15/II Masquerade (1)
"Aaah, jetzt ist Schluss! Es war nicht meine Schuld, dass du das ganze Geld im Casino versoffen hast!" – "Du bist so ungerecht zu mir! Es waren doch bloß fünf kleine Drinks! Und außerdem waren da ganz tolle Typen da, das glaub mal nur! Die sagten 'Hallo, wie geht’s uns denn?'" – "Ach halt dein Maul!" Ruthie Mackenzie saß vor dem Fernseher und schaute sich gerade die neueste Episode der Seifenoper "Romina" an. Ihre Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen, denn die Hauptdarstellerin war niemand Geringeres als Romina duVall – die Frau, die damals ihr Baby zur Welt gebracht hatte! In der Szene, die gerade zu sehen war, stritt sich Romina mit einer gewissen Kikis, und sie schauspielerte so schlecht, dass es Ruthie richtig übel wurde. "Romina ist ein Star. Das darf nicht sein," zischte Ruthie und schleuderte die Fernbedienung wütend in die Bildröhre des Fernsehers, so dass diese zersplitterte und ein lauter Knall ertönte. Wenige Sekunden später stieg Qualm aus dem Inneren des Fernsehers und Ruthie sprang von ihrem Plüschsessel auf. Sie befand sich nicht in ihrer pompösen Villa, nein, sie war in einem kleinen Kämmerchen und ging nun zum Fenster. Von dort hatte sie einen großartigen Ausblick über Melody Ville. Ruthie Mackenzie hatte sich vor kurzem die Burg Flatterfels gekauft und war nun Herrin des Schlosses. Heute Abend sollte das Ereignis des Jahres stattfinden: Die Halloweenparty – und Gastgeberin war natürlich Ruthie selbst. "Hier kommt niemand mehr lebend heraus," grinste sie diabolisch, schnippte ihre Zigarette mit dem kleinen Finger zum Fenster heraus und huschte dann in ihren Hausschlappen nach unten, um ihre Cousine Mäckie zu suchen...
Starring
Morgan Brittany as Hillery Carpenter (credit only)
Lisa Rinna as Carrie Carpenter (credit only)
Melissa McCarthy as Dana Beseburgh
Steven Culp as Ben Delany
James Hyde as Hank Bennett
Juliett Mills as Tabatha Lopez
Juliett Mills as Tabitha Bennett
Nicholle Tom as Graaz Lopez
David Gallagher as Harry Crane
Halle Berry as Eschke Doughter
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jan Hoag as Murgy Muschka
Danica Stewart as Aziza Barbere
Jacob Young as Chuck de Buck
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Guest Starring
Jessica Biel as Emba van de Driesche
Alexis Bledel as Sära van de Driesche
Ashley Lyn Cafagna as Simbali Carechild
Tyne Daly as Hilde Schermutzki
Catherine Hicks as Miss Schlivi
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie
"Ding Dong!" machte es, nachdem Tabatha Bennett auf die Klingel gedrückt hatte. Sie und der Rest ihrer Familie standen vor der großen Tür der Burg Flatterfels und alle hatten mehr oder weniger prächtige Halloweenkostüme an. Graaz hatte sich als Lamm verkleidet, da dies das Tier der Unschuld war, und hatte ihr Kostüm mit lustigen Bibelsprüchen verziert. "Boah, wie lange dauert das denn noch, wir sind doch hier nicht im Kindergarten! Ich schlag gleich alles kurz und klein!" schrie Tabitha und trat mit dem rechten Bein kräftig gegen die morsche Holztür. "Tabitha, mäßige dich. Denk an deinen Blutdruck!" ermahnte ihre Zwillingsschwester Tabatha sie, während sie sich lasziv an Tabithas Ehemann Hank schmiegte. Plötzlich gab es ein quietschendes Geräusch und die Tür öffnete sich endlich. Aus dem Schatten trat Mäckie Mackenzie, die eine Stempelmaschine in der Hand hielt. "Können Sie sich ausweisen?" fragte sie in einem giftigen Ton und schaute die Anwesenden mit einem fiesen Blick an. "Was soll das, du kleine Rotzgöre? Hast du überhaupt schon deine Hausaufgaben gemacht?" fragte Tabitha und Tabatha musste sie festhalten, damit sie nicht auf Mäckie losging. "Hier sind unsere Eintrittskarten," sagte Hank und reichte sie Mäckie, die sie entgegennahm und in ein kleines Feuer warf. "Hereinspaziert, hereinspaziert! Hand austrecken, aber pronto!" befahl Mäckie und verpasste Hank, Tabatha, Tabitha, Graaz und Harry mit ihrer Maschine ein schmerzhaftes Brandmal auf die Hand.
Inzwischen hatten sich die meisten Bewohner aus Melody Ville auf Burg Flatterfels eingefunden und bestaunten die altmodische Einrichtung. Manche versuchten auch Fotos zu machen, doch das verhinderte Ruthie, indem sie die betreffenden Personen so erschreckte, dass sie ihre Kameras zu Boden fallen ließen. Dann kam Mäckie hervor und stampfte wild auf den Geräten herum, so dass sie letztendlich kaputt waren. "Hier ist ja was los, ich bin begeistert. Also wenn wir das nächste Schulfest auch so toll hinkriegen würden...," meinte die Lehrerin Hilde Schermutzki begeistert und trank einen Schluck von der Bowle, die Ruthie eigenhändig in einem schmutzigen Kessel zusammengepanscht hatte. "Wenn Sie auch nur eine Idee klauen, dann wird Ihnen Hören und Sehen vergehen!" zischte Ruthie und pfefferte noch eine Prise Salz in die Bowle. In diesem Augenblick öffnete sich die große Tür zum Ballsaal und ein Mädchen mit blonden langen Haaren trat hinein. Alle Blicke waren auf sie gerichtet, denn es war die bildhübsche Simbali Carechild, und ein Raunen ging durch die Menge. "Was will sie hier?" und "Wie wird das enden?" konnte man die Leute munkeln hören, während Simbali sich scheu wie ein Reh gegen die Wand lehnte und versuchte, so unauffällig wie möglich zu wirken. "Mäckie! Hast du das gesehen? Das ist ja die größte Unverschämtheit, die ich je gesehen habe!" Ruthie packte ihre Cousine an den Schultern und zog sie hinter einen großen Schrank. "Simbali trägt dasselbe Kostüm wie du! Sie wird dafür büßen müssen, hast du verstanden?" "Mit dem größten Vergnügen," grinste Mäckie und die beiden klatschen vergnügt in die Hände.
"Boah, ist das krass cold hier, wo haben die denn hier die Wärmung versteckt," maulte Bambina Knirsh, während sie gemeinsam mit ihren Freundin Luis Figaro, Graaz Lopez, Sära und Emba van de Driesche, Aziza Barbere und Chuck deBuck in einer Ecke des Ballsaales standen. Luis hatte gerade köstliche Brombeerlimonade geholt und verteilte die Gläser an alle, nur Graaz wollte keins. "Derlei Vergnügungen sind leider nicht erlaubt," sagte sie mit fester Stimme und schaute betreten zu Boden. "Selbst Schuld! Wer kein Glas Limonade trinkt, darf auch nicht an der Schlossbesichtigung teilnehmen! Ätsch!" lachte Emba und drehte Graaz eine lange Nase. "Oh nein, wie gemein," schluchzte Graaz bitterlich und dicke Tränen liefen über ihre Wangen. "Aber ich will doch unbedingt für die Schule ein Referat über das Schloss schreiben, das geht dann nicht." "Das ist doch alles ganz einfach: Du trinkst einfach das Glas aus und dann darfst du mitgehen," sagte Luis und machte Graaz dabei ganz deutliche Avancen, doch sie merkte es nicht. "Aber... aber das ist doch verboten..,." meinte Graaz zaghaft, doch schließlich war es ihr egal. Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie etwas tat, was gegen ihre Prinzipien verstieß. Die Limonade gab Graaz einen richtigen Kick – sie fühlte sich, also könnte sie die ganze Welt umarmen. "Los, lasst uns gehen!" rief sie enthusiastisch aus.
Ruthie hatte es richtig beobachtet: Simbali Carechild trug wirklich dasselbe Kostüm wie Mäckie – sie waren beide als Großmutter verkleidet. Das konnte Mäckie natürlich nicht auf sich sitzen lassen und so hatte sie sich mit einem Schürhaken bewaffnet. Kurz darauf ging sie Simbali suchen, die sich mittlerweile auf einen Stuhl ohne Rückenlehne gesetzt hatte und an einem Stück Karottenkuchen herumknabberte. "Hallihallo Simbali, das ist aber eine nette Überraschung," begrüßte Mäckie sie und setzte sich auf den freien Platz neben ihr. "Ha... hallo," antwortete Simbali und sie hätte sich vor Aufregung fast an ihre Stück Kuchen verschluckt. "Ein hübsches Kostüm trägst du da – und vor allem so einzigartig!" Mäckie schaute sie mit einem biestigem Blick an, so dass es Simbali mit der Angst zu tun bekam, denn jetzt bemerkte sie, dass Mäckie dasselbe Kostüm anhatte. "Da... danke...," stotterte Simbali und wollte aufstehen, doch Mäckie packte sie grob an den Handgelenken. Simbali erstarrte vor Schreck und wäre am liebsten in Ohnmacht gefallen. "Kennst du denn das Märchen nicht? Da gibt es nur eine Großmutter... und die bin heute Abend ich. Und die wahre Großmutter wird dafür sorgen, dass ihre Nebenbuhlerin so schnell wie möglich von der Bildfläche verschwindet..." Mit diesen Worten zog Mäckie den Schürhaken hinter ihrem Rücken hervor. Simbali schaute sie mit einem entsetzten Blick an.
"Man, das ist das langweilig hier," gähnte Bambina. "Wie soll man denn hier ne krass geile Party celebraten? Ey, das geht wohl gar nich." Die Clique hatte sich aus dem Ballsaal entfernt und machte nun die Kellerräume der Burg Flatterfels unsicher – doch eigentlich gab es dort gar nichts zum unsicher machen. Überall hingen Spinnenweben und alles war zugestaubt. Ruthie hatte hier noch nie sauber gemacht, und sie war zu geizig, um eine Haushaltshilfe zu beschäftigen. "Mir ist so schlecht," jammerte Graaz weinerlich und stützte sich mit einer Hand gegen die Wand. "Oh, arme Graaz! Was hast du denn bloß?" sorgte sich Luis um sie. "Also mich wundert das ja gar nicht. Ich weiß, was mit ihr los ist, mir ging es beim ersten Mal auch so. Graaz ist betrunken! Sie ist hackedickt!" brachte es Emba auf den Punkt und alle schauten Graaz geschockt an. "Graaz! Wie kannst du nur!" "Oh mein Gott, wie kann ich nur!" rief Graaz selbst aus. "Ihr habt mich dazu gezwungen, die Limonade zu trinken! Ich kann mir nie wieder ins Gesicht schauen! Ich bin unten durch, mein Leben ist komplett zerstört!" Graaz bekam einen Heulkrampf und schlug wild um sich. "Achtung! Da kommt wer!" zischte Bambina und zeigte auf einen Schatten an der Wand hinter sich. "Wer denn?" wollte Sära van de Driesche wissen und zog ein Fernglas aus ihrer Handtasche. "Woher soll ich wissen! Rein hier, aber quick!" Bambina öffnete die Tür eines kleinen Raums und nacheinander huschten Luis, Graaz, Emba, Sära, Aziza und Chuck herein – nur Bambina nicht. Sie knallte die Tür hinter ihnen zu, drehte den Schlüssel herum und lief schnell wie der Wind davon. Der Schatten an der Wand war sie nämlich selbst gewesen.
"Ich habe Ihnen doch gesagt, dass es hier nichts zu glotzen gibt!" motzte Ruthie Mackenzie, nachdem sie ihre Lehrerin Miss Schlivi dabei erwischt hatte, wie sie in den Schränken herumgewühlt hatte. "Hast du?" fragte Miss Schlivi und drehte sich erschrocken um. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Ruthie sie entdecken würde, wie sie den Staub kontrollierte. "Ja! Und jetzt hauen Sie endlich ab, bevor ich die Polizei rufe, und dann wird es ganz schön ungemütlich für Sie werden!" Ruthie schlug ihr die Schranktür fest ins Gesicht, so dass Miss Schlivi vor Schmerz laut aufschrie. Sie taumelte umher und ihr rechtes Auge war blutunterlaufen. "Ha, so schreit meine Frau auch immer, wenn ich mit ihr intim werden will," lachte der Arzt Ben Delany amüsiert und genehmigte sich noch ein Stück Erdbeerkuchen. Seine Frau Dana Beseburgh stand neben ihm. Sie war hochschwanger und somit noch fetter als je zuvor. In ihre Lieblingsjeans passte sie schon lange nicht mehr, und so hatte sie sich von Elenath Spirenzi ein paar lustige Umstandskleider nähen lassen. Plötzlich vernahmen alle Partygäste ein komisches Rumoren. Es wurde immer lauter und lauter, und schließlich raste eine Person, die als Kürbis verkleidet war, auf ihrem Moped durch die Eingangstür der Burg Flatterfels. Die Holztür zersplitterte und brach auseinander, doch das machte dem Fahrer des Mopeds nichts auf. Es war niemand Geringeres als Murgy Muschka, die in einer Hand ein Lasso schwang. "Jetzt kriegst duu deine Straaafe, du Schlaaampe," lachte sie boshaft. "Schneller Petruschka, immerzu, immerzu!"
"Lauf doch nicht weg! Mäckie will jetzt Halloween feiern!" schrie Mäckie Mackenzie, während sie mit dem Schürhaken in der Hand nach draußen in den Innenhof der Burg Flatterfels lief. Simbali war dorthin geflohen und hatte sich hinter einem kleinen Baumstamm versteckt. Sie hoffte, dass Mäckie sie dort nicht finden würde, doch damit lag sie falsch, denn der Baumstamm war nur ungefähr 50 Zentimeter hoch und verdeckte Simbali lediglich bis zu den Knien. Mäckie hatte sie sofort entdeckt und kam mit langsamen Schritten auf sie zu. Die beiden hielten die ganze Zeit über Augenkontakt, doch Simbali dachte nicht, dass Mäckie sie schon gesehen hatte. "Hab dich!" kreischte Mäckie schließlich, als sie nur einen halben Meter vor Simbali stand. Sie holte mit dem Schürhaken aus und riss damit Simbalis Perrücke vom Kopf. "Au! Aua!" heulte Simbali und versuchte wegzulaufen, doch ihr Kleid hatte sich an einem kleinen Ast verhakt. Sie stolperte und fiel mit dem Gesicht in eine matschige Pfütze. Kurz bevor Mäckie ein weiteres Mal ausholen konnte, rappelte sie sich wieder auf und lief auf den Brunnen zu. "Jetzt gibt es kein Entrinnen! Du entkommst mir nicht!" drohte Mäckie und rannte wie eine Wilde auf Simbali zu. Diese wollte zur Seite springen, doch dabei rutschte sie aus. Kopfüber fiel Simbali in den Schlossbrunnen und nach einem kurzen Schrei gab es einen dumpfen Aufschlag. Im Brunnen schien kein Wasser mehr gewesen zu sein. "Gut. So geht es auch," sagte Mäckie zu sich selbst und entfernte sich zufrieden. In diesem Moment kam Bambina durch eine Seitentür aus dem Kellergewölbe ins Freie. Sie hatte großen Durst und als sie den Brunnen entdeckte, wollte sie sich ein bisschen Wasser holen. Es war ein alter Brunnen, bei dem man noch mit einem Eimer Wasser hochziehen musste. Mit großer Mühe zog Bambina an dem Seil und schließlich hatte sie den Eimer hochgezogen, doch was sie dann sah, ließ sie zu Tode erschrecken: Sie hatte die Leiche von Simbali Carechild ans Tageslicht befördert! Genau in diesem Augenblick tauchte Eschke Doughter auf und beobachtete mit einem interessierten Blick, was ihre Tochter Bambina so trieb...














