14/II Rendesvouz a Milabu

Es war wie immer ein dümmlicher Morgen in Melody Ville – doch dieser Morgen sollte noch viel dümmer sein als alles bisher dagewesene. Vor der "St. George High School" war seit neuestem ein großes Pappschild angebracht, worauf folgendes stand: "Für unser neues Schultheater suchen wir noch Laiendarsteller. In einer Woche wird das Stück 'Der traurige Tomatentrampel' Generalprobe haben. Bei Interesse meldet euch bitte bei Miss Schlivi im Gerümpelzimmer im Keller. Für Verpflegung ist ausreichend gesorgt. Vielen Dank für eure Teilnahme." Da dieses Plakat mehr als einladend war, hatten sich natürlich fast alle Schüler freiwillig gemeldet, um an diesem tollen Projekt teilzunehmen. Gerade zu diesem Zeitpunkt fand das erste Treffen der Theatergruppe statt und Miss Schlivi musste noch die Rollen verteilen. "Hallihallohallöchen, ich bin die Missy, ihr dürft mich auch Miss Schlivi nennen!" rief sie mit schriller Stimme in den Raum. Vor ihr saßen in einem Halbkreis Graaz, Bambina, Aziza, Luis, Chuck, Ruthie, ihre Cousine Mäckie, und noch ein paar andere Schüler, die alle ein lustloses Gesicht zogen. "Ey, wann gibt’s denn was zu fressen? Wer hat sich den Scheiß eigentlich eingedacht?!" schrie Bambina und schlug wild um sich, weil ihr Magen so sehr knurrte. Ihre Mutter Eschke war seit einer Woche auf Geschäftsreise und hatte Bambina mit einer Dose Hundefutter alleine gelassen. "Ruhe im Karton! Mannometer, gleich schlägts hier aber 13, und zwar volle Kanne!" Miss Schlivi verpasste Bambina eine schallende Ohrfeige und setzte sich dann auf eine Apfelsinenkiste. Sie fühlte sich dadurch sehr erhaben und glotzte zufrieden auf ihre Schüler herab.



Starring
Morgan Brittany as Hillery Carpenter (credit only)
Lisa Rinna as Carrie Carpenter (credit only)
Melissa McCarthy as Dana Beseburgh (credit only)
Steven Culp as Ben Delany (credit only)
James Hyde as Hank Bennett (credit only)
Juliett Mills as Tabatha Lopez (credit only)
Juliett Mills as Tabitha Bennett (credit only)
Nicholle Tom as Graaz Lopez
David Gallagher as Harry Crane (credit only)
Halle Berry as Eschke Doughter
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jan Hoag as Murgy Muschka (credit only)
Danica Stewart as Aziza Barbere
Jacob Young as Chuck de Buck
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Guest Starring
Jessica Biel as Emba van de Driesche
Alexis Bledel as Sära van de Driesche
Catherine Hicks as Miss Schlivi
Mackenzie Rosman as Mäckie Mackenzie

Ein laues Lüftchen wehte vom Melody Lake hinüber nach Milabu, einer vornehmen Gegend von Melody Ville, wo sich unzählige Second-Hand-Shops und Sexkneipen befanden. Inmitten des bunten Treibens tummelten sich die Zwillinge Emba und Sära van de Driesche, die mit ihrem Hund Puff Dog über die Milabu Avenue spazierten und sich die Nasen gierig an den Schaufenstern plattdrückten. Da sie allerdings total blank waren, konnten sie dummerweise nichts kaufen, und neues Geld konnte nun mal nur Murgy Muschka herzaubern, doch die saß derzeit im Gefängnis. "Komm jetzt, Sära, oder willst du hier Wurzeln schlagen?" Emba zerrte ihre Schwester Sära weiter und kurz darauf kamen sie auf den Mehlrosenplatz zu. "Wie geht das, Wurzeln schlagen, Emba, bitte sag es mir, bitte bitte!" bettelte Sära und warf sich kurz darauf flennend auf den Straßenboden, weil Emba ihr keine Beachtung schenkte. Diese hatte inzwischen eine Boutique in Augenschein genommen, in der es von Glitzerklamotten nur so wimmelte. "Schweig still, Sära, jetzt gehts um die Wurst!" zischte Emba und zog eine Wasserpistole aus ihrer Handtasche, die sie bis zum Anschlag mit Wasser aus einem nahestehenden Brunnen füllte. Es war eine Wasserpistole der Marke "Douleurs extrêmes" und Emba grinste diabolisch.

"Wir beginnen jetzt mit der Verteilung der Rollen! Aufgepasst, Kinder, hier spielt die Musik!" rief Miss Schlivi und ging zu der kleinen Schiefertafel, auf der sie mit grüner Kreide eine Personenskizze anzeichnete. "Miss Schlivi, grün auf grün beißt sich! Die Komplimentärfarbe von grün ist rot!" meldete sich Graaz eifrig, doch niemand nahm Notiz von ihr. "Also, in 'Der traurige Tomatentrampel' gibt es genau sechs Hauptrollen sowie eine Menge kleiner unwichtiger Hampelmännchen, die im Hintergrund herumtanzen werden. Luis Figaro, du wirst den traurigen Tomatentrampel spielen. Du musst wissen, die Rolle ist sehr impulsiv, ja sie sprüht vor Leben! Kannst du dir das merken?" "Ja, Miss Schlivi, ich weiß nicht..." "Sehr schön! Als nächstes kommt Bambina Knirsh! Sie spielt die große Liebe vom Tomatentrampel, und zwar die triefende Tortentussi!" "Oh, ey, krass geil! Ich glaub ich spinne!" lachte Bambina hysterisch und fiel Luis stürmisch um den Hals, so dass die beiden zu Boden fielen. "Graaz, du spielst die tötende Trompete!" "Nein, in den zehn Geboten steht, du darfst nicht töten!" fing Graaz an zu heulen. "Das ist mir scheißegal! Entweder du spielst diese Rolle oder ich rufe in Bramsenbach-Dromsenbusch bei Miss Brachmann-Brambach an! Ich hoffe, du weißt was das bedeutet?" Bei dieser Drohung verstummte Graaz sofort und Miss Schlivi fuhr fort. "So, des Weiteren spielt Ruthie Mackenzie die tuffige Tresentunte, ihre Cousine Mäckie die tiefe Tintentraube und Chuck und Aziza spielen die tauben Tratschtassen. Die anderen ziehen bitte ihre Tütüs an und tanzen im Hintergrund! Los, los, los, die Zeit drängt!"

Emba hatte die Pistole hinter ihrem Rücken versteckt, während sie pfeifend durch die Eingangstür der Boutique "Spirenzi’s" hüpfte und so tat, als wenn sie sich für ein Kleid, das aus zwei Hälften bestand, interessierte. Ein paar Sekunden später kam auch schon die Verkäuferin angelaufen und versperrte Emba den Weg. Sie trug eine selbstgebastelte Krone mit vier Zacken auf dem Kopf. "Hallo! Kann ich Ihnen behilflich sein? Dieses Kleid eignet sich hervorragend zum Reiten. Wissen Sie, mein Pony ist mein ein und alles, ich reite doch so gerne über grüne Weiden, ich war auch ganz lange in Kanada und kenne alles von dort. Sie sehen so aus, als wenn Sie sich auch dafür interessieren, habe ich Recht?" grinste sie und Emba las auf ihrem Namenschild den Namen "Es bedient Sie Elenath Spirenzi". Emba kombinierte schnell und richtete die Wasserpistole auf ihre Kontrahentin. "Auf den Boden! Aber schnell, sonst passiert ein Unglück!" kreischte Emba lauthals. Elenath wollte weglaufen, doch in diesem Moment kam Puff Dog angelaufen und biss ihr ins Bein, so dass sie mit einer tiefen Fleischwunde zu Boden stürzte. "Jetzt hat es sich ausspirenzt!" lachte Emba und nahm ihr jeglichen Schmuck ab, bevor sie zur Kasse stürzte und alles mitnahm, was sie darin vorfand. Gerade als Emba den Laden verlassen wollte, versperrte ihr Elenath Spirenzi den Weg. "Ich werde jetzt die Polizei rufen!" kreischte sie, doch das konnte Emba nicht zulassen. Sie fackelte nicht lange und spritzte Elenath mit der Wasserpistole gegen ihr Hosenbein. "Schauen Sie nur, der Hund hat sie angepinkelt!" "Oh mein Gott! Wie furchtbar!" jammerte Elenath und lief heulend in den Personalraum, während Emba die Chance nutzte und ins Freie flüchtete.

"Oh, du trottelige Terrassenschlampe, du bist doch meine große Liebe, wie kannst du mich bloß für diesen trendigen Tapetentänzer verlassen!" leierte Luis seinen Dialog für das Theaterstück herunter. "Miss Schlivi, ey, so geht das einfach nich, ich kann mit diesem Typ hier nich spielen, das geht krass gar nich," beschwerte sich Bambina lauthals. "Ich will ein Star werden, aber das, das macht meine ganze Karriere den Bach herunter, verstehst du? Ich will Schmerzensgeld verklagen, hörst du? Meine Mama ist beim Fernsehen, die weiß, wo die Welt spielt. Die kennt sich aus, das sag ich dir, ey!" "Halten Sie Ihr dreckiges Maul!" ging Ruthie Mackenzie dazwischen. Sie zog Bambina zuerst an den Haaren, trat ihr dann in den Rücken und drückte sie zu Boden. "Geh zurück in dein Loch!" rief Mäckie und lachte diabolisch. Sie und Ruthie klatschen ab und probten danach für die Prügelszene zwischen der Tresentunte und der Tintentraube. "Bambina, also wirklich, schau doch an, was du angerichtet hast! Das schöne Kleid, es hat einen Riss am Rücken, und wir haben doch kein Geld, um ein neues zu kaufen!" keifte Miss Schlivi und haute Bambina mit einem Rohrstock auf die rechte Hand, so dass es durch den ganzen Raum schallte. Im Hintergrund kamen währenddessen Aziza und Chuck vorbeigelaufen, die auf ihren Blockflöten übten. Sie sollten bei der Aufführung das Stück "Nous puons tous après des déchets" vorspielen, hatten aber bisher total vergessen, die Noten zu suchen. "Jetzt kommt das große A mit Kreuz!" dirigierte Aziza ihren Freund Chuck, der verzweifelt versuchte einen Ton hervorzubringen. In diesem Moment kam Ruthie hinter ihm hervorgekrochen. Sie schlug ihm mit der Faust auf den Rücken und zischte "Du musst fester pusten!" Vor Schreck biss Chuck mit den Zähnen auf seine Blockflöte, die in seinem Mund in viele kleine Teile zersplitterte. Ruthie freute sich diebisch, während Chuck aus dem Mund blutend und heulend zur Toilette rannte.

Emba hatte sich mit dem gestohlenen Geld auf der Shoppingmeile vergnügt und sich danach auf dem Bahnsteig des Bahnhofs umgezogen. Es war ihr egal, dass ihr alle Passanten zugucken konnten – schließlich wollte sie später beruflich in die Pornobranche einsteigen und da war ihr jegliche Promotion recht. Nachdem sie fertig war, liefen sie und ihre Schwester Sära im Hopserlauf zum Busbahnhof. Es dauerte nicht lange, bis ein klappriger Doppelstockbus herangefahren kam, bei dem schon alle Blinklichter herausgebrochen waren. Auch die Fensterscheiben waren zum größten Teil eingeschlagen. Auf dem Schild stand "Peking – Melody Ville in 30 Tagen" und die beiden Mädchen schauten gespannt zu, wie der Bus anhielt und die Türen mit einem lauten Quietschen aufgingen. "Pass auf, jetzt geht’s rund," stieß Emba ihre Schwester in die Rippen, so dass diese vor Schmerzen aufheulte. "Treib’s nicht zu bunt," schluchzte sie und schnäuzte sich die Nase mit einer Papiertüte, die sie vor ein paar Augenblicken aus einem Mülleimer gefischt hatte. "Da sind sie!" Emba deutete mit dem Zeigefinger auf zwei asiatische Jungen, die gerade aus dem Bus gestiegen waren und sich anhand einer zerrissenen Karte zu orientieren versuchten. "Hallo! Ich bin Emba und das ist meine missratene Schwester Sära! Die könnt ihr direkt vergessen, ich bin nämlich hier der Star!" begrüßte Emba sie und versuchte gleichzeitig Sära davon abzuhalten, mit den beiden in Kontakt zu kommen. "Wil Tantu und Pantu San-Tu flom China. Wil haben Blind-Date, ist das lichtig so?" sagte einer der beiden, doch anstatt zu antworten steckte Emba direkt ihre Zunge in seinen Hals.

"Ich habe zu Ohren bekommen, dass es hier große Probleme gibt, und zwar so groß wie von New York zum Big Apple!" Eschke Doughter kam durch die Eingangstür zum Keller der Schule gestürmt und hielt ihr Mikrofon in den Händen, mit dem sie bis vor zehn Minuten eine Live-Reportage über die Ameisenplage in der Route saléte gesendet hatte. In Eschkes Schlepptau befand sich der Kameramann Max, der auch schon bei der Flutkatastrophe mit ihr zusammengearbeitet hatte. "Wer sind Sie, was machen Sie hier – und vor allem, von wem werden Sie eingekleidet? In diesem Kleid sehen Sie aus wie eine fette Bratkartoffel," sagte Miss Schlivi abfällig und versperrte Eschke den Weg. "Schauen Sie sich doch mal selbst an, Karottenjeans sind out und dass schon immer! Und jetzt gehen Sie mir aus dem Weg, ich werde die Sache jetzt in die Hände nehmen!" "Sie haben doch keinerlei Ahnung von theatralischer Kunst! Noch einen Schritt weiter und ich rufe die Telefonseelsorge an! Die werden Ihnen schon die Leviten lesen!" "Aus dem Weg sag ich!" schrie Eschke und rammte Miss Schlivi gegen die Schulter, so dass diese wie ein Sack Mehl zu Boden stürzte. "Bambina?! Wo bist du, du kleines Flittchen?! Ich werde nicht zulassen, dass die Schwester der Tante meiner Nichte in einer derartigen Produktion mitspielt!" "Was labern Sie da für einen Schwachsinn? Ich dachte Bambina ist Ihre Tochter?" fragte Luis geschockt und auch Graaz war erschüttert über diese Neuigkeit. "Das ist alles Verleumdung! Ihr müsst nicht alles glauben, was auf MD-TV in den Nachrichten kommt! Die senden eh nur Scheiße! Ich muss es schließlich am besten wissen! Nicht wahr, Max?! MAX?!" Eschke drehte sich nach allen Seiten um und sah dann, wie ihr Kameramann vor seiner Kamera stand und in ein Mikrofon sprach. "Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von 'Melody Gossip'! Wie wir gerade exklusiv mitbekommen haben, scheint Eschke Doughter, Bürgerin dieser Stadt, gar keine Tochter zu haben. Wir bleiben am Ball, schalten Sie nicht um, wir haben die Stars, die anderen nicht!" Max setzte ein billiges Lächeln auf und warf sein nicht vorhandenes Haar galant in den Nacken, um sexy auszusehen.

Nach der ersten Begrüßung hatte Emba die beiden chinesischen Zwillinge Tantu und Pantu in ein asiatisches Restaurant geschleppt, wo die drei an einem Tisch in einer Ecke Platzt genommen hatten. Sära war zwar auch dabei, doch Emba hatte ihr einen Knebel verpasst, damit sie das Treffen nicht durch ungeschickte Einwürfe stören sollte. Außerdem hatte Emba der Bedienung gesagt, dass sie doch bitte einen Kinderstuhl für Sära besorgen sollte. "Wisst ihr, ich wollte euch mal in ein besonderes Restaurant ausführen. Asiatische Küche, so was bekommt ja nicht jeden Tag," lachte Emba und schaute erfreut in die Speisekarte. "Ich glaube ich nehme den pfeffrigen Blaubeerauflauf mit Hagebuttensauce und gebratenen Nudeln – und ihr?" "Ich glaube, wil tlinken nul einen Fencheltee," meinte Pantu mit einem miesen Gesichtsausdruck. "Hach, ihr seid wohl auf Diät, habt ihr auch gut nötig, nicht wahr?" zwinkerte Emba und schwabbelte an seinem Bierbauch herum. "Ich muss sagen, unser Blind Date gefällt mir ausgesprochen gut, so was könnten wir öfters machen!" "Wil nicht. Wil sind hiel um zu heilaten, und wil haben gehölt, dass es in Melody Ville viele willige Flauen gibt, die auch noch fleiwillig fül Geld mit Männeln ins Bett gehen." Pantu setzte ein schleimiges Grinsen auf und Emba konnte schwören, dass ihm dabei sogar der Sabber aus dem Mund lief. "Oh ja, da habt ihr Recht! Ich mache so etwas mit Freude!" rief sie entzückt aus und öffnete den obersten Knopf ihrer Bluse, um Pantu anzumachen. "Machst du mir jetzt einen Antrag?" "Wel ledet denn von dil, du billige Nutte! Wil wollen die da dlüben!" Pantu deutete auf Sära, mit der Tantu schon lange per Augenkontakt geflirtet hatte. "Oh nein, so geht es ja nun nicht! Und ich habe euch vertraut!" Emba scheuerte Pantu eine, nahm dann ihren Teller Nudeln und schüttete sie über seinen Kopf. Anschließend ließ sie den Teller auf Tantus Kopf zerschellen, so dass dieser mit einer Platzwunde am Kopf in Ohnmacht fiel. "Schnell weg hier! Komm endlich Sära, oder muss ich dir erst Beine machen?!" Emba setzte Sära in einen Bollerwagen und rannte dann so schnell wie es ging mit dem Wagen und Puff Dog im Schlepptau nach draußen. Inzwischen war es in Milabu Nacht geworden.

Letzte Aktualisierung: 10.06.2010

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