23/III AIDA: Le voyage commence (1)
Die Sonne strahlte wie ein Honigkuchenpferd vom Himmel, als die weiße Hochzeitskutsche, die von zwei prächtigen Schimmeln gezogen wurde, am Pier 27 am Hafen von Las Vegas hielt. Las Vegas hatte zwar eigentlich gar keinen Hafen, da es mitten in der Wüste lag, aber Mäckie Mackenzie hatte darauf bestanden - und Raffi de Mahaffy las seiner frischangetrauten Braut jeden Wunsch von ihren Augen ab. Der Kutscher öffnete die Türe und Mäckie setzte einen ersten Schritt auf die wackelnden Holzplanken des Piers. Raffi folgte ihr und die beiden warfen einen ersten Blick auf das stolze Kreuzfahrtschiff "AIDA", das vor ihnen im Wasser schaukelte. "Oh Raffi, es ist so ein schöner Tag und ich liebe dich so sehr," fiel Mäckie ihrem Mann um den Hals. Die Idylle wurde durch ein Jammern und Wimmern getrübt, denn hinter der weißen Kutsche tauchte nun ein Ochsenkarren auf, auf dessen Ladefläche sich Trudy, Luis, Harry, Bambina, Medusa und Emba befanden. Sie waren vor einer grauen Staubwolke umnebelt. "Aua, mein Rücken," keifte Medusa. "Und mein Nerzmantel aus echtem Leder ist vollkommen ruiniert. Weißt du kleine Göre eigentlich, was der gekostet hat?" drohte sie ihrer Tochter mit erhobener Faust, doch Mäckie beachtete sie gar nicht. Stattdessen hakte sie sich bei Raffi ein und die beiden schritten die Gangway hoch auf das Schiff. Während Bambina, Luis und die anderen das Gepäck nach oben schleppten, tauchte eine Gestalt hinter einem Stapel Altreifen auf. Es handelte sich dabei um niemand Geringeres als Ruthie Mackenzie, die die Ankunft der anderen mit einem garstigen Blick observiert hatte. "Von wegen Hochzeitsreise und so. Diese Giftzwerge werden sich noch wundern," lachte sie gehässig und zwängte sich dann in Windeseile in einen nachtschwarzen Neoprenanzug. Olympiareif tauchte sie ins Hafenwasser ein und begann dann mit Feuereifer, an der Schiffsschraube herumzumontieren...
Starring
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie
Dustin Milligan as Raffi de Mahaffy
Melissa McCarthy as Dana Beseburgh (credit only)
Steven Culp as Ben Delany (credit only)
James Hyde as Hank Bennett
Juliett Mills as Tabatha Lopez
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Nicholle Tom as Graaz Lopez
David Gallagher as Harry Crane
Halle Berry as Eschke Doughter (credit only)
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jan Hoag as Murgy Muschka (credit only)
Nicollette Sheridan as Alaska Lennox (credit only)
Jennifer Love Hewitt as Mary Frances
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Guest Starring
Jessica Biel as Emba van de Driesche
Alexis Bledel as Sära van de Driesche
Barbara Crampton as Medusa Mackenzie
Andrea Evans as Trudy Mackenzie
Katherine Kelly Lang as Florke de Mahaffy
Beverley Mitchell as Chastity Bellet
Zusammengekauert saß Graaz Lopez in der Zelle des Polizeipräsidiums von Las Vegas und heulte sich die Augen aus. Es war der schlimmste Tag in ihrem Leben. Noch nie in ihrem ganzen Leben hatte sie eine Straftat begangen und nun war sie direkt für eine Nacht hinter Schloss und Riegel gesperrt worden. Plötzlich konnte sie Schritte vernehmen, die immer näher kamen. "Da ist sie," sagte der Polizeibeamte und schloss daraufhin die Zellentür auf. Graaz kam nur mühsam auf die Beine und blickte in die Gesichter von Tabatha, Hank und Tabitha, die vor ihr standen. "Kind, wie schmutzig du bist!" schlug Tabatha die Hände über dem Kopf zusammen. "Was hast du Rotzgöre dir nur dabei gedacht? Weißt du eigentlich, was für eine Schande du über unsere Familie bringst! Ist dir das gar nicht bewusst?!" schrie Tabitha und hätte Graaz am liebsten eine saftige Ohrfeige verpasst, doch Hank konnte sie im letzten Moment zurückhalten. "Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für Prügel. Das heben wir uns lieber für später auf, sozusagen als spezielles Bonbon." Der Polizist schubste Graaz derweil unsanft aus der Zelle. "Miss Lopez, Sie wissen, dass Sie bei einer Wiederholung dieser oder einer anderen Straftat nicht mehr so glimpflich davonkommen werden." Graaz nickte mit gesenktem Blick und Tabitha drängelte sich wieder in den Vordergrund. "Und aus diesem Grund haben wir ein feines Geschenk für dich, Graaz! Schau nur her!" Mit diesen Worten ließ sie eine große Eisenkugel auf den Boden krachen und Graaz zuckte erschrocken zusammen. "W... Was... was ist das?" "Das ist das Ende der Fahnenstange, meine Liebe. Herr Wachtmeister, walten Sie bitte ihres Amtes!" rieb sich Tabitha freudig die Hände und der Polizist legte das Schloss der Kugel um Graaz’ rechtes Bein. "So, und jetzt lasst uns endlich gehen! Wir haben sowieso schon genug Zeit vertrödelt. Wir sind doch hier nicht im Kindergarten!" schrie Tabitha und ging dann mit schnellen Schritten in Richtung Ausgang. Hank und Tabatha folgten ihr, nur Graaz konnte durch die schwere Kugel nur im Schneckentempo hinterher. Als sie einen Blick auf ihr Handy warf, dass sie beim Verlassen des Gebäudes wiederbekommen hatte, sah sie, dass sie eine SMS von Chastity bekommen hatte. "Hallo Schnuckiputz, wir treffen uns nachher an Bord der AIDA. Ich bin pünktlich – du auch? Greetz, Chas."
"Wenn ich dann ihr Gepäck in ihre Kabine bringen dürfte," meinte der Schiffsportier und wollte nach Embas Koffer greifen. "Nichts da," zischte Emba und schlug ihm auf die Finger. "Das mache ich selbst. Der Inhalt dieses Koffers ist tot... ich meine total persönlich." Emba riss dem Portier dem Chipkarte für ihre Kabine aus der Hand und machte sich dann auf den Weg. Wortlos folgte Sära ihrer Schwester. Nach einer Viertelstunde hatte Emba endlich ihre Kabine gefunden. "Was ist denn nun in dem Koffer?" wollte Sära wissen und zupfte dabei an Embas Rockzipfel. Mit einem Faustschlag stieß sie Sära von sich. "Das geht auch dich nichts an. Und jetzt hau ab in deine Kabine. Schlimm genug, dass ich dich mitnehmen musste." Emba steckte die Karte in den Schlitz und wartet bis das grüne Lämpchen aufleuchtete. "Aber ich habe keine eigene Kabine. Uns wurde eine gemeinsame zugeteilt," ließ Sära ängstlich verlauten und ging dann in Deckung. "Auch das noch. Okay, wir machen folgendes: Du darfst die Kabine nur betreten, wenn ich nicht da bin. Merk dir das. Und da ich jetzt erstmal was zu erledigen haben, gehst du am besten so weit weg wie nur möglich. Vielleicht wollen die dich ja im Miniclub haben. Ich jedenfalls nicht." Mit diesen Worten verschwand Emba samt Koffer in ihrer Kabine. Sära begann zu überlegen, was ihr wirklich Kopfschmerzen bereitete. Irgendetwas war mit Emba geschehen. Sie wusste nur nicht was. Jedoch der Gedanke an den Miniclub ließ ihr Herz höher schlagen. Doch bis sie diesen erreichte, sollte es noch etwas dauern, denn sie irrte nun mehrere Stunden von Deck zu Deck.
"Aaaah, ich glaube ich werde mich erst einmal ein wenig frisch machen," zwitscherte Mäckie und warf Raffi einen feuchten Handkuss zu, bevor sie in das Badezimmer der Präsidentensuite ging, die Raffi für die gesamte Hochzeitsreise gebucht hatte. Nachdem Mäckie verschwunden war, klopfte es an der Tür der Kabine, und als Raffi öffnete, stand seine Mutter Florke de Mahaffy mit einem hochroten Kopf vor ihm. "Wo ist dieses kleine Flittchen? Ich dreh ihr den Hals um, wenn ich sie gefunden habe!" zischte sie und drängte sich an ihrem Sohn vorbei in die Suite. "Sie ist im Bad, Mutter," antwortete Raffi artig, "aber sei nicht böse. Ich mag es nicht, wenn du so schreist, davon bekomme ich immer so grässliche Ohrenschmerzen." "Hier bekommt gleich noch jemand viel größere Schmerzen, wart’s nur ab! Ist das das Badezimmer?" Florke ging auf die Tür zu, doch Raffi stellte sich ihr in den Weg. "Du darfst da nicht hineingehen! Mutter, ich liebe Mäckie und wäre sogar bereit für sie zu sterben!" "Dann sollte ich wohl besser schon mal ein Doppelgrab bestellen, was? Jetzt geh mir aus dem Weg, du Pimpf!" Florke schob Raffi unsanft zur Seite, doch er klammerte sich an ihrem Bein fest. "Sie ist meine Frau und ich werde nicht zulassen, dass ihr etwas zustößt!" "Deine Frau ist eine Mackenzie und ich dulde es nicht, dass du denselben Fehler noch einmal begehst! Von wegen einmal Mackenzie, immer Mackenzie, andere Familien haben auch schöne Töchter, hast du mich verstanden? Und deswegen werde ich dem ein Ende bereiten!" Florke schüttelte Raffi von ihrem Bein ab und polterte dann mit einem Satz ins Badezimmer – doch von Mäckie fehlte weit und breit jegliche Spur. Der offene Belüftungsschacht deutete jedoch daraufhin, dass Mäckie sich aus dem Staub gemacht hatte.
Währenddessen standen Luis Figaro und Bambina Knirsh am Bug der "AIDA" und schauten hinaus aus dem Ozean. Luis hatte seine Arme um Bambina geschlungen, während sie ihre Arme weit ausbreitete. "Oh Gott, ich platze vor Aufregung! Ich bin die Queen of the World!" schrie sich Bambina die Seele aus dem Leibe und ruderte dabei wild mit beiden Armen. "Ey, das ist mein Text," meinte Luis beleidigt und machte dabei einen riesigen Schmollmund. "Sorry, sweety pie, aber hier habe ich die pants an, verstehe das? Und jetzt kiss mich, I need your loving!" Mit diesen Worten zog sie Luis an sich heran und gab ihm einen langen Kuss. Unbemerkt von den beiden beobachteten Graaz und ihre Freundin Chastity die ganze Szene. "Ich glaub ich muss gleich kotzen," begann Graaz schon zu würgen, "wie können Sie mir das antun? Wenn sie wirklich meine Freunde wären, dann würden sie so einen Scheiß nie machen!" "Beruhige dich, Schnucki, es wird alles wieder gut," versuchte Chastity sie aufzumuntern, "und du hast doch immer noch mich. Wozu brauchst du die, wenn du mich hast, hmm? Heute Abend feiern wir beide die Party unseres Lebens – wir sind jung, wir sind blond und wir sind willig. Und außerdem hab ich eine Geheimwaffe, mit der wir noch viel mehr Spaß haben werden. Also, bist du dabei?" Graaz schaute ihre Freundin mit großen Augen an und dachte nach. "Okay, aber um elf Uhr muss ich spätestens im Bett sein," nickte sie schließlich und ging danach Hand in Hand mit Chastity unter Deck.
Mit einem Taschentuch wischte sich Mäckie den Schweiß von der Stirn ab, als sie ziellos über die verschiedenen Decks der "AIDA" lief. Gerade in letzter Sekunde war sie Florke entkommen, denn sie hatte jedes ihrer Worte mitverfolgt. Jetzt, wo sie wusste, dass sie sich in Lebensgefahr befand, war die Hochzeitsreise auf einmal zu einem blanken Horror geworden. Während Mäckie durch den Gang lief, hörte sie plötzlich Schritte hinter sich, und eine Gänsehaut zog sich über ihren Rücken entlang. "Wer ist da?" fragte sie zähneklappernd und drehte sich um, doch es war weit und breit niemand zu sehen. Aber als sie weitergehen wollte, stand auf einmal Ruthie mit einem breiten Grinsen vor ihr. "Kuckuck!" lachte sie und versuchte ihre Cousine mit einem Karatetritt außer Gefecht zu setzen, doch Mäckie duckte sich blitzschnell. "Du miese Schlampe! Was zum Teufel machst du hier?" "Ich bin hier, um mir wiederzuholen, was mir gehört," zischte Ruthie, "du dachtest wohl, du könntest dir alles herausnehmen. Ha! Aber ich werde dir schon zeigen, dass es auf dieser Welt nur eine Frau an Raffis Seite gibt – und das bin ich. Heute Abend werde ich an seiner Seite den Hochzeitswalzer tanzen und deinetwegen wird er keine Träne vergießen! Und ich habe nicht mal ein kleines bisschen Mitleid mit dir!" Nachdem Ruthie ihre Hasstirade ausgesprochen hatte, ging sie direkt zur Tat über: Sie ging auf ihre Cousine los und verpasste ihr zunächst ein paar Ohrfeigen. Als sie gut aufgewärmt war, legte sie richtig los und setzte Mäckie mit einem gezielten Kinnhaken außer Gefecht. Ruthie verfrachtete sie in eine leere Kabine, fesselte und knebelte sie, und machte sich dann kichernd aus dem Staub.
Um Punkt Acht legte das Clubschiff "AIDA" aus dem Hafen von Las Vegas ab. Um die Gäste auf die bevorstehende Reise einzustimmen, ertönte aus allen Lautsprechern das Lied "Sail Away" von Enya. Alle Passagiere waren auf dem ganzen Schiff an der Reeling versammelt und winkten den an Land stehenden Leuten zu. "Oh mein Gott, ist das aufregend," rief Trudy freudig aus und griff sich dabei ein Sektglas von der Bar. "Ich wollte schon immer eine Kreuzfahrt machen!" "Halt dich im Zaum. Die Leute gucken schon," forderte Medusa ihre Schwester auf. "Ich denk ja gar nicht dran. Auf geht’s, wir machen eine Polonaise." Ausrufe wie "Au ja!" oder "Eine tolle Idee!" konnte man von den anderen Gästen vernehmen. Nach wenigen Minuten hatte sich eine meterlange Polonaise gebildet, die sich über das Pooldeck zog. Passend dazu ertönte nun auch das Polonaise-Lied und alle sangen mit. "Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse, denn nun geht sie los, unsere Polonaise!" "Boah, sieh dir das an Bambina. Hier steigt ne fette fette fette Party," freute sich Luis, als er und Bambina das Pooldeck betraten. "Wie geil, ey. Lass uns die fette Polonaise direkt mal joinen." Bambina packte Luis von hinten an den Schultern und sie schlossen sich an. Nun war die Party im vollen Gange. Die Gäste waren fröhlich, tanzten, bedienten sich vom Buffet und der Alkohol floss in Strömen. Etwas abseits des Geschehens stand Mary Frances und betrachtete das Spektakel. Um nicht erkannt zu werden, trug sie eine blonde Perücke, eine verspiegelte Sonnenbrille und Lippenstift der Marke Nuttenrot. "Euch wird das Lachen noch vergehen," lachte sie gehässig und mischte sich dann unters Volk.
Es war halb drei nachts und die "AIDA" befand sich auf hoher See. Die Decks waren wie ausgestorben. Kein Wunder nach der ausgelassenen Party auf dem Pooldeck. Nur Emba schlich durch die Gänge und zog ihren mysteriösen Koffer hinter sich her. "Du dummes Miststück. Eine Diät hätte dir sicher nicht geschadet. Du wiegst bestimmt eine Tonne," fluchte sie. Völlig aus der Puste erreichte sie endlich das Heck des Schiffes. Mit letzter Kraft hievte sie den schweren Koffer auf die Reeling. "Halt!" rief plötzlich eine männliche Stimme, die sich offensichtlich im Stimmbruch befand. Vor Schreck ließ Emba den Koffer los und er plumpste ins Meer. "Wer zur Hölle ist da und stört mich bei meiner Arbeit? Zeig dich, du mieser Ganove," zischte Emba. Raffi trat aus dem Schatten, so dass Emba ihn sehen konnte. "Du? Wie konntest du mich nur so erschrecken? Ich hatte noch so einen guten Spruch parat, bevor ich dem Koffer für immer Adieu sagen wollte. Aber du hast es ja nicht anders gewollt. Mir bleibt nichts anderes übrig, als dich nun zu töten. Selbst Schuld!" "Oh nein, bitte nicht. Ich verrat auch keinem, dass ich dich hier gesehen habe. Ich versprech’s. Bitte verschone mich!" flehte Raffi um Gnade. "Deine Argumente sind sehr überzeugend. Aber leider kann ich das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Tut mir leid." Emba begann zu lachen, stürmte auf Raffi los und warf ihn zu Boden. Vergeblich versuchte er sich ihr zu widersetzen. Ohne zu zögern griff Emba nach einem Handtuch, welches auf einer nahestehenden Liege lag, und machte kurzen Prozess, indem sie Raffi damit erwürgte. Seine Leiche zerrte sie an seinen Füßen an die Reeling und gab ihm schließlich den Todesstoß. Mit dem Handtuch wischte sie sich noch schnell die Hände ab, bevor sie es wieder zusammenfaltete und mit schnellem Schritt vom Tatort verschwand...














