28/IV Les drames domestiques
An diesem Tag herrschte wunderschönes Wetter in Melody Ville. Die dunklen Wolken hatten sich vom Himmel verzogen und die Sonne strahlte wie ein Honigkuchenpferd über der gesamten Stadt. Um das gute Wetter auszunutzen, hatte sich die Bürgermeisterin Alaska Lennox mit ihrer Busenfreundin Tabatha Lopez zum Shopping verabredet. Gemeinsam hatten die beiden Frauen diverse Boutiquen abgeklappert, aber letztendlich doch nichts gekauft, da Alaskas Kreditkarte gesperrt war und Tabatha sowieso nur ein paar Notgroschen aus ihrem Sparstrumpf besaß. "Wieso ist eigentlich deine Kreditkarte gesperrt? Du bist doch Bürgermeisterin und müsstest Geld wie Heu haben," wunderte sich Tabatha erst Stunden später, als die beiden mit einer Eiswaffel in der Hand über die Milabu Avenue schlenderten. "Das ist eine lange Geschichte. Mein Ehemann Rex hat eine Geliebte und wirft ihr das Geld in den Rachen. Er denkt, dass ich darüber nicht Bescheid weiß. Aber als er letztens nach Hause kam, konnte ich das billige Nuttenparfum an seinem Jacket riechen." Plötzlich blieb Alaska wie angewurzelt stehen. "Das darf doch nicht wahr sein!" schrie sie aufgebracht. "Was ist denn los?" fragte Tabatha und Alaska zeigte auf den schwarzen Porsche, der vor einem Frisiersalon stand. "Das ist Rex′ Wagen! Da er aber zur Zeit auf Geschäftsreise nach San Souleil ist, hat sich bestimmt sein Flittchen den Wagen gekrallt. Aber nicht mit mir, meine Liebe! Ich werf doch hier nicht mein Geld für das Benzin raus, das sie mit seinem Wagen verbraucht! Die kann was erleben!" Kaum hatte Alaska diesen Satz ausgesprochen, öffnete sich die Tür des Salons und eine dunkelhäutige Frau spazierte hinaus. Es handelte sich dabei um die Klatschreporterin Eschke Doughter. Kurz nachdem sie hinter dem Steuer des Porsche Platz genommen hatte, machte sich Alaska auf den Weg, um sie zur Rede zu stellen. "Hallo Fräulein! Hallo, ich bin Alaska, Rex′ Frau," sprach sie sie ganz freundlich an, "ich wollte Ihnen nur sagen, zwischen Rex und mir besteht eine Vereinbahrung, und ich finde Sie sollten wissen, dass ich nichts dagegen habe." "Entschuldigen Sie, ich hab′ keine Zeit! Ich bin mit einem Kollegen im Beverlys zum Mittagessen verabredet," antwortete Eschke in einem zickigen Ton. "Ahahahaha," brach Alaska zuerst in schallendes Gelächter aus und packte Eschke danach durch die offene Fensterscheibe am Kragen, doch zuvor drückte sie Eschke ihre Eiswaffel ins Gesicht. "Steig aus, du Schlampe! Das ist doch wohl nicht zu glauben!" schrie sie vollkommen außer sich und zog Eschke an ihren frisch gestylten Haaren. Eschke versuchte Alaska von sich wegzustoßen, was ihr schließlich auch gelang. "Sie sind ja völlig durchgeknallt! Das ist ja ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse, und zufällig arbeite ich in dieser Branche! Schalten Sie heute Abend besser nicht die Nachrichten ein!" schrie Eschke zurück und startete dann den Motor. "Du Nutte! Wir sehen uns in der Hölle!" Alaska schlug mit der Faust gegen die Windschutzscheibe des Wagens, bevor Eschke mit hohem Tempo vom Parkplatz brauste. "Ich hoffe du stehst auf Herpes!" rief Alaska ihrer Kontrahentin nach.
Starring
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Halle Berry as Eschke Doughter
Steven Culp as Ben Delany
Jan Hoag as Murgy Muschka
James Hyde as Hank Bennett
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Melissa McCarthy as Dana Beseburgh
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Juliett Mills as Tabatha Lopez
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Chad Michael Murray as Chad Lennox
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie
Nicollette Sheridan as Alaska Lennox
Nicholle Tom as Graaz Lopez
Guest Starring
Alexis Bledel as Sära van de Driesche
Andrea Evans as Trudy Mackenzie
Maeve Quinlan as Whitley Fitz
Sandra Vidal as Sierra Leone
Im Klassenzimmer 104 in der "St. George High School" herrschte das totale Chaos, was allerdings nichts besonderes war. Die Schüler zogen sich gegenseitig an den Haaren, bewarfen sich mit Büchern und bekritzelten die grüne Schiefertafel mit nicht jugendfreien Sprüchen. "Lass die Finger von Emanuela!" kreischte ein Schüler und hinderte Ruthie Mackenzie daran, dass diese die langen Haare von einer anderen Mitschülerin an den elektrischen Jealousien festband. Plötzlich vernahmen die Schüler die Geräusche von herannahenden Schritten auf dem Flur und sobald die dunkelhaarige Lehrerin Sierra Leone das Klassenzimmer betreten hatte, waren alle mucksmäuschenstill und saßen brav hinter ihren Pulten. "Guten Morgen," begann Sierra mit ihrem spanischen Akzent zu sprechen, "bevor ich mit meine Lessione anfange, möchte ich die Anwesenheit prüfen." Sie zog eine verknitterte Liste aus ihrer Ledertasche hervor und las die Namen der Schüler vor, die sich darauf per Handzeichen meldeten. Im Kurs befanden sich neben Ruthie auch ihre Cousine Mäckie, Chad Lennox und Sära van de Driesche. Emba dagegen lag, nachdem sie von einer Lawine überrollt worden war, im Krankenhaus - ebenso wie Bambina Knirsh, die sich beim Schlitten fahren das Bein gebrochen hatte. "Bravissima. Also, lectione uno. Schlagen Sie bitte Ihr Buch auf Seite 15 auf. Sie sehen dort ein, äh wie sagt man... Gesicht, la visage. Und das sind Teile des Gesichts. La Bocca... der Mund... la Labra... die Lippen... der Geschmack... bueno...," steigerte sich Sierra Leone in eine richtige Euphorie hinein, doch ihre Schüler schauten sie nur mit einem verstörten Blick an. Ruthie war die erste, die das Wort ergriff. "Stopp, stopp, stopp, Sie bilinguale Steppenschlampe! Das ist ein Spanischkurs und kein Abstecher nach Venedig! Also halten Sie Ihr dreckiges Maul!" Sierra war so erschrocken über sich selbst, dass sie in Tränen ausbrach und aus dem Klassenzimmer lief. "Freistunde!" krähte Ruthie zufrieden und sofort brach in der Klasse wieder der normale Tumult aus. Während Ruthie über die Tische kletterte und eine Mitschülerin mit dem Kopf ins Waschbecken steckte, rückte Sära mit einem besorgten Blick an Mäckie heran. "Hast du heute schon auf die Website von Horsey Waldemore geschaut?" fragte Sära ängstlich und Mäckie schaute sie gelangweilt an. "Da steht doch sowieso nur Mist drauf. Und ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht, ob Miss Schlivi nackt unter der Dusche gefilmt wurde, oder ob wieder ein Lehrer eine Schülerin geküsst hat. Das ist doch alles kalter Kaffee." "Aber heute geht es um dich - und Chad. In der ganzen Schule geht das Gerücht um, dass ihr beide ein Date habt. Es wird echt an jeder Ecke darüber getuschelt." Zum Beweis klappte Sära ihren Laptop auf und zeigte Mäckie einen von Horseys berüchtigten Cartoons, in dem heute Mäckie und Chad zu sehen waren.
Inzwischen lag Bambina Knirsh in ihrem schattigen Zimmer im "Melody Ville Hospital" und ächzte leise vor sich hin. Ihr rechtes Bein war in einen dicken Gips verpackt und hing in einer Schlaufe, die am Bettgalgen angebracht war. Luis Figaro saß an ihrer Seite und hielt ihre schlappe Hand, als es an der Tür klopfte und Graaz Lopez mit einer Tragetasche im Arm das Zimmer betrat. "Ist that die Sista? Isch habe so damn Schmerzen!" jammerte Bambina mit geschlossenen Augen. "Nein, es ist nicht die Schwester!" antwortete Graaz in einem scharfen Tonfall und Bambina war vor Schock wie gelähmt, denn Graaz war dafür verantwortlich, dass Bambina im Krankenhaus lag. "Hallo Luis," sagte Graaz entzückt und er machte vor ihr einen Knicks und küsste ihre Hand. "Der Weg hierher war sehr anstrengend. Würdest du mir bitte ein Glas Wasser aus dem Brunnen holen?" fragte sie ihn mit einem lockerleichten Augenaufschlag und Luis konnte ihr natürlich keinen Wunsch abschlagen. Nachdem er gegangen war, kreiste Graaz wie ein Geier um Bambinas Bett, bevor sie schließlich am Fußende zum Stehen kam. "What um alles in die World willst du here?" zischte Bambina schließlich. "Nicht in diesem Ton, meine Süße. Immerhin hast du es mir zu verdanken, dass du noch lebst. Stell dir vor, ich hätte nicht den Notarzt gerufen..." "Du bist such eine sick person, I call die Polizei!" "Die werden dir eh nicht glauben. Ich habe einen guten Ruf in der ganzen Stadt - im Gegensatz zu dir. Und außerdem habe ich jetzt mütterliche Pflichten." Graaz lüftete das Geheimnis, was sich in ihrer Tragetasche befand: Es war das Baby Dinah, dem sie jedoch eine neue Haarfarbe und einen neuen Namen gegeben hatte. "What is das?" fragte Bambina geschockt. "Das ist Stacey, meine Tochter. Und Luis ist der Vater! Und versuch gar nicht erst daran zu zweifeln. Luis hat immer nur mich geliebt, und dieses Kind ist der Beweis dafür!" Nachdem Graaz diese Worte ausgesprochen hatte, begannen Tränen in Bambinas Augen zu steigen. "Jetzt kommen die Tränen wieder auf Knopfdruck, das kennen wir ja schon. Lass dir mal eine neue Masche einfallen, es wird langsam langweilig," lachte Graaz höhnisch. "Du makest uns everything kaputt, I swear! I fucking swear by God, isch werd das not zulassen, ey! Mein sweety pie gehört zu mir, forever and ever again!" kreischte Bambina unter Tränen und warf mit der Fernbedienung ihres kleinen Taschenfernsehers nach ihrer ehemaligen besten Freundin. Graaz geriet darüber so in Rage, dass sie sich eine Schere schnappte und damit die Schlaufe durchschnitt, in der Bambinas Bein hing. Der schwere Gips fiel mit einem lauten Krachen runter und Bambina schrie mit einem schmerzverzerrten Gesicht laut auf. Doch Graaz hatte noch nicht gut: Sie spielte mit der Fernbedienung für die Hydraulik des Bettes herum, so dass Bambina hoch- und runter gewirbelt wurde. Zu guter Letzt zog sie an Bambinas Bettlaken, so dass diese mit aus dem Bett geschleudert wurde und auf dem Fußboden landete. "Wer sitzt hier am längeren Hebel, hmm?" lachte Graaz zufrieden, schnappte sich ihre Tragetasche und eilte danach ins Freie.
Alaska konnte sich nach der Auseinandersetzung mit Eschke nicht mehr beruhigen. Gemeinsam mit Tabatha war sie schließlich zu Eschkes Haus in der Church Street gefahren. Zu ihrer eigenen Sicherheit hatten sie sich mit Baseballschlägern bewaffnet. Gerade als sie aus ihrem Wagen ausstiegen, war Eschke dabei, ihre Einkäufe aus ihrem Wagen zu holen. Bedrohlich bauten sich Tabatha und Alaska vor Eschke auf. "Wer seid Ihr denn?" stellte sich Eschke dumm und beäugelte die beiden misstrauisch. "Ich bin Alaska, Rex′ Frau. Ich wollte Ihnen nur sagen, zwischen Rex und mir besteht eine Vereinbahrung..." "Soweit warst du schon," zupfte Tabatha ihre Freundin am Ärmel. "Ach ja, ich vergaß," fasste sich Alaska an die Stirn, "daran ist wohl der Wodka Schuld." "Wissen Sie, das ist nicht mein Problem. Sie sollten jetzt besser gehen," schlug Eschke vor. "Wenn Sie mit Rex schlafen, dann ist das sehr wohl Ihr Problem!" konterte Alaska bissig. "Oh nein. Wenn Sie nicht wissen, wie man sich sexy anzieht, um einen Mann bei der Stange zu halten..." "Wie bitte? Komm her du Schlampe, sag′s mir ins Gesicht, was du von mir denkst!" schrie Alaska und verpasste ihrer Gegnerin einen kräftigen Hieb mit dem Baseballschläger. Eschke schlug mit der blanken Faust zurück, und nun mischte sich auch noch Tabatha in die Prügelei ein. "Du dreckige Nutte! Du Ehebrecherin! Verschwinde mit deinen falschen Titten aus unser aller Leben!" "Ihr seid doch nur neidisch auf meine Titten! Dein Mann hat für diese Möpse teuer bezahlt!" Eschke wackelte demonstrativ mit ihrer operierten Oberweite hin und her. Alaska rastete nun komplett aus und nahm Eschke in den Schwitzkasten. Die beiden wälzten sich über den Rasen von Eschkes idyllischem Vorgarten. Tabatha zog Eschke schließlich mit einem Ruck von Alaskas Rücken. "Treib′s ja nie wieder mit meinem Mann! Und halte dich von meinem Sohn fern! Ansonsten bring ich dich eigenhändig um!" kreischte Alaska und brach in Tränen aus. Plötzlich öffnete sich die Tür des Hauses und Max, Eschkes Kameramann, kam heraus. "Verschwindet hier! Ich ruf die Cops! 911!" schrie er aufgebracht. Das schüchterte Alaska und Tabatha erst einmal ein, so dass sie sich von Eschkes Grundstück zurückzogen, während Eschke die kümmerlichen Reste ihrer Einkäufe einsammelte und im Inneren des Hauses verschwand. Doch Alaska war noch nicht fertig: Sie schnappte sich ihren Baseballschläger und zertrümmerte damit die Scheiben von Eschkes Wagen. Anschließend zerstach sie alle Reifen und klaute das Autoradio. Vollkommen außer Atem lachten sich Tabatha und Alaska halbtot. Als sie sich wieder beruhigt hatten, setzte sich Alaska hinter das Steuer ihres eigenes Wagens. "So, und jetzt müssen wir Chad und Graaz von der Schule abholen. Die Armen weinen sicher schon."
Als Ruthie Mackenzie nach der Schule zurück in die Boutique kam, fand sie dort ihre Mutter Trudy vor, die im Kassenbereich saß und in einem Fotoalbum blätterte. Ruthie pfefferte ihre Schultasche in eine Ecke und lief dann auf Trudy zu, um ihr das Album aus den Händen zu reißen. "Lass deine dreckigen Pfoten von meinen Bildern!" zischte Ruthie in einem frechen Ton. "Ich wollte doch nur ein wenig in Erinnerungen schwelgen. Wie süß und unschuldig Mäckie doch damals noch war - und jetzt geht meine kleine Mäckie auf ihr erstes Date," lächelte Trudy zufrieden und nahm danach einen kleinen Schluck von ihrem Whisky mit Zitrone. "Sag mal, lebst du eigentlich hinter dem Mond oder was ist hier los? Mäckie war bereits verheiratet, hast du das schon vergessen? Und zwar mit meinem Ex, diesem Waschlappen von und zu Mahaffy! Und für meinen Geschmack ist sie ein bisschen zu schnell über seinen Tod hinweggekommen - das riecht förmlich nach Erbschleicherei," fand Ruthie und warf einen abtrünnigen Blick in das Fotoalbum, welches Fotos aus ihrer Kindheit beinhaltete. "Aber Ruthie, ich bin entsetzt über deine Gedanken! Wie kannst du meiner armen Mäckie denn nur solche Dinge vorwerfen? Jetzt, wo sie endlich den richtigen Weg einschlägt!" schlug Trudy vor Entsetzen die Hände über dem Kopf zusammen. "Hast du wieder zuviele Telenovelas geguckt oder wieso laberst du so geschwollen daher?" fragte Ruthie und warf das Album danach gekonnt in die hinterste Ecke des Raumes, so dass einige Fotos herausflogen und die Seiten verknickten. Trudy verzog ihr Gesicht zu einer traurigen Schnute. "Du bist heute wieder unausstehlich. Du gönnst der armen Mäckie absolut gar keine Freude." "Dazu hab ich auch jeden Grund, Mutter! Du hast sie schon immer besser behandelt als mich - aber damit hat es bald ein Ende, das schwöre ich dir! Ich werde das Thema beim Familientreffen zur Sprache bringen, und auf Grandmas Reaktion bin ich jetzt schon sehr gespannt!" lachte Ruthie boshaft auf und machte sich dann auf den Weg in die Küche, um den Kühlschrank zu plündern.
Als es an der Haustür klingelte, befand sich Graaz gerade in der Küche, wo sie Stacey vor einer Minute frisch gewickelt hatte. Sie trug eine altmodische Kittelschürze und ein Häubchen auf dem Kopf, so dass sie aussah, als wäre sie aus den 50er Jahren entsprungen. "Hallo Luis, das ist aber eine Überraschung," freute sie sich, als sie die Tür öffnete. Luis machte eine höflichen Knicks und danach bat Graaz ihn herein. "Ich muss dringend mit dir reden. Als ich vorhin in Bambinas Zimmer zurückkam, lag sie neben ihrem Bett auf dem Boden und krümmte sich vor Schmerzen - und du warst nicht mehr da." "Ja, weißt du, das war so...scheinbar ist ihr irgendein Medikament nicht richtig bekommen, dann hat sie Krampfanfälle bekommen und hat um sich geschlagen. Ich konnte mich gerade noch vor ihrer Attacke retten und bin ganz verstört nach Hause geholpert," log Graaz ihn wie gedruckt an. "Aber wieso sollte sie so etwas tun?" wunderte sich Luis und verschränkte die Arme vor seiner Brust, die er sich mit einen Wonderbra aufgepusht hatte. "Nun ja... sie konnte die Wahrheit nicht ertragen... es ist ja auch für uns nicht einfach, dass wir plötzlich ein Kind haben," erwiderte Graaz. "Was hast du da gerade gesagt?! Aber... aber... das kann doch gar nicht sein!" rief Luis entsetzt aus. "Oh doch, mein Lieber. Das hier," Graaz langte in die Tragetasche und nahm das Baby hinaus, "ist unsere gemeinsame Tochter. Sie heißt Stacey. Und versuch gar nicht erst, es abzustreiten! Ich hoffe, du weißt, was dir nun bevorsteht. Du musst für dieses Kind sorgen, es lieben und ehren, bis dass der Tod euch scheidet! Und vor allem musst du mich lieben und dieses billige Flittchen endlich aus deinem Gedächtnis streichen. Du musst nur noch unterschreiben und die Vaterschaft anerkennen. Und dann müssen wir uns noch Gedanken über unsere Hochzeit machen. Ich will ganz in weiß heiraten, hörst du? Mit Kutsche, Tauben, Reis und allem drum und dran!" quasselte Graaz drauf los und sie hörte erst auf, als Luis mit einem Schwächeanfall vor ihren Augen zusammenbrach.
Am Abend befand sich Eschke Doughter in ihrem Büro bei "MD-TV" und führte einige wichtige Telefonate. Nach ihren schmutzigen Enthüllungen über die Ehekrise bei der Bürgermeisterin Alaska Lennox, welche vor einer knappen Stunde über die Bildschirme geflimmert war, wollten alle wichtigen Fernsehsender und Zeitungen ein Exclusiv-Interview mit Eschke führen. Nachdem sie ihr letztes Telefonat beendet hatte, klopfte es an ihrer Bürotür und niemand geringeres als Alaska Lennox kam durch die Tür. Sie sah aus wie ein begossener Pudel und roch schon in mehreren Metern Entfernung nach Alkohol. "Was soll das? Dass Sie tatsächlich den Mut haben, hier aufzukreuzen! Dass Sie überhaupt den Mut haben, einen Fuß vor die Tür zu setzen, jetzt wo die ganze Stadt darüber Bescheid weiß, dass Sie Ihren Ehemann an eine erfolgreiche Journalistin verloren haben! Zerfrisst die Schmach Sie nicht von Kopf bis Fuß? Vielleicht sollten Sie sich schon mal einen neuen Job suchen. Möchten Sie eventuell als meine Traubenschälerin arbeiten?" machte sich Eschke großspurig über Alaska lustig. "Ich werde ihn mir wiederholen," ließ Alaska ganz leise wie eine Maus verlauten. "Wie war das? Könnten Sie das vielleicht noch einmal wiederholen?" "Ich werde ihn mir wiederholen!" posaunte Alaska es nun ganz laut aus. Kaum hatte Eschke diesen Satz vernommen, brach sie in ein höhnisches Gelächter aus. "Haben Sie gesagt, Sie bekämen Ihn wieder? Ahahahaha! Sie sind ja hysterisch, Alaska! Ahahahahahaha!" Eschke bog sich krumm vor Lachen und Alaska stand nur in Tränen aufgelöst vor ihr. Plötzlich rastete sie vollkommen aus und fegte mit einem Schlag die Unterlagen von Eschkes Schreibtisch. "Verlassen Sie auf der Stelle mein Büro!" befahl Eschke, doch Alaska ging mit einem irren Blick auf sie los. Eschke bekam es mit der Angst zu tun und rannte hinaus auf den Flur, doch Alaska folgte ihr. "Ich bring dich um, du falsche Schlange!" Alaska drückte Eschke gegen die Wand und versuchte sie zu würgen, doch einmal platzte Eschkes Sekretärin Whitley Fitz dazwischen. Sie zog Alaska an den Haaren und trat ihr mit ihren High Heels in den Rücken, so dass sie zu Boden stürzte. "Ich ruf den Sicherheitsservice! Zur Not werd ich auch alleine mit Ihnen fertig!" zischte Whitley und vergewisserte sich, dass es Eschke gut ging. Während die beiden sich gegenseitig gut zuredeten, verließ Alaska das Gebäude - doch sie schwor sich, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen war.
Nachdem Chad Lennox erkannt hatte, dass er Emba van de Driesche und ihren Attacken nicht gewachsen war, sah er sich dazu gezwungen, sich ein neues Opfer auszusuchen. Und er musste auch nicht lange warten. Seine Wahl fiel auf Mäckie Mackenzie. Er hatte sich bei ihr eingeschmeichelt, indem er ihr in der Schule ihre Schultasche getragen hatte oder ihr anbot ihre Schulbrote zu tauschen. Und da Emba zurzeit noch im Krankenhaus lag, konnte sie ihm auch nicht dazwischenfunken. An diesem Abend hatten die beiden ihr erstes Rendezvous. Nachdem Chad Mäckie in einer Limousine abgeholt hatte, die er ohne das Wissen seines Vaters mit dessen Kreditkarte bezahlt hatte, waren sie ins teuerste Restaurant der Stadt gefahren. Ins "Café Greece". "Für dich ist das Beste gerade gut genug," meinte Chad zuckersüß, während er Mäckie den Stuhl zu Recht rückte. "Wir hätten gerne eine Flasche von ihrem besten Champagner." "Meine Tante Trudy sagt, ich darf keinen Alkohol trinken. Außer an Silvester. Um zwölf dürfen wir dann alle mal am Glas nippen," gab Mäckie Chad zu verstehen, während sie die Speisekarte studierte. "Scheiß doch der Hund drauf was deine dumme Tante sagt... ähm, ich meine sie drückt heute Abend sicher ein Auge zu," erwiderte Chad lächelnd und erhob dabei sein Glas. "Schön gesagt!" Mit einem lauten Klirren stießen sie mit ihren Gläsern an. Nach Gyros mit Zaziki und Pommes hatte Chad noch eine Überraschung für Mäckie auf Lager. Nachdem sie wieder in der Limousine saßen, verband er ihr die Augen und nach einer kurzen Fahrt von zehn Minuten hielten sie an. "Wo sind wir, Chad?" fragte Mäckie orientierungslos. "Am romantischsten Ort von ganz Melody Ville. Du wirst sehr überrascht sein." Mit dem Lastenaufzug fuhren die beiden den Melody Tower hinauf, von dem man aus einen gigantischen Blick über die ganze Stadt und noch weiter hatte. Chad nahm Mäckie die Augenbinde ab und führte sie zum Geländer. "Oh mein Gott Chad, das ist ja unglaublich. Ich wollte schon immer mal hier hoch," kreischte Mäckie in die Ferne und lief ein paar Schritte. "Ich wusste, dass es dir gefällt. Du brauchtest etwas Abwechslung nach dem schrecklichen Vorfall auf der Kreuzfahrt." Mäckie drehte sich energisch zu ihm um. "Woher weißt du davon? Wer hat dir das erzählt?" "Hör mir zu Mäckie. Ich weiß alles über diesen Raffi. Er war bereits mit deiner Cousine verheiratet. Ihr wärt nie glücklich geworden. Ich werde dir dabei helfen, all die schrecklichen Erinnerungen hinter dir zu lassen." Während Chad auf Mäckie einredete, ging er langsam auf sie zu. Doch Mäckie fühlte sich bedroht und wich ihm aus. "Lass mich in Ruhe. Ich habe Raffi geliebt. Wie kannst du nur so reden?" Mäckie kämpfte mit den Tränen. Sie wollte Chad noch weiter ausweichen, doch plötzlich trat sie ins Leere. Sie versuchte sich noch am Geländer des Melody Towers festzuhalten, doch sie es gelang ihr nicht. Mit einem lauten Schrei stürzte sie in die Tiefe...














