10/II Le juge Ruthie

Es war noch recht früh an diesem Morgen, als Ruthie Mackenzie das Gericht von Melody Ville betrat. Die Vögelchen zwitscherten und die Sonne strahlte fröhlich vom Himmel herab – doch für Ruthie war es ein rabenschwarzer Tag, denn sie wurde heute vor den Richter geführt und sollte wegen ihrer Bombenlegerei verurteilt werden. Mit Handschellen gefesselt wurde sie von einem Gerichtsdiener in den Verhandlungssaal geführt, wo bereits eine Menge Leute saßen. Als sie Ruthie sahen, sprangen einige von ihnen entsetzt auf, zeigten mit dem Finger auf sie und schrien Sachen wie "Ich brech ihr ein Bein" oder "Knüppelt sie nieder". Ein paar Leute hatten auch faule Eier und reife Tomaten mitgebracht, die sie nun auf die wehrlose Ruthie warfen. "Damit könnt ihr mich nicht einschüchtern! Ihr seid ja solche hinterhältigen Ratten!" zischte Ruthie und wollte auf die Menge losgehen, doch der Gerichtsdiener zog sie an den Schultern und drückte sie mit aller Kraft nach unten auf einen Stuhl. "Aua, lassen Sie ihre dreckigen Finger von meinen Haaren! Wissen Sie eigentlich wie viele Stunden es gedauert hat, bis sie so gelockt waren wie jetzt?! Starren Sie gefälligst nicht so auf meine Beine, Sie lüsternde Drecksau!" "Ruhe im Saal!" schrie die Richterin und haute fest mit der Faust auf ihr Pult. "Ja, auch Sie, Miss Mackenzie, das hier ist keine ausgelassene Geburtstagsparty mit Topfschlagen und Eierlauf, sondern eine knallharte Gerichtsverhandlung, ich hoffe Sie sind sich dessen bewusst!" "Sie glauben gar nicht, wie vielen Sachen ich mir bewusst bin! Aber das übersteigt wahrscheinlich ihren Horizont, Sie kleine Putenschlampe!" antwortete Ruthie in einem zickigen Ton und blitzte die Richterin mit einem bösen Blick an.



Starring
Morgan Brittany as Hillery Carpenter (credit only)
Lisa Rinna as Carrie Carpenter (credit only)
Melissa McCarthy as Dana Beseburgh (credit only)
Steven Culp as Ben Delany (credit only)
James Hyde as Hank Bennett (credit only)
Juliett Mills as Tabatha Lopez (credit only)
Juliett Mills as Tabitha Bennett (credit only)
Nicholle Tom as Graaz Lopez
David Gallagher as Harry Crane (credit only)
Halle Berry as Eschke Doughter (credit only)
Jesse Metcalfe as Luis Figaro
Keshia Knight-Pulliam as Bambina Knirsh
Jan Hoag as Murgy Muschka (credit only)
Danica Stewart as Aziza Barbere
Jacob Young as Chuck de Buck (credit only)
Landry Allbright as Ruthie Mackenzie
Guest Starring
Jessica Biel as Emba van de Driesche
Tyne Daly as Hilde Schermutzki
Courtnee Draper as Piston Rogers

"Ich habe solche Angst!" heulte Graaz bitterlich und vergrub ihren Kopf zwischen ihren Händen. Sie saß gemeinsam mit Bambina, Emba und Luis in ihrer Klasse in der "St. George High School". Heute war der letzte Tag vor den Sommerferien und es gab Zeugnisse. "Wieso denn? Du hast doch eh nur Einsen auf dem Zeugnis – oder hast du etwa etwas Schlechteres?" wollte Bambina wissen und Emba grinste fies. "Ja, in Sexualkunde, da hat sie eine 5-! Die arme verklemmte Graaz, als alte Jungfrau wird sie sterben, hahaha!" "Gar nicht wahr, ich habe schon einmal einen Jungen –," sagte Graaz schnell und alle schauten sie mit großen Augen an. "Ja??!" fragten alle drei ungläubig. "Angefasst," antwortete Graaz mit leiser Stimme und schaute beschämt. "Oho, Graaz, du heißer Feger!" meinte Emba bewundernswert. "Und wo?" "Am Arm," gab Graaz schließlich zu und wurde dabei rot wie eine Tomate. "Oh je, bei dir ist wirklich Hopfen und Malz verloren," winkte Emba ab. In diesem Moment betrat Hilde Schermutzki pfeifend die Klasse und knallte die Zeugnisse mit einem lauten Geräusch auf das Pult. "Guten Morgen, Klasse 8a!" Sie blickte fröhlich in die Runde. "Wie ihr ja alle wisst, beginnen gleich die großen Ferien! In dieser einen Woche könnt ihr machen was ihr wollt, wo ihr wollt und wie ihr es wollt. Aber meine Nichte Olga, die Ilonka ne, die wollte ja auch immer Sängerin werden – aber se war ja zu nix zu gebrauchen, dooo – ach so, falscher Text, Entschuldigung. So, jetzt gibt es also die Zeugnisse. Für einige von euch wird das sicher der schwärzeste Tag ihres Lebens werden!"

"Die Verhandlung ist nun eröffnet!" rief die Richterin mit schriller Stimme und setzte sich ihre kleine Nickelbrille auf die Nase. "Als erste Zeugin rufe ich Piston Rogers auf." "Was? Die alte Dreckssau ist auch hier? Das ist doch nicht zu fassen!" kreischte Ruthie empört auf, während Piston durch die Tür kam und sich auf einem Stuhl im Zeugenstand niederließ. "Zäumen Sie Ihre Zunge, Miss Mackenzie, ansonsten muss ich Sie bitten den Raum zu verlassen," fuhr die Richterin ihr über den Mund und wandte sich dann an Piston. "Miss Rogers, bitte erzählen Sie uns, wie lange Sie Miss Mackenzie schon kennen und schildern Sie uns ein paar Eindrücke über sie." "Oh, das ist einfach. Wir kennen uns bereits seit der Geburt, denn wir wurden damals im Krankenhaus vertauscht. Sie war schon als Baby eine hinterhältige Schlange und hat mich im Krankenhaus aus meinem Laufstall geworfen und sich als mich ausgegeben, weil sie wusste, dass meine Eltern reich sind. Ich musste im Kinderheim aufwachsen und konnte den Irrtum leider nie aufklären," schluchzte Piston und zog ein Taschentuch aus ihrer Handtasche, um sich die Tränen abzutrocknen. "Gar nicht wahr, du alte Schlampe, du lügst doch wie gedruckt!" schrie Ruthie und wollte aufspringen, doch der Gerichtsdiener knickte ihr den Arm auf den Rücken, so dass sie wie am Spieß brüllte. "Als wenn du das Gegenteil beweisen könntest," grinste Piston. "Sie wollen auch einen Eindruck über Ruthie? Oh, da kann ich Ihnen eine Menge erzählen."

"Emba, ich muss sagen, du hast dich hervorragend und tapfer geschlagen in deinem ersten Schuljahr hier in Melody Ville. Jaja, die gute europäische Erziehung, nicht wahr? Besonders in den Fächern Mode, Sexualkunde und Tau ziehen hast du ja eine Menge Punkte erreichen können, ich gratuliere dir herzlich!" Hilde tätschelte Emba über den Kopf. "Wo ist eigentlich deine Schwester, die dumme Sära? Die hat ja selbst in Slowenisch 0 Punkte, dabei ist es ja das einfachste, was es gibt! Und hier guck mal, ihre beste Note ist eine 5+ in Kartoffel schälen, also bitte, damit kann sie sich ja höchstens auf einem Frachtkutter bewerben!" "Tja, um ehrlich zu sein, genau das war immer ihr Berufswunsch," antwortete Emba und streichelte über ihr Zeugnis. "Aber ich befand es für besser, wenn Sära erst einmal in eine ganztätige Einrichtung kommt, wo sie genügend Pausen zum Spielen hat. Sie darf sogar ihr rotes Bobbycar dorthin mnehmen. Es ist die 'Le Babygirl a des douleurs'-Stiftung." "Jaja, von mir aus," meinte Hilde genervt und ging danach in die hintere Reihe. "Bambina, ich weiß wirklich nicht mehr, wie das noch weitergehen soll. In diesem Schuljahr hattest du fünf entschuldigte Fehlstunden, ich hoffe du erkennst den Ernst der Lage. So schlimm war es wirklich noch nie und ich dachte, du wärst stolz darauf, die Schwänzerin Nummer eins zu sein. Tja, den Posten muss ich dieses Jahr leider neu vergeben." "Was? Aber Frau Schermutzki, nein, das dürfen Sie nicht machen, bitte, ich werde nächstes Jahr nur noch fehlen, ich verspreche es, aber ich brauche diese Auszeichnung, es ist das Einzige, was mir in meinem Leben noch Freude bereitet! Ich hätte wirklich nie damit gerechnet, bitte, das müssen Sie mir glauben!" "Tja, erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt! Die Auszeichnung geht dieses Jahr an Aziza Barbere! Hallo, wo ist sie denn? Sag doch mal laut Kuckuck, damit ich dich finde!" "Wo soll eine Schwänzerin des Jahres schon sein? Sicher nicht in der Schule," jammerte Graaz und kaute nervös an ihren Fingernägeln.

"Wissen Sie, Ruthie Mackenzie war schon immer ein sehr diabolisches Wesen und hegt einige Geheimnisse, die niemand weiß – außer mir natürlich," sagte Piston Rogers und schaute mit einem vielsagenden Blick ins Publikum. "Ich knall dir gleich eine, dann weißt du gar nichts mehr!" schrie Ruthie. "Wie Sie vielleicht wissen, hat Ruthie Mackenzie bereits im Alter von 11 Jahren eine Schwangerschaft vorgetäuscht, um an das Geld des Millionärs Raffi de Mahaffy zu kommen. Aber ihre Schwiegermutter ist hinter ihr Geheimnis gekommen und deswegen musste Ruthie wirklich schwanger werden. Dann hat sie sich meinen Verlobten geschnappt –," erzählte Piston Rogers mit tränenerstickter Stimme, doch sie wurde von der Richterin unterbrochen. "Moment, nur damit ich das richtig verstehe: Sie waren mit 11 Jahren bereits verlobt?!" "Nein, zu diesem Zeitpunkt war ich schon 12," antwortete Piston mit erhabenem Blick. "Darf ich bitte fortfahren?" "Aber natürlich." "Also, sie hat sich meinen Verlobten geschnappt und hat sich von ihm schwängern lassen. Das Kind hat sie dann im Death Valley zur Welt gebracht, doch es wurde ihr direkt nach der Geburt vom Jugendamt weggenommen. Um Mahaffy vorzuspielen, dass sie wirklich ein Kind bekommen hat, hat sie dann das Kind ihrer Cousine Mäckie Mackenzie gestohlen und als ihr eigenes ausgegeben. Der Schwindel ist aber irgendwann aufgeflogen, als der richtige Vater des Kindes bei der kirchlichen Eheschließung von Ruthie und Mahaffy aufgetaucht ist." "Das ist eine infame Lüge! Du guckst wohl zu viele Seifenopern! Das zahle ich dir heim, du kleine Bitch, du wirst schon noch sehen! Du wirst dich umschauen, das glaub mal nur!" schrie Ruthie und drohte Piston mit erhobenem Zeigefinger. "Das Gericht wird sich nun zurückziehen und sich beraten. In einer halben Stunde wird das Urteil gefällt," verkündete die Richterin und verschwand mit ihren Kollegen im Nebenzimmer.

"Luis, ich muss schon sagen, deine Noten in Deutsch und Französisch sind immer besser geworden. Dafür bekommst du auch einen Lolli." Hilde reichte ihm einen blutroten Lutscher, den er sich sofort in den Mund stopfte und daran nuckelte. "Vielen Dank, Miss Schermutzki. Hmm, schmeckt so gut wie Oma Walpurgas Walnusstorte." "Ja, kein Wunder, das ist es ja auch. So und nun zu dir, Graaz Bennett!" "Mein Nachname ist Lopez," antwortete Graaz schüchtern und schaute ihre Lehrerin mit großen Augen an. "Ach ja? Ich dachte Tabitha ist deine Mutter?" "Nein, meine Mutter heißt Tabatha, Tabitha ist die Mutter von meiner verstorbenen Cousine Valery, und der Freund von meiner Mutter heißt Hank und den musste ich vor ein paar Wochen heiraten, es war eine Zwangshochzeit, die meine Großmutter arrangiert hat." "Papperlapapp, halt endlich den Mund, deine Leidensgeschichte interessiert doch wirklich niemanden!" fuhr Hilde ihr über den Mund. "Was viel mehr interessiert, sind doch deine Noten, nicht wahr? Du hast es tatsächlich geschafft, in allen Fächern eine 1+ zu bekommen – bis auf eins." "Oh nein, ich habe es geahnt!" zitterte Graaz ängstlich. "Kindchen, deine Versetzung ist ernsthaft gefährdet, zum Glück konntest du es durch die anderen Noten ausgleichen, aber wenn du nicht ab sofort Nachhilfe in Sexualkunde nimmst, wird das böse enden, da mache ich dir nichts vor! In den Sommerferien wirst du alles nachholen, was du nicht kannst. Wenn du nächstes Schuljahr wieder so versagst, wird das nichts mehr mit dem Highschoolabschluss, dooo, das kannst du mir glauben!"

Nach der Schule waren Graaz, Luis und Bambina ins neue Café in der Milabu Avenue gegangen. Emba war nicht mehr mitgekommen, denn sie musste Sära aus der Kinderkrippe abholen. Der Inhaber war ein gewisser Joe Waldschrath, der gerade in der Küche stand und eine schmierige Pampe in einem großen Kessel umrührte. "Was kann isch eusch bringe?" fragte die Kellnerin. Es war niemand Geringeres als Aziza Barbere, die Bambina den Titel als Schwänzerin des Jahres abspenstig gemacht hatte. "Wir hätten gerne drei große Eisbecher mit viel Ketchup," meinte Luis und gab Aziza einen höflichen Handkuss. "Aber sischer. Geschnitten oder am Stück?" "Geschnitten, wenn’s geht, hauchfein." "Warum warst du denn heute nicht in der Schule? Es gab doch Zeugnisse," wollte Graaz wissen. Ihre Augen waren ganz verheult, denn die Standpauke von Hilde hatte sie in eine große Depression versetzt. "Haha, seid ihr doof, ey? Schule? Was soll das sein?" wunderte sich Aziza und notierte sich die Bestellung mit Strichzeichen auf ihren Zettel. "Schule ist, da geht man hin und lernt was," erklärte Bambina ihr mit einem feindlichen Blick. "Ich weiß auch nicht, wer sich den Scheiß eigentlich eingedacht hat. Oh man, was macht ihr eigentlich in den Ferien?" "Ich muss Nachhilfe nehmen – in Se... Se... ualkunde," schluchzte Graaz und sie traute sich nicht einmal das Wort auszusprechen. "Und du?" "Ich fahre mit meiner Mama Eschke in die Karibik! Da gehen wir surfen, schwimmen und Ski fahren, ist das nicht krass?" rief Bambina begeistert. "Aber du kannst doch gar nicht schwimmen?" wunderte sich Graaz und Bambina schlug die Hände vors Gesicht. "Oh nein, ich kann nicht schwimmen! Ist das nicht oberkrass? Ich muss sofort meine Mama callen und ihr den Newsflash machen, ey."

Nach einigen bangen Minuten kehrte die Richterin in den Gerichtssaal zurück. "Bitte erheben Sie sich. Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Die Angeklagte Ruthie Mackenzie, geschiedene Mahaffy, verwitwete Rossman, Monndieu, van de Hahnenkeks – blablabla, das reicht jetzt, mein Gott, wie oft waren Sie denn verheiratet?" "Das geht Sie einen Scheißdreck an!" zischte Ruthie und streckte der Richterin die Zunge heraus. "Also noch mal von vorne: Die Angeklagte Ruthie Mackenzie wird wegen Bombenlegung und Gefährdung des öffentlichen Lebens in der Stadt Melody Ville zu 35 Jahren Einzelhaft in einer Gummizelle in der psychiatrischen Klinik 'Champ de carotte' in Bramsenbach-Dromsenbusch verurteilt." "Nichts da! Ha, das habt ihr euch ja fein ausgedacht, aber nicht mit mir!" kreischte Ruthie Mackenzie und sprang mit einem Satz von ihrem Stuhl auf. "Ihr habt euch ja so was von getäuscht, das glaubt ihr ja gar nicht!" Sie riss ihre Bluse mit einem Ruck auf und darunter kam eine schwarze Richterrobe zum Vorschein. Ein Raunen ging durch die Menge und man konnte Sachen wie "Was hat sie vor" und "Stopft ihr das Maul" heraushören. "Miss Mackenzie, ich muss Sie wirklich eindringlich bitten, sich wieder hinzusetzen!" befahl die Richterin, doch Ruthie dachte gar nicht daran. Sie pfiff zweimal laut, die Türen des Saales öffneten sich und hinein kamen drei kräftige Männer in schwarzen Anzügen und Sonnenbrillen. Zwei davon sorgten dafür, dass die Richterin von ihrem Platz geworfen wurde, während der andere ein Megafon auspackte. "Willkommen bei Richterin Ruthie Mackenzie, bienvenu chez le juge Ruthie!" brüllte er hinein. Ruthie hatte inzwischen hinter dem Pult Platz genommen und schaute mit einem garstigen Blick in die Runde. "Tja, damit habt ihr wohl nicht gerechnet, ihr erbärmlichen Kartoffelhuren! Jetzt kommen wir zum Wesentlichen: Die Angeklagte Piston Rogers wird wegen Verleumdung und verbaler Gewalt zu lebenslänglicher Haft auf der Insel Sankt Helena verurteilt! Und jetzt schafft dieses Biest endlich aus meinen Augen!" Sie wandte sich an ihren Gerichtsschreiber, der neben ihr saß. "Los, den nächsten Fall, aber zacki zacki!" "Oh, dafür wirst du bezahlen Ruthie, das schwöre ich dir!" zischte Piston Rogers, als ihr Handschellen angelegt wurden und sie von der Polizei abgeführt wurde.

Letzte Aktualisierung: 10.06.2010

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