "Ich bin dafür, dass wir zum Ponyhof fahren und nach Spuren suchen. Wenn wir Lücie finden, werden wir vielleicht auch berühmt." "Ich nehme meine Axt mit," lachte Ruthie garstig und danach machten sich die Kinder mit ihren Fahrrädern auf den Weg zum Ponyhof.
Indessen hatten sich Ben Delany und seine Angetraute Dana Beseburgh zu einem Picknick in trauter Zweisamkeit ans Ufer des Melody River verzogen. Hier, fernab jeglicher Zivilisation, wollten die beiden ihren Schmerz über ihre verlorene Tochter Dinah vergessen. Aus Frust hatten sie sich eine große Sahnetorte gekauft, die sie nun stillschweigend verdrückten. Weil Ben sich weigerte, Danas Finger sauberzulecken, bewegte sie sich schwerfällig zum Wasser und wusch sich ihre Hände. Plötzlich bemerkte sie, dass eine Tragetasche an ihr vorbeischwamm. Sie erkannte die Tasche sofort an ihrem lustigen Teddybärmuster. "Oh mein Gott... Ben! Komm schnell!" schrie Dana und stürzte sich daraufhin in die reißenden Fluten, um die Tragetasche an sich zu reißen. Triefnass kehrte sie ans Ufer zurück und stellte erleichtert fest, dass sich in der Tasche tatsächlich ihr Baby befand. "Ben, es ist Dinah. Unser kleiner Engel ist wieder da! Ist das nicht wunderbar?" Dana nahm Dinah in den Arm und drückte sie fest an sich. Ben war derweil eingenickt und machte ein kleines Verdauungsschläfchen.
Als Ruthie Mackenzie auf die Bremse ihres Fahrrads trat, wirbelte sie eine Menge Staub auf, an dem sich ihre Cousine Mäckie verschluckte. Dadurch gerat diese mit ihrem Rad ins Schlenkern und stürzte schließlich zu Boden. Graaz konnte ihr nicht mehr ausweichen und landete ebenfalls unsanft auf dem Feldweg, der zum Ponyhof führte. "Selbst zum Fahrrad fahren seid ihr zu blöd," zischte Ruthie hämisch und semmelte ihm nächsten Moment mit ihrer Axt einen Poller nieder, der mitten auf dem Weg stand und dafür gedacht war, dass keine Autos zum Ponyhof gelangen konnten. Die Clique machte sich daraufhin auf den Weg zur Scheune. "Hier ist es ja voll düster. Meint ihr, dass Lücie hier ist?" fragte Graaz ängstlich. Plötzlich erschrak Mäckie und gab es einen lauten Schrei von sich. "Da liegt ein Pullover - und er ist mit Blut beschmiert!" "Oh mein Gott, das ist doch der Pullover, den Sära heute Morgen anhatte! Und ich kann doch kein Blut sehen. Rettet mich, ich falle in Ohnmacht!" jammerte Luis und ließ sich galant wie eine Feder zu Boden fallen - doch niemand fing ihn auf und so knallte er mit dem Hinterkopf gegen einen Holzbalken. "Psst, seid leise ihr Dreckskröten! Ich höre ein verdächtiges Geräusch," flüsterte Ruthie und legte ihr Ohr an. Sie, Mäckie, Graaz und Luis lugten vorsichtig um die Ecke und sahen, dass niemand geringeres als Lücie draußen einen Pick-Up belud. Es war derselbe Pick-Up, den Mary Frances benutzt hatte, als sie die Bewohner von Melody Ville terrorisierte - Lücie hatte ihm lediglich eine neue Lackierung verpasst. Die vier schauten entsetzt und amüsiert zu, wie sich Lücie mit einem Sack abmühte. "Du dumme Göre! Nichts als Ärger hat man mit dir! Aber damit ist jetzt Schluss," zischte sie und warf den Sack im hohen Bogen auf die Ladefläche des Wagens. "Oh mein Gott! Sära ist in dem Sack! Lücie hat Sära umgebracht und in den Sack gesteckt!" stieß Graaz aufgebracht aus. "Halt die Schnauze oder willst du auch mal von Lücie durchgenudelt werden?" stieß Ruthie ihr in die Rippen. Kurz darauf setzte sich Lücie ans Steuer, startete den Motor und fuhr im hohen Tempo vom Ponyhof. Die Kinder liefen nun ebenfalls in Freie. "Warum haben wir sie denn nicht aufgehalten? Wer weiß, wo sie nun hin ist! Die arme Sära!" schluchzte Graaz und Mäckie lieh ihr eine Schulter zum Ausheulen. "Wenn du als Hundefutter enden willst, bitte," meinte Ruthie garstig, "ich habe noch einiges mit meinem Leben vor." "Was macht ihr denn hier?" fragte plötzlich eine weibliche Stimme hinter ihnen und sie drehten sich erschrocken um, denn es war Sära, die quicklebendig vor ihnen stand. "Du? Und wir dachten, du wärst tot! Lücie war nämlich hier!" "Ich weiß. Die Sache mit Miss Schlivis Sturz kam mir sehr komisch vor, also habe ich Nachforschungen angestellt. Dabei habe ich herausgefunden, dass Lücie die Patenschaft für Windpocke übernommen hat, um sich damit eine Tarnung zu verschaffen. Jetzt ist sie in die Stadt gefahren, um neues Futter zu besorgen. Aber nun sollten wir verschwinden, bevor sie wiederkommt."
Erneut war die Nacht über die Stadt hineingebrochen. Die mysteriöse Kiste war inzwischen am Ufer des Melody Rivers ans Land gespült worden und befand sich zwischen mehreren Schilfhalmen. Plötzlich öffnete sich ganz langsam der Deckel und eine bleiche Frauenhand kam zum Vorschein. Leise ächzend richtete sich schließlich der Körper der Frau auf, und mit großer Anstrengung kletterte sie aus der Kiste. Ihr schmerzten alle Gelenke, aber das war auch kein Wunder, denn immerhin hatte sie Monate in dieser Kiste verbracht. Als sich die Wolken verzogen und das Mondlicht auf das Flussufer schien, konnte man endlich das Gesicht der Frau erkennen: Es war Mary Frances. "Jetzt weiß ich endlich, wie sich eine Marionette fühlt," zischte sie und lief dann mit schnellen Schritten am Ufer entlang Richtung Melody Ville. Plötzlich erspähte sie einen klapperigen Wohnwagen, der am Waldrand abgestellt war. Mary Frances fackelte nicht lange und ging darauf zu. Sie ging sie einmal im Kreis um den Wagen herum, bevor sie ohne vorher anzuklopfen hineinstürzte. Im Inneren des Wohnwagens campierte niemand Geringeres als Chastity Bellet, die nach dem Überfall auf den Club und dem LKW-Autounfall auf der Flucht war. Chastity erschrak, als Mary Frances plötzlich vor ihr stand. "Was... was wollen Sie von mir? Ich habe kein Bargeld bei mir!" schrie sie sich die Lunge aus dem Hals. "Das macht nichts. Wir müssen uns trotzdem ganz dringend unterhalten," lächelte Mary Frances eiskalt und hielt Chastity im nächsten Augenblick eine geladene Pistole an die Schläfe.














