24/III AIDA: Confusion sur le bateau (2)

Gemächlich schaukelte das Kreuzfahrtschiff "AIDA" über das Wasser des Pazifischen Ozeans. Inzwischen war es stockfinstere Nacht und die meisten Gäste lagen zufrieden in ihren Kojen – die meisten wohlgemerkt, aber nicht alle. In diesem Moment machte sich eine weibliche Gestalt an der Tür zur Präsidentensuite zu schaffen, die Raffi de Mahaffy gemietet hatte. Das Mädchen hatte braune Haare und trug einen Schleier, der ihr Gesicht komplett verdeckte. Nachdem sie die Tür mit einem Dietrich aufgebrochen hatte, trippelte sie auf Zehenspitzen zum Bett und schlüpfte lüsternd unter die Decke. Vorsichtig fuhr sie mit ihren Händen auf die andere Seite des großen Doppelbetts – doch diese war leer! "Was zum Teufel," fluchte das Mädchen laut und knipste die Nachttischlampe an. Und tatsächlich, außer ihr befand sich niemand in der Suite. "Es ist doch nicht zum Aushalten! Mein ganzer schöner Plan, einfach so ruiniert durch diesen Bauerntrampel! Aber so nicht, Freundchen, du entkommst mir nicht," zischte sie und sprang mit einem Satz aus dem Bett. Als sie zur Tür eilte, bremste sie abrupt ab, da jemand von außen gegen die Tür hämmerte. "Mach die Tür auf! Ich weiß, dass du da drin bist!" rief eine Frau mit einem holländischen Akzent und das Mädchen wusste sofort, dass es sich um Florke de Mahaffy handelte. Dabei fiel ihr auf, dass sie die Tür beim Hereinkommen nicht geschlossen hatte und so betrat Florke nun zum zweiten Mal an diesem Tag die Suite. "Aha! Habe ich es mir doch gedacht, du Flittchen! Ich hoffe, ich komme noch rechtzeitig! Wo ist mein Sohn?" "Er ist nicht hier, du Blindschleiche," erwiderte das Mädchen garstig. Florke ging in einem Halbkreis um das Mädchen herum und beäugte es kritisch. "Vor ein paar Stunden warst du noch nicht so groß, Mäckie. Entweder du hattest heute Abend einen Wachstumsschub – oder du bist gar nicht Mäckie!" "Vielleicht laufe ich ja auch auf Stelzen, so wie bei meiner Hochzeit," zuckte das Mädchen mit den Schultern und wollte sich klammheimlich aus dem Staub machen, doch Florke hatte das Spiel durchschaut. "Hiergeblieben, Früchtchen! Du bist ganz bestimmt nicht Mäckie!" kreischte Florke und griff nach dem Arm des Mädchens. Dieses konnte sich nicht aus dem Griff befreien und kurz darauf hatte Florke sie in den Schwitzkasten genommen. Keuchend versuchte das Mädchen Florke zu beißen und zu treten, doch diese hatte die Oberhand. Sie zog kräftig an den Haaren des Mädchens, um sie zu Boden zu zwingen, doch plötzlich hatte sie nur eine brünette Perücke in der Hand. "Oh mein Gott!" stieß Florke in einem schrillen Ton aus, als sie Ruthie Mackenzie Auge in Auge gegenüber stand.



Starring
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie
Dustin Milligan as Raffi de Mahaffy (credit only)
Melissa McCarthy as Dana Beseburgh (credit only)
Steven Culp as Ben Delany (credit only)
James Hyde as Hank Bennett (credit only)
Juliett Mills as Tabatha Lopez (credit only)
Juliett Mills as Tabitha Bennett (credit only)
Nicholle Tom as Graaz Lopez (credit only)
David Gallagher as Harry Crane (credit only)
Halle Berry as Eschke Doughter
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jan Hoag as Murgy Muschka (credit only)
Nicollette Sheridan as Alaska Lennox (credit only)
Jennifer Love Hewitt as Mary Frances
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Guest Starring
Jessica Biel as Emba van de Driesche
Alexis Bledel as Sära van de Driesche
Barbara Crampton as Medusa Mackenzie
Andrea Evans as Trudy Mackenzie
Katherine Kelly Lang as Florke de Mahaffy

Zur selben Zeit befand sich Emba im Maschinenraum der "AIDA", um sich dort mit ihrer Auftraggeberin zu treffen. Zu ihrer eigenen Sicherheit hatte sie sich mit einer Pistole Kaliber 45 bewaffnet und trug eine kugelsichere Weste für alle Fälle. Als sie Schritte auf dem Gang vernahm, entsicherte sie ihre Waffe und ging in Position. Langsam öffnete sich die Türe, doch man erkannte zuerst nur einen Schatten. "Du bist schon da," sagte eine weibliche Stimme und die Frau trat ebenfalls in den Maschinenraum. "Ganz recht," erwiderte Emba und drehte sich zu ihr um. Es handelte sich um niemand Geringeres als Mary Frances, die Emba nun gegenüber stand. Und auch sie hatte Vorkehrungen getroffen und sich mit einer Pistole bewaffnet, die sie nun auf Emba richtete. "Lass die Waffe fallen," schrie sie, doch Emba rührte sich nicht. "Lass sie fallen!" In diesem Augenblick eröffnete Emba den Schusswechsel und Mary Frances sprang stuntmanhaft zur Seite, um nicht getroffen zu werden. "Du hattest mir versichert, dass man den Vorgang rückgängig machen kann, du Schlampe," schrie Emba und feuerte weitere Patronen ab. Mary Frances rollte sich über den Boden um den Kugeln auszuweichen. "Zeig dich du mieses Stück," forderte Emba sie auf. "Hier bin ich," ertönte es aus der hintersten Ecke und Emba schoss sofort in diese Richtung. Doch Mary Frances stand direkt hinter ihr und nahm sie in den Schwitzkasten. "Ich kann nichts dafür, dass man den Vorgang nicht mehr umkehren kann. Die Maschine war falsch programmiert," erklärte Mary Frances und schlug Emba die Pistole aus der Hand, die über den Boden unter einen der Schiffsmotoren rutschte. "Trotzdem wirst du dafür bezahlen müssen," fauchte Emba und versuchte sich zu befreien. Mit einem gekonnten Karatekick warf sie ihre Rivalin zu Boden. Doch Mary Frances richtete augenblicklich ihre Waffe auf sie. "Ich habe dich erschaffen und ich werde dich auch vernichten," drohte Mary Frances und entsicherte das Magazin. "So wird das aber nicht laufen," konterte Emba und trat mit ihrem rechten Fuß Mary Frances die Pistole aus der Hand. "Du hast mich gedoubelt und nun muss ich für immer in dem Körper dieser Hure Emba van de Driesche rumlaufen? Nur über meine Leiche." Emba stürzte sich auf Mary Frances und begann sie zu würgen. Mary Frances jedoch konnte Emba von sich wegstoßen. Nun standen sie sich gegenüber. Es dauerte nicht lange, bis Emba Mary Frances an den Haaren packte und sie quer durch den Raum zog. "Lass los, du Miststück!" zischte Mary Frances. "Mit Vergnügen!" schrie Emba und stieß Mary Frances mit voller Wucht von sich weg. Unglücklicherweise stieß diese mit dem Hinterkopf an eines der Eisenrohre, die an der niedrigen Decke verliefen und fiel bewusstlos zu Boden. Emba brach in schallendes Gelächter aus. "Jetzt heißt es Mary Frances bei die Fische," lachte Emba, während sie ihre Kontrahentin fesselte und anschließend in einer Kiste verstaute.

Einen kurzen Augenblick schauten sich Florke und Ruthie wortlos an. "Ich glaube, ich sollte jetzt gehen. Schönen Tag noch!" winkte Ruthie ihr schließlich zu und wollte blitzschnell aus dem Zimmer laufen, doch Florke schnitt ihr den Weg ab und stieß sie zu Boden. "Das hast du dir ja fein ausgedacht, du Bitch! Aber so leicht kommst du mir dieses Mal nicht davon! Und wenn ich die Wahrheit aus dir herausprügeln muss!" "Wahrheit? Welche Wahrheit denn?" stellte sich Ruthie unwissend und sah Florke mit großen Augen an. "Ich platze gleich vor Wut!" stampfte Florke mit einem Bein so fest auf den Teppichboden, dass die ganze Kabine wackelte. In der Zwischenzeit näherte sich von draußen ein kleines Ruderboot, in dem ein Mädchen saß. Ächzend ruderte sie so nah wie sie konnte an das Fenster der Suite heran und sprang dann mit einem Satz in das Zimmer. "Oh mein Gott! Ich bin umzingelt!" rief das Mädchen erschrocken aus und nun konnte man erkennen, dass es sich dabei um Mäckie handelte. "Wo zum Teufel steckt Raffi?!" fragten Florke und Ruthie sie fast gleichzeitig und Mäckie konnte nur mit den Schultern zucken. "Ich habe die letzten Stunden in einem miefigen Wandschrank verbracht, woher soll ich das also wissen? Ruthie, du bist so ein verlogenes Stück! Aber dir werde ich Beine machen!" "Danke, aber ich habe schon zwei," antwortete Ruthie und stellte sich in Abwehrstellung. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, griff sie einmal in die Tasche ihres Pyjamas und brachte ein eiförmiges Etwas zum Vorschein. "Atmet tief ein, Herzchen!" lachte sie diabolisch, zog den Haken und warf das Ding schließlich auf den Boden. Es gab einen lauten Knall und sofort stiegen dichte Nebelschwaden auf. Ruthie freute sich diebisch über die Rauchbombe und lief so schnell sie konnte auf den Flur, während Mäckie und Florke vor lauter Qualm nichts mehr sehen konnten.

Am nächsten Morgen stand Trudy Mackenzie vor dem reichhaltigen Buffet im Speisesaal und schaufelte sich soviel wie möglich auf ihren Teller. Angefangen bei Pancakes, Rührei, dazu gebratener Speck, frische Früchte, Croissants und vieles mehr. Außerdem noch ein Glas frischgepressten Tomaten-Karotten-Orangen-Saft. Dann setzte sie sich an einen freien Tisch und wollte gerade zu essen beginnen, als plötzlich ihre Schwester Medusa auftauchte. "Wie siehst du denn aus?" brachte Trudy mit vollem Mund hervor. "Ich bin seekrank," zischte Medusa und setzte sich ebenfalls an den Tisch. Sie war völlig grün im Gesicht. "Möchtest du nicht auch etwas essen?" fragte Trudy und schob ihren Teller in Medusas Richtung. Doch diese wies das Angebot ihrer Schwester zurück und hielt sich eine Hand vor dem Mund. "Ich kann nun wirklich nichts essen. Mir wird schon vom Zusehen schlecht." "Das solltest du aber. Es ist alles hervorragend," schwärmte Trudy, die ihre Portion schon fast komplett verdrückt hatte. "Hast du die Mädchen heute schon gesehen?" ächzte Medusa und hielt sich den Kopf. "Nein. Aber sie müssen hier irgendwo rumschwirren. Das Angebot für Kinder ist einfach überwältigend. Ich kann es gar nicht oft genug sagen," erwiderte Trudy. "Halt die Klappe. Dein Geschwätz kann ich nun wirklich nicht gebrauchen. Ich bin heute nicht so ganz auf dem Posten." "Du kennst ja die Telefonnummer vom Schiffsarzt Dr. Iñigo. Ich hole meine Tasche." Mit diesen Worten stand Trudy auf, warf ihr rotes Haar in den Nacken, setzte sich ihren Sonnenhut und ihre Sonnenbrille auf, und verließ den Speisesaal.

Sära van de Driesche reckte und streckte sich ausgiebig, als sie gegen Mittag in ihrer Kabine erwachte. Und obwohl sie schon so lange geschlafen hatte, war sie immer noch mehr als erschöpft von ihrem Besuch im Miniclub, der ihr wirklich alles abverlangt hatte. So viel Spaß wie am gestrigen Abend hatte sie in ihrem ganzen Leben noch nicht gehabt – ob es vielleicht daran gelegen hatte, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben Kindercola und sogar einen Schluck Malzbier trinken durfte? Das war wohl auch die Ursache für Säras Kopfschmerzen, denn in ihrem Kopf rotierte es wie ein Presslufthammer. Sie wusste zwar, wie es ist, wenn einem richtig schwindelig ist, da sie von Natur aus an Gleichgewichtsstörungen litt, doch an diesem Tag war es noch viel schlimmer als sonst. Vorsichtig tastete sie sich am Rahmen ihres Bettes entlang. Sära wollte so leise wie möglich sein, um Emba nicht zu stören, doch da fiel ihr auf, dass Embas Bett unberührt war. "Normalerweise pennt das faule Stück doch immer bis mindestens 15 Uhr," murmelte Sära und bohrte sich dabei in der Nase, "aber vielleicht hat sie sich ja wieder in der horizon... horizitinalen Ebene vergnügt. Und Emba sagt immer, dass mich das nichts angeht. Und was Emba sagt, das stimmt auch." Sära wurde aus ihren hochphilosophischen Gedanken gerissen, als es plötzlich an der Kabinentür klopfte. Mühsam schleppte sie sich durch das ganze Zimmer. "Guten Morgen, Sära," stand ein verlegend grinsender Junge vor ihr, "ich wollte dich fragen, ob du wieder mit in den Miniclub kommst. Heute spielen wir das Eisbergspiel, klingt das nicht toll? Und jeder darf so viel Eis essen, bis er platzt!" "Oh, ich liebe es zu platzen," klatschte Sära vergnügt in die Hände und folgte dem Jungen ohne zu zögern.

Mittlerweile war es Nachmittag und zahlreiche Menschen tummelten sich auf dem Sonnendeck der "AIDA". Dazu gehörten auch die rassige Bambina Knirsh und ihr Liebhaber Luis Figaro, die es sich auf einer Liege bequem gemacht hatten und ungeniert aneinander rumfummelten. "Oh Baby, du machst mich zum Schmelzen wie Icecream," kicherte Bambina, "aber der Bikini, das ist so damn crazy von dir." "Ich will halt nicht, dass ich einen Sonnenbrand auf der Brust kriege," versuchte Luis zu erklären, weshalb er genau wie seine Freundin einen Bikini anhatte. Während sich die beiden innig küssten, bemerkte Bambina plötzlich aus dem Augenwinkel, dass jemand hinter ihnen stand. "Meine sehr verehrten Zuschauer, mein Name ist Eschke Doughter, ich berichte hier live vom Ort des Grauens für den geschätzten Sender MD-TV! Sie können sich gar nicht vorstellen, was hier heute los ist, auf dem Pazifischen Ozean, wo nur selten ein laues Lüftchen weht! Vor meiner Kamera sehen Sie nun das Pop-Sternchen Bambina Knirsh, das in diesem Jahr mit einem jämmerlichen Comeback vergeblich versucht hat, an ihren großen Chartbreaker 'Tonneau de ma poitrine dessus!' anzuknüpfen! Im Moment verbringt sie ihren unverdienten Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff AIDA und tröstet sich über ihren Misserfolg mit einem dahergelaufenen Möchtegern hinweg. Noch ist nicht bekannt, ob es eventuell sogar ihre Flitterwochen sein könnten. Wir bleiben am Ball, liebe Zuschauer, schalten Sie bloß nicht um, wir haben die Stars, die anderen nicht!" Eschke setzte ein arrogantes Lächeln auf und warf ihr Haar galant in den Nacken, um sexy auszusehen. Bambina und Luis schauten sich einen Moment lang entsetzt an, bis Bambina mit einem hochroten Kopf aufsprang. "Gib mir den Bikini, now!" befahl sie Luis und er zog diesen nur ungern aus. Damit bewaffnet ging Bambina nun auf ihre Mutter los, die sich mit den Worten "Ich muss weg" schnell aus dem Staub machen wollte. "Du wirst nowhere gehen, du miese tramp, ey!" schrie Bambina und packte Eschke mit einem kräftigen Griff am Unterarm. "Lass mich los, du Schlampe!" zischte Eschke und wollte Bambina von sich stoßen, doch diese reagierte schneller und schlang den Bikini um Eschkes Kehle. Eschke begann zu röcheln und konnte nur noch krächzend die Worte "Immer draufhalten, Max, immer draufhalten" ihrem Kameramann zurufen, als Bambina die Schlinge enger zuzog und ihr die Arme auf den Rücken gedreht hatte. Mit letzter Kraft und hochrotem Kopf setzte Eschke zum Tritt an und konnte Bambina die Beine wegziehen. Dies kam für Bambina so überraschend, dass sie das Gleichgewicht verlor und nach hinten weg in den Pool stürzte. Der Kameramann Max, der hinter Eschke stand, wurde dabei ebenfalls mitgerissen und das ganze Filmmaterial war somit im Eimer.

Im Zimmer des Schiffarztes Dr. Iñigo lagen Florke und Mäckie nebeneinander auf zwei Liegen und beide hatten Atemmasken auf dem Gesicht. Nach dem Attentat von Ruthie in der Nacht hatten sie eine leichte Rauchvergiftung erlitten und der Schiffsarzt hatte ihnen strikte Bettruhe verordnet. Inzwischen hatte Florke lange genug Zeit zum Nachdenken gehabt, und sie hatte sich einen Plan ausgedacht, mit dem sie ihre Interessen rigoros durchsetzen wollte. "Weißt du Mäckie, ich war am Anfang alles andere als begeistert von deiner Hochzeit mit Raffi, aber mittlerweile sehe ich doch als meine Schwiegertochter an," versuchte sie sich nun bei Mäckie einzuschleimen. Diese wurde hellhörig und setzte die Atemmaske ab, um ihr zu antworten. "Das freut mich. Bekomme ich jetzt auch endlich ein Hochzeitsgeschenk von dir?" "Alles zu seiner Zeit," grinste Florke, "ich weiß, wie sehr du deine Cousine Ruthie verachtest und mir geht es genauso, also warum verbünden wir uns nicht gegen sie?" "Und was habe ich davon?" zog Mäckie eine Augenbraue hoch und schielte Florke an. "Eine ganze Menge. Wenn du mir dabei hilfst, Ruthie Mackenzie zur Strecke zu bringen, springt für dich mehr als nur der obligatorische Sportwagen heraus, wenn du verstehst was ich meine. Du wirst ein Leben im Luxus führen, während deine Cousine hinter Gittern schmort. Na, ist das kein Angebot?" Mäckie brauchte gar nicht mehr zu antworten, denn in ihren Augen hatten sich bereits gleißende Dollarzeichen gebildet. "Sie soll für ewig hinter Gittern schmoren," zischte sie und ballte ihre kleine rechte Hand zu einer Faust.

Auch an diesem Abend fand wieder eine Party auf dem Pooldeck statt. Die Passagiere hatten sich in Schale geworfen und ließen es sich so richtig gut gehen. Neben der Bühne war ein riesiges Buffet aufgebaut mit Kaviar, Lachs, Austern und vielem mehr, was alles am Vormittag frisch gefischt worden war. "Alles all inclusive," betonte Trudy immer wieder, während sie sich wie beim Frühstück den Teller vollmachte. Medusa ging es derweil nicht viel besser als am Morgen. Sie saß an der Bar und kippte ein Glas Champagner nach dem anderen und ärgerte sich, dass ihre Schwester sich so blendend amüsierte. Luis und Bambina ließen es derweil gut gehen. Sie lagen gemeinsam auf einer Liege und fütterte sich gegenseitig mit Weintrauben und schlürften Champagner direkt aus der Flasche. "Das ist so krass geil hier, ey. Sweety pie, hast du das Poster geschaut? Die maken hier gleisch Topfschlagen und blinde cow, oh Baby please, du musst für mich winnen!" Doch kaum dass Luis sich umgedreht hatte, um einen Blick auf das lustige und bunte Plakat an der Wand zu werfen, kam ein Maat von der Brücke auf das Pooldeck gestürzt. "Hart backbord! Hart backbord!" schrie er und alle Gäste begannen laut zu kreischen, als das Schiff plötzlich einen Zickzackkurs einschlug. Bambina kugelte sich auf dem Boden und rollte zur Reeling, wo sie sich krampfhaft mit einer Hand festhielt. Wellen brachen sich am Bug der "AIDA" und innerhalb von einer Sekunde war Bambina klitschnass. "Gib mir deine Hand! Deine Hand, Bambina!" schrie Luis in seiner schönsten Sopranstimme und streckte seinen Arm grazienhaft in ihre Richtung. Medusa hatte vor Schreck ihr Champagnerglas zu Boden fallen lassen und Trudy war mit dem Gesicht in ihrem Essensteller gelandet. Plötzlich gab es einen ohrenbetäubenden Knall und darauf folgte ein hohes Quietschen von Metall. Alle Gäste des Schiffes waren in Todesangst, da sie nicht wussten, was geschehen war, denn dies war nur unterhalb des Meeresspiegels sichtbar: Die "AIDA" hatte einen unterirdischen Vulkan gerammt...

Letzte Aktualisierung: 06.11.2010

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